// von Prof. Heiner Flassbeck
Nichts ist derzeit unter Ökonomen und Journalisten umstrittener als die Erfolgsgeschichte des argentinischen Kettensägenmannes – oder eben seine Pleite. Markus Langemann hat sich kürzlich auf die Seite der Erfolgsgeschichte geschlagen, weil, wie er glaubt, die Zahlen eine Erfolgsgeschichte erzählen.
Ich habe mich mehrfach auf der Seite der Pleite geäußert und muss mir deswegen anhören, auch ich sei natürlich ein Ideologe, der die Fakten so hinbiegt, wie es ihm passt. Wenn ich nun sage, dass genau das nicht stimmt, sondern ich die Lage einfach besser einschätzen kann, weil ich etwa 50 Jahre mehr Erfahrung habe bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Situation von Ländern in der ganzen Welt, dann hilft das natürlich auch nichts, weil es ja die Aussage, auch ich sei ein Ideologe, nicht widerlegt.
Also machen wir es einmal ganz anders und zeigen, dass die Zahlen über die Inflation in Argentinien gerade keine Geschichte erzählen können – und zwar aus rein logischen Gründen. Das mag, wer will, dann immer noch für Ideologie halten, aber den Leuten ist dann wirklich nicht zu helfen. Wenn die Logik nicht mehr gilt, brauchen wir überhaupt nicht mehr miteinander reden, weil, wie uns Immanuel Kant und Raimund Popper gelehrt haben, jede Aussage beliebig ist, die sich nicht den Regeln der Logik unterwirft.
Was wir beobachten, ist einfach. Wie in diesem Stück empirisch (mit Zahlen) gezeigt, sind die Inflationsraten und die Zuwachsraten der Löhne (beide Male die monatlichen Raten, die einen gewissen Vorlauf vor den jährlichen Raten haben) fast genau mit der Machtübernahme von Javier Milei dramatisch gesunken. Was kann man ohne Ideologie dazu sagen? Nun, man kann sagen, dass die Preise und die Löhne in der Milei-Ära weniger stark gestiegen sind als zuvor. Das kann Zufall sein oder einen anderen Grund haben, den man herausfinden müsste.
Wenn man allerdings sagt, Milei habe die Inflation heruntergebracht oder den Eindruck erweckt, er habe es getan (wie bei Langemann), muss man dazu sagen, wie er das in so extrem kurzer Zeit bewerkstelligt hat. Die klassische Methode, Inflation und Hyperinflation zu bekämpfen, ist die Zinserhöhung. Das hat er nicht getan. Außerdem dauert Inflationsbekämpfung mithilfe von Zinserhöhungen immer mehrere Quartale. Hat man keinen Mechanismus an der Hand, mit dem Milei die Inflation gedrückt haben könnte, muss man – ohne Ideologie – bei der schlichten Feststellung bleiben, die Inflation sei gesunken, man könne es aber nicht erklären.
Meine Erklärung setzt an der in Argentinien seit langem existierenden Indexierung der Löhne an die Inflation an. Die Inflationsrate liegt nämlich niemals unmittelbar in den Händen einer Regierung. Keine Regierung der Welt hat es jemals geschafft, eine galoppierende Inflation innerhalb weniger Wochen deutlich zu reduzieren, ohne in die Lohnfindung und den unten beschriebenen Indexierungsmechanismus einzugreifen. Aber das hat Milei auch nicht getan.
Die Inflation wird, wie auf dieser Seite immer wieder (auch empirisch) gezeigt, in viel stärkerem Maße als von der Fiskal- und der Geldpolitik von den Institutionen bestimmt, die die Lohnverhandlungen prägen (wie hier gezeigt). In Argentinien gibt es eine strenge Indexierung der Löhne an die aktuelle Inflationsrate. Indexierung bedeutet, dass ein externer Schock, also etwa eine Erhöhung des Ölpreises, der die Inflationsrate steigen lässt, sich sehr schnell in steigenden Löhnen niederschlägt. In solchen Ländern, dazu gibt es viele Beispiele auf der Welt (Italien mit seiner Scala mobile in den 1980er Jahren war das berühmteste), laufen Lohnentwicklung und Preisentwicklung unmittelbar parallel, weil zwischen Inflationsveränderung und Lohnanpassung nur wenige Wochen oder gar nur Tage liegen. Ohne einen solchen Mechanismus können sich Inflationsraten und Lohnzuwachsraten unmöglich so eng und parallel entwickeln wie es in Argentinien der Fall ist.
Das führt logischerweise dazu, dass die Inflationsrate sehr schnell und sehr stark steigt, wenn es einmal einen Preisschock gegeben hat. Umgekehrt gilt aber auch, dass die Inflationsrate sehr schnell sinkt, wenn es einen umgekehrten Schock gibt, also etwa einen Rückgang der Ölpreise oder einen Rückgang der Preise für Rohstoffe allgemein. Nun kann man (wenn man will und eine offene Meinung hat) eine Erklärung finden, die logisch ist, aber nichts mit Milei zu tun hat: Weil weltweit in dem Zeitraum, in dem Milei an die Macht kam (Ende Oktober 2023), die Ölpreise fielen (am 25.9.2023 hatte der Ölpreis ein Hoch erreicht, von dem aus es ständig, wenn auch nicht stetig, bis 2026 bergab ging), führte der Indexierungsmechanismus in Argentinien dazu, dass die Inflationsrate und die Zuwachsrate der Löhne nahezu gleichzeitig zu sinken begannen und sich erst wieder (bei 30 Prozent Inflation!) normalisierten, als der positive externe Schock zu Ende war.
Man sieht, das mit den Zahlen ist nicht so einfach. Die Zahlen erzählen keine Geschichte. Sie erzählen nachgerade nichts, wenn wir nicht eine Hypothese (eine Theorie haben), mit deren Hilfe wir aus den Zahlen eine wirkliche Erklärung (bitte keine Erzählung!) machen können. Man muss sich entscheiden, was man für logisch nachvollziehbar und für ausreichend empirisch abgesichert ansieht. Wenn das nicht die Kategorien sind, denen man sich unterwerfen will, auch gut, dann ist für mich allerdings von vorneherein klar, dass ich Äußerungen aus dieser Ecke getrost ignorieren kann.
Man sieht auch: Journalismus, der ernstgenommen werden will, muss sich die gleiche Mühe geben wie Wissenschaft. Darunter geht es nicht. Ich bin inzwischen allergisch gegen das Wort „Erzählung“, weil man uns damit weismachen will, es gebe unterhalb der strengen Logik einer Erklärung noch einer Ebene, wo man mit allerlei Wischi-Waschi die Menschen über den Tisch ziehen darf. Genau das ist der Ort, wo die Ideologie geboren wird, nur halbherzig verschleiert durch ein Wort, mit dem man seit hunderten von Jahren denjenigen huldigte, die besonders gut Märchen verbreiten konnten.
Wie dieser Text zu uns kam.
Am vergangenen Sonntag habe ich im wöchentlichen Newsletter auch über Argentinien geschrieben. Über Zahlen, die man keinem libertären Kanal entnehmen muss, sondern der NZZ: Inflation von 211 auf rund 30 Prozent, erstmals seit anderthalb Jahrzehnten ein Haushaltsüberschuss, Armutsquote von 42 auf 28 Prozent – nach drei Jahren Milei, und, wie ich ausdrücklich schrieb, nicht ohne Preis. Und ich habe meine Freude darüber mitgeteilt, dass Prof. Philipp Bagus am 6. November bei B-Safe26 in Wien sprechen wird – ein Mann, der den argentinischen Präsidenten nicht aus der Zeitung kennt, sondern aus jahrelanger Freundschaft.
Am Montag um 8:19 Uhr kam die Quittung. Prof. Heiner Flassbeck bestellte den Newsletter ab. Begründung: »große journalistische Defizite«, mein Text sei »von jeder Sachkenntnis ungetrübt«, und Bagus sei ohnehin »ein harter libertärer Ideologe«. Das Lesen, so Flassbeck, lohne ab jetzt nicht mehr. Der Fairness halber: Er schickte immerhin einen Link zu seiner eigenen Argentinien-Analyse mit. Argumentiert hat er also durchaus – nur eben verbunden mit der Ankündigung, dem Gespräch künftig fernzubleiben.
Nun ist Abbestellen das gute Recht jedes Lesers. Aber ich gestehe, mich hat die Geste amüsiert. Sehr lange hat Flassbeck diesen Newsletter gelesen, offenbar ohne Schaden zu nehmen. Beim ersten Text, der nicht in seiner Welt Resonanz fand, kam binnen Stunden die Abbestellung. Für einen Wissenschaftler, dessen Handwerk der Einwand ist, ist das eine erstaunlich dünne Haut: Ein Forscher, der nur liest, was ihn bestätigt, forscht nicht – er abonniert sich selbst.
Also habe ich ihm geantwortet und zwei Angebote gemacht: Kommen Sie nach Wien und tragen Sie Ihren Einwand dort vor, wo auch Bagus sitzt. Oder schreiben Sie Ihre Gegenrede – ich drucke sie ungekürzt. Sieben Stunden später lag der Text vor, den Sie oben lesen. Das Abbestellen ging schnell. Das Schreiben, immerhin, noch schneller.
Nun kenne ich Heiner Flassbeck persönlich. Wir saßen vor einigen Jahren gemeinsam auf einer Couch, ich habe ein langes Interview mit ihm geführt und später veröffentlicht, und ich habe ihn dabei als freundlichen, offenen, zugewandten Mann kennengelernt. Umso genauer darf man hinsehen, wer da eigentlich schreibt. Heiner Flassbeck weiß, wie Staaten zu wirtschaften haben – er erklärt es ihnen seit fünfzig Jahren. Sachverständigenrat, Bundeswirtschaftsministerium, DIW, Staatssekretär unter Oskar Lafontaine, dann zwölf Jahre Vereinte Nationen in Genf. Ein komplettes Berufsleben in staatlichen und staatsfinanzierten Häusern, besoldet vom Steuerzahler, dem Mann also, der morgens um halb fünf aufsteht und das alles erwirtschaftet. Ein eigenes Unternehmen hat Flassbeck in all den Jahrzehnten nie geführt – keine Fabrik, keinen Betrieb, nicht einmal eine Getränkebude, an deren Monatsende man lernt, was ein Haushalt ist. Seine erste unternehmerische Tat, eine kleine Beratungsfirma, gründete er mit 62 – nach der Pensionierung aus dem UN-Dienst, das eigene Risiko sicherheitshalber erst nach dem Ruhestand. Man kann so leben. Ich schreibe das nicht aus Standesdünkel, sondern aus Erfahrung: Ich habe über viele Jahre Medienunternehmen geführt, als freier Unternehmer, mit eigenem Geld und eigenem Risiko, und zeitweise bis zu vierzig Mitarbeitern Lohn und Brot gegeben – mit allem, was der freie Markt an guten und an schlechten Zeiten bereithält, und ohne dass am Monatsende ein Ministerium, ein Institut oder die Vereinten Nationen die Überweisung garantiert hätten. Wer beides kennt, die Besoldung und das Risiko, wird vorsichtig mit dem Wort »Sachkenntnis«, wenn es um die Frage geht, wie man mit Geld haushaltet, das man selbst verdienen muss.
Die Pointe lieferte der Kalender: Am selben Montag, an dem Flassbeck mir schrieb, verabschiedete das Bundeskabinett seinen Entwurf für den Haushalt 2027 – über den der Bundestag im November noch zu befinden hat, dessen Richtung aber feststeht. 555 Milliarden Euro Ausgaben, mit den Schattenhaushalten rund 200 Milliarden neue Schulden – Jahr für Jahr, bis 2030 mehr als eine Billion! Man muss dazu wissen: Flassbeck ist kein Unbeteiligter dieser Politik, er ist ihr Vordenker. Der Mann, der einst als Staatssekretär einer rot-grünen Bundesregierung diente, lehrt seit Jahrzehnten in Buchform, ein Staat könne gar nicht sparen, und Staatsschulden belasteten keine künftige Generation. An jenem Montag wurde diese Lehre in Berlin Regierungsentwurf – man darf gratulieren: Selten wurde ein Lebenswerk so pünktlich vollendet. Argentinien hat denselben Weg fünfzig Jahre lang genommen; wie er endet, weiß dort jedes Kind. Dass ausgerechnet in dieser Woche ein Ökonom dieser Schule dem Journalisten die Sachkenntnis abspricht, der auf das eine Land zeigt, das gerade umkehrt – das ist keine Ironie mehr, das ist Realsatire mit Fußnoten.
Warum ich seinen Text dennoch veröffentliche, und zwar ungekürzt? Weil das der Unterschied ist. Kritik an meiner Arbeit gehört dorthin, wo meine Arbeit stattfindet: vor Ihre Augen. Und Flassbeck hat Argumente, die eine Antwort verdienen: seine These, nicht Milei, sondern die argentinische Lohnindexierung im Verbund mit fallenden Ölpreisen habe die Inflation gedrückt – und sein Hinweis, dass Industrie und Bauwirtschaft des Landes am Boden liegen, also just die Bereiche, aus denen Investitionen und Produktivität kommen müssten. Das sind die stärksten Teile seiner Erwiderung, und Sie sollen sie im Original lesen, nicht in meiner Zusammenfassung.
So geht freier Diskurs: Man bestellt ihn nicht ab, man hält ihn aus.
Markus Langemann

45 Antworten
Sehr geehrter Herr Markus Langemann,
seit einiger Zeit abonniere ich den Newsletter von Heiner Flassbeck, nachdem ich den Atlas der Weltwirtschaft 2022/2023 von ihm und Co-Autoren las, und dieser verhalf mir zu einem laienhaften Verständnis von makroöknomischen Zusammenhängen. Mir gefällt dabei die ideologiefreie Betrachtung und Analyse einer nationalen und globalen Wirtschaft, nicht mal die Unterscheidung zwischen einer kapitalistischen und sozialistischen Wirtschaft läßt sich finden. Und wie virtuos er dabei von Land zu Land wechseln kann, und dabei sich wiederholende Zusammenhänge aufdeckt. Einfach wunderbar! Ein Loblied auf kontextlose Staatsschulden, wie Sie es darstellen, läßt sich nirgends finden, wohl aber die Folgen des sogenannten Neoliberalismus. Herrn Flassbeck, sein Wissen und seine Kompetenz, zwar galant aber direkt herabzusetzen, entspricht keiner sachlich-nüchternen, respektablen Streitkultur, wie Sie sie einfordern. Persönliche Diffamierung steht Ihnen, Ihrem Medienunternehmen und Ihrem journalistischem Anspruch nicht gut zu Gesicht.
Ein kindisches Argument: Und natürlich muß ein Professor der Wirtschaftswissenschaft kein Unternehmen geführt haben, um wissend zu werden. Einige wenige Physikwissenschaftler, u.a. Herr Einstein, wußten auch vor dem Bau+Abwurf der Atombombe, wie sie wirken wird.
Guten Tag Herr Glöckner, vielen Dank für Ihre Diskussionsteilnahme. Wie lange verfolgen Sie bereits meine Arbeit?
@Glöckner Nick
„Einige wenige Physikwissenschaftler, u.a. Herr Einstein, wußten auch vor dem Bau+Abwurf der Atombombe, wie sie wirken wird.“
Wirtschaftswissenschaften würde ich eher mit Meteorologie als mit Physik vergleichen. In der Physik liegen Theorie und Praxis naturgemäß deutlich näher beieinander.
Interessante Debatte, die in diesem Rahmen ja nicht zu Ende geführt werden kann. Ich habe einmal die gegensätzlichen Standpunkte bei Google in die KI eingeben und interessante Ergebnisse erzielt. Da ich die Debatte in diesem begrenzten Rahmen nicht von neuem beginnen möchte, verzichte ich darauf, sie hier anzuführen.
Die klassische Debatte dreht sich mal wieder im Kreis und führt nicht weiter, weil entscheidende Veränderungen nicht berücksichtigt werden. Am Beispiel von Argentinien lassen sich seit Jahrzehnten die Folgen des gewaltigen Einflusses amerikanischer Finanzakteure, insbesondere solcher des Nichtbankenbereichs, allen voran Blackrock, beobachten. Deren Machtzuwachs ist dem staatlichen Kontrollverlust der USA geschuldet. Eine souveräne Fiskalpolitik ist betroffenen Ländern kaum mehr möglich. Neoliberale und Libertäre müssten dies bejubeln. So ist es Unsinn, Prof. Flassbeck als Sozialisten zu bezeichnen, weil er die Erhöhung von Staatsschulden empfiehlt. Die astronomische Höhe der amerikanischen Staatsschulden sollte jedem bekannt sein. Sind die USA deshalb ein sozialistisches Land? Ist China kein sozialistisches Land, weil es eine viel niedrigere Staatsverschuldung hat? Und erst der Iran? Oder Russland?
Lustig ist auch immer wieder Maggie Thatchers Spruch, im Sozialismus gehe einem das Geld anderer Leute aus. Im amerikanisch geprägten Bankensystem des Westens ist es üblich, dasselbe Geld an mehrere Kreditnehmer zu verleihen, die davon selbstverständlich nichts wissen. Niemand käme – ungeachtet der Zinsen – auf die Idee, diese Banker als Sozialisten zu bezeichnen, obwohl sie doch das Geld teilen, wie einst Jesus das Brot.
Zurück zu Argentinien. Dieses Land steht seit Jahrzehnten im Fokus mächtiger Global Player. Manche wollten vielleicht nur schnell Geld vermehren, wie z.B. Paul Singer. Andere kauften dort in großem Stil Land auf, wie George Soros und Joe Lewis. Die südliche Lage Argentiniens könnte für Leute interessant sein, die ein nukleares Armageddon auf der Nordhalbkugel in Betracht ziehen. Der radioaktive Fallout würde möglicherweise nicht weit über den Äquator reichen. Chemtrails könnten dazu Erkenntnisse liefern.
Herrn Prof. Flassbeck möchte ich zu bedenken geben, dass eine eskalierende Staatsverschuldung zu den Waffen neoliberaler Globalisten zählt, um Nationalstaaten irreversibel entstaatlichen zu können. Green Deal, Massenmigration, Coronapolitik, Ukrainekrieg – alles Bestandteile des Instrumentariums von WEF, Bilderberg & Co.. Es ist mir klar, dass zwischen guten und schlechten Schulden zu unterscheiden ist.
Wir sollten lieber vom Reich der Mitte den Weg der Mitte lernen. China hat aus seinen eigenen Fehlern und denen anderer Länder beispielhaft gelernt. Der Westen hingegen geht seit den 90er Jahren an seiner Überheblichkeit zu Grunde. Argentinien hat nun eine Marionettenregierung von Blackrock und J.P. Morgan. Dort ist das Endstadium des libertären Monopoly-Spiels bald erreicht und damit das Ende einer freien Fiskalpolitik. Hayek-Fans werden erst im Neofeudalismus aufwachen. Dann wars das mit der Libertas.
ach du liebe güte . wo sollte man da nur anfangen, was sinnnvolles drauf zu erwiedern
Etwas sinnvolles zu schreiben, setzt voraus, den Sinn realer Veränderungen zu erkennen. Mit klassischer VWL lassen sich derzeitige Entwicklungen weder erklären noch steuern. Das Fach Zombie-Ökonomie wird an Universitäten nicht gelehrt. Daher ist in akademischen Kreisen kaum verbreitet, dass die Errichtung von Zombie-Ökonomien mit der Vorbereitung von Kriegen zu tun hat. Um dies zu erreichen, müssen Regierungen und Unternehmen erpressbar gemacht werden. Im Falle der EU und Deutschland ist das unschwer zu erkennen. Wer dabei nicht pariert, dem wird der Stecker gezogen. Jetzt fordern sogar die Grünen die Lieferung von Taurus an die Ukraine. Es ist erschreckend, wie einfach es scheint, Deutschland abermals in einen Stellvertreterkrieg gegen Russland zu treiben. Die Profiteure sitzen, wie schon bei den bei den ersten zwei Weltkriegen, in den USA. Ein Krieg gegen Russland wäre nur die Vorstufe zu einem Krieg unter Regie der USA gegen China. Es geht um nicht weniger als die alleinige Weltherrschaft. Das Fortbestehen Deutschlands wird keine Rolle spielen.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass diese „Schocktherapie“ Erfolge zeitigt. Chile, Bolivien und Polen lassen grüßen. Das Rezept ist immer dasselbe: Stopp mit dem Gelddrucken zum Ausgleich des Staatshaushalts, massive Kürzung im Staatshaushalts, Entlassungen im Öffentlichen Dienst und kontrollierte Abwertung der Währung. Gleichzeitig setzen von Investitionsanreizen für ausländische Investoren. Natürlich kommt es zunächst zu einer harten Rezession und dann in der Folge zu einer wirtschaftlichen Blüte auf der Basis der gesundeten Wirtschaft. Die Väter des Konzepts sind Mises, Hayek und die Österreichische Schule. Was ist daran so schwer zu kapieren? Nur so bekommt man eine von Sozialisten zugrunde gerichtete Wirtschaft wieder in Schwung. Da Herr Flassbeck Zeit seines Lebens auf der linken Seite des Universums tätig war, ist es natürlich schwer für ihn, das alles zu sehen und zuzugeben. Und, selbst Betriebswirte können das kapieren.
Das bedeutet dann, das die ausländischen Investoren die Schulden machen, welche der Staat nicht machen soll? Also lieber ausländische Unternehmen im eigenen Staat investieren lassen?
Letztendlich sollte es nach Flassbeck eher darum gehen einheimische Unternehmen zum investieren zu bringen. Da aber in allen Industrienationen die Unternehmen per Saldo Sparer sind, funktioniert es nur mit Schulden des Auslandes, wenn der Staat keine Schulden machen soll. Doch welches Ausland will permanent Schulden machen und ist das für jedes Land der Welt überhaupt möglich? Mit welchem Geld investieren denn die ausländischen Investoren? Auch dieses Geld muss ja irgendwo herkommen. Also entweder per Kredit oder Einnahmen. Diese Einnahmen können aber ja auch nur aus Löhnen oder Schulden generiert werden.
Also egal wie man es dreht und wendet, es muss zu jeder Einnahme eine Ausgabe oder „Investition“ geben. So lange es Sparer auf der Welt gibt, muss es auch Schuldner geben.
Das Problem ist, wenn ich als Staat wie ein Unternehmen agiere, spare ich in einer Krise, was dazu führt, dass das Volkseinkommen sinkt. Wenn das Einkommen sinkt, sinkt die Nachfrage und wenn die Nachfrage sinkt habe ich weniger Einnahmen der Unternehmen.
Was Unternehmer oft nicht verstehen, dass ihre Einnahmen die Ausgaben anderer sind. Was für das einzelne Unternehmen oder Staat funktioniert, funktioniert nicht für alle zur gleichen Zeit. Es können nicht alle Staaten gleichzeitig ausländische Investoren gewinnen, wenn einer im einen Land investiert, kann er nicht im anderen investieren. Es sei denn er macht Schulden, aber das machen kluge Unternehmer nicht, wenn sie woanders mehr verdienen ohne Schulden zu machen. Wo soll der Wettbewerb der Nationen dann hinführen?!? Unternehmen investieren nur dort, wo sie auch eine entsprechende Rendite erwarten, also brauchen sie Nachfrage. Wenn aber alle die Nachfrage reduzieren, wird es für Unternehmer immer schwieriger ein passendes Land zu finden.
Das Problem an dieser Therapie ist, dass wenn jeder das macht, niemand davon profitiert. Das ist ein einziges race to the bottom. Wie Flassbeck korrekt beschreibt ist Wettbewerbsfähigkeit ein relatives Konzept, verbessert ein Akteur seine Wettbewerbsfähigkeit, büßt diese ein anderer ein. Wenn der dann auch so schlau ist und versucht die eigene Wettbewerbsfähigkeit mittels der beschriebenen Schocktherapie zu steigern, was wird dann wohl mit der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage passieren? Was daran ist so schwer zu kapieren?
Es soll ja nicht jeder machen. Zunächst einmal macht es nur Argentinien. Wenn es jeder macht nennt man es Weltwirtschaftskrise oder beschönigend Währungsreform. Es werden die Schulden aller Staaten abgebaut. „Sie müssen das nachsparen was sie schon verfressen haben“, wie es Roland Baader treffend ausdrückt. Man kann auch sagen: Sozialismus ist wenn einem das Geld der anderen ausgeht und alle Konten auf Null gestellt werden. Na ja, nicht alle. Es gibt immer welche, die verschont werden. Flasbeck gehört zu den Sozialisten. Für ihn ist es schmerzlich zuzugeben, dass das Geld der anderen plötzlich weg ist. Und die Leute nachsparen müssen. Nachsparen heißt: Sie müssen ihren Konsum in der Zukunft massiv einschränken, um die Kredite der Vergangenheit zu tilgen. Das Nachsparen ist somit ein schmerzhafter, aber notwendiger Bereinigungsprozess (Rezession oder Depression), um das reale Gleichgewicht zwischen Sparen und Investieren wiederherzustellen. Betriebswirte können das verstehen, Würstchenbudenbesitzer auch. Sozialisten nie im Leben.
Und was passiert nach dem Nachsparen? Dann muss ja immer noch jemand investieren, also Schulden machen. Oder gibt es eine wirtschaftliche Entwicklung ohne Schulden? Wie soll diese funktionieren? Wie sieht denn Ihrer Meinung die Welt nach dem Nachsparen aus? Welches Unternehmen wird denn noch investieren, wenn alle Leute sparen? Werden sie nicht eher ihre Leute entlassen und mit sparen? Versteht der Betriebswirt auch, woher das Geld der Leute kommt, welche bei ihm einkaufen?
Flassbeck ist ziemlich weit weg von Sozialismus. Er fordert aber einen fairen Wettbewerb von Unternehmen, er möchte am liebsten, dass Unternehmen sich verschulden, nicht der Staat. Es gibt allerdings keine Idee davon, warum die Unternehmen Sparer geworden sind.
Er zeigt einen logischen Zusammenhang auf. Die Saldenmechanik stimmt immer, egal welche Währung, egal ob Gold, Bitcoin oder sonstiges.
Die Staaten verschulden sich doch nicht zum Spaß, zumal allen Staatsschulden auch entsprechendes Vermögen entgegensteht, zu den Schulden gibt es auch diejenigen, die die Forderungen halten. Haben alle Staaten ihre Schulden getilgt, gibt es auch kein Vermögen mehr. Wie geht es dann weiter?!
Erwiderung auf Dozoern:
Ihr Verweis auf die Väter der Österreichischen Schule offenbart leider genau den theoretischen Tunnelblick, den Sie anderen vorwerfen. Wer mit so viel Arroganz fragt, was daran „schwer zu kapieren“ sei, sollte zumindest die Grundrechenarten der Ökonomie beherrschen. Ihr Kommentar demontiert sich in zwei zentralen Punkten komplett selbst:
1) Der logische Fehlschluss des „Nachsparens“:
Sie behaupten ernsthaft, man müsse „nachsparen, was man verfressen hat“, um ein Gleichgewicht herzustellen. Der Begriff des „Nachsparens“ ist makroökonomischer Voodoo. Man kann keinen realen Konsum rückwirkend in die Vergangenheit transferieren. Wenn Bürger und Staat in der Gegenwart radikal den Konsum einschränken, um Kredite zu tilgen, vernichten sie im exakt selben Atemzug das Geldvermögen und die Einnahmen der heimischen Unternehmen. Kein Unternehmer der Welt investiert in eine Wirtschaft, in der die Nachfrage kollabiert. Was Sie als „gesundenden Bereinigungsprozess“ verklären, ist nichts anderes als eine mathematisch herbeigeführte Depression.
2) Das parasitäre Modell der Schocktherapie:
Ihre historischen Beispiele (Chile, Polen) beweisen das Gegenteil Ihrer These. Diese Länder erlebten nach dem Schock keine „Blüte“, weil das Sparen so toll war, sondern weil sie massiv ausländisches Kapital angelockt haben. Das bedeutet saldenmechanisch: Der heimische Staat hat zwar keine Schulden mehr gemacht, dafür musste aber das Ausland die Schulden auf seine Kappe nehmen, um die chilenischen oder polnischen Exporte zu kaufen und dort zu investieren. Das ist ein rein parasitäres Konzept. Es funktioniert im Einzelfall für ein kleines Land – es kann aber mathematisch niemals für alle Länder gleichzeitig funktionieren, weil die Welt als Ganzes keinen Exportüberschuss erzielen kann. Wenn jeder Ihre Schocktherapie anwendet, landen wir exakt in der von Ihnen erwähnten Weltwirtschaftskrise.
Die Saldenmechanik ist weder „links“ noch „sozialistisch“. Dass jede finanzielle Forderung (Vermögen) zwingend die Verbindlichkeit (Schuld) eines anderen voraussetzt und sich die weltweiten Salden zu jedem Zeitpunkt exakt auf null ausgleichen, ist einfache Arithmetik. Wer mathematische Identitäten mit ideologischen Kampfbegriffen wegdiskutieren will, hat den Unterschied zwischen einer Pommesbude und einer Volkswirtschaft schlicht nicht verstanden. Das sollten selbst Betriebswirte kapieren.
„Und die Leute nachsparen müssen. Nachsparen heißt: Sie müssen ihren Konsum in der Zukunft massiv einschränken, um die Kredite der Vergangenheit zu tilgen“
wie soll das gehen , kredite tilgen, wenn die wirtschaft einbricht?
„Das Nachsparen ist somit ein schmerzhafter, aber notwendiger Bereinigungsprozess (Rezession oder Depression), um das reale Gleichgewicht zwischen Sparen und Investieren wiederherzustellen“
nö, warum sollte es . eine volkswirtschaft als ganzes kann überhaupt nicht in dem sinne sparen wie ein einzelner akteur.
und was soll das heißen: reale Gleichgewicht zwischen Sparen und Investieren?
die privathaushalte sparen ja im prinzip schon immer , und inzwischen die unternehmen auch in den meisten inustrieländern. das problem ist ja gerade , dass dieser ersparnis keine ausreichene verschuldung gegenübersteht , und genau deswegen der staat einspringen muss.
würstchenbudenbesitzer verstehen das vielleicht. bei Betriebswirten bin ich mir nicht so sicher
Nachsparen, was man verfressen hat, soso. Blöd nur, dass das Sparen des Einen das Einkommen des Anderen reduziert. Wie Sie richtig erkannt haben, führt das dann in eine Wirtschaftskrise, wenn das alle machen. Aber das ist ja was ganz tolles, weil wenn es allen schlechter geht, winkt am Ende des Tunnels das Himmelreich des Gleichgewichts zwischen Sparen und Investieren. Leuchtet mir ein, warum das Betriebswirte und Würstchenbudenbesitzer verstehen, die haben nämlich keinen blassen Schimmer von VWL.
Es gibt ein Studium der Volkswirtschaft und ein Studium der Betriebswirtschaft. Die Inhalte der Studiengänge überschneiden sich, aber eher geringfügig. Wer einen Abschluß in dem einen hat, müsste für den anderen ziemlich viel von vorn anfangen.
Seltsam, sehr seltsam.
Antwort auf Seufz:
Auf den Punkt gebracht!
Es ist in der Tat erstaunlich, wie beharrlich dieser fundamentale Unterschied im öffentlichen Diskurs ignoriert wird.
Ein Betriebswirt lernt, wie ein einzelnes Schiff im Sturm navigiert, Kosten senkt und Gewinn maximiert. Ein Volkswirt hingegen analysiert das gesamte Meer, die Strömungen und das Wetter. Herr Langemann macht nun den Fehler zu glauben, weil er weiß, wie man ein Ruderboot (oder ein Medienunternehmen) führt, verstünde er automatisch die globale Thermodynamik des Wetters.
Wenn ein einzelnes Unternehmen in der Krise spart, ist das betriebswirtschaftlich klug. Wenn der Staat als größter Akteur das Gleiche tut, entzieht er dem Meer das Wasser – und am Ende sitzen alle Schiffe auf dem Trockenen. Dass man diesen Unterschied nach wie vor erklären muss, zeigt leider, wie tief der Fehlschluss der „schwäbischen Hausfrau“ in den Köpfen verankert ist.
Danke für diesen klaren Kommentar!
„So geht freier Diskurs: Man bestellt ihn nicht ab, man hält ihn aus.“
Richtig, vorausgesetzt er ist sachlich fundiert und respektvoll ohne die Gegenseite zu diskreditieren.
Schade. Ich habe den Eindruck, Sie Herr Langemann sind dünnhäutiger“ als Herr Flassbeck. Denn Ihre , wenn auch super elegant verpackten, Seitenhiebe auf das Nicht Unternehmehrtum, Beamtentum und politisches Wirken von Herrn Flassbeck, machen m.E. genau dies.
Ich habe selbst eigene Firmen geleitet und war am Aufbau von Firmen in Osteuropa nach dem Mauerfall beteiligt. Es ist wahrlich schwer mit den Widersrüchen der Betriebswirtschaft (Einzelnes Unternehmen), so wie der „schwäbischen Hausfrau“ und der Volksirtschaft umzugehen. Es gibt kein Sparen ohne Schulden (die per se nichts Schlechtes sind) und es darf keinen Wettbewerb zwischen Nationen geben, sondern nur zwischen Firmen.
Wer sich in unserer neoliberalen Wirtschaftsordnung als allein gültige Weisheit verortet, ist gar nicht bzw. nur ganz schwer in der Lage volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Ich gehe sogar noch soweit zu unterstellen, dass die überwiegende Mehrheit auch nicht Willens ist, es überhaupt zu versuchen.
Herr Flassbeck kämpft seit fast 50 Jahren , wie ich überzeugt bin berechtigt, gegen Neoliberale Windmühlen voller Ideologien. Dass er dabei dünnhäutig wird kann ich verstehen.
Es ist wirklich erschreckend, dass der Unterschied zwischen Unternehmertum, BWL, VWL, Mikroökonomie und Makroökonomie einfach nicht verstanden wird. Ich habe die große Sorge, dass unsere Zivilisation daran zugrunde gehen wird, ohne Übertreibung. Überall auf der Welt stehen die verbliebenen demokratischen Systeme ja schon vor der Kernschmelze, weil man es einfach nicht hinkriegt, eine einigermaßen akzeptable wirtschaftliche Entwicklung in die Wege zu leiten, weil man den Kapitalismus (oder die soziale Marktwirtschaft oder wie man es auch nennen will) einfach nicht versteht.
Die Unternehmerperspektive ist eine einzelwirtschaftliche Perspektive und sie auf die Gesamtwirtschaft zu verallgemeinern ist eine fallacy of composition. Es ist viel eher ein Symptom von intellektuellem Versagen, dass man glaubt, „Wirtschaftskompetenz“ wäre das gleiche wie „Unternehmerkompetenz“. Das Gegenteil ist in der Regel der Fall. Wer die Gesamtwirtschaft verstehen will, der muss ganz im Gegenteil abrücken von einer einzelwirtschaftlichen Perspektive eines Unternehmens oder eines Haushalts und die Zusammenhänge zwischen den Akteuren betrachten.
Eine Person kann im Station aufstehen, um ihre Sicht zu verbessern. Es ist aber ein Fehlschluss, zu glauben, dass deshalb alle ihre Sicht verbessern könnten, wenn alle aufstehen. Und genau dieser Denkfehler ist unter 99,9% der Unternehmer verbreitet, wenn sie sich selbst die Fähigkeit zuschreiben, gesamtwirtschaftliche Urteile fällen zu können. Dieser Denkfehler beherrscht beispielsweise die gesamte Diskussion über Wettbewerbsfähigkeit und Verschuldung. Die Gesamtwirtschaft ist eben kein Unternehmen und allein der Versuch, ein Land oder eine Wirtschaft wie ein Unternehmen zu führen muss zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sein, weil es gegen die Logik ist. Das hat auch absolut nichts mit links oder rechts oder mit konservativ oder progressiv zu tun, man muss einzig und allein die zwingenden logischen Zusammenhänge zur Kenntnis nehmen, wenn man auf einem redlichen Fundament argumentieren will.
Außerdem ist der Vorwurf natürlich ein ganz plumper ad-hominem. Man muss kein Unternehmer sein um saldenmechanische gesamtwirtschaftliche Zuammenhänge zu verstehen. Offensichtlich ist es sogar ein Vorteil, keiner zu sein, denn Unternehmer verstehen diese in aller Regel nicht oder zumindest ignorieren sie sie, wenn es darum geht, ihre partiellen Interessen durchzusetzen. Eigentlich haben sie mit ihrem Kommentar nur gezeigt, dass sie gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge nicht interessieren und sie diese gar nicht verstehen wollen. Und der Grund ist klar: Ihre Position wäre dann rational nicht mehr haltbar.
Claude: „Flassbeck baut ein falsches Dilemma: Entweder Zinserhöhung oder externer Ölpreisschock über Lohnindexierung – tertium non datur. Genau das dritte Element existiert aber und ist der in unabhängigen Quellen zentral genannte Mechanismus: Beendigung der Notenbank-Finanzierung des Staatsdefizits plus Wechselkurs-Anker. Das ist der klassische Weg, Hyperinflationen zu beenden – Politik, kein Zufall.
Auch die Timeline stimmt nicht: Die Inflation ist nach Mileis Amtsantritt zunächst massiv gestiegen (Abwertungsschock, Höchststand erst April 2024 bei ~290%), nicht „fast synchron mit der Machtübernahme gesunken“, wie Flassbeck behauptet. Ein im September 2023 einsetzender, moderater globaler Ölpreisrückgang kann eine Kompression von über 200% auf ~30–40% Inflation größenordnungsmäßig kaum erklären.
Und sein eigenes Indexierungsargument widerspricht sich selbst: Wenn Löhne wirklich „binnen Tagen“ an die Inflation gekoppelt wären, dürfte es keine nennenswerten Reallohnverluste geben. Genau solche sind aber – auch von Flassbeck nahestehenden Quellen – gut dokumentiert.
Kurz: Die „reine Logik“, auf die er sich beruft, ist unvollständig, weil er den naheliegendsten Kausalkanal von vornherein ausblendet – nicht weil die Fakten ihn zwingend ausschließen.“
Ich verstehe nicht, weshalb weder Hr. Flassbeck, noch Hr. Langemann ihre Texte mal kurz per KI gegenchecken lassen?
Man muss ja nicht gleicher Meinung sein, aber was fehlt, was uebertrieben, ungenau ist, bekommt man doch auf Anhieb mit jeder freien Version geliefert?
Oder was sollte in der Kurzzusammenfassung von Claude nicht stimmen?
LG Joerg
In der Tat, auch wenn die KI vielfach halluziniert, für solche Plausibilitätschecks ist sie allenthalben gut. Ich bin weder ein Fan der einen , noch der anderen Seite. Aber was jetzt in Argentinien läuft, und ob man das eine oder andere für D kopieren könnte . . . davon habe ich leider nichts gelesen. Es bleibt zu konstatieren: 2 Intellektuelle haben sich mit „Gedöns“ beschäftigt. Und keiner bietet Lösungen an, die dieser oder einer nächsten Regierung helfen würden.
Eine KI ist in einer Welt, die nur unbewiesene und unbeweisbare neoliberale Thesen als Wahrheit kennt, nicht in der Lage, eine andere Position als Wahrheit darzustellen. Sie hat nur Texte ausgewertet, aber nie selbst Forschung betrieben. Dies gilt auch für über 99% der deutschen Bevölkerung.
Und hier liegt kein falsches Dilemma vor. Zinserhöhungen fanden nicht statt, Änderungen des Ölpreises schon. Hier ist nicht von einer Wahl zwischen genau zwei Alternativen die Rede, sondern davon, dass eine bestimmte These untersucht wird. Claude hat nicht haluziniert, hat nichts erfunden, aber hat Unsinn verfasst, um zu belegen, dass Flassbecks Aussagen dem vorherrschenden „Wissen“ entgegensteht. Dies teilt die KI mit allen Medien.
Wenn man sich, wie Flassbeck, 50 Jahre mit Volkswirtschaft beschäftigt, und immer Betriebswirte über die Volkswirtschaft entscheiden, und die öffentliche Diskussion prägen, ist sein Frust für mich nachvollziehbar. Man sehe es ihm nach. Ich bin ihm dankbar für seine Ausklärungsarbeit.
Ich bitte alle Beteiligten auf den Dunning Krüger Effekt zu achten – „Jedes Kind versteht das…“ (H.F.)
Naja, ad hominem ist ja zwecklos bei einer KI …
Das zentrale (neue) Argument war: „Beendigung der Notenbank-Finanzierung des Staatsdefizits plus Wechselkurs-Anker. Das ist der klassische Weg, Hyperinflationen zu beenden – Politik, kein Zufall.“
Das koennen Sie doch leicht nachpruefen?
Das stimmt doch?!
LG Joerg
Ich fand den Kurzvortrag von Prof. Bagus zur bisherigen Historie unter Milei interessant, vielleicht Sie auch?:
https://www.youtube.com/watch?v=feZ70JKvc0Q
LG Joerg
„Auch die Timeline stimmt nicht: Die Inflation ist nach Mileis Amtsantritt zunächst massiv gestiegen.“
Hier sieht man, dass Claude den Unterschied zwischen Monatsraten und Jahresraten nicht auf die Kette bekommt. Flassbeck bezieht sich bei seiner Aussage explizit auf die Monatsraten „die einen gewissen Vorlauf vor den Jahresraten haben.“ Das ergibt auch Sinn, weil es ihm ja hier um die kurzfristige Änderung der Inflationsdynamik und nicht um langfristige Trends geht. Schaut man sich die Monatsraten an, hat Flassbeck durchaus recht, dass der Rückgang der Inflation in etwa mit, wenn nicht sogar leicht vor Mileis Machtübernahme begann. Dazu muss man nur den verlinkten Text öffnen und lesen.
Monat Inflation (m/m) Anmerkung
Jun 2023 5,95%
Jul 2023 6,34%
Aug 2023 12,44% Sprung nach überraschender Peso-Abwertung im Vorwahlkampf
Sep 2023 12,75%
Okt 2023 8,30%
Nov 2023 12,81% Milei gewinnt Stichwahl (19.11.)
Dez 2023 25,47% Milei tritt Amt an (10.12.); massive Peso-Abwertung (~54%)
Jan 2024 20,61%
Feb 2024 13,24%
Mär 2024 11,01%
Apr 2024 8,83%
Mai 2024 4,18% Deutlicher Rückgang setzt ein
Jun 2024 4,58%
Jul 2024 4,03%
Aug 2024 4,17%
Sep 2024 3,47%
Okt 2024 2,69%
Nov 2024 2,43%
„Rückgang der Inflation … wenn nicht sogar leicht vor Mileis Machtübernahme begann“ so so …
LG Joerg
Ja, da hast du es doch selbst gezeigt. Claude redet in seinem Text von der Jahresrate und versucht damit, die Aussage von Herrn Flassbeck zu widerlegen. Die Zahlen der Monatsraten zeigen doch, dass ab Dezember 2023 „fast synchron mit der Machtübernahme“, wie Flassbeck sagt, die Inflationsdynamik rückläufig wurde. Das kann Milei unmöglich durch irgendeine Form von politischen Maßnahmen verantwortet haben. Nichts anderes hat Flassbeck behauptet. Dein eigenes Label „deutlicher Rückgang“ für den Wert im Mai 2024 kann sich wieder nur auf die Jahresrate beziehen. Es geht bei der Behauptung aber nicht um die Jahresrate.
Erwiderung auf Joerg:
Ihre KI-gestützte Analyse bringt zwar scheinbar harte Fakten ein, greift aber bei den makroökonomischen Wirkungsketten grundlegend zu kurz:
1) Die Illusion des Wechselkurs-Ankers:
Die Behauptung, die Kombination aus Sparpolitik und Wechselkurs-Anker sei das eigentliche Erfolgsrezept, unterschlägt die dynamischen Folgewirkungen. Ein künstlich stabiler Wechselkurs bei gleichzeitig kollabierender Binnennachfrage führt unweigerlich zur Zerstörung der heimischen Industrie. Wenn die Wirtschaft im Inland stirbt, fehlen dem Staat mittelfristig die Steuereinnahmen, um diesen Anker überhaupt zu verteidigen. Was kurzfristig wie eine „Bremse“ aussieht, ist der direkte Vorbote einer fundamentalen Zahlungsbilanzkrise, weil das Land seine Wettbewerbsfähigkeit im Rekordtempo einbüßt.
2) Der logische Fehlschluss zur Lohnindexierung:
Der Einwand zu den Reallohnverlusten verkennt die Dynamik einer Hyperinflation. Selbst eine extrem schnelle Indexierung kann den permanenten Kaufkraftverlust innerhalb der Auszahlungsperioden bei Monatsraten von über 20 % nicht verhindern. Wenn Flassbeck vom globalen Rohstoffpreisrückgang als Bremse spricht, beschreibt er den systemischen Impuls: Fällt der äußere Preisdruck, kollabiert das Fundament, auf dem die heimische Preis-Lohn-Spirale überhaupt erst rotieren konnte. Das ist keine „Zufallskomponente“, sondern eine zwingende weltwirtschaftliche Abhängigkeit eines Rohstoffimporteurs.
Sich hinter Lehrbuch-Zitaten über Wechselkurs-Anker zu verstecken, hilft nicht, wenn man die realen, verheerenden Folgen für die argentinische Realwirtschaft (Kollaps von Bau und Industrie) einfach ausblendet. Die Inflation sinkt hier nicht, weil die Wirtschaft gesundet, sondern weil sie gerade beerdigt wird.
Es zählen einzig die Qualität des Arguments und des Gedankengangs und nicht, was jemand in seinem Leben gemacht oder nicht gemacht hat.
Beispiel USA: Die USA gelten in der Wirtschaftspolitik häufig wegen ihrer Dynamik als Vorbild. Und vieles an der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzpolitik ist tatsächlich vorbildlich. Häufig werden jedoch Fehler bei der Zuschreibung von Gründen gemacht, etwa indem eine geringere Regulierungsdicht als in Deutschland und im EWR als einer der Hauptgründe für diese Dynamik angeführt wird.
Die USA steuern jedoch die Konjunktur aktiv über ihre Fiskalpolitik, also über staatliche Verschuldung. Siehe hier z.B.: https://www.congress.gov/crs-product/IF11253
Wer sich nicht nur im politisch-medialen Spektrum vom deutschen Mainstream bis zum konservativen oder rechten Lager bewegt, weiß das. Gerade dieser Aspekt der US-Wirtschaftspolitik wird in Deutschland weitgehend ausgeblendet. Zwar wird die im Vergleich zu Deutschland hohe Staatsverschuldung der USA erwähnt, aber fast immer nur als Problem – kaum je als Ursache ihrer starken wirtschaftlichen Dynamik. Schulden/Zinsen sind in Deutschland Tabu, und so spielt auch der Bundesfinanzminister Tabu, wenn er über Schulden spricht oder drumherum redet oder Schuldenmachen im nächsten oder im vorangehenden Satz mit einem Bekenntnis zum Sparen verbindet.
Es ist schon sehr lustig, dass die Wirkung der steten staatlichen Neuverschuldung allenthalten ignoriert werden, als bestünden Schulden nur aus Zinspflichten und hätten nicht die andere Seite: Vermögen!
Schulden sind Schulden, ja natürlich, aber was man dafür bekommt, ist: Vermögen. Enorme Ausgaben, die zusätzlich unters Volk, in die Wirtschaft gebracht werden, und dort Einnahmen sind. Auch das gehört zur Realität.
„Nun ist Abbestellen das gute Recht jedes Lesers. Aber ich gestehe, mich hat die Geste amüsiert.“
Nein, lieber Herr Langemann, das Amüsement kann ich Ihnen nicht abnehmen: Es hat Sie getroffen, und zwar heftig!
Wer einem Wissenschaftler vorwirft, Wissenschaftler zu sein, ohne je selbst selbst ein Unternehmen geführt zu haben, bzw. nur dann ein Wissenschaftler sein zu dürfen, verlässt den Pfad der Argumentation.
In seinem „Lebenswerk“: „Grundlagen einer relevanten Ökonomie“ hat Flassbeck sehr genau begründet, warum die „schwäbische Hausfrau“ erfunden wurde, um all denen ein Argument in die Hände zu geben, die von Wirtschaft, und zwar von Volkswirtschaft, kein Ahnung haben.
Seinen Begriff der „Relevanz“ sollte man sehr ernst nehmen. Er ist der Schlüssel seiner wissenschaftlichen Grundlage. Damit weist er darauf hin, dass nicht ein statisches mathematisches Modell, vielmehr dass dynamische Geschehen des Wirtschaftens das Entscheidende ist! Das freilich gilt es zu analysieren, und zwar konkret.
Es ist, so muss man Ihnen leider entgegenhalten, leider andersherum: Das (berechtigte) betriebswirtschaftliche Unternehmerdenken, ist nicht in der Lage, das makroökonomische Geschehen zu beurteilen, verschärft durch die unfähigen Politiker, von denen kein einziger ökonomische Erfahrung besitzt.
Genau deswegen brauchen wir diese „einsamen Rufer in der Wüste“, hoffend, eines Tages gehört zu werden.
Es gilt, den Unterschied zwischen Betriebs- und Volkswirtschaft wieder in die Wissenschaft zu integrieren.
Nun ja, Herr Langemann, Sie werden da leider auch sehr unsachlich, wenn Sie Thesen von Flassbeck daran messen, ob er einmal ein Unternehmen geleitet hat. Er hat sich mit der Leitung von Volkswirtschaften beschäftigt, das ist noch viel mehr. Er hat immer wieder auf die betriebswirtschaftliche Rationalitätsfalle – wie das Prof. Bontrup mal genannt hat – hingewiesen, wenn man nicht erkennt, dass ein betriebswirtschaftlich notwendiges und sinnvolles Verhalten zu einer volkswirtschaftlichen grandiosen Fehlentwicklung führen kann. Etwas, was eben kein Unternehme aus seiner betriebswirtschaftlichen Perspektive heraus erkennen kann. Sie gehören leider auch dazu. Dass er ihren Newsletter mit einer unsachlichen Begründung abbestellt hat, wenn Ihre Aussage denn stimmt, ist allerdings bedauerlich. Dass er sehr naiv die Klimaideologie akzeptiert und eine Reihe anderer Dinge, die nichts mit seiner Kernkompetenz zu tun haben, finde ich ebenfalls bedauerlich. In seiner makro-ökonomischen Sichtweise hat er allerdings deutlich mehr Logik und Empirie zu bieten als die marktradikalen Kettensäger, was wir in Argentinien sicher noch sehen werden.
Ich folge regelmäßig dem Blog von Heiner Flassbeck (und auch dem ClubderklarenWorte), und muss sagen, dass es sehr schade ist, dass fast alle, die auch alternative Medien verfolgen und das staatliche Wirken bspw. in den Jahren seit 2020 sehr kritisch sehen, zu 100% auf der Seite der Fans der „schwarzen Null“ oder einer noch stärker libertären Ausprägung zu finden sind.
Tatsächlich ist es genau das Thema von Heiner Flassbeck, dass ein privater Haushalt bzw. Unternehmen und ein staatlicher Haushalt zwei völlig verschiedene Dinge sind: Während ein Unternehmen in der Krise sparen muss, sollte ein Staat die Gegenposition zu den Unternehmen einnehmen. Der Staat sollte also für einen Anschub der Konjunktur sorgen, indem er selbst Geld in die Hand nimmt und für Investitionen und Aufträge sorgt, weil sonst eine Spirale aus sinkenden Ausgaben, die immer auch Einnahmen anderer Wirtschaftsteilnehmer sind, welche dann ihrerseits die Ausgaben senken, sich immer weiter nach unten dreht.
Bekanntestes Beispiel in der jüngeren Geschichte ist die Weltwirtschaftskrise von 1929: In den USA und vor allem auch in Deutschland haben die Unternehmen aufgrund der schlechten Lage nichts mehr investiert und Leute massenhaft entlassen; und auch der Staat hat in den USA und in Deutschland gespart. Richtig ist, dass es Deutschland damals Deflation gab – die Inflation endete mit der Währungsreform im November 1923. Die Deflation erreichte 1932 Werte von -10%, bei einer Arbeitslosigkeit von 30%.
Hier ausnahmsweise ein Zitat aus einer bekannten Online-Enzyklopädie:
>>Reichskanzler Brüning betrieb in insgesamt vier großen Notverordnungen eine einschneidende Spar- und Deflationspolitik: Er erhob neue Steuern bei gleichzeitiger Senkung staatlicher Leistungen, und er wirkte auf eine Absenkung von Löhnen und Gehältern hin. Damit hoffte er, den deutschen Export zu erhöhen, doch weil Deutschlands Handelspartner eine ähnliche Politik betrieben und zudem ihre Zölle erhöhten, musste diese prozyklische Politik scheitern; sie verschärfte letztlich nur die Wirtschaftskrise in Deutschland.>>
Ob Brüning eine Alternative zur Deflationspolitik hatte, ist tatsächlich fraglich: Die Reichsbank war seit 1924 von der Reichsregierung unabhängig, und der Reichsbankpräsident wurde durch den Generalrat gewählt, der zu 50% durch ausländische Finanzexperten besetzt war; dies war eine Folge des Dawes-Plans, der eine Einhaltung der Reparationsverpflichtungen des deutschen Reiches ermöglichen und gleichzeitig für an „finanzieller Solidität“ orientierten Haushaltsentscheidungen der Reichsbank sorgen sollten, wobei ein Hauptaugenmerk auf der Einhaltung der vorgeschriebenen 40%-Golddeckung lag.
Die USA haben mit dem „New Deal“ durch staatliche Ankurbelung der Konjunktur die Lage ab 1933 stabilisieren können. In Deutschland gelang das bekanntermaßen nicht, und es kann kaum Zweifel darüber geben, dass die desolate wirtschaftliche Lage der Hauptgrund dafür war, dass sich eine extremistische Politik durchsetzen konnte.
Hallo Herr Langemann, ich verstehe nicht den Zusammenhang in Ihrer Argumentation. Was hat die Selbständigkeit mit der Analyse zu tun. Es gibt immer noch einen gewaltigen Unterschied zwischen Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft. Als Unternehmer will Ihnen niemand die vielleicht höhere Sachkenntnis u.a. bei Getränkebuden absprechen, daß befähigt Sie aber nicht unbedingt gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge zwischen dem Ausland, Staaten, Haushalten und Unternehmen zu erfassen. Das Sie so versuchen die Qualität der Kritik herunterzuspielen ist aus meiner Sicht unter der Gürtellinie.
Mit freundlichen Grüßen
Enis Kaftanci
Langemanns Antwort besteht im Kern aus einem doppelten Ad-hominem: Statt die von ihm selbst als berechtigt anerkannte ökonomische Frage – Lohnindexierung/Ölpreise versus Mileis Politik als Erklärung der Disinflation – zu beantworten, attackiert er Flassbecks Biografie und politische Schule. Auch beim deutschen Haushalt 2027 argumentiert er nicht gegen Flassbecks sektorale Buchungslogik (Schulden des einen sind Vermögen des anderen), sondern präsentiert die nackte Schuldenzahl als selbstevidentes Scheitern dieser Lehre. Die eigentliche Sachdebatte – sowohl zu Argentinien als auch zur Staatsverschuldung – wird damit umgangen, nicht geführt.
Eine rein betriebswirtschaftliche Sicht kann für volkswirtschaftliche Zusammenhänge blind machen, denn was für einen einzelnen Betrieb gut ist, muss noch lange nicht für die Volkswirtschaft als Ganzes gut sein. Mit Keynes ausgedrückt: Steht im Kino jemand auf, kann er mehr sehen; stehen alle auf, kann keiner mehr was sehen. Deshalb spricht es nicht gegen die ökonomischen Einsichten von Herrn Flassbeck, dass er nie Unternehmer war.
Ich glaube Sie verwechseln Betriebswirtschaft mit Volkswirtschaft, wobei das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Aber den gleichen Fehler begehen auch unsere Politiker immer, sie wollen den Staat führen eine Firma. Siehe die schwäbische Hausfrau, Schäuble der große Ökonom, ach ne, er war ja Rechtsanwalt. So sieht es leider in in unserem Land aus, wir werden von Amateuren regiert. Leider.
Ich stimme Ihnen zu, dass wir von Amateuren regiert werden. Dass Politiker unseren Staat führen wollen wie eine Firma, sehe ich jedoch nicht so. Ganz im Gegenteil. Eine Firma wäre bei dieser Art der Führung und Überschuldung längst insolvent.
Sehr geehrter Herr Langemann, genau solche Artikel sind der Grund, warum ich Ihnen folge. Vielen Dank für Ihre Offenheit. Schade, dass diese Art Journalismus mittlerweile sehr „exotisch“ in unserem Land geworden ist.
Gut gebrüllt Löwe. Wer die Selbständigkeit nicht kennt und das Risiko, kann gar nicht mitreden
mit genau der selben logik kann ich sagen: wer von wissenschaft keine ahnung hat und den unterschied zwischen mikro- und makroökonomie nicht kennt, möge sich bitte aus volkswirtschaftlichen diskussionen heraus halten.
das argument, nur (erfolgreiche) unternehmer dürften mitreden passt in die zeit Bismarcks, aber nicht in unsere.
Ein Kommentar, von jeder Sachkenntnis ungetrübt.
Genau wegen dieser idiotischen Hybris von Betriebswirten, deshalb etwas von Volkswirtschaft zu verstehen geht unser Land vor die Hunde.
oder anders: erfolgreich eine Pommesbude/Bank/Techkonzern/Handwerksbetrieb leitet, ist noch lange kein erfolgreicher Wirtschaftsminister!
Lassen Sie es mich so sagen, Herr Burghardt: Wenn es hart auf hart kommt, traue ich einem fleißigen, erfolgreichen Imbissbuden-Betreiber, der sein Leben lang eigenverantwortlich gewirtschaftet hat, mehr ökonomischen Sachverstand zu als einem professionellen Küchentisch-Kinderbuchautor und Philosophen, der von einer rot-grünen Regierung konsensual ins Amt gehoben wurde. q. e. d. Einverstanden?
Wenn das ihre Einstellung ist, dann haben Sie ein großes Problem. Es gibt nämlich nicht den einen „ökonomischer Sachverstand“, weil Mikroökonomie und Makroökonomie zwei verschiedene Disziplinen sind und mikroökonomische Logik oft diametral im Widerspruch steht zu makroökonomischer Logik, zum Beispiel sei mal das Sparparadoxon als ein Beispiel genannt, wo die Mikrologik vollkommen in die Irre führt, wenn auf die Gesamtwirtschaft angewandt. Alles was ich da raushöre ist, dass sie mehr auf eine Gruppenzugehörigkeit vertrauen, als auf rationale Argumente. Schwer von Religion zu unterscheiden. Ein Argument davon abhängig zu machen, wer es äußert, statt die inhaltlichen Argumente zu betrachten, disqualifiziert sie von jedem sachlichen Diskurs.