Die deutsche Jahresvorschau

// von Peter Löcke

Und noch ein Jahresrückblick? Ohne mich. Wer möchte sich schon an die politischen Ereignisse des Jahres 2025 erinnern. Blicken wir also nach vorne. Was wird sein im neuen Jahr? „Que sera, sera?“ fragte sich schon die wunderbare Doris Day. Nur bringen mich ihre Antworten nicht weiter.

„Was auch immer geschehen wird, wird geschehen. Die Zukunft liegt nicht in unserer Hand. Was sein wird, wird sein.“

Das ist mir von D-Day zu vage und fatalistisch formuliert. Also mache ich das, was auch jeder Virologe und Klimaforscher in meiner Situation tun würde. Ich modelliere die Nachrichten-Zukunft. Mehr irren und danebenliegen als die Modellathleten der Wissenschaft kann ohnehin niemand. Die nun folgende satirische Jahresvorschau 2026 soll Zuversicht atmen. Zumindest bei den Überschriften halte ich mich an den Wunsch des deutschen Kanzlers. Neben Absurditäten können versteckte Wahrheiten und Hinweise  auf tatsächliche Nachrichten nicht in Gänze ausgeschlossen werden.

Januar – Steuern werden abgeschafft
Paukenschlag zu Jahresbeginn. Finanzminister Lars Klingbeil verkündet die Abschaffung von Steuern. Er verkündet die Abschaffung des Wortes. Weil der Begriff Steuern bei einem Großteil der Bevölkerung negative Gefühle auslöst, soll das Wort gestrichen werden. Bereits bestehende Staatseinnahmen wie Lohn-, Umsatz- oder Mehrwertsteuer werden sukzessive durch positiv klingende Begrifflichkeiten ersetzt. Anders verhält es sich bei neuen staatlichen Einnahmequellen. „Der Zucker-Zehnt gilt ab sofort. So Klingbeil.

Februar – Schüler in Divisionsstärke
Schriftliches Dividieren steht nach den Sommerferien nicht mehr auf deutschen Lehrplänen. Zudem werde das ursprünglich nur für Niedersachsens Grundschulen angedachte Konzept bis zur Oberstufe ausgedehnt. „Wer teilen will, will spalten. Dabei geht viel in die Brüche.“ So Bildungsministerin Karin Prien. Verteidigungsminister Pistorius pflichtet seiner Amtskollegin bei und betont, dass der Zähler nicht zählt, wenn man einen gemeinsamen Nenner gefunden habe. „Unterm Strich brauche ich Schüler in Divisionsstärke und nicht Schüler mit Divisionsstärken.“

März – Außenseiter gewinnt alternativen EU Song Contest
In Brüssel findet der erste alternative europäische Sangeswettbewerb statt. „Keine politischen Botschaften. Keine Boykotte. Einfach nur Musik.“ So das erklärte Ziel von Initiator Martin Sonneborn. Dennoch löste der 82-jährige Überraschungsgewinner aus der Schweiz eine politische Kontroverse aus. Stephan Sulke steht nach seinem Lied „Uschi mach kein Quatsch“ auf der Sanktionsliste von EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

April – Dobrindt verkündet große Migrationswende
In Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und dem statistischen Bundesamt verkündet Innenminister Alexander Dobrindt positive Zahlen. Seine Stellungnahme im Wortlaut: „Wir haben unsere Anstrengungen mehr als verdoppelt auf nun 600.000 Einbürgerungen im Jahr 2025. Dadurch bleibt der Anteil ausländischer Mitbürger in Deutschland konstant. BKA-Chef Holger Münch bestätigt seinen Vorgesetzten. „Etwaige Täter aus diesem Milieu tauchen in der Polizeistatistik als  Deutsche auf. Das sorgt für gesellschaftlichen Frieden, erfreut Georg Restle und wird rechtsextremen Parteien den Zahn ziehen.“

Mai  Endlich Entbürokratisierung
Kettensäge auch in Deutschland. Arbeitsministerin Bärbel Bas verkündet den langersehnten schlanken Staat. Das neue ihr unterstellte Bürokratie-Abbau-Ministerium, kurz BAM, nimmt seine Arbeit auf. „Die hundert BAM-Beamten werden von einem Expertenrat unterstützt, von Beauftragten überwacht und entwickeln Lösungsstrategien, welche die Rationalisierung des eigenen Arbeitsplatzes bis zum Ende der Legislaturperiode zum Ziel haben.“ Die Stellungnahme der Bärbel Bas wurde von den Hauptstadtjournalisten ohne Gelächter zur Kenntnis genommen.

Juni bis August – Aufschwung durch Sommerpause
„Keine Maßnahmen sind die besten Maßnahmen.“ Wirtschaftsweise Veronika Grimm zeigt sich erfreut über den Sommeraufschwung der deutschen Wirtschaft. Grimm weiter: „Das Ausbleiben gesetzlicher Verschlimmbesserungen durch die Sommerferien der Regierung sorgt neben dem heißesten je gemessenen Sommer für einen Kaufrausch der Konsumenten. Da darf die Kugel Eis auch mal drei Euro kosten.“

September – Wimpel als Wahlgewinner
Die „unsere Demokratie“ gewinnt die mit Spannung erwarteten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Der einzige Wahlverlierer AfD verpasst die absolute Mehrheit mit jeweils nur 40 Prozent der abgegebenen Stimmen deutlich. Nach Jamaika, Kenia, kleinen wie großen Koalitionen sowie Ampel kommt es nun zum Wimpel. Der Wimpel vereinigt alle Farben des politischen Regenbogens außer blau. Der Wahlgewinner Wimpel verspricht dem Bürger, seine Politik in Zukunft besser zu erklären.

Oktober – Kaffee statt Corona
„Ich mach mich nicht weiter zum Covidioten für die Geschichtsbücher.“ Nachdem der Vorsitzenden der Corona-Enquete-Kommission, Franziska Hoppermann, der Kragen platzte, wurden Änderungen bei Geschäftsordnung und Ablaufplan veranlasst. Mikrophone und Kameras werden durch ein standesgemäßes Catering ersetzt. „Bankett statt Enquete. Kaffee statt Corona. Amnestie durch Amnesie.“ So lautet das Motto bis zum Verfassen des Abschlussberichtes.

November – ReBuild Germany
Die seit Jahren erfolgreiche Wirtschaftsmesse „ReBuild Ukraine“ findet nun auch einen deutschen Ableger. Als Schirmherr und Feldherr der Veranstaltung „ReBuild Germany“ konnte kein Geringerer als Bundeskanzler Friedrich Merz gewonnen werden. Hier Auszüge seiner historischen Rede vor leeren Rängen: „Die kriegen Wirtschaft. Wir kriegen Kriegswirtschaft. Flieht, ihr Narren.“

Dezember – Robert sucht die Super Apokalypse
Etwas Leichtes wie Seichtes zum krönenden Jahresabschluss 2026. Nach Karrieren als Autor und Politiker, nach Auftritten auf Theaterbühnen und Leinwänden, erhält ein prominenter Ex-Minister seine erste TV-Show. Pünktlich zum Silvesterabend des kommenden Jahres läuft die Premiere von „Robert sucht die Super Apokalypse“. Vernunft? „Die kriegst du nicht in Deutschland, Alter.“

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