von Diana-Maria Stocker
Reza Pahlavi – der Sohn des letzten iranischen Schahs gibt sich als Hoffnungsträger für eine neue Republik.
Ein Mann ruft nach Demokratie – und trägt einen Titel, den die Demokratie nicht kennt: Prinz.
Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs von Iran, will das politische Schicksal seines Landes wenden. Der Exil-Iraner lebt in den USA, spricht fließend Englisch, zitiert Montesquieu – und träumt laut von einem freien, säkularen, republikanischen Iran.
Doch wie glaubwürdig ist dieser Mann, dessen Vater eine Monarchie führte, die Freiheit unterdrückte? Was bleibt von einem Traum, wenn sein Träger Teil jenes Albtraums ist, aus dem das heutige Regime einst geboren wurde?
Reza Pahlavi ist kein gewöhnlicher Oppositionspolitiker. Er ist Erbe einer Dynastie, deren Name im Iran tief gespaltene Reaktionen auslöst. Für die einen steht Pahlavi für Modernisierung, Frauenrechte, Bildung, Fortschritt. Für die anderen für politische Gefangene, Folter und einen repressiven Polizeistaat im westlichen Stil.
Sein Vater, Mohammad Reza Schah, war nicht nur Verbündeter der USA, sondern vor allem Autokrat. Ein Pfau auf ebensolchem Thron. Er herrschte mit Glanz und Gewalt, mit einem aufwendig inszenierten Staatskult, einem Geheimdienstapparat, der Zehntausende verhaften, foltern oder verschwinden lassen ließ. Er war der „König der Könige“, gefeiert im Westen, gehasst im eigenen Land. Die Macht des Schahs wurde maßgeblich durch den Westen gestützt. 1953 sicherte ein von der CIA und dem britischen MI6 unterstützter Putsch (Operation Ajax) seine Herrschaft, indem der demokratisch gewählte Premierminister Mohammad Mossadegh gestürzt wurde. Diese ausländische Einmischung vertiefte die Abhängigkeit des Schahs vom Westen und nährte den Groll vieler Iraner gegen sein Regime.
Gleichzeitig wollte dieser letzte Schah von Persien den Iran modernisieren. Mit seiner „Weißen Revolution“ verteilte er Land, schuf Bildungschancen, ermöglichte Frauenrechte. Doch die Reformen waren oft ineffizient und begünstigten die Eliten. Bauern verarmten, die Städte quollen über und die neue Mittelschicht stellte Fragen, die das Regime nicht beantworten konnte.
Der Schah lebte in einem Paralleluniversum aus Gold und Seide. 1971 feierte er in Persepolis das 2500-jährige Bestehen der Monarchie – mit geschätzt hundert Millionen Dollar aus der Staatskasse. Währenddessen verarmte das Volk. 1979 war der Bruch unausweichlich. Ajatollah Chomeini kam, der Schah floh. Reza Pahlavi war damals 18 Jahre alt.
Trägt ein so junger Mann Mitschuld oder gar Erbschuld an den Vergehen seiner Väter? Sicher nicht. Aber wenn er demokratisch führen will, sollte er auch das Versagen der eigenen Wurzeln benennen. Denn wie heißt es: Aus Fehlern lernen. Pahlavi aber schweigt lieber über die Schatten, aus denen er kommt – während er in hellem Licht eine neue Ära beschwört.
Im Westen ist Reza Pahlavi beliebt. Er spricht die Sprache, kennt die Codes, gibt der Sehnsucht nach einem „vernünftigen Iraner“ ein vertrauenswürdiges Gesicht. Ein Oppositionsführer im Maßanzug, der nicht mit Turbanen und Kalaschnikows auftritt, sondern mit Verfassung und Bürgerrechten.
Seine Unterstützer sitzen in London, Paris und Los Angeles – nicht in Teheran oder Shiraz.
Im Iran selbst bleibt Reza Pahlavis Einfluss marginal, da er seit 1979 im Exil lebt und keine organisierte Basis im Land hat. Viele Junge kennen ihn kaum, die Alten erinnern sich ungern. Er hat keine Partei, kein Mandat, kein Netzwerk im Inneren. Unter den Oppositionsgruppen im Iran und im Exil ist seine Rolle umstritten. Monarchistische Exilgemeinschaften, insbesondere in den USA und Europa, unterstützen ihn als Symbol eines alternativen Irans. Doch andere Oppositionsgruppen, wie die Volksmudschahedin (MEK) oder reformistische Bewegungen, stehen ihm skeptisch bis ablehnend gegenüber, da sie seine Verbindung zur Pahlavi-Dynastie und die damit verbundenen autoritären Erinnerungen kritisch sehen.
Der Umstand, dass ein Mann wie Reza Pahlavi heute gegen die Mullahs aufsteht, macht ihn nicht automatisch zum Hoffnungsträger. Zwischen Exil und dynastischer Vergangenheit bleibt er ein Symbol dafür, dass Irans nächste Regierung erneut von Geheimdiensten und westlichen Interessen geprägt sein könnte.
In einer historischen Rede nach dem US-Angriff auf iranische Atomanlagen ruft Reza Pahlavi – Sohn des letzten Schahs von Persien – zu einem demokratischen Neuanfang im Iran auf. Leidenschaftlich, anklagend und visionär adressiert er sein Volk und die Weltöffentlichkeit. Er benennt das Regime um Ali Chamenei als Quelle allen Übels – und bietet zugleich einen konkreten Plan für einen friedlichen Wandel.
Jetzt ansehen: Die ungekürzte englische Originalrede – ein Zeitdokument voller Dramatik und Hoffnung.
Ein filmischer Blick zurück: Der Iran zwischen Glanz, Geschichte und geopolitischem Spiel
Aus dem reichen Fundus der CHRONOS-Filmchroniken entstand ein neu geschnittener Dokumentarfilm, der das Vermächtnis dreier Quellen vereint: The Heirs of Cyrus the Great (1974), Politics of Oil (1980) sowie private Super-8-Aufnahmen von Irmgard und Bengt von zur Mühlen. Letztere gehören zu den stillen Chronisten des 20. Jahrhunderts – ein Ehepaar, das seit den 1960er Jahren mit Kamera und Kompass um die Welt reiste, um Geschichte nicht nur zu erzählen, sondern visuell zu bewahren.
Die von ihnen gegründete Produktionsfirma CHRONOS brachte über fünfhundert Dokumentarfilme hervor, vielfach ausgezeichnet, zweimal gar für den Oscar nominiert – eine stille, aber eindrucksvolle Anerkennung für ihr konsequent unabhängiges Filmschaffen.
In rund 15 Minuten entfaltet der englischsprachige Film eine atmosphärische Reise in das Jahr 1974: Ein Iran, der in seiner Hauptstadt Teheran einen geradezu futuristischen Glanz verströmt – modern, selbstbewusst, dynamisch. Doch der Film belässt es nicht beim Oberflächenglanz: Er webt sich durch die Jahrzehnte und lässt ikonische Momente auferstehen, darunter:
die prunkvolle Krönung von Schah Mohammad Reza Pahlavi und Farah Diba am 26. Oktober 1967,
der Persische Staatsstreich vom 21. Februar 1921,
der erste Staatsbesuch des afghanischen Königs im Iran im Jahr 1928
und die bemerkenswerte Rede des Schahs vor der UNO am 21. November 1949.
All dies eingebettet in hochwertig restaurierte Bilder: Originalmaterial in High Definition gescannt und mithilfe moderner KI-Software sensibel aufbereitet – ein restaurierter Blick auf eine Epoche zwischen Hoffnung und Hybris.
Der Film ist mehr als eine Montage vergangener Tage – er ist ein visuelles Zeitdokument, das zum Nachdenken einlädt. Wenn er Sie berührt oder inspiriert, zögern Sie nicht, ihn weiterzuempfehlen – über den Share-Button im Player.
Die aktuelle Lage – Chronologie der Eskalation
Washington/Teheran, 23. Juni 2025, 08:00 MESZ –
In der Nacht zum 22. Juni griffen die USA drei iranische Atomanlagen in Fordo, Natans und Isfahan an. US-Präsident Donald Trump erklärte in einer Ansprache: „Irans entscheidende Anlagen zur Urananreicherung sind komplett zerstört.“ Er drohte mit weiteren Angriffen, sollte der Iran nicht „den Weg des Friedens wählen“. Die Operation „Midnight Hammer“ setzte sieben B-2-Tarnkappenbomber und 14 bunkerbrechende GBU-57-Bomben ein, ergänzt durch Marschflugkörper von U-Booten.
US-Vizepräsident J.D. Vance betonte auf NBC: „Wir führen keinen Krieg gegen den Iran, sondern gegen Irans Atomprogramm.“ Er sprach von einer Verzögerung des iranischen Nuklearprogramms „um Jahre“ und drängte auf diplomatische Gespräche. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigte, dass keine Strahlung freigesetzt wurde, Schäden an den Anlagen seien jedoch unklar.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi nannte die Angriffe auf X „ungeheuerlich“ und warnte vor „dauerhaften Folgen“. In Istanbul erklärte er, die USA hätten „kaum Raum für Diplomatie“ gelassen. Iranische Revolutionsgarden feuerten Dutzende Raketen auf Israel, wobei 86 Menschen verletzt wurden. Teheran bestätigte Schäden um Fordo, bestritt aber weitreichende Zerstörung.
Die EU zeigte sich besorgt. Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte „schnelle Verhandlungen“ und betonte: „Diplomatie ist der einzige Weg.“ EU-Ratspräsident António Costa rief zur „Zurückhaltung“ und Einhaltung des Völkerrechts auf. Bundeskanzler Friedrich Merz drängte Iran zu sofortigen Verhandlungen.
UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor einer „Spirale des Chaos“ und einer „Bedrohung für den internationalen Frieden“. Russland und der Irak verurteilten die Angriffe als Verstoß gegen internationales Recht. Israel lobte die Aktion als „historisch mutig“.

3 Antworten
Reza Pahlavi ist die Verkörperung des von Israel und den USA gewünschten Regimewechsels, um deren Interessen zu verteten. Damit kommt der Iran vom Regen in die Traufe und erleidet am Ende möglicherweise ebenso das traurige Schicksal der Länder, in denen der Westen in der Vergangenheit bereits einen Regimewechsel gewaltsam erzwang.
Wenn ein von der USA unterstützter Exil-Iraner für den Umsturz und die danach folgenden Demokratie wirbt, habe ich es sehr sehr ungutes Gefühl. Ich kenne 2 Iraner, welche in Deutschland leben und die sind zwiegespalten mit der aktuellen Situation. Teils hoffnungsfroh, aber auch skeptisch, was nach dem Sturz im Iran passieren wird. Hier kommen unweigerlich Erinnerungen zum Irak und Libyen auf, was dort nach dem demokratischen Krieg der USA an Chaos vorherrscht, brauchen wir nicht zu diskutieren. Für uns als behütete Deutsche absolut, nicht mal im geringsten, nicht nachvollziehbar, was dort abgeht ! Sorry, aber dort wo die USA militärisch interveniert, ist die Zukunft des Landes auf viele Jahre buchstäblich in einer Mülltonne zu finden!
Ein Fakt dürfte sein, dass die USA das Trauma der Geiselnahme vom 4. November 1979 im Iran noch nicht überwunden haben und es wie ein Abszess im Fleisch Schmerzen verursacht hat. 444 Tage Geiselhaft hinterlassen schlimme Spuren und Operation Eagle Claw zur Befreiung der Geiseln war auch ein Fehlschlag, der viele Opfer kostete. https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Eagle_Claw Desweiteren war der Schah-Besuch in Berlin der Beginn der Studentenunruhen.