Es gilt das gestammelte Wort

por Peter Löcke //

Ich hatte einen Traum. Es war nicht wirklich ein Traum, sondern eine mich überfallende Phantasie während einer Talkshow, als ich während dieser kurz wegnickte und gedankenverloren vor mich hindämmerte.

In meinem Traum saßen Markus Söder und Robert Habeck gemeinsam an einem Küchentisch. Dort stritten sie sich um ein hohes Amt. Nachdem der gemeinsame Wunsch, Bundeskanzler zu werden, aus unterschiedlichen Gründen gescheitert war, bewarben sie sich in einem emotional geführten Rededuell um das Amt des Papstes. Am Ende des Tages zogen beide ihre Kandidatur zurück. Nur Stellvertreter von Gott? Dafür waren sich beide Bewerber dann doch zu schade. Mein Traum endete wie jedes Märchen endet.

Und wenn ihre Umfragewerte noch nicht gestorben sind, sitzen sie noch immer dort,  schlürfen Müsli mit Wasser oder beißen herzhaft in einen Big Mac – als Fetisch am Stehtisch oder Küchentisch. Jeder wie er mag. Ich finde beide Sparmenüs unappetitlich. 

Die mich ermüdende Talkshow hieß übrigens „Markus Lanz“. Das Jahrhunderttalent der Politik trat bekanntlich zurück und am Abend des 27. August 2025 bei Lanz auf, um der Welt die Aufgabe seines Bundestagsmandats zu erklären. Ich war freudig erregt und wirklich guten Willens. Als Literat und Philosoph wird Habeck der Nachwelt doch sicher ein Bonmot für die Geschichtsbücher hinterlassen. Dachte ich. Außerdem soll man über Tote und dahinscheidende Politiker nichts Schlechtes sagen. Leider wurde ich literarisch enttäuscht.

„Es ist ‘son bisschen so wie aus der Schule rausgehen. Vieles ist möglich.“

Diesen einen Satz des ehemaligen Wirtschaftsministers habe ich mir dann doch notiert. So fühlt sich Schulabgänger Robert momentan. Nein, Herr Habeck. Das Zitat schafft es sicher nicht ins Deutsche Aphorismus Archiv. Was den mittlerweile grünen Hinterbänkler zum Rücktritt bewegte, weiß ohnehin jeder und das stellte auch Markus Lanz kurz und bündig fest.

„Man könnte auch sagen, das klingt so, als hätten Sie einfach kein Bock auf zweite Reihe.“

So ist es. Man streiche die Formulierung „das klingt so“, ändere den Satzbau und die Aussage stimmt. Habeck hat einfach keinen Bock auf zweite Reihe.

Was hat mich überhaupt aus meiner Märchen-Trance wieder herausgeholt? Ach ja. Bei einer Fragestellung des TV-Moderators wurde ich hellhörig. Eben noch Teestuben-Atmosphäre mit philosophischen Exkursen, im nächsten Moment stellte Markus Lanz eine konkrete politische Frage. Dafür muss man wissen: Der Studiogast Robert Habeck hatte nicht nur einen Ferienjob, aus dem er nun endgültig ‘son bisschen herausgeht. Er war Wirtschaftsminister der ehemals großen Industrienation Deutschland.

Ich habe die entsprechende Passage der Talkshow bestmöglich transkribiert [1]. Der Lotse geht von Bord. Es bleibt das gestammelte Wort.

Lanz: „Konkrete Nachfrage. Dann hätten Sie die drei AKW länger laufen lassen?“

Habeck: „Ich … äh … es ist eine, es geht mir nicht um konkrete …“

Lanz [unterbricht]: „Doch. Doch. Doch.“

Habeck: „Es geht mir darum … es geht mir darum, an der Stelle, an der ich bin, zu sagen «bitte nicht einfach nur mehr vom Gleichen» da ich jedenfalls …“

Lanz [unterbricht]: „Sie hätten die drei AKW weiterlaufen lassen?“ 

Habeck: „Das weiß ich nicht, Herr Lanz. Es gab energiepolitische Gründe dafür und dagegen und das ist jetzt ne andere …“

Lanz [lacht höhnisch]: „Also ja.“

Habeck: „Nein … pfff … mir geht es nicht um konkrete Fragen, sondern mir geht es darum, einmal zu überlegen, ob wir jenseits von dem «macht doch weiter wie bisher nur lauter» an irgendwelcher Stelle irgendwas ändern müssen. Und ja vielleicht [Habeck verzieht die Miene, sucht nach Worten, nuschelt etwas Unverständliches] … vielleicht nehmen Sie Herrn Masala auch ran oder so (…).“

Ab hier schweift Habeck thematisch ab. Er biegt links ab, biegt rechts ab, möchte lieber darüber reden, worüber er eigentlich nachdenken würde. Er möchte über das große Ganze reden und wie die Republik eigentlich aussehen könnte, wenn es nicht ständig diese Umfragen geben würde, wie beliebt jemand sei.

Zugegeben. Das war gemein von Lehrer Lanz, den Schüler Habeck solange ranzunehmen. Er hätte auch mal den Schüler Masala rannehmen können. Eine Talkshow ist ein bisschen so wie das Klassenzimmer einer Schule. Vieles ist möglich.

PS: Erinnern Sie sich noch, dass Robert Habeck kritisiert wurde, das Buch „Den Bach rauf“ zu schreiben, während Deutschlands Wirtschaft den Bach runterging? Das Buch habe er in seinen Sommerferien geschrieben. So rechtfertigte sich Habeck damals. Die Idee, sich zurückziehen, überfiel Habeck ebenfalls in seinen Sommerferien.

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6 respuestas

  1. Habeck ist weg? Gut so! Er war es nicht alleine, das ihn umgebende Gewebe, ganz natürlicher Wollfilz, hat ihn quasi ausgesogen. Der Nektar der Subventionen war einfach unwiderstehlich. Das Wahlvolk hat, schon wegen der Hauptstraßen Herolde, vor lauter Sand in den Augen erst sehr spät gesehen, dass der gute Mann sich wohl deutlich überschätzt hat. Die, die ihn einen Schwachkopf nannten, ließ er erbarmungslos verfolgen, offensichtlich hat ihn dieser Vorwurf zutiefst getroffen. Sehr schade für Deutschland, dass die Klimaangst zur Glaubensfrage, besser, zu einem Dogma wurde, so dass die ursprünglich grüne Ausrichtung, Umwelt- und Naturschutz, nur noch wenig Gewicht hat. Ähnliches läßt sich über die ehemals grüne Friedensbewegung sagen; plötzlich ist sie rechtsextrem? Jetzt gilt es wie in der DDR: “Wir kämpfen für den Frieden.“ Hat nicht funktioniert und wird nicht funktionieren. Die Grünen haben sicher viele Mitglieder, die Herrn Bundesminister a. D. problemlos – andere natürlich auch – ersetzen könnten. Wäre schön. Einfach machen.

  2. Es ist unglaublich aus welchem Schrott unsere Regierung bestand.
    Es ist unglaublich aus welchen charakterlosen Gesocks unsere Regierung besteht.
    Es ist unglaublich dass das Team Lanz diese Typen nicht deutlicher zur Rede stellt-
    Es ist unglaublich dass sich Wähler sowas erwählen.
    Denn Alles war vorher bekannt, zumindest voraussehbar.

  3. Ja das ist schon blöd wenn man früh anfängt Verantwortung zu übernehem. Dann kann man keine Literatur studieren, keine Kinderbücher schreiben, durch’s Leben schlurfen, Wirtschaftsminister werden, Journalistinnen aufreißen, das eigene Geschwätz als Philosophie verkaufen, oder so tun als wäre man keine ferngesteuerte Marionette. Immerhin gibt es als Anerkennung für das tragen von Verantwortung von Habecks Partei das Prädikat ‚Rechtsextrem‘. Aber wer weiß, vielleicht schafft es Habeck ja endlich auch mal nicht von meinem Steuergeld zu leben.

  4. Dass wir über einen, der solche Sätze stammelt, reden, zeigt deutlicher als alles andere wo Deutschland angekommen ist: Ganz unten. Und das nicht ohne die Hilfe dieses Herrn. Das Ganze wird allerdings noch getoppt von der Süddeutschen Zeitung vom 26. August: „Der letzte echte deutsche Denker nimmt Abschied.“ So tief kann man sinken! Von Kant über Schopenhauer bis Sloterdijk rotieren jetzt alle in ihren Gräbern, oder sie lachen sich schlapp. Frage an alle „Journalisten“: Benutzt ihr eigentlich noch manchmal euer Hirn?

  5. Seine stammelnde Abschiedsvorstellung bei Lanz war eine gute Zusammenfassung dessen, was er für dieses Land geleistet hat. Ich denke, es gab in dieser Bundesrepublik noch keinen Politiker in einer so wichtigen Position, der so viel Schaden mit soviel Selbstbewusstsein anrichten durfte. Außer vielleicht noch seine Kollegin, die so nebenbei Russland den Krieg erklären durfte. Als wäre dieses Land nur eine Bühne auf der man experimentelle Stücke aufführen dürfe. Der Saal war leer, aber die gekauften Kritiker waren begeistert. Mögen die Spiele mit anderer Besetzung und gleicher Regie von neuem beginnen.

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