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ABBA oder Vier gewinnt? Sachsen-Anhalt vor der Wahl.

//von Peter Löcke

The Winner Takes It All – Der Gewinner kriegt alles!

Alter Schwede! Es verwundert, dass der Song der schwedischen Kultband ABBA immer noch auf deutschen Dorffesten gespielt wird. Nach heutigen Maßstäben ist der Titel eigentlich rechtsradikal, denn „unsere Demokratie“ möchte im Kern das Gegenteil. Wie sähe die perfekte Welt eines Lars Klingbeil aus? In dieser Welt bekäme der Staat dank Höchststeuersatz knapp die Hälfte des Sieger-Preisgelds. Weil wir in einer Solidargemeinschaft leben, sollte der Gewinner außerdem so fair sein, weitere Teile seines Lorbeerkranzes anderen Teilnehmern zu überlassen. Besondere Anerkennung erhalten die Letztplatzierten. Die werden staatlich gefördert und ihre Gefühle ausdrücklich vom Grundgesetz geschützt. Das gilt für den Sport, das gilt für den Arbeitsmarkt und selbstverständlich auch für das deutsche Wahlsystem, insbesondere für die mit Spannung erwartete Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Ich nehme das amtliche Endergebnis der vorderen Plätze vorweg.

Und der Gewinner ist … Ulrich Siegmund. Der AfD-Kandidat läuft mit über 40 Prozent der Stimmen und deutlichem Vorsprung über die Ziellinie. So beliebt Siegmund in der Bevölkerung sein mag, so unbeliebt ist er in deutschen Gazetten. Wählerwille & Journalistenwille stehen beim blauen Rockstar diametral gegenüber. So schrieb der SPIEGEL unlängst die Fortsetzung eines berühmten Romans von Patrick Süskind mit dem Titel „Das Parfum – Die Geschichte eines Demokratiemörders“. So zumindest habe ich den Inhalt des Artikels zum gefährlichsten Cover Deutschlands verstanden.

Und der zweite Platz geht an … Sven Schulze von der CDU. Der regiert Sachsen-Anhalt momentan. Amtierender Ministerpräsident ist er aber nur, weil sein Vorgänger Reiner Haseloff zu Beginn des Jahres die Brocken hinwarf. Sven Schulze ist – um in literarischen Analogien zu bleiben – der Mann ohne Eigenschaften. Er versucht sich unauffällig zu verhalten, stellt sich dabei auffällig ungeschickt an. Hilfe aus Berlin erhält Schulze nicht, weil das keine Hilfe wäre. Dennoch wird die CDU auf etwas mehr als 20 Prozent Stimmenanteil kommen.

Auf Platz drei läuft ein … Eva von Angern von der Partei „Die Linke“. Die kannte ich zu meiner Schande gar nicht, sondern nur ihre Kollegin Wenke Dargel, die in sozialen Medien eine Berühmtheit ist wegen ihrer sexuell nicht ganz eindeutigen Erscheinung. Also habe ich den offiziellen Internetauftritt von Wenke Dargel besucht. Und ja. Sie ist eine Sie. Sie liebt Käsebrot, hasst Superreiche und bietet auch sonst alles an, was das kommunistische Herz begehrt. Von literarischen Vergleichen sehe ich hier sicherheitshalber ab. Gesichert scheint, dass Eva, Wenke und die Linke mit über 10 Prozent der Stimmen in den Landtag ziehen.

Gold-, Silber- und Bronzemedaille sind also vergeben. Das Siegertreppchen steht fest. Daher schaut das politisch interessierte Deutschland mit Spannung auf die billigen Plätze dahinter. Genau dort entscheidet sich in gut zwei Wochen die Landtagswahl und für nicht wenige Beobachter die Zukunft Deutschlands. Gleich vier Zünglein an der Waage kratzen an der 5%-Hürde: SPD, Grüne, FDP & BSW.

Was bedeutet diese Ausgangslage zu Ende gedacht? Sie bedeutet politischen Wahnsinn. Um zu verstehen, was ich meine, müsste man sich in die Gedanken- und Gefühlswelt eines durchschnittlichen Amerikaners versetzen. In den Staaten existiert, das ist bekannt, ein Zweiparteiensystem und ein Wahlrecht, in welchem es wie selbstverständlich heißt „Der Gewinner kriegt alles“. Einen Unterschied gibt es aber auch in der Mentalität. Für viele US-Amerikaner ist es schlicht nicht nachvollziehbar, dass ein Fußballspiel mit einem Remis endet. So etwas wie ein Unentschieden existiert in den großen US-Sportarten nicht. Notfalls wird das Spiel verlängert und durch „Sudden Death“, durch plötzlichen Tod, entschieden. Der Gewinner bekommt alles, der Verlierer bekommt nichts. Und nun stelle ich mir vor, wie ich einem Durchschnittsamerikaner die am 6. September 2026 stattfindende Wahl in Sachsen-Anhalt erklären soll.

„Die Gewinnerpartei steht fest. Platz zwei und drei stehen ebenfalls fest. Ob der Gewinner am Ende gewinnt, steht jedoch nicht fest. Das hängt von den Rängen vier bis sieben ab. Wenn mindestens zwei dieser vier Parteien auf den hinteren Plätzen ein Mindestmaß an Stimmen erhalten und somit in die Wertung kommen, gewinnt der Gewinner am Ende nicht. Dann heißt es Vier gewinnt. Dann gibt es eine Regierung aus vier Verlierer-Parteien unter Führung des Zweitplatzierten. Dann verliert ausschließlich der Gewinner und sitzt als einzige Partei in der Opposition. Sollten jedoch drei von vier Verliererparteien komplett aus der Wertung fallen, stehen die Chancen gut, dass der Gewinner am Ende doch noch gewinnt. Did you understand?“

„What the fuck! That’s crazy.“

Vermutlich bekäme ich das als Antwort. Und ich würde mit einem Achselzucken entgegnen:

„Nein. Das ist nicht verrückt. Das ist unsere Demokratie.“

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One Response

  1. Es stimmt, in den USA herrscht das Zweienparteiensystem Alles oder Nichts, Aber: In den USA wäre ein gewählter Repräsentant, Präsident, Senator in kurzer Zeit weg vom Fenster, wenn er auf offener Bühne am Abend seines Wahlsieges die Nationalflagge seines Landes demonstrativ auf den Boden, in die Ecke, in den Schmutz befördern würde. Ein Amtsenthebungsverfahren wäre so gut wie sicher.

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"Controversy is not an annoying evil, but a necessary prerequisite for the success of democracy." Federal President Dr. h.c. Joachim Gauck (ret.), only 5 years ago in his speech on the Day of the Basic Law.

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