Osterruhe und andere Ratschläge

por Peter Löcke //

Ich weiß es doch auch nicht.

So lautet meine übliche Antwort, wenn mich ein Mitmensch um Rat fragt. Das sage ich weder aus Unhöflichkeit, geschweige denn mit einem genervten Tonfall. Das sage ich, weil ich die Antwort meist wirklich nicht weiß. Ich bin der Meinung, dass man nicht raten sollte beim Erteilen von Ratschlägen.

Bei Politikern verhält es sich anders. Von denen wird erwartet, dass sie auf jede Frage die passende Antwort parat haben. Dafür werden sie gewählt. Zurzeit fragen sich viele Bürger an Deutschlands Tanksäulen, wie sie die explodierenden Spritpreise bezahlen können. Weil die naheliegende Antwort Steuersenkung nur in anderen Ländern, nicht aber in Deutschland funktioniert, schnürt die Regierung nun ein Spritpreispaket. So lautet übrigens das ungeschriebene politische Lieferkettengesetz. Bei aufkommenden Problemen liefert die Politik verlässlich ein Maßnahmenpaket, das zuvor in aller Hektik geschnürt wurde. Das aktuelle Maßnahmenpaket Spritpreispaket sieht vor, dass die Mineralölkonzerne nur noch ein Mal am Tag die Preise erhöhen dürfen. Ob das was nützt?

Ich weiß es doch auch nicht.

Es geht noch spaßiger. Kennen Sie das Komiker-Duo Schnieder & Schneider? Eigentlich handelt es sich um zwei Bundesminister, doch diesen Umstand stelle ich angesichts ihrer nun erteilten guten Ratschläge infrage.

„Grundsätzlich ist es am besten, Sie fahren ein batterieelektrisches Auto.“

Diesen Tipp gab Umweltminister Carsten Schneider von der SPD angesichts der horrenden Spritpreise. Dafür fehlt Ihnen gerade das Geld? Selbst Schuld. Dann müssen Sie sich entgegengesetzt orientieren. Dreiundsechzig Euro monatlich statt dreiundsechzigtausend Euro einmalig – das klingt in der Tat günstiger.

„Für weite Teile unseres Landes kann ich nur empfehlen, auf das Deutschlandticket umzusteigen – gerade in der jetzigen Situation.“

So lautet der alternative Ratschlag von CDU-Verkehrsminister Patrick Schnieder. Kauf eines E-Autos oder Kauf eines Deutschlandtickets? Ich weiß es doch auch nicht, aber ich weiß, dass Unions-Außenpolitiker Jürgen Hardt die Antwort weiß. Der hält es nämlich für vertretbar, wenn der Bürger einfach mal für eine begrenzte Zeit 25 Euro mehr für die Tankfüllung zahlt. Jürgen ist da ehrlich und außerdem Hardt, aber herzlos.

Verlassen wir das Thema Spritpreise, bleiben aber bei guten Ratschlägen. Etwas geschickter als die bisher genannten Politiker stellt sich Vizekanzler Lars Klingbeil an. Der erteilt nämlich selbst keine Ratschläge. Er behauptet, er höre auf die Ratschläge der Bürger. Und die möchte er als bürgernaher Politiker umsetzen.

„In der Tat treffe ich viele Frauen und die sagen ‚Ich würde ja gerne mehr arbeiten, aber dafür müsst ihr das Ehegattensplitting abschaffen, weil (…).“

Nein, Herr Klingbeil. Es gibt keine Frau aus Fleisch und Blut, die Ihnen das gesagt hat. Den begründenden Teil nach dem „weil“ habe ich aus Respekt vor dem gesunden Menschenverstand weggelassen.

Warum nur erteilen so viele Politiker dauernd dumme Ratschläge? Das ist doch peinlich. Es geht auch anders. Man kann als Politiker auch etwas Dummes vorschlagen ohne sich im Anschluss dafür schämen zu müssen. Man kann sogar Dummes sagen oder tun und sich anschließend dafür feiern lassen. Das ist die politische Königsdisziplin und es funktioniert einfacher als man denkt. Mein Ratschlag an alle Politiker? Von Mutti lernen! Fünf Jahre sind nun vergangen seit Merkels legendärer zunächst verordneter, dann zurückgenommener Osterruhe. Wie war das damals?

Problem? Merkel machte einen Vorschlag, eine Empfehlung, eigentlich handelte es sich um einen Befehl. Sie veranlasste im Alleingang „par ordre du Mutti“ eine sogenannte Osterruhe. Dieser undemokratisch erteilte Ratschlag war weder praktisch umsetzbar noch in irgendeiner Art und Weise medizinisch nachvollziehbar – selbst für Menschen, die Angst vor einer Todesseuche haben. Dementsprechend kam Kritik bis Belustigung auf. 

Lösung? Merkel stellte sich vor die Presse und in den Bundestag und hielt zwei pathetische Reden, in welchen sie die alleinige Verantwortung für den Irrsinn übernahm, den sie alleinig zu verantworten hatte. Für diese große Geste wurde Merkel anschließend von allen gefeiert. Dabei blieb zur Krönung unbemerkt, dass ein Großteil der großen Merkel-Entschuldigung aus Selbstlob für die eigene alternativlose Politik bestand.

Chapeau! Das nötigt mir Respekt ab. Ich erinnere mich noch gut, wie mir damals ein guter Freund die Frage stellte, warum zum Teufel Angela Merkel mit dieser billigen Nummer durchkommt. Meine Antwort bestand aus einer Mischung zweier Zitate. Eines stammt von mir, beim anderen handelt es sich um eine aktuell geäußerte Weisheit von Friedrich Merz, die der Kanzler frecher Weise von mir gestohlen hat.

„Ich weiß es doch auch nicht. Mensch, wir können doch alle dem Herrgott dankbar sein, dass wir in einem solchen Land leben wie der Bundesrepublik Deutschland.“

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