ClubDerKlarenWorte

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83 Millonen Häftlinge?

Mich beschleicht seit Monaten ein diffuses Unwohlsein, hier in der Mitte der Gesellschaft, in der ich mich immer sehr wohl fühlte. Dieses Unwohlsein fraß sich in den letzten Wochen vom Kopf in den Magen, der sich nun täglich umdrehen möchte. Es begann exakt an dem Tag, als Volksvertreter dem Volk erklärten, sie würden es nun lockdownen, wegsperren.

Worte sind ein scharfes Schwert, das wissen sehr gut gute Politiker, gute Journalisten oder gute Strafverteidiger. Ich habe meinen Wehrdienst bei der psychologischen Verteidigung abgeleistet, dort hieß es immer „Unsere Waffe ist das Wort.“ Zu recht. Worte steuern Ihr Handeln, Ihr Denken. Worte können einen Endorfinschub, Adrenalinschub, Suizidschub auslösen oder auch bei erhöhter Dreingabe Menschen radikalisieren.

Das mächtigste Wort in diesen Monaten ist „Lockerung“. Unreflektiert, sträflich inflationär millionenfach verwandt, von Politikern und Journalisten, macht es 83 Millionen Deutsche zu Häftlingen.
Der Begriff der Lockerung ist konnotiert mit Strafvollzug und Justizvollzugsbeamten mit dickem Schlüsselbund. Im Strafvollzugsgesetzt lautet der § 11, Lockerung des Vollzugs.

„Als Lockerung des Vollzuges kann namentlich angeordnet werden, daß der Gefangene außerhalb der Anstalt regelmäßig einer Beschäftigung unter Aufsicht (Außenbeschäftigung) oder ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten (Freigang) nachgehen darf oder für eine bestimmte Tageszeit die Anstalt unter Aufsicht oder ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten (Ausgang) verlassen darf.“
Das Bürger zu hunderttausenden auf die Straße gehen und ihren Sorgen und ihrem Gefühl der Gefangenschaft Ausdruck verleihen, ist zu einem nicht unerheblichen Teil der psychologischen Macht des Wortes „Lockerung“ geschuldet, das sich hoffentlich nur unbedacht in unseren Köpfen & Körpern wie eine Zecke eingenistet hat und dem Wirt nicht nur Kräfte absaugt und Magensausen verursacht, sondern ihn auch mit Widerstand2020 (sic) infiziert.
Dieses Wort „Lockerung“ steuert unser Denken, es ist toxisch für unser Gemeinwesen.
Die deutsche Sprache ist bekanntermaßen reichhaltig und präzise. Warum verwenden wir nicht die positive Kraft der Begriffe „zurückgefahren“ oder „aufgehoben“? Die „Maßnahmen werden wieder liberalisiert“.

In Bayern wäre es z.B. einmal mehr ein gelebtes liberalitas bavariae ?

Es war der Universalgelehrte Leonardo da Vinci, dem der Satz zugesprochen wird:
„Durch das gesprochene Wort fallen mehr Schlachtopfer als durch das Schwert.“

Ihr
Markus Langemann
clubderklarenworte.de

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4 Antworten

  1. Hi,
    zunächst einmal vielen Dank, Herr Langemann, für Ihre Initiative und die anregenden Beiträge; der Fokus auf das Selberdenken ist nötiger denn je, zumal wir sehen, dass Kritik an der Mehrheitsmeinung sich zu oft zu einer neuen Erzählung entwickelt, die dann auch das Gleuben einfordert.

    Das Wort „Lockdown“ steht stellvertretend für eine ganze Erzählung, die durch Experten ihre Wahrheit und durch `die da oben´ ihre Legitimierung erhalten soll, und trotzdem nur deshalb so gut funktioniert, weil so viele Menschen ihr Glauben schenken. Interessant dabei ist, dass dieses Narrativ eigentlich ungeheuer schwach daherkommt, weil es auf wenigen belastbaren Zahlen beruht, und es auch kaum stört, dass vermeintliche Kausalitäten gar keine sind. So werden die Corona-Toten als Beweis für die Falschheit des Schwedischen Weges angesehen, obwohl Zählweise, Gesundheitswesen, tatsächliche Todesursache etc. nur begrenzt mit der Anzahl der positiven Tests korreliert; und auch die kann man wiederum nicht einfach mit der Anzahl der Infizierten gleichsetzen, wenn man nicht die Durchseuchung kennt. Dabei ist das eigentlich nicht schwer zu verstehen und es gibt genug Informationsquellen, die helfen selbst zu denken und so zu Erkenntnissen zu gelangen, die je nach dann eigener Auffassung eine Relativierung des Narrativs zulassen.
    Schon beim Klima-Narrativ fällt auf, dass Gegenstimmen pauschal diskreditiert werden – jeder Zweifel ist dem Glaubenden zuwider; so gesehen sind wir Deutschen, aber nicht nur wir, kein Volk der Denker, wir haben nur unsere Religion geändert oder sie ergänzt 🙂

    Ich habe hierzu eine kleine Satire geschrieben, die ich angehängt habe

    In der Sache `Klima Narrativ gegen Corona-Narrativ´
    Es ertönt ein lautes und dumpfes Klopfen, welches sich nun dreimal wiederholt; dann sagt eine Stimme: „Bitte erheben Sie sich zur Verkündung der Entscheidung“.
    Schiedsrichter Rephaim Ranfoh kommt herein, rückt seine Brille zurecht und wendet sich an die Anwesenden: „In der Sache Klima-Narrativ gegen Corona-Narrativ haben wir wie folgt entschieden: Die Klage wird abgewiesen.
    Zur Begründung des Urteils setzen Sie sich bitte.
    Zur Klage: das Klima-Narrativ erhebt gegenüber dem Corona-Narrativ den Vorwurf, dessen Strategie und Alleinstellungsmerkmale kopiert zu haben, um den `Reiz des Neuen´ nutzend das Klima-Narrativ vom ersten Platz globaler Aufmerksamkeit zu stoßen und selbst diesen Platz einzunehmen.
    Wir hatten also zwei Fragen zu prüfen; zum Ersten, ob das Corona-Narrativ tatsächlich die dem Klima-Narrativ eigenen Strategien und Merkmale übernommen hat, und zweitens ob, wenn dem so sein sollte, diese maßgeblich dazu geführt haben, dass dem Corona-Narrativ nun die unbestrittene volle globale Aufmerksamkeit zum Nachteil des Klima-Narrativ zu Teil wird, die ja bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch erhält.

    Beginnen wir mit der strategischen Positionierung beider Narrative: das Klima-Narrativ hat seinen Ursprung in der Beobachtung, dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre seit einem bestimmten und genannten Zeitpunkt linear angestiegen ist und immer weiter ansteigt. Es hat einige Jahre gedauert, bis hieraus eine kraftvolle Erzählung mit globaler Akzeptanz entwickelt werden konnte. Entsprechend ihrer Kernaussage ist dieser Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur, Stichwort `Globale Erwärmung´ allein durch den Menschen mit seinen vielfachen Aktivitäten verursacht. Als Folge dieses `Menschen gemachte Klimawandels´ wird postuliert, dass er in eine finale Katastrophe für den Planeten und seine Bewohner führen wird, wenn die Menschen ihre CO2-Emissionen nicht drastisch reduzieren, am besten auf Null herunterfahren. Die Herausforderung für das Narrativ besteht nun darin, andere Ursachen eines Klimawandels, seien sie durch Menschen initiiert, wie die direkte Erwärmung oder die weitgehenden Veränderungen des Gesichts des Planeten, oder seien sie bestimmt durch Naturphänomene, wie die Sonne, die Meeresströmungen oder kosmische Strahlung, diese Phänomene also bestenfalls als vernachlässigbare Randerscheinungen in den Studien deutlich werden zu lassen. Denn nur, wenn einem so komplexen Geschehen wie die Änderung des Klimas, die sich ja schon immer vollzogen hat, ein monokausaler Zusammenhang zugeschrieben werden kann, lassen sich fokussierte Gegenmaßnahmen auch einer breiten Masse vermitteln, und für diese trotz negativer Begleiterscheinungen eine Akzeptanz herstellen.

    Das Corona-Narrativ hat seinen Ursprung zunächst in einem einzigen Land, von dem es sich allerdings sehr schnell in so gut wie alle Länder weltweit ausgebreitet hat. Seine Kernaussage postuliert einen äußerst gefährlichen Virus mit sehr großer Ausbreitungsgeschwindigkeit. Diese wäre innerhalb angemessener Grenzen zwar relativ gut bestimmbar, jedoch konnte ihre Bedeutung mit Hilfe eines mathematischen Konzepts sehr viel wirkungsvoller dargestellt werden. Gemäß diesem Modell breitet sich jeder Virus exponentiell aus, einem Phänomen, welches nicht selten als dem Menschen gedanklich schwer zugänglich beschrieben wird. Hieraus, wie auch aus der angenommenen Gefährlichkeit des Virus, wurde dann eine Sterblichkeit von um die 10% bezogen auf die Infizierten, für Deutschland aber mindestens 1,5 Millionen Tote, innerhalb eines Jahres prognostiziert, wenn nicht durch geeignete Maßnahmen, das Virus eingedämmt werden kann. Für den Glauben an das Corona-Narrativ ist es wichtig, die Einzigartigkeit eines neuen Corona19-Virus herauszustreichen, und etwaige Vergleiche sowohl mit den bereits bekannten Corona-Viren als auch mit den regelmäßig auftretenden Grippeviren im Keim zu ersticken. Auch Begleiterscheinungen, wie Vorerkrankungen und spezifische Altersstrukturen der Betroffenen, sowie deren Lebensumstände, aber auch die Qualität und Belastung der Gesundheitssysteme, und den durchgeführten Therapien mit seinen Medikationen und physischen Behandlungen konnten so dargestellt und sorgsam eingeordnet werden, dass sie die dem Corona-Virus zustehende Aufmerksamkeit unterstützend zur Seite standen und immer noch stehen. Indem sehr stark auf die Neuartigkeit abgehoben wird, hilft fehlendes Wissen eher dem Zutrauen zu den Experten, als dass es ihnen schadet; und die Unstimmigkeiten in den Bewertungen der Sachlage und in den getroffenen Gegenmaßnamen gerade zu Beginn der Pandemie konnten als taktisches `Fahren auf Sicht´ als vernünftig und angemessen kommuniziert werden.

    Während also das Klima-Narrativ sehr stark auf im Grunde alles auslöschende Endzeitszenarien setzt, die aber, weil in relativ ferner Zukunft liegend, eher nachfolgenden Generationen zum Schaden gereicht, fokussiert das Corona-Narrativ eindeutig auf Geschwindigkeit, wobei sich die Negativfolgen mit dem Tod von 10% der Infizierten im Vergleich mit den apokalyptischen Szenarien des Klima-Narratives relativ bescheiden auszunehmen scheinen; allerdings führen sie, da näher und direkter empfunden, zu der für den Erfolg des Narrativ so notwendigen größeren Panik.
    In Summe sind die strategischen Übereinstimmungen in der Anlage beider Narrative also eher überschaubar; das Klima-Narrativ mit seiner weit offenen Zeitschiene setzt zur Verhaltensänderung sowie der Akzeptanz von weitreichenden staatlichen Maßnahmen weitgehend auf die Einsicht in die Notwendigkeit, während das Corona-Narrativ sehr effektiv das Thema Angst bespielt.

    Kommen wir nun zur sachlich wissenschaftlichen Untermauerung der Erzählungen. Die Messungen des CO2-Gehaltes über die Jahre gelten als hinreichend genau ausgeführt, ihre Werte wie auch die Relevanz für den Klimawandel sind im Wesentlichen unbestritten. Nicht ganz so konsistent sieht es mit den Messungen des Wettergeschehens wie Temperatur, Niederschlag, Windstärken usw. über die Zeit und den daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen aus. So lässt es sich hier z.B. manchmal nicht vermeiden, Durchschnittswerte mit Einzelmessungen zu vergleichen. Und bei Langzeitmessungen müssen Ergebnisse unterschiedlicher Messmethoden in eine Messreihe integriert werden mit Korrekturfaktoren, deren Plausibilität zu erklären den Experten einiges an Kreativität abverlangt. Dies gilt naturgemäß auch für die gewählten Methoden zur Vorhersage; hier sorgen sehr komplexe Computermodelle für nur sehr aufwendig und dann auch bestenfalls begrenzt nachprüfbare Positionen. Jedenfalls erschließt sich für die Allgemeinheit die Datenlage nicht nur aufgrund der Kompliziertheit der Berechnungen, sondern auch durch die schiere Datenflut nicht so ohne Weiteres. Umso eher ist man geneigt, denen zu glauben, die als mit Spezialwissen ausgerüstete Experten präsentiert werden. Dies wirkt umso überzeugender, als dass sich über die Zeit ein ausgesprochen umfangreiches Netz aus finanziell sehr gut ausgestatteten Wissenschaftsinstituten ausgebildet hat, und dies unter einem Dach, welches hohe Reputation genießt. Durch diesen in sich sehr durchdachten Umgang mit Daten und der damit einhergehenden Steigerung des Vertrauens aller in die Entscheidungsträger gelingt dem Klima-Narrativ, sich weiter zu stabilisieren.

    Wie verhält es sich bei dem Corona-Narrativ? Nun, hier haben wir nur ganz wenige Daten: Kommuniziert wird die Anzahl der Infizierten, die als gleichbedeutend dargestellt wird mit der Anzahl derjenigen Menschen, die positiv getestet werden. Auf eine eher als verwirrend empfundene Bewertung der Qualität der Testergebnisse kann verzichtet werden. Zusätzlich wird die Anzahl derjenigen ermittelt, die positiv getestet wurden und als daran gestorben gelten. Man erfährt gelegentlich, wieviel Tests durchgeführt werden, wobei Mehrfachtests nicht ausgewiesen werden, und erhält Zahlen darüber, wie viele gesunden, wobei hier keine Meldepflicht besteht. Wir haben also eine genau entgegengesetzte Strategie, Daten einzusetzen. Das Klima-Narrativ arbeitet mit möglichst vielen und dabei nicht immer einfach zu verstehenden Zahlen und erreicht so, dass auf eine darauf begründete Debatte weitgehend zugunsten einer möglichst einfach gestalteten Darstellung der abgeleiteten Schlussfolgerungen durch die Experten verzichtet wird; die Daten treten also klar in den Hintergrund und werden nur zur Unterstützung von übersichtlich aufbereiteten Graphiken herangezogen. Das Corona-Narrativ hingegen verlässt sich darauf, und zwar ebenfalls sehr erfolgreich, darf ich hinzufügen, dass die wenigen Daten so kommuniziert werden können, dass sie einfach verstanden, und zwar so verstanden werden, dass sie die beiden Kernthesen von `Killervirus´ und `es kann jeden treffen´ direkt unterstützen.

    Also bestehen zwar auch bei der sachlichen Untermauerung der Erzählungen Gemeinsamkeiten, nämlich in der Reduzierung und in der vereinfachenden Veranschaulichung von Fakten und Annahmen durch Experten, die vertrauenseinflößend die Gefahren und die Maßnahmen zur Eindämmung vermitteln, wobei erstere für die Einsicht sorgen, um zweiterem bedingungslos zuzustimmen.
    Für ihren jeweiligen Erfolg benutzen beide Narrative jedoch sehr verschiedene Ansätze. Das Corona-Narrativ, welches ja auf einen sich schnell einstellenden Effekt setzt, ist natürlich in seinen Möglichkeiten begrenzt, ausreichend Datenmaterial beizubringen. Es hätte nun durchaus sein können, dass über die Zeit die Datenbasis von relevanten Interessengruppen als zu schwach für die gezogenen Schlussfolgerungen bewertet worden wäre, und dann hätten wir eventuell zu entscheiden gehabt, ob das Corona-Narrativ hier Anleihen beim Klima-Narrativ getätigt hätte. Da dies aber nicht der Fall war, stellt sich die Frage gar nicht.
    Kommen wir also nun zu den Interessengruppen, die zum Teil bei beiden Narrativen die gleichen sind, sich aber sich doch in einigen Punkten unterscheiden.
    Direkt durch die Kernaussagen der Narrative angesprochen, also `der Planet geht zugrunde´, beim Klima-Narrativ und `10% der Infizierten werden sterben´ beim Corona-Narrativ, wird im Grunde jeder Mensch, wenngleich dies durch den Faktor Zeit in ganz unterschiedlicher Weise geschieht. Beide Narrative erfreuen sich hier breiten und weitgehend unwidersprochenen Zuspruchs; allerdings zeigen sich Unterschiede in der Reaktion auf die Maßnahmen, die zur Abwehr der negativen Folgen getroffen wurden oder angekündigt sind.

    Im Falle des Klima-Narrativ fordert ein hoher Anteil der Bevölkerung eine allgemeine CO2-Reduktion, wobei auf individueller Ebene diesbezüglich bewusst oder unbewusst kontraproduktiv gehandelt wird. Ein verändertes Verhalten der Betroffenen können wir nicht wirklich erkennen. Dies mag auch daran liegen, dass die im Sinne des Narrativ tatsächlich erwartbare Zielgruppe der Betroffenen noch gar nicht geboren ist. Auch eine durch eine Leitfigur geführte und in ihren Argumenten stark moralisierende Gruppe, die diesen Nachgeborenen zeitlich am nächsten stehen, entfachte erwartbar zwar sehr viel Betroffenheit, konnte aber noch keine zielführende Wende einleiten.
    Dies ist völlig anders beim Corona-Narrativ. Hier wird wieder einmal deutlich, dass Dringlichkeit als eine notwendige und zusammen mit Angst als eine hinreichende Voraussetzung für Verhaltensänderungen angesehen werden kann. Und so werden die Einschränkungen von beinah allen nicht nur sehr begrüßt, nicht selten werden sogar die Entscheidungsträger zu härteren Maßnahmen ermuntert, da die bestehenden als zu lasch und inkonsequent empfunden werden, als noch nicht einengend genug, um den nötigen Schutz vor diesem gefährlichen Virus zu bieten. Nicht wenige beschließen daher, in Eigenverantwortung sich selbst größere Einschränkungen zum vermeintlich eigenen Schutz aufzuerlegen und andere dazu anzuregen, es ihnen gleichzutun.
    Dies wird unterstützt durch die teilweise eindeutigen teilweise als Befürchtung vorgetragenen Ansichten der Experten von möglicherweise eintretenden furchtbaren Konsequenzen bei nicht konformem Verhalten. Die unantastbare Reputation dieser Wissenschaftler erklärt sich durch ihre organisierte Struktur mit der zentral steuernden Weltgesundheitsorganisation und ihren dezentral global operierenden Netzwerken. Hierdurch werden die zugesprochenen Attribute der Unabhängigkeit, der Objektivität und der unbedingt glaubwürdigen Kompetenz erklärlich. Einige wenige dieser ausgesuchten Experten fungieren in Deutschland als Berater des Parlaments und der Leitmedien.
    Diese Medien werden wiederum beim Corona-Narrativ deutlich stärker wahrgenommen, und auch das ist wieder dessen zeitlicher Ausrichtung geschuldet. Während beim Klima-Narrativ eher einige Kernaussagen des Expertengremiums IPCC zitiert werden, welches in Abständen von mehreren Jahren neue Berichte veröffentlicht, sind die lokalen Experten beim Corona-Narrativ täglich in Pressekonferenzen, Talk Shows und Podcasts zu sehen und zu hören, und auch die Printmedien sind voll mit ihren Beiträgen, nicht selten untermauert durch Kommentare angesehener Journalisten, vom Fach oder auch nicht. Hiermit lässt sich eine deutlich bessere Nähe herstellen, die zunehmend hilft, auch dem Laien die Ansichten der Experten dergestalt verständlich zu machen, dass sie als eigene übernommen werden können.

    Kommen wir zu den Entscheidungsträgern, den Parlamenten. Zusammen mit den Experten und den Medien sind sie ja die Gestalter beider Narrative. Erwartungsgemäß sehen wir hier weitgehende Einigkeit. Zwar gibt es beim Klima-Narrativ eine Opposition, aber nur von einer einzigen Partei. Und in diesem Fall fiel es nicht schwer, diese auf Grund anderer Aspekte derart zu desavouieren, dass sie sogar zur Stabilisierung des Narrativ beiträgt, und zwar umso mehr, je stärker sie dagegen opponiert. Es bestehen durchaus unterschiedliche Ansichten im Detail bei allen Parteien, wie die negativen Auswirkungen des Klimawandels bekämpft werden müssen, jedoch ist die Grundausrichtung, der alles andere untergeordnet wird, also die Reduktion des CO2, unbestritten und wird nicht hinterfragt. Auch die Fokussierung auf ausschließlich erneuerbare Energien mit dem Ausstieg aus den mit fossilen Brennstoffen gewonnenen Energien, einschließlich der Kernenergie, wird weitgehend als alternativlos angesehen; es kann getrost über den hier anfallenden prognostizierten Flächenbedarf und überbordenden Kostenrahmen hinweggesehen werden, da diese Aspekte wenn überhaupt, nicht als Teil des Narrativ wahrgenommen werden.
    Dem greifbaren Thema `menschliche Unversehrtheit` ist es wohl zu verdanken, dass es beim Corona-Narrativ überhaupt keine sichtbare Opposition in den Leitmedien gibt, sodass die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus, die mit massiver Beschneidung der Grundrechte einhergeht, von allen Parteien einhellig gebilligt werden. Vereinzelte kritische Stimmen heben darauf ab, dass die tatsächliche Gefahr nicht richtig eingeschätzt wurde und daher erste Maßnahmen nicht, zu wenig wirksam, zu spät oder/und nicht konsequent durchgeführt wurden. Dies verunmöglicht beinah irgendeiner potentiellen Opposition, mit Fortentwicklung der Pandemie, eine Rücknahme der Maßnahmen oder eine verfassungsrechtliche Prüfung zu initiieren oder auch nur zu fordern.

    Auch die Tatsache, dass es eigentlich keine Datenbasis gibt, auf die man die Maßnahmen zunächst hätte stützen können, und die im Zuge der Zeit auch, wie erwähnt, nicht nachgefragt und zur Verfügung gestellt wurde, sorgen nicht für eine grundlegende Infragestellung irgendwelcher gemachter Aussagen. Es bedurfte einige Zeit, bevor begonnen wurde, die Negativauswirkungen der Maßnahmen auf die `menschliche Unversehrtheit´ in die Erwägungen miteinzubeziehen. Sobald Einzelne die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen infrage stellen, werden sie als zynisch mit der Gesundheit anderer spielend zurechtgewiesen. Das Corona-Narrativ erweist sich gegen solche Angriffe also immer noch als erfreulich resilient.
    Dies ist auch den Leitmedien mit zu verdanken. Sie stellen den Experten die geeigneten Plattformen zur Verfügung und unterstützten vollumfänglich die Entscheidungsträger in ihren Maßnahmen, indem sie Wirksamkeit und Legitimität bestätigten und Zweifler effektiv abqualifizierten. In der Nutzung der Medien sind durchaus Übereinstimmungen beider Narrative feststellbar, aber diese ist natürlich Grundbestandteil eines jeden erfolgreichen Narrativ.

    Die Zweifler hatten wir schon angesprochen, jene kleine Schar, die Datenaffin und sachbezogen an allem rummäkelt, was der Mainstream als richtig und angemessen bewertet. Beide Narrative antworten auf die gewohnte Weise, indem zunächst alle Zweifler verallgemeinernd weitgehend gleichbehandelt werden, um ihnen dann jegliche Qualifikation abzusprechen und ihnen eine eigene Agenda zuzuschreiben. Beim Klima-Narrativ kann man sich noch auf diejenigen beschränken, die die Kernaussage anzweifeln. Dem Prinzip der Vereinfachung folgend spricht man schlicht von Klimaleugnern, unbeschadet dessen, dass kaum einer das Klima selbst leugnet, auch die wenigsten, dass es sich wandelt und dass der Mensch seinen Anteil an diesem Wandel hat. Dies würde zwar relativ leicht ersichtlich, wenn man sich denn mit den Argumenten dieser Zweifler näher beschäftigte; jedoch würde so das Risiko eingegangen werden, dass potentiell multikausale Ursachen der Gefahren untersucht und kleinteilig zergliederte Gegenmaßnahmen in Betracht gezogen werden müssten. Hieran kann das Narrativ verständlicherweise kein Interesse haben, und verhindert irgendwelche Aufmerksamkeit in diese Richtung mit Hilfe einer vernichtenden Diskreditierung der Personen, wodurch eine verwirrende Diskussion über Sachargumente weitestgehend vermieden werden kann.
    Es muss als besonderer Erfolg des Corona-Narrativ bezeichnet werden, dass in den Medien bereits Artikel erschienen sind, die die Gefährlichkeit der Corona-Leugner anprangern. Ihm ist es also binnen sehr kurzer Zeit bis in den semantischen Bereich hinein gelungen, seine Zweifler auszuschalten. Deren Versuch, die Gefährlichkeit des Virus zu relativieren, indem sie seine Auswirkungen mit denen einer schwereren Grippe gleichsetzten, musste schon deshalb scheitern, da es dieser Krankheit mit jährlich weltweit Millionen an Betroffenen und Zigtausenden an Todesfällen nur in ganz wenigen Fällen und dann auch nur mit sehr bescheidenem Erfolg vergönnt war, selbst ein Narrativ zu bilden.

    Allerdings böten die einschränkenden Maßnahmen durchaus eine veritable Angriffsfläche, da auch sie negative gesundheitliche Folgeerscheinungen mit sich bringen. Bislang ging die Strategie des Narrativ aber auf, die wirtschaftlichen Aspekte als die wirklichen negativen Begleiterscheinungen in den Vordergrund der Diskussion zu stellen und sie von gesundheitlichen Nebeneffekten zu entkoppeln. Hierdurch wird ermöglicht, Gesundheit ausschließlich mit dem Virus und Wirtschaft exklusiv mit den Gegenmaßnahmen zu assoziieren und dann Gesundheit vor Wirtschaft zu priorisieren. Der nicht ausbleibende Erfolg ist ebenso erwartbar wie logisch, da die Gesundheit ein elementareres Grundbedürfnis der Betroffenen ist als das wirtschaftliche Wohlergehen, zumindest kurzfristig und solange man genug zu essen hat. Letzteres wird ja zusammen mit monetären Hilfen für viele, wenngleich auf Kosten aller, durch die Entscheidungsträger in Aussicht gestellt. Die von den wenigen Zweiflern ebenfalls ins Feld geführte möglicherweise gesetzeswidrige Einschränkung der Freiheitsrechte, liegt im Bereich der Selbstverwirklichung, und hat somit in Krisenzeiten natürlich so gut wie keine Relevanz; dieses Argument kann folgerichtig vernachlässigt werden.
    Ich hoffe, in meinen Ausführungen hinreichend aufgezeigt zu haben, dass sowohl das Klima-Narrativ wie auch das Corona-Narrativ in ihren Anlagen alles richtig gemacht haben, um so erfolgreich zu sein, wie sie es eben sind. Allerdings bestehen signifikante Unterschiede mit Namen im zeitlichen Ablauf, und dem Umgang mit Fakten. Die Dringlichkeit wurde vom Corona-Narrativ mit der hohen zu erwartenden Sterblichkeit und durch die Einführung des Modells eines beinah unbegrenzten exponentiellen Verlaufs, also zumindest bis zur Erlangung einer Herdenimmunität oder einer effektiven Impfung aller, sehr effektiv kommuniziert. Hierdurch und auch durch die Ankündigung einer zweiten und eventuell dritten Infektionswelle wurden zum einen einschneidende Maßnahmen begrüßt, und zum anderen kann die Erzählung immer weitgehend noch aufrechterhalten werden, obwohl die wenigen Daten längst ein Abklingen der Infektion suggerieren. da es Da das Corona-Narrativ auf Kurzfristigkeit angelegt ist, sehen wir erwartungsgemäß erste Erosionserscheinungen und so kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich noch lange halten wird können. Da aber davon ausgegangen werden kann, dass keine retrospektive Würdigung der tatsächlichen Gefahren und der Verhältnismäßigkeit Maßnahmen stattfinden wird, steht einer Wiederholung in möglicherweise leicht modifizierter Form nichts im Wege. Und für die Zwischenzeit sehe ich durchaus das Klima-Narrativ wieder im Fokus der Aufmerksamkeit.

    Daher schlage ich beiden Kontrahenten vor, sich zu vergleichen. Ich kann nicht ausschließen, dass das Corona-Narrativ ein wenig beim Klima-Narrativ abgeschaut hat, glaube aber, wie gesagt, dass beiden eine prosperierende Zukunft bevorsteht und sie abwechselnd die Spitzenpositionen einnehmen können. Vielleicht braucht es noch ein bisschen mehr Moral beim Corona-Virus, etwa mittels Ächtung, Anprangerung und gegebenenfalls Bestrafung von Gegnern der Zwangsimpfungen, des eigenen Trackings und solchen, die sich nicht strikt an alle vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen halten bzw. die Maßnahmen der Regierung überhaupt in Zweifel ziehen. Diese positive Lernerfahrung der Menschen könnte man durchaus auch für das Klima-Narrativ in Erwägung ziehen. Wenn dann noch zur Erhöhung der Dringlichkeit geeignete Naturereignisse in die Dramaturgie der Erzählung eingebaut werden können, sollte es nicht schwerfallen, die Entscheidungsträger zu entsprechenden Maßnahmen zu überzeugen, die auf ähnliche Art und Weise die Negativfolgen für die dankbaren Betroffenen eliminieren helfen.

    In beiden Fällen wird übrigens euer Kollege, das Reiche-Deutschland-Narrativ eure Unterstützung brauchen. Ich denke hier besonders an die doch etwas offene Flanke mit der von stabiler Energieversorgung abhängigen Export orientierten Produktion, den fast 2 Billionen € Auslandsforderungen, die nicht fällig gestellt werden können, sowie dem eher traurig anmutenden Platz im europäischen Mittelfeld bei den Privatvermögen.
    Also, was sagt ihr? Gebt ihr euch die Hand?“ und damit wendet sich R. Ranfoh erst an das Klima-Narrativ und dann an das Corona-Narrativ. Die beiden sehen sich an, und das Corona-Narrativ reicht versöhnlich seine Hand. Das Klima-Narrativ zögert ein bisschen, grinst leicht verschämt, doch dann schlägt es beherzt ein. Es hat da so eine Idee.

    machen Sie weiter,
    mit freundlichen Grüßen
    Jochen Ahrendt

  2. Sehr geehrte Herr Langemann,

    ich muss Ihnen widersprechen, selbst die Bayern waren niemals Gefangene. Die Ausgangssperre war laut Beschluss des VGH Ansbach vom 28.4.2020
    faktisch nicht existent, und auch das Kontaktverbot war nur eine Empfehlung (VGH München 30.3.2020).

    Freilich hat sich der Bayerische Verwaltungsgerichtshof mit der Veröffentlichung dieser Beschlüsse Zeit gelassen, und dass, das Kontaktverbot nur eine Empfehlung sein kann, stand nicht mal in der Pressemitteilung.
    Auch wurden diese Entscheidungen von den „Qualitäts“-Medien nicht beachtet. Nur eine kleine Lokalzeitung „regensburg digital“ hat sich in der Nachrichtenverbreitung lobenswert hervorgetan. Wer sich also informierte, konnte gerade in Bayern, genau so weiter machen wie vorher.

    Haben aber die Meisten nicht…
    In meinem Bekanntenkreis, kenne ich Familien aus München, die tatsächlich wochenlang nicht die Wohnung verlassen haben, im Glauben es wäre verboten.

    Richard David Precht behauptet, dass der ursprüngliche Zweck unseres Schulsystem die Erzeugung von funktionierenden Untertanen sei. Und wie gut die
    Untertanenproduktion heute noch funktioniert hat die Corona Krise bewiesen: In Bayern sagt ein Ministerpräsident wörtlich, dass er die Leute vor sich selber schützen will. Die Untertanen danken diese väterliche Fürsorge mit hohen Zustimmungswerten. Und sagen damit: „Ja, wir sind zu dumm, um auf uns selbst aufzupassen“.

    Nein wir sind keine Häftlinge: Während Häftlinge unfreiwillig eingesperrte Bürger sind, hielten wir uns als Untertanen freiwillig und devot an vermeintliche
    Gebote. Nachdem wir der Regierung zeigten, dass wir gute Untertanen sind, haben wir uns nun auch von unseren Vormund „Lockerungen“ verdient (und keine Aufhebungen).

    Es treibt mich nur einen Frage um: Dürfen Untertanen wählen? Und wenn ja wie wirkungsvoll soll eine solche Stimme sein?

  3. Sehr geehrter Herr Langemann,

    dankeschön für Ihre differenzierte Beschreibung unserer Gegenwart und für die Betonung, dass die deutsche Sprache auch heute noch – wenn auch abnehmend- reichhaltig und präzise sein kann.
    Wäre es daher auf der Grundlage einer präzisen Definition im Sprachgebrauch nicht erforderlich, den Begriff Häftlinge gegen die Bezeichnung Zivilinternierte gm Genver Konvention auszutauschen? Denn m.E. ist diese Wortwahl evident, da sie sich leicht objektivieren lässt und dem Zustand eine empirische Deutlichkeit verleiht.
    Insofern würde zudem ein erstaunliche Stimmigkeit mit den hier offenkundig stattfindenden Kriegshandlungen erzielt.

    Es grüßt Sie hochachtungsvoll

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