ki im orbit

Auch für künstliche Intelligenz wird die Erde zu klein.

// by Adrian von Ferenzcy

Der Wettlauf um künstliche Intelligenz stößt an physische Grenzen. Für die Rechenzentren, die die Branche derzeit plant, reichen Strom, Wasser und Fläche auf der Erde nicht aus. SpaceX zieht daraus eine Konsequenz, die das Kräfteverhältnis in der Branche verschiebt: Das Unternehmen will Rechenzentren in die Erdumlaufbahn bringen.Die Schritte dorthin lassen sich an wenigen Daten ablesen. Im Januar 2026 beantragte SpaceX bei der amerikanischen Regulierungsbehörde FCC die Genehmigung, bis zu eine Million solarbetriebener Rechenzentrums-Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn zu bringen. Im Februar übernahm das Unternehmen xAI, den Entwickler des Sprachmodells Grok; daraus entstand nach Branchenangaben das wertvollste private Unternehmen, das es bisher gegeben hat. Am 8. Juni stellte SpaceX den Satelliten AI1 vor: 70 Meter Spannweite, breiter als eine Boeing 747, mit Solarzellen betrieben, im Vakuum gekühlt und über Starlink mit dem Boden verbunden.

Am 12. Juni folgte der Börsengang. Die Bewertung lag bei rund 1,77 Billionen Dollar, am ersten Handelstag erreichte sie zeitweise etwa 2,1 Billionen. Eingesammelt wurden rund 75 Milliarden Dollar. Der Aktienanteil, den Elon Musk hält, machte ihn zum ersten Dollar-Billionär.

Bemerkenswert ist die Richtung der Übernahme: Der Raketenkonzern hat das KI-Labor gekauft, nicht umgekehrt. Lange galt als Engstelle der künstlichen Intelligenz der Mangel an Chips, Daten oder Fachkräften. Inzwischen sind es vor allem Energie, Wärmeabfuhr und Fläche.

Das zeigt sich auch bei einem Wettbewerber. Anthropic, der Entwickler des Sprachmodells Claude, wuchs nach Angaben seines Chefs Dario Amodei im ersten Quartal 2026 aufs Jahr hochgerechnet um das Achtzigfache; geplant war das Zehnfache. Amodei bezeichnete dieses Tempo als zu schwer zu bewältigen und nannte es als Grund dafür, dass dem Unternehmen die Rechenleistung ausgegangen sei.

Erste Einnahmen aus dem Vermieten von Rechenleistung fließen bereits, vorerst aus Anlagen am Boden. Anthropic zahlt für die volle Kapazität des Rechenzentrums Colossus im US-Bundesstaat Tennessee monatlich rund 1,25 Milliarden Dollar an SpaceX, Google für vergleichbare Leistung etwa 920 Millionen. Diese Verträge betreffen irdische Rechenzentren. Die Wette der Investoren ist, dass sich dieses Geschäftsmodell in die Umlaufbahn übertragen lässt und SpaceX als Betreiber der Transportwege dorthin zum Vermieter künftiger Rechenkapazität wird.

Ein erheblicher Teil der Bewertung – nahezu eine Billion Dollar – beruht allerdings auf Vorhaben, die noch nicht umgesetzt sind: auf den orbitalen Rechenzentren und auf einer geplanten Chipfabrik namens Terafab. SpaceX selbst beschreibt Terafab im Börsenprospekt als unverbindlichen Rahmen ohne feste Vereinbarung, der möglicherweise keine kommerzielle Reife erreicht. Der größte Börsengang der Geschichte stützt sich damit zu einem großen Teil auf Annahmen, die das eigene Dokument nicht bestätigt.

Auch die technischen und wirtschaftlichen Risiken sind erheblich. Rechenleistung in der Umlaufbahn kostet heute nach Schätzungen ein Mehrfaches der Kosten am Boden; bis sich beide angleichen, könnten Jahre vergehen, einzelne Berechnungen nennen rund anderthalb Jahrzehnte. Die Maschinen zur Chipfertigung sind auf Jahre ausgebucht. Die Abfuhr großer Wärmemengen im Vakuum ist in diesem Maßstab bislang nicht erprobt. Hinzu kommt, dass Musks Zeitpläne in der Vergangenheit häufig nicht eingehalten wurden. Mit Blue Origin verfolgt zudem Jeff Bezos vergleichbare Pläne und hat einen eigenen Satellitenschwarm von mehr als 51.000 Einheiten angekündigt.

Die zugrunde liegende Annahme ist klar umrissen: Die Erde reicht für den Ausbau der künstlichen Intelligenz nicht mehr aus, und wer die Transportwege in die Umlaufbahn kontrolliert, kontrolliert auch die dort entstehende Infrastruktur. Ob sich diese Annahme als tragfähig erweist, ist offen.

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2 Responses

  1. Die „aktuellen“ physikalischen Gesetzmäßigkeiten empfinde ich in ihrer nahezu unerschütterlichen Bestimmtheit als diametralen Gegenpol zur nahezu völligen Unbestimmtheit künftiger Entwicklungen – und zwar nicht trotz, sondern wegen allen euphemistisch „Berechnungen“ genannten Modellannahmen, die kaum mehr sind als Kaffeesatzleserei.

  2. Da ist nichts offen. Bei Geltung der aktuellen physikalischen Gesetzmäßigkeiten können sich Rechenzentren im Weltall nicht rechnen. Es ist nur eine gigantische Eulenspiegelei, den Leuten Geld aus ihrer Tasche in die eigene Tasche zu lenken. Genau wie der Klimawahn. Das Verrückte ist, die Menschen fallen immer wieder darauf herein. Korrektur: Vielleicht auch nicht und diejenigen, die Aktien von SpaceX zeichnen, wollen nur zu den Profiteuren gehören.

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