die rote liste

Die Rote Liste

// von Markus Langemann

In Neustadt bei Coburg gehen zum Jahresende die Lichter aus. Achtundachtzig Jahre lang rollten dort die gelben Trettraktoren vom Band, ein Stück Kindheit, made in Germany. Jetzt ist Schluss. Über einhundert Menschen, viele jenseits der fünfzig, suchen im neuen Jahr eine Zukunft, die es am Ort nicht mehr gibt.

Es wäre eine traurige Randnotiz, stünde sie allein. Sie steht nicht allein.

Varta, einst deutscher Weltmarke, droht die Zerschlagung. Ein Traditionsverlag in Göttingen, eine Versandapotheke in Bad Laer, ein Klebebandwerk im Allgäu mit Wurzeln bis 1855 – alle im selben Monat, alle im selben Ton. Die Insolvenzen liegen so hoch wie seit über einem Jahrzehnt nicht: rund zwölftausendneunhundert Unternehmen allein im ersten Halbjahr, der höchste Wert seit 2013. Eine Zahl, die man nicht mehr als Ausreißer verbuchen kann. Sie ist der Trend.

Und dann die andere Front, die keine Gerichtsakte braucht. Über einhundertsiebenundsechzigtausend Stellen haben deutsche Konzerne seit Anfang 2025 zum Abbau angekündigt. Namen, die einmal für dieses Land standen: Volkswagen, fünfunddreißigtausend. Bosch, zweiundzwanzigtausend. Porsche, an einem einzigen Julitag noch einmal fünftausend obendrauf. ZF, Continental, thyssenkrupp. Selbst der Agrarriese BayWa hält sich nur mit einem Sanierungsplan über Wasser, dessen Tinte noch nicht trocken ist.

Man nennt das Transformation. Man nennt es sozialverträglich. Es sind schöne Worte für einen Vorgang, der sich nüchtern so beschreiben lässt: Ein Industrieland fährt seine Substanz herunter, Werk für Werk, Abfindung für Abfindung, und wer die Rechnung am Ende zahlt, steht in keinem Programm.

Die Zahlen lügen nicht. Man muss sie nur nebeneinanderlegen. Wir haben das getan.


Die vollständige Übersicht – alle bekannten Insolvenzen von Januar bis Juli 2026 sowie der Stellenabbau der großen Marken – finden Sie als Infoblatt zum Download hier im Club der klaren Worte.

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3 Antworten

  1. Den Transformations-Spinnern müssen die Menschen die dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren mal die Meinung sagen !!! Nur ist das sinnlos. Dieter Bohlen formulierte es so: „Erklär mal einem Idioten, dass er ein Idiot ist“. Die Politik ist derzeit auf Lügen und Volksverhetzung aufgebaut. In einer Demokratie wäre es nicht schlimm. Denn da hätte das Volk was zu sagen. Aber wir haben keine, so ein Quatsch wird uns bloß eingeredet. Neu-Wahlen in derzeitiger Form sind ein völlig ungeeignetes Mittel um zerstörerische Dummheit zu verhindern. Neuwahlen bewirken andere Politikschauspieler die unter gleichen Regisseuren dasselbe Drehbuch abspulen. Wobei die Regisseure und die Drehbuchschreiber gar nicht zur Wahl stehen, auch unerkannt im Dunkeln wirken. Mal ganz davon abgesehen, dass es nach einer Neuwahl sogenannte Koalitionsverhandlungen hinter den Rücken der Bürger gibt und über das Ergebnis nicht abgestimmt werden darf. Dieses Verhandlungsergebnis muss der Bürger dann eine sogenannte Legislaturperiode schlucken und sei es kriminell. Wie kann man diesem Mangel abstellen? Drei Punkte würden genügen: Verfassung, Verantwortung und Abstimmungen.
    Unsere Not-Verfassung ist das GG. Es ist nicht grundsätzlich schlecht, bedarf aber einiger Verbesserungen. So sollten an das Wahlrecht aktiv und passiv einige Anforderungen gestellt werden wie höhere Altersgrenzen, öffentliche Steuererklärungen, usw Wir brauchen keine gläsernen Bürger, sondern gläserne Volksvertreter! Diese müssen auch verantwortlich handeln und ggf jederzeit zur Rechenschaft gezogen werden. Z. B. wenn sie physikalischen Quatsch (wie den Klimawandel erzählen). Und es müssen jederzeit Abstimmungen über Gesetze und Personen stattfinden können, was zu Internet- und Handy-zeiten kein Problem sein sollte. Abstimmungen stehen sogar im GG (Art 20.2). Das Problem ist leider die Justiz: Da gibt es ein BVerfG was das GG mit Füssen tritt und ein Fall für den Verfassungsschutz wäre, – wenn wir einen hätten, der den Namen verdient! Glauben Si nicht? Dann lesen Sie mal das 24. Wort in Artikel 5.1 und danach den Art. 19.2. Na? dämmert es? Kirchhof wurde von Merkel bestochen! Das beschreibe ich hier https://polpro.de/solution.php#sol2 . Auch die Richter in Karlsruhe müssen zur Verantwortung gezogen werden können! Aber im Moment bekommen sie ein Gehalt von ca. 1 Mio € alle 7 Jahre. Und sie dürfen die Bearbeitung absolut jeder Eingabe ohne Begründung anonym ablehnen, – und tun das auch! Solche Systemmängel (und einige Andere auch) müssen beseitigt werden. Dann gehen weiterhin Firmen aus dem Markt, – nur eben nicht mehr, weil es vorsätzlich destruktive Politiker gibt.

  2. Wir müssen die Legitimationsfrage stellen. Die politischen Entscheidungen, die zu dieser verheerenden Situation geführt haben, waren keineswegs alternativlos. Die Sanktionen gegen Russland entsprechen keinen realen Sachzwängen, sondern der paranoiden Vorstellung von einem russischen Imperialismus, der mitunter sogar bis nach Lissabon reichen solle.
    Wer in Deutschland eine amtliche Fahrerlaubnis erwerben möchte, muss in Prüfungen ausreichende Kenntnisse der Verkehrsregeln nachweisen. Wer in höchsten Regierungspositionen eine Anti-Russland-Politik betreiben möchte, sollte am besten von der Genese des Ukraine-Konflikts nicht den Hauch einer Ahnung haben. Aufklärung, welche zum Verständnis russischer Interessen führen könnte, ist definitiv unerwünscht. Was sage ich? Sanktionsbewehrt verboten!

    450 Millionen Bürger europäischer Länder befinden sich in Geiselhaft von wenigen Hasardeuren, angeführt von den transatlantischen Hasardeusen v.d. Leyen und Kallas, die eine Wette eingegangen sind, nämlich die Wette auf einen Sieg der USA über Russland. Die Schlacht dürfen Ukraine und EU derweil stellvertretend führen. Eine Wette, die bei nüchterner Betrachtung von Anfang an völlig aussichtslos war. Ähnlich wie Trumps Wette auf einen schnellen Sieg über den Iran, verbunden mit dem Ziel, den Weltenergiemarkt unter amerikanische Kontrolle zu bringen, um danach China ökonomisch in die Knie zwingen zu können.

    Keine Verträge und keine demokratische Verfassung kann einer Regierung die Option einer Wette ums Ganze gewähren. Endsieg oder Untergang kann niemals Staatsräson sein. Räson bedeutet nichts anderes als Vernunft. Die dritte und einzig vernünftige Alternative heißt Frieden durch Diplomatie. Das ist der Geist des Grundgesetzes und der UN-Charta.

  3. Ja, es sind am Ende Millionen von Arbeitsplätzen im industriellen Bereich die wegfallen. Weil Energie zu teuer ist, weil die Chinesen vom Abnehmer zum Wettbewerber geworden sind, weil eine alte Bevölkerung weniger konsumiert, weil zu viel Bürokratie lähmt, weil der Sozialstaat zu viel kostet und Eigeninitiative lähmt, weil der Staat zu viel konsumiert, …, investieren die Unternehmen lieber woanders. Und vom gegenseitig die Haare schneiden, kann eine Gesellschaft nicht leben. Heisst, die Flucht in die Dienstleistungen ist nur begrenzt möglich. Jetzt kommt noch die KI hinzu, die massiv Arbeitsplätze kosten wird. Und gleichzeitig holen wir uns, bei mindestens fünf bis sechs Millionen Unterbeschäftigten, Migranten ins Land, die fast nur im Dienstleistungssektor Beschäftigung finden, also kaum ihre Rente verdienen können. Anders als Japan, das erkennt, dass eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung in Zeiten der KI ein Segen ist. Mit der falschen Politik seit zwanzig Jahren fällt Deutschland immer weiter zurück gegen andere Länder, die verstanden haben wie der Hase läuft. Schuld daran ist der feste Glaube der Leute, der Medien und der Politik an das „Märchen vom reichen Land“ (Daniel Stelter). Ohne Erkenntnis der wahren Verhälnisse, keine Remedur. Nur, das offen zuzugeben, würde unser politisches System nicht überleben. Aber darauf läuft es hinaus.

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