ob krause wasser waffe

Die Wasserlüge von München

Wenn Wasser zu einer politischen Waffe wird

// por Diana-Maria Stocker

Wasser ist in Deutschland ein öffentliches Gut, die öffentliche Wasserversorgung ist Teil der Daseinsvorsorge so das Bundesministerium für Umwelt. Der Staat bewirtschaftet die Ressourcen, schützt sie vor Verunreinigungen und garantiert den Versorgungsanspruch der Bevölkerung. Aber welchen Versorgungsanspruch der Bürger tatsächlich hat, das hat OB Krause nun selbst klar definiert. Denn seiner Meinung nach „sind die vorhandenen Ressourcen der Wasserversorgung Münchens derzeit äußerst strapaziert“. Darum sieht er es für unumgänglich, Bürgern zu verbieten, Autos privat zu waschen, Pools zu befüllen oder sogar während des Tages Pflanzen zu bewässern. Ein Zuwiderhandeln kann drakonische Strafen nach sich ziehen. Bis zu 50.000 Euro Bußgeld drohen.

Der Bußgeldrahmen impliziert, dass München offenbar tatsächlich extreme Probleme mit der Wasserversorgung haben könnte. Es lohnt sich daher ein analytischer Blick auf einfache Fakten und Zahlen. Und ich spoilere jetzt schon. Herr Krause ist Opfer seiner eigenen Ideologie und vermutlich auch eine traurige Untermauerung des PISA-Trends. Und es drängt sich der Eindruck auf, dass Wasser vor allem eines ist: ein politisches Instrument 

Lassen Sie uns in die Details gehen, die faktisch belegbar sind, für alle recherchierbar. Auch für OB Krause, für das Wasserwirtschaftsamt, für alle Redakteure im BR/ARD, ZDF, SZ, für einfach jeden.

München bezieht sein Wasser zu 75 Prozent aus dem Mangfalltal. Es liegt nahe dem wunderschönen, saftig grünen Tegernsee-Gebiet. Circa 15 Prozent fließen aus dem Loisachtal nach München. Eine kleine eiserne Reserve liefert die Münchner Schotterebene. Betrachtet man die amtlichen Messwerte für das Mangfalltal und das Loisachtal zeigt sich kein einheitliches Bild eines außergewöhnlich niedrigen Grundwasserstands. An der Messstelle Vagen im Mangfalltal lag der jüngste Wert mit rund 520,00 Metern etwa sieben Zentimeter über dem langjährigen Mittel und rund 30 Zentimeter über dem niedrigsten Stand der Jahre 2001 bis 2025. Dort ist der Grundwasserstand damit durchschnittlich bis leicht überdurchschnittlich.

In Oberau im Loisachtal wurden am 18. Juli 2026 651,09 Meter gemessen. Das sind rund 17 Zentimeter weniger als im durchschnittlichen Juli der vergangenen 25 Jahre, zugleich aber noch rund 55 Zentimeter mehr als beim niedrigsten Stand dieses Zeitraums. Oberau zeigt damit einen unterdurchschnittlichen Juli-Wert, jedoch keinen historisch außergewöhnlichen Tiefstand. [1]

Somit kann mit offiziellen Zahlen nicht belegt werden, dass die Pegel in beiden Hauptgewinnungsgebieten so bedenklich niedrig sind, dass deshalb weniger Wasser entnommen werden kann. Die Zahlen der Messstelle Vagen im Mangfalltal sprechen sogar dagegen. Zur Erinnerung: Das Mangfalltal trägt zu 75 Prozent der Wasserversorgung Münchens bei.  Im Loisachtal zeigt sie lediglich einen moderat unterdurchschnittlichen saisonalen Stand. Aber eine akute Gefährdung der Münchner Wasserversorgung durch außergewöhnlich niedrige Grundwasserstände, die eine Allgemeinverfügung mit massiven Geldbußen für das Füllen von Kinderplanschbecken rechtfertigen würde, ist in den beiden Hauptgewinnungsräumen anhand der vorliegenden Daten no erkennbar. 

Doch die Stadt behauptet: 
„Die Grundwasserpegel im Mangfalltal und im Loisachtal, von wo der Großteil des Münchner Trinkwassers in vier großen Hauptleitungen in die Stadt und die Umlandgemeinden fließt, sind entsprechend niedrig“.

Doch, dass deshalb weniger Wasser entnommen werden könne und die Entnahmekapazitäten nahezu ausgeschöpft seien, ist anhand der veröffentlichten Daten nicht nachvollziehbar. Dafür müssten Stadt und SWM (Stadtwerke München) die aktuellen Quellschüttungen, Fördermengen, wasserrechtlichen Grenzen und technischen Kapazitäten offenlegen.
Wäre die Münchner Versorgung wegen mangelnder Wasservorräte im Mangfall- und Loisachtal tatsächlich unmittelbar gefährdet, müsste man zumindest auch eines oder mehrere der folgenden Signale sehen:

Stände nahe oder unter den historischen Tiefstwerten; 
einen starken, über Monate anhaltenden Einbruch an beiden Messstellen; 
eine gleichzeitige Verschlechterung im Mangfall- und Loisachtal; 
deutliche Abweichungen von den langfristigen Schwankungsbereichen.
Doch an den beiden untersuchten Messstellen ist nichts davon ist bisher eingetreten. 
Doch der grüne Münchner Oberbürgermeister ist im Alarmmodus: 

„Wir haben eine seit den frühen 1970er Jahren nicht dagewesene Ausnahmesituation. Der durch die langanhaltende Hitze deutlich gestiegene Wasserbedarf bringt das Versorgungssystem der Stadtwerke München an seine Grenzen. Wir werden deshalb als Stadt unverzüglich Maßnahmen zum Wassersparen ergreifen. …. Jeder Liter, der nicht verbraucht wird, hilft, die Situation zu entschärfen. Wasser ist unser kostbarstes Lebensmittel. Lassen Sie uns in dieser Situation besonders sorgsam damit umgehen. Sollte der Wasserverbrauch nicht sinken, werden wir weitergehende Maßnahmen ergreifen müssen.“

Eine seit den 1970er-Jahren nie dagewesene Ausnahmesituation. Worauf stützt Krause seinen hysterischen und gleichzeitig despotischen Alarmismus. Das Einzige was tatsächlich stimmt ist, dass es während der heißen Tage Ende Juni einen erhöhten Wasserverbrauch gab. Doch das ist nicht ungewöhnlich und für jeden professionellen Wasserversorger planbar, denn diese Verbrauchsspitzen gibt es jeden Sommer. 

Und wenn man sich den Wasserverbrauch der Münchner in vergangenen 25 Jahren genau ansieht, dann zeigt sich Erstaunliches. 

Erstens: Obwohl die Einwohnerzahl der Stadt gestiegen ist, ist der Wasserverbrauch gesunken. Nach Angaben der Stadtwerke nahm der jährliche Trinkwasserbedarf zwischen 1983 und 2023 von 140 auf rund 110 Millionen Kubikmeter ab– ein Rückgang um gut 21 Prozent. Gleichzeitig wuchs die Einwohnerzahl um knapp 24 Prozent. 

Zweitens: Der kürzlich erhöhte Bedarf war – wie schon erwähnt – zu erwarten, doch für OB Krause ist dieser Umstand wohl wie Weihnachten für die meisten Ehemänner. Immer wieder überraschend. 

Der zeitweise Verbrauch von mehr als 400 Millionen Litern pro Tag lag zwar deutlich über dem von der Stadt genannten üblichen Tagesverbrauch von 300 bis 350 Millionen Litern, doch einen historischen Verbrauchsrekord haben Stadt und Stadtwerke nicht belegt. 

Auch eine amtliche Vergleichsreihe der jährlichen Sommertageshöchstwerte wurde nicht veröffentlicht. Die Behauptung einer seit den frühen 1970er Jahren nicht dagewesenen Ausnahmesituation lässt sich daher anhand der veröffentlichten Verbrauchszahlen allein nicht nachvollziehen. Auch hier haben wir die Zahlen konkret und korrekt sofern vorhanden für Sie aufbereitet. [2]

Was Daten und Zahlen noch erzählen: Hier wird systematisch die Realität verkehrt und es werden Situationen konstruiert, die es faktisch gar nicht gibt. Politiker wie Dominik Krause sowie andere Entscheidungsträger ähnlich ideologisch getrieben und willfährige Helfer machen Wasser zur politischen Waffe und das meist nicht aus Bosheit, sondern viel schlimmer: aus Dummheit, sollte Dietrich Bonhoeffer mit seiner Betrachtung recht behalten. Ich empfehle Ihnen dazu seinen Text „Von der Dummheit“.  [3]

Und ich gieße jetzt meinen Lavendel an einem schönen sonnigen Samstagnachmittag. 

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18 respuestas

  1. Das erinnert alles sehr stark an 2020: „Wenn wir nichts unternehmen, wird unser Gesundheitssystem zusammenbrechen….und bis zum Herbst werden alle Ungeimpften gestorben sein“.

  2. Ignoranz und Dummheit ist nun mal bei bestimmten Parteien weit verbreitet!
    In diesem Artikel wird mehrfach von „Wasserverbrauch“ gesprochen. Die Menge des Wassers H₂O auf der Erde ist und bleibt aber konstant. Wasser wird nicht verbraucht sondern nur gebraucht und nach dem Gebrauch durch Mensch und Maschine dem natürlichen Wasser-Kreislauf wieder zu geführt.
    Man sollte auch bei berechtigten Kommentaren zu offensichtlichen Lügen physikalisch korrekt sein.
    Wasser kann nicht verbraucht werden!!!

  3. „Wenn die Münchner kein Wasser haben, sollen sie doch in Sekt baden.“ (frei nach Marie Antoinette)

    „Saubande, dreckade!“ (Karl Valentin)

    „Luja, sog i!“ (Ludwig Thoma)

    1. Disclaimer: Die Zitate sollen lediglich untereinander korrespondieren, in dem Sinne, was Karl Valentins Buchbinder Wanninger auf obiges Zitat geantwortet haben könnte. Lebende Personen entscheiden selbstverständlich nach eigenem Ermessen darüber, ob sie sich angesprochen fühlen oder nicht.

  4. Wenn im Juli vertrocknete Lindenblüten herunter regnen und die Wiesen gelb statt grün sind, wenn auch nur vorübergehend,
    würde ich als Ursache von fehlendem Regen ausgehen.
    In wie weit Wasser sparen hilft, weiß ich nicht so genau.
    Ich habe das schon als Kind gemacht (Wasser, Strom, Geld gespart, so what

  5. Ist es richtig das ortsansässige Mineralwasserabfüller ihr Wasser aus dem selben Wasserspeicher entnehmen wie München?
    Vielleicht sollte man bei dem Produzenten anfangen die Abfüllung zu drosseln, da die Bevölkerung doch eher ein Recht auf vorrangige Belieferung hat. Oder doch nicht?

  6. Ähnlich sieht es aus, wenn man bei Alarmmeldungen zum Insektensterben, Nitrat im Grundwaser oder zur Verschwendung von Lebensmitteln (mühsam) tiefer bohrt.

  7. Dieselbe Propaganda wie bei der Corona-Pandemie: Bilder werden erzeugt( Militärfahrzeuge in der Dunkelheit, gefüllt mit Särgen toter Coronaopfer in Bergamo und Söders Militärflugzeug, das einen Totkranken aus dem Allgäu nach Hamburg fliegt, als ob es, wenn schon notwendig keine Rettungsflieger gibt) „…und glaubt ihr es jetzt endlich?“ wurden wir gefragt. Nein! Weil wir im Geschichtsunterricht aufgepasst haben und zu kritischer Quellenforschung erzogen wurden, fallen wir auf Propaganda nicht herein, auch nicht auf plakativ geschlossene Brunnen im Herzen der Stadt, schämen Sie sich, Herr Krause!

  8. „…doch für OB Krause ist dieser Umstand wohl wie Weihnachten für die meisten Ehemänner. Immer wieder überraschend.“
    -> geht es bitte etwas weniger männerfeindlich?
    Ansonsten eine hilfreiche Darstellung der Sachlage. Danke dafür!

    1. ich selbst besitze ausreichend Selbstbewusstsein, um derlei Bemerkungen als Humor zu verbuchen. Humor sollte auch bei ernsthaften Themen nicht fehlen; er dient zur Auflockerung von meist verbissenen Diskussionen und hilft, Freund-Feind-Bilder zu entschärfen.

  9. Dieser Beitrag gefällt mir sehr gut, sehr treffend, interessant ,denn die Politiker und die Politikerinnen sollten für das Volk demokratische Entscheidung treffen!
    Schön dass der clubderklarenworte.de viele Themen in das richtige Licht bringt!
    Sehr geehrte Frau Stocker, danke für diesen interessanten aufschlussreichen Beitrag!

  10. Das ist global. Hier in Mexiko, Querétaro, haben wir ähnliche Themen.
    M.E. zur Agenda 2030 gehörend, ausgehend vom WEF.
    Die Frage ist:
    Was dagegen tun?

  11. Mit Verlaub, es ist erschreckend, wie der neue #bubiob hier vorgeht, wenn man bedenkt, dass er KEINE Mehrheit in München hat!
    Bei einer Wahlbeteiligung von 44,5% hat er 56,3%. Aufgerechnet auf 55,5% Nichtwähler (leider!!!) und das beschämende Ergebnis für Reiter von 43,7% haben bei 1.092.561 Wahlberechtigten Müncherinnen und Münchner 817.580 diesen GayMeister NICHT(!!!) gewählt.
    … ich mein´ ja nur …

    Fuente: https://www.wahlen-muenchen.de/ergebnisse/20260322oberbuergermeisterwahl/index.html

  12. Liebe Leser,
    ich würde diesen Artikel gerne um weitere Daten/Quellen ergänzen. Der Blick auf die Daten unter nid.bayern.de zum Thema Niedrigwasser in Oberflächengewässern, Bodentrockenheit oder Grundwasserspiegel zeigt andere Infos, als im Artikel erwähnt. Das diskutierte Grundwasser entsteht aus Oberflächenwasser. Wenn dieses nun weit unterdurchschnittlich vorhanden ist, wird sich das mittelfristig auf das Grundwasser auswirken. Die Kommunikation der Stadt München ist sicherlich an der ein oder anderen Stelle unglücklich formuliert, aber man schwimmt in Südbayern aktuell nicht gerade in Wasser im Überfluss.
    Aber mit dem Hinweis auf die Daten des NID kann sich ja jeder selbst ein Bild von der ganzen Situation machen.
    Saludos cordiales.

    1. Sehr geehrter Herr Tobi,

      herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Wie Sie dem Artikel entnehmen können versorgt sich München zu circa 90% aus dem Mangfalltal und Loisachtal und nicht mit dem Grundwasser aus dem Quartär der Münchner Schotterebene. In Spitzenzeiten kann diese angezapft werden. Die Stadt selbst begründet ihre Verordnung mit den Ständen der beiden Hauptgewinnungsgebiete. Dies ist mit den öffentlich verfügbaren Daten nicht nachvollziehbar.

      Was die Pegelstände an den Messstellen der Münchner Schotterebene betrifft, haben Sie zum Teil Recht. Einige Messstellen weisen tatsächlich sehr niedrige Pegelstände auf. Die langfristige Entwicklung muss dennoch getrennt betrachtet werden: Ein aktueller Tiefstand beweist noch keinen überall gleichmäßigen jahrzehntelangen Rückgang. Um hier belastbarere Aussagen treffen zu können, bedarf es einer detaillierten Analyse über mehrere Jahrzehnte und keiner punktuellen Betrachtung einzelner Wochen oder Tage.
      Außerdem: Grundwasser entsteht NICHT pauschal aus Oberflächenwasser. Richtig ist, dass geringe Niederschläge, trockene Böden und eine geringe Versickerung die Grundwasserneubildung reduzieren können. Was meines Erachtens hier unbedingt für tiefere Recherchen in Betracht gezogen werden muss, ist der ewig andauernde Bau der Zweiten Münchner Stammstrecke. Hier wurde und wird Grundwasser wiederholt nicht rückversickert, sondern über genehmigte Einleitungen abgeleitet, u.a. in die Kanalisation und in den Stadtbachgraben. Dokumentiert ist das u.a. in einer Antwort der Bundesregierung auf eine AfD-Anfrage sowie in einer schriftlichen Anfrage der Grünen im Bayerischen Landtag. Hydrologisch ist plausibel, dass Ableitungen bei hohen Grundwasserständen zunehmen. Wie stark sich das auf die gesamte Schotterebene auswirkt, lässt sich ohne eine vollständige Netto-Wasserbilanz nicht klar bestimmen. Diese Bilanz ist – so wie zahlreiche Daten zu unserem Wasser, welches Allgemeingut ist – nicht öffentlich.
      Abschließend kann man sagen: Ja, München hat ein Wasserproblem, aber dies ist ein strukturelles und keines des individuellen Pro-Kopfverbrauchs (dieser geht, wie auch beschrieben, nachweislich seit Jahrzehnten zurück). Das Problem liegt tatsächlich im Wassermanagement der Stadt.
      Hierzu noch ein Beispiel: Münchner Brauereien nutzen hochwertigstes Tiefenwasser aus dem tertiären Grundwasserleiter nicht nur zum Brauen, belegt ist auch die Nutzung für Reinigungsprozesse (Rohrreinigung, Waschen von Flaschen etc.). Tiefengrundwasser ist dafür absolut nicht erforderlich, sondern reine Verschwendung. Hygienisch geeignetes Wasser aus dem öffentlichen Trinkwassernetz könnte grundsätzlich dieselben Anforderungen erfüllen.
      Eine nachhaltige Wasserpolitik beginnt nicht mit drakonischen Strafen für Privathaushalte, sondern mit radikaler Transparenz bei Großmaßnahmen und privilegierten Nutzungen. Alles andere wirkt widersprüchlich, nicht nachhaltig und unklug.

      Saludos cordiales,
      Diana-Maria Stocker

  13. Vorbereitungen auf die Privatisierung des Wasserrechts. Sie werden künftig alles und Jeden reglementieren, bis hin in den privaten Bereich.

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