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Die EM-Farbenlehre

by Peter Löcke //

Fußball ist unser Leben. Farben sind es auch. Nach einer Woche Fußball-Europameisterschaft wird es Zeit für ein erstes Zwischenfazit. Ein Resümee der politischen Farbendiskussionen, die das sportliche Ereignis überschatten.

Welche Trikotfarbe ist angesagt? Da streiten sich die Gemüter. Pretty in Pink oder doch die klassische Variante in Schwarz, Schwarz-Weiß oder Schwarz-Rot-Gold? Weder noch. Meine zufällige Feldforschung hat ergeben, dass für den durchschnittlichen Fußball-Fan nicht die Farbe sondern der Geldbeutel das entscheidende Kriterium ist. Nach dem deutschen Sieg über Orban-Ungarn ging ich noch schnell in die Stadt für spontane Besorgungen. Die mir in der Fußgängerzone entgegenkommenden Fußballfans trugen fast ausnahmslos die Trikotvariante Check24. Die ist nämlich hundert Euro billiger als das Original, also kostenlos. Die zweite Erkenntnis? In Deutschland fallen Brüllaffen lebend aus Kneipen, während sie in Mexiko tot von Bäumen fallen. Alkoholwandel in Deutschland, Klimawandel andernorts. Doch zurück zu den Farbendiskussionen.

Welche Hautfarbe ist angesagt? Eine solche Frage verbietet sich. Politiker, die bei Sportevents ungefragt über Hautfarben diskutieren möchten, sagen damit vor allem etwas über sich und ihre politische Agenda aus. So auch Katrin Göring-Eckardt, als Sie auf X postete: “Stellt euch kurz vor, da wären nur weiße deutsche Spieler!” Wie gewünscht habe ich es mir vorgestellt. Die deutschen Fußball-Weltmeister von 1954, 1974 und 1990 kamen mir so gar nicht rechtsradikal vor. Göring-Eckardts Tweet folgten Empörung von der einen, Zuspruch von der anderen Seite. Das war kein Rassismus. Der Katrin ging es doch nur um den Schutz von Minderheiten. Diese edle Einstellung zeigte die grüne Grande Dame bereits beim Thema Corona. Oder auch nicht. 

Welche Symbole und Farben sind bei Fahnen angesagt? Bunte Regenbogenflaggen oder Identität stiftende Nationalflaggen? In diesem Wettkampf steht es zurzeit Unentschieden. Einerseits wird Populismus verlässlich in der Maßeinheit Söder gemessen. Zeigte sich der bayerische Ministerpräsident bei den letzten Sportereignissen noch als Rainbow Warrior, so präsentiert er sich bei der Heim-EM als Patriot. Markus Söder von Kopf bis Fuß auf Liebe in Schwarz-Rot-Gold eingestellt. Nun, wo medial feststeht, dass die gesamte AfD unpatriotisch für Russland und China spioniert, ist das Themenfeld Patriotismus vakant und möchte ausgefüllt werden. Andererseits schlägt das Team Regenbogen zurück. Diverse Politiker und Behörden appellieren aus Gründen der Diversität zum Verzicht auf nationale Symbole. Einigkeit und Recht und Vielfalt für das deutsche Vaterland, danach lasst uns alle streben, schwesterlich und ohne Verstand. Mein vorsichtiger Tipp auf den Ausgang des Wettkampfs lautet: Am Ende der EM wird eine Nation gewinnen, eine sogenannte Nationalmannschaft. Und das Land wird stolz auf seine Mannschaft sein und dabei die Nationalflagge zeigen. Und vermutlich werden die Fans neben der eigenen Nationalhymne „döp dö-dö-dö döp“ singen, um sich über das politische Deutschland lustig zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Vorwärts Vielfalt oder Europa Europameister wird, halte ich für gering. Das wäre es auch schon zum Thema Farben. Fast.

Die wenigen EM-Fußballspiele, die ich verfolge, schaue ich ohne Ton. Mich stört nicht nur der auf Kochwäsche gestellte politisch korrekte Tonfall der Sportreporter. Mittlerweile zucke ich jedes Mal zusammen, wenn es heißt, dass ein Spiel auf Messers Schneide steht. Dann wähne ich mich in der Halbzeitpause bei der neusten Meldung eines Messer-Einzelfalls. Brot und Spiele war gestern, Tod und Spiele heißt es heute. Ist ein Sinn ausgeschaltet, werden andere Sinne geschärft. Weniger Ton, mehr Auge. Haben Sie mal auf das Schuhwerk von Fußballspielern und Reportern geachtet?

Welche Farben sind bei Schuhen angesagt? Der kickende Millionär trägt Pöler in sämtlichen Regenbogenfarben, passend zum Logo der EM, das an die Farbenpracht der Agenda 2030 erinnert. Nun gut. Die Geschmäcker ändern sich. Wir leben nicht mehr im Jahr 1990, wo schwarze Fußballschuhe Usus waren. Bemerkenswerter finde ich das Outfit der stets gestriegelten jungen Generation von Sportjournalisten. Zum Corporate Design gehören weiße Turnschuhe. Da sieht man doch jeden Fleck drauf? Nicht auf den weißen Turnschuhen deutscher Feld- und Studioreporter. Ihre Kleidung ist genauso genormt und gesäubert wie ihre Sprache und politische Einstellung.

Ich mag es auch mal dreckig. Auf und neben dem Platz. Ich mag schwitzende Menschen mit Ecken und Kanten und einer Persönlichkeit. Gerade lese ich, dass ein ZDF-Moderator namens Tom Breyer seine Experten Mertesacker und Kramer anwies, zukünftig auf das Wort Spielermaterial zu verzichten. Ich bekenne Farbe und verzichte gerne auf solche Propagandasender.

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One Response

  1. Es ist extrem schade das der Fußball für Politik und Propaganda mißbraucht wird. Die Linke Grüne und woke Agenda wird aus meiner Sicht immer unerträglicher. Sie versauen einem wirklich alles mit ihrem politisch korrekte Getue. Das ist meine Meinung. Punkt.

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