Der große Flirt Ratgeber

von Peter Löcke //

Was geht? Was geht bei den Mädels?

Manchmal vermisse ich junggesellige Zeiten, als man solche Fragen unter Männern stellte und anschließend Flirt-Tipps und erfolgversprechende Anmachsprüche austauschte. Und selbstverständlich prahlte man(n) mit der einen oder anderen weiblichen Eroberung aus jüngster Zeit. In der Luft lag nicht selten ein giftiges Gemisch aus Testosteron, Alkohol, Nikotin und Schweiß. Am anderen Ende der Kneipe oder Disco, also dort, wo die angebeteten Mädels saßen, roch die Luft erheblich angenehmer. Vermutlich war dort auch der Wahrheitsgehalt der Gespräche höher, was tatsächlich bei den angeblichen Eroberungen passierte oder besser gesagt – was nicht.

Was geht heute? Was geht heute ab beim Flirten?

Rien ne va plus. Nichts geht mehr, soweit ich das als Unbeteiligter beurteilen kann. Woran liegt das? Auf die Gefahr hin, nun die Hälfte der Leserschaft zu verlieren – das liegt an einer zumindest teilweise toxisch weiblichen Gesellschaft, die uns Männern geschickt einredet, wir würden uns immer noch in einer toxisch männlichen Gesellschaft befinden. Diese weibliche Strategie halte ich übrigens für reichlich raffiniert. Chapeau! Statt des in der Überschrift angepriesenen Flirt-Ratgebers folgen dementsprechend Warnhinweise, was alles nicht mehr in der menschlichen Brunft erlaubt ist. Das gute alte Ausschluss-Prinzip führt oftmals zum Ziel. 

Was geht heute nicht mehr? Catcalling geht gar nicht. Hinter diesem Anglizismus verbergen sich anzügliche Äußerungen, Rufe, Gesten, Pfiffe und sogar Blicke. Also soll dieses Verhalten bald unter Strafe gestellt werden. In der Realität sieht das dann so aus: Ein alter weißer Mann – das sind die Schlimmsten – sitzt im Hochsommer vor einem Straßen-Café, als zufällig eine leicht bekleidete junge Frau wie in Zeitlupe vor ihm her flaniert. Falls er dieser Dame, er nimmt sie in seiner männlichen Primitivität als eine „10 von 10“ wahr, mit offenem Mund auf dem Catwalk der Fußgängerzone hinterher schaut, handelt es sich bereits um strafbares Catcalling. Das Strafmaß erhöht sich, sollte dem alten weißen Lüstling dabei unbewusst ein akustisch wahrnehmbares „Holla die Waldfee“ über die Lippen kommen. Hierfür muss man wissen, dass die in meinem Fallbeispiel mit einem Hauch von Nichts bekleidete Dame keine Aufmerksamkeit möchte und anerkennende Blicke generell als Belästigung empfindet.

Wie und wo soll das enden? Ich verrate es Ihnen. Das endet damit, dass bald jede Form der Kontaktaufnahme unter Sexismus-Verdacht steht. Wir gehen dennoch in den Nahkampf für den hypothetischen Fall, dass es zu einem ersten Rendezvous kommt. Auch hier gibt es No-Gos für Männer.

Verzichten Sie als Mann unbedingt auf Komplimente körperlicher Art! Keine Frau möchte hören, dass sie schöne Augen oder gar einen knackigen Hintern hat. Damit reduzieren sie die Dame ihres Herzens auf ihr Äußeres und beleidigen indirekt ihr Inneres. Alles schon gelesen. Sie wollen als Gentleman die Rechnung begleichen? Bloß nicht. Die Frau könnte diese Höflichkeit missverstehen und sich unter Druck gesetzt fühlen, diese Rechnung mit anderen Dienstleistungen begleichen zu müssen. Schlimmer noch. Mit einer Einladung vermittelt der Mann der Frau das Gefühl, sie stehe sozial und finanziell unter ihm. Und ja – alles schon gelesen.

Was geht denn überhaupt noch bei Männern und Frauen? Online geht sehr viel.

Digital kann anhand von Fragebögen festgestellt werden, ob Mann und Frau zueinander passen, ob sie ein Match haben. Sozialer Status, Sternzeichen, sexuelle Präferenzen, Hobbys, Heimatort und vieles mehr? Das kreuzen Sie an und der Computer verrät Ihnen ein menschliches Betriebssystem, welches zu 92 Prozent mit Ihrem inneren Betriebssystem kompatibel ist. Ob das Gegenüber Niete oder Elite ist, weiß der PC bereits vor der ersten Kontaktaufnahme. Geht mehr Romantik?

Sie lachen? Der Themenkomplex Sexualität, Flirten und Partnersuche ist ernster als es vordergründig erscheint. Auch hier zeigt sich wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen eine seltsame Widersprüchlichkeit. Auf der einen Seite herrscht eine spießige Überempfindlichkeit, schon in kleinsten Gesten, ja schon in der Verwendung eines falschen Pronomens, einen Übergriff wahrzunehmen. Auf der anderen Seite ist eine Tendenz zu beobachten, tatsächliche pathologische Perversionen oder die Frühsexualisierung von Kindern unter dem Dach des Regenbogens zu tolerieren.

Was geht? Das geht gar nicht.

Vielleicht hatte mein verstorbener Großvater Recht. Der hatte für jede Lebenslage die passende Redensart. Solche Weisheiten können ebenfalls widersprüchlich sein, zumindest bei Fragen um die richtige Partnerwahl. Gegensätze ziehen sich an! Danke für diesen Tipp, Opa. Gleich und gleich gesellt sich gern! Ja, was denn nun, Opa? Flirt-Tipps und erfolgversprechende Anmachsprüche gab er mir nicht auf meinen Weg mit, sondern nur einen guten Ratschlag für das gesamte Leben. Ran an den Speck! Fairerweise muss man sagen, dass eigentlich Oma die Hosen anhatte. Ihre berüchtigten Kaffeekränzchen waren für jeden Mann tabu. Apropos?

Was geht? Was geht bei den Kerlen?

Liebe Leserinnen des Clubs der klaren Worte. Wenn sie die Köpfe zusammenstecken und über uns Männer reden, dort, wo es meist besser riecht und der Wahrheitsgehalt der Gespräche höher ist, wenn sie das also tun und sich unterhalten, was bei Männern geht und was nicht – wie lauten dann ihre Antworten?

Butter bei die Fische! Das müssen sie uns Männern unbedingt verraten, damit wir nicht dumm sterben. Vor allem jenen, mit denen sie schon seit Ewigkeiten liiert oder verheiratet sind.

 

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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2 Antworten

  1. Lieber Herr Löcke,
    Als Leserin des Clubs der klaren Worte und „Fangirl“ Ihrer Kolumne möchte ich gerne Ihre Frage „was geht bei den Kerlen“ beantworten. Wenn sich Kerl und Mädel Ihrer natürlichen Männlichkeit bzw. Weiblichkeit bewusst sind und damit auch selbstbewusst umgehen, dann „geht eine Menge“. In den von Ihnen beschriebenen Fällen bin ich mir sicher, dass es sich um Frauen handelt, die sich Ihres eigenen Wert nicht sicher sind. Wenn man z. B. ein Kompliment zum eigenen Aussehen als Beleidigung der inneren Qualitäten auffasst, dann zeigt das einen gehörigen Minderwertigkeitskomplex. Genauso das Bezahlen bei der Einladung – womit man sich ja im Zuge der Emanzipation auch abwechseln kann – empfindet nur derjenige degradierend, der sich sowieso schon als unterlegen erachtet.
    Die Krux liegt in der Gleichmachung der Geschlechter. Frauen und Männer sind selbstverständlich gleich „wert“, aber eben nicht GLEICH. Allein unsere Genetik (xx und xy) zeigt das schon deutlich! Wir ERGÄNZEN uns aber hervorragend auf Augenhöhe und sollten diese Unterschiedlichkeit entsprechend feiern! Vielleicht würde diese Frage beim ersten Date einiges erleichtern (Netzfund): Wie bewusst bist du dir deiner eigenen Traumata und unterdrückten Gefühle und wie aktiv arbeitest du daran, diese zu heilen, bevor du versuchen wirst diese auf mich zu projizieren?

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