Whistleblow

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von Markus Langemann

Oft habe ich in den letzten Monaten im persönlichen Gespräch mittelständische Unternehmer unter der Last ihrer Arbeit, den gesellschaftlichen Umständen, den staatlichen Belastungen ächzen hören. Nicht wenige stehen am Rande des Ruins. Mir scheint, es ist erstaunlich viel auf den Straßen über den tatsächlichen Zustand des Wirtschaftslebens im Land zu hören, wenig dazu von den Betroffenen in den Leitmedien. Elfenbeinturm-Analysen von Handelskammerpräsidenten oder aufgezeichnete Wortmeldungen von Verbandspräsidenten sind das Maximum an Betrachtung.

Wie erkenntnisreich  ist es da, wenn man den ungehörten Mittelständlern eine Stimme verleiht. Sie wissen, dieser Mittelstand war lange das Rückgrat, vielleicht gar die bequeme staatliche Rückversicherung, unseres Wohlstandes. Ich habe zum Hörer gegriffen und einfach den Winzer zum Interview gebeten, der Ihnen auf der Website und  im Newsletter,  seine Weine empfiehlt. 
Das soll kein Werben für ihn sein, sondern es ist der kurze Weg zu einem jungen, engagierten Unternehmer, der mutig und klar aus seiner Sicht formuliert, wie es um die Leistungsbereitschaft  in Deutschland bestellt ist und was er sich als Perspektive für 2023 wünscht. Es ist ein kurzer, punktueller Einblick in den Maschinenraum unseres Landes. Sie werden überrascht sein.

Teilen Sie den Lesern und mir gerne im Kommentarbereich Ihre Beobachtungen und Erfahrungen mit. Machen Sie gerne sichtbar, worüber nicht geschrieben wird und was Sie in Ihren Gebührensendern nicht abgebildet sehen. 

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10 Antworten

  1. Moin, bin neu hier möchte mich trotzdem kurz zu Wort melden.
    Ich bin nach der Wiedervereinigung endlich in BRD angekommen und zugleich aufgewacht.
    Auch ich habe meinen Handwerksbetrieb durch die DDR gebracht aber in meiner neuen Heimat 2001 auch aufgegeben. In der Zwischenzeit bin ich im Ruhestand und habe endlich Zeit gefunden über mein Leben und die jetzige Gesellschaftsform nachzudenken.
    Es Ist für mich erschreckend in welcher katastrophalen Verfassung sich dieses Land befindet, insbesondere die heranwachsende Generation. Tugenden wie Pflichtbewusstsein, liebe zum Beruf werden heute ganz klein geschrieben. Handwerk, Landwirtschaft, Stolz auf das erreichtes Ergebnis alles Fremdwortes. Ich sehe für dieses Land keine positive Zukunft ohne einen radikalen Kurswechsel, aber bitte nicht mit den jetzigen Parteien.
    LG

  2. Erst einmal möchte ich mich für die schon verfassten Kommentare bedanken.
    Es gibt nicht die Jugend, aber nach dreizig Jahren im Schuldienst kann ich nur feststellen, dass die Kinder immer kranker, energieloser und trauriger geworden sind. Ich spreche hier von der Mittel- und Oberstufe. Kinder kommen wenig in die Natur, da Ganztagesbespaßung. Freie Zeit ohne Handy, ohne irgendeine Ablenkung fehlt. Die Konzentrationsspanne der Kinder, bzw jungen Erwachsenen hat stark abgenommen. Viele Eltern und ihre Kinder glauben, ohne Abitur geht es nicht. Das, was Kinder können und wo ihre Stärken liegen, wird einer diffusen Angst, den Anschluss zu verlieren, geopfert. Wenn sie dann sich durch die Schule gewunden haben, ist ihre Lust auf irgendwas nicht mehr da. Viele sind nur müde, traurig und ohne einen inneren Kompass. Corona Maßnahmen haben dem Ganzen dann noch die Krone aufgesetzt. Zehn Stunden mit Maske, das bewirkt, dass Kinder deutlich weniger Ssuerstoff bekommen. Kopfschmerzen und Unwohlsein gehören dazu und führen noch mal mehr dazu, dass die Kinder ihren Zugang zum Körper verlieren.
    Ich habe diesem “Kasperltheater” seit einem Jahr den Rücken gekehrt.
    Vielleicht kamen in den Lockdowns auch viele Menschen das erste Mal im Leben zur Ruhe und damit auch zur Besinnung. Und eine Erkenntnis könnte sein, endlich sich auf die Suche nach dem heiligen Gral zu machen. Die Reise zu sich, ihrem Körper, ihrem Herzen, ihrer Seele. Diese Menschen sind defakto nicht mehr belastbar und stehen dem System nur noch bedingt zur Verfügung.
    Meine Gedanken sind ein weiteres Puzzelteil, zu dem Thema Belastbarkeit und Engagement in der Arbeitswelt.

  3. Wenn man den Faßinhalt nach der Füllmenge beurteilt und nicht nach der Qualität der Flüssigkeit darf man sich nicht wundern, wenn man irgendwann nur noch ungenießbare Plörre eingelagert hat.

    Und mir sage keiner die angeblich bürgerliche Mitte hätte nicht mitgemacht. Zu viel Staat, zu wenig Volk, keine Identität, keine Leistung, ergo auch kein Wohlstand. Aber dafür zeigt Schland Haltung, ist im Kern sozialistisch und feministisch, vor allem aber hochgradig opportunistisch. Ich frage mich nicht, warum so wenige arbeiten wollen, ich frage mich warum überhaupt noch jemand arbeitet, wer Geld hat wandert aus, wer keines hat wandert ein und wer hierzulande das Maul aufmacht, weil er den ganzen Unsinn und die Verarsche nicht mehr ertragen kann und es satt hat entrechtet und enteignet zu werden ist Staatsfeinde. Schnauze halten, sonst Nazi.

    1. Mein Kompliment zu Ihrem Kommentar, selten habe ich in so einem kurzen, aber präzisen Statement so viel nackte – und gleichzeitig bittere – Wahrheit gesehen. Gerade in den letzten beiden Sätzen steckt der komplette Werdegang von ‘Schland’ innerhalb der letzten beiden ‘Corona-Jahre’ und seine neue Ausrichtung ‘danach’ drin.

    2. Kleiner Einspruch! Der gilt auch beim Wein: „sozialistisch und feministisch“ ist Etikettenschwindel! Die allermeisten libertären Freidenker gehen dem zu meinem Bedauern auf den Leim, indem sie das falsche Etikett in alter Gewohnheit bedenkenlos herunter beten, obwohl doch längst Orwells Sprache Einzug hielt. Ich persönlich beanspruche weiterhin das Etikett „links“, obwohl mit die, die sich „links“ nennen, als „rechts“ etikettiern. „Emanzipiert“ bin ich selbstredend auch noch eingestellt, weil ich gleiche Rechte für alle absolut erstrebenswert halte, sie aber seit der französischen Revolution noch immer Utopie sind. Gerade deshalb auch vehementer Gegner des Genderwahns, plädiere ich statt falsch zu verstehenden Etiketten lieber für die Blindverkostung ,-)

  4. Lieber Herr Langemann,

    ich denke, der Blick ist hier ausnahmsweise mal etwas eng.

    Der Mangel an Personal im Gast- und Hotelgewerbe sind meiner Ansicht nach Nachwehen von Corona und der Politik dazu. Das sehe ich auch innerhalb der Familie. Meine Tochter hat in der Bayerpost Hotelfachfrau gelernt. Ist später in Spanien, Türkei und Österreich gewesen und im Januar wagte sie einen Neustart im Süden von Spanien. Das Hotel eröffnete im Frühjahr, wurde kurze Zeit darauf geschlossen. Im Juli ging es wieder weiter und Ende August war abermals Schluß. Damit war ihr Weg in der Gastronomie/Hotelgewerbe Geschichte. Sie hat ihre Arbeit geliebt und es war ein schwerer Schritt, Abschied davon zu nehmen. Auf was sollte sie und die Menschen in der Gastro warten? Ständig schwebte das Schwert der erneuten Schließung über ihnen. Ich bin mir sicher, dass sie nicht die Einzige ist, die die Segel gestrichen hat, sich neu orientierte.

    Das Bild über die aktuell “Jungen” ist meine ich, ebenfalls etwas verengt, zumindest zu verallgemeinert.

    Schauen Sie mal ins Ahrtal, schauen Sie sich die ganzen Videos an (z. Bsp. DZN – Dachzeltnomaden), lesen sie über die Projekte. Das Erstaunen über die jungen Leute war groß. So viele haben sich dort eingesetzt und tun dies nach über 1,5 Jahren immer noch. DIE Jugend gibt es nicht, gab es noch nie. Denken Sie mal an Ihre, oder waren damals alle gleich? 😉

    Schon meine Tochter sagte vor ca. 15 Jahren: Mama, ich bin so froh, dass wir so viel machen durften. Manche in meiner Klasse (Hauswirtschaftsschule) können nicht mal Wasser kochen.
    Mein Ziel war, meine Kinder möglichst gen Selbstständigkeit zu bringen. Sie sollten sich selbst helfen können, wenn ich mal nicht kann oder nicht da bin. Manche Mütter denken jedoch eine schöne Kindheit ist es nur, wenn das Kind möglichst gar nichts selbst machen muss.
    Ein guter Zeitpunkt zum Einbinden ist der, wenn die Kinder von sich aus kommen und helfen wollen. Leider wird dies oft unterbunden. Es könnte ja etwas kaputt gehen oder sie könnten sich weh tun. Natürlich muss man auf Sicherheit achten, doch mehr Zutrauen in die Kinder wäre wichtig.

    Die Ursachen über die vorhandene Unlust, Trägheit oder Überfordertheit vieler Jugendlicher liegt nicht alleine an ihnen. Das völlig falsche Bild von Arbeit, Umfang, Verdienst, was alles zum Arbeits-leben noch dazu gehört, das hat doch Gründe. Welche Bilder werden den Heranwachsenden heute vermittelt? Was ist erstrebenswert, wofür lohnt es sich, Energie einzusetzen? Wie funktioniert weiterkommen? Will ich weiterkommen? Muss ich unbedingt mehr als der Durchschnitt wollen? Darf ich zufrieden sein? Auch mit weniger.

    Im Arbeitsleben erlebe ich gerade das Spiegelbild der “Regierung”. Aalglatt, freundlich lächelnd (die anderen für Dumm verkaufen). Alle einer Meinung, alle haben sich lieb. Kante zeigen, klare Kommunikation – Fehlanzeige. Das stört das schöne Bild.

    Wie ist es heute in der Schule? Läuft es da auch schon so? Woher kommt das “Was, 8 h arbeiten? Das ist viel zu viel!”?

    Allen einen schönen 3. Advent.

  5. Ich kann Herrn Rhein in seiner Analyse nur beipflichten. Es ist sehr schwierig, fast unmöglich gutes Personal bzw. Lehrlinge zu finden. Die Arbeitsbereitschaft, Pünktlichkeit und die Identifikation mit dem Betrieb sind bei der jungen Generation kaum vorhanden. Ich führe eine Zahnarztpraxis und wir erleben ständig, dass schon die Praktikanten nach ein , zwei Tagen sich beschweren, daß diese Arbeit viel!!!zu anstrengend sei. Das wird uns und mir bei einem für uns völlig normalen Arbeitsbetrieb schon gesagt. Ganz zu schweigen, wenn es zwischendurch richtig voll ist.
    Im Austausch mit meinen Kollegen stellen wir fest, daß es fast allen dabei gleich geht.
    Die Aussichten für die Zukunft der Wirtschaft und des Mittelstandes in Deutschland sind düster. Nicht nur was die Personalsituation angeht. Leider!

  6. Ich bin als Selbstständiger Ingenieur nun an dem Punkt, dass ich aufhören werde. Nicht nur, dass man Probleme hat, Mitarbeiter zu finden. Mein Eindruck ist, dass die Menschen im Alter um 20 Jahre in der Schule gezielt zur Dummehit – oder besser Blödheit – erzogen werden. Ich bin überzeugt, dass dahinter Methode steckt. So kann man die deutsche Wirtschaft auch zerstören.

    1. Ihre Sicht auf die Jugend kann ich nur sehr bedingt teilen. Auch ich bin selbstständiger Ingenieur. In den vergangenen knapp drei Jahren habe ich gemeinsam mit einem jungen internationalen Team die Planung und Errichtung einer neuen PKW-Endmontage verantwortet. Selten habe ich klügere, interessiertere und motiviertere Ingenieure und Techniker erlebt.

      Was zweifelsohne stimmt ist der Umstand, dass die Ablenkung und die Vielfalt der Anforderungen heute in alle Richtungen einen Grad erreicht hat, der oftmals kaum noch beherrschbar ist und der eine tiefgreifende Beschäftigung mit einzelnen, aber wichtigen Thematiken verhindert. Das ist aber kein spezielles Kennzeichen der Jugend. Das geht uns durch alle Altersschichten so. Weiterhin verhindert unsere Null-Risiko-Gesellschaft oftmals, dass sich Kinder und Jugendliche frei bewegen und damit frei entfalten können. Das behindert ihre Entwicklung. Hinzu kommen mehr und mehr ideologisierte Bildungseinrichtungen. Als ich vor Jahren das Schulbuch meines Sohnes aufschlug und lesen musste, dass sich darin die Hetzschrift eines bekannten Klimaforschers, u.a. gegenüber der Windenergie kritisch eingestellten Mitmenschen, war ich geschockt. Statt selbständiges Denken zu fördern, wird die Jugend zunehmend indoktriniert von Weltuntergangsphantasien selbsternannter Weltenretter. Wie dünn das Eis ist, auf dem sich dieser Personenkreis bewegt, lässt sich nur erahnen, wenn man beginnt, deren Thesen im Detail zu hinterfragen.

      Wenn die Jugend wieder etwas benötigt, dann ist es eine Perspektive für die Zukunft und nicht das aktuell von den Medien vermittelte Weltbild, das für die Zukunft eine überhitzte, brennende, stürmende, kaputte und deshalb kaum noch lebenswerte Welt zeichnet, die sich – wenn überhaupt – nur noch durch massiven Verzicht auf Freiheit und Lebensqualität des Individuums vor dem Allerschlimmsten bewahren lässt. Wer so agiert, muss sich nicht wundern, wenn Jugendliche glauben, sich auf den Asphalt zu kleben sei der größte Beitrag, den sie zur Gestaltung ihrer Zukunft noch leisten können. Einer Zukunft für die Jugend, deren Tür sich für sie vermeintlich gerade schließt.

  7. Vielen Dank für diesen überragenden Einblick, der aus meiner Sicht sehr praxisnah und zutreffend ist ..

    Das ist Mittelstand ..

    Die Probleme sind überaus vielfältig ..
    es lohnt sich nicht mehr selbständig zu sein ..

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