Donkey Kong & die Stufen

von Markus Langemann //

Wer sich erinnert, wie in den 1980er-Jahren der Arcade-Automat mit dem Namen Donkey Kong in dunklen Kneipen und verrauchten Spielhallen stand, der weiß: Es war mehr als ein Spiel. Es war ein Versprechen. Ein Versprechen, dass man – gegen Einwurf von 50 Pfennig oder einer Mark – ein Level höher gelangen konnte.
 
Dass man sich durch riskante Sprünge und geschicktes Ausweichen dem nächsten Bildschirm, dem nächsten Ziel, dem nächsten Triumph annähert. So seltsam es klingt: Unser Leben funktioniert nach einem ähnlichen Muster. Menschen durchlaufen Level, sichtbar und unsichtbar.
 
Vom jugendlichen Suchen und Finden über Partnerschaft und Familie bis hin zu den Insignien des Erwachsenseins: das eigene Heim, die berufliche Verantwortung, die kleinen Symbole des erreichten Status. Und immer wieder ruft das Leben: Next Level.
 
Wie in Donkey Kong stellt sich nach jedem Sieg keine Ruhe ein. Kaum ist ein Abschnitt geschafft, erscheinen neue Hürden, neue Fässer, die rollen, neue Leitern, die erklommen werden müssen. Der Schulabschluss ist ein Level, das nächste heißt Ausbildung oder Studium. Beruflicher Aufstieg: ein weiteres Level. Elternschaft: ein Next Level, komplexer als jedes zuvor. Und so laufen wir, springen wir, balancieren wir über die brüchigen Balken unseres Daseins. Ein Level gleicht dem nächsten – und doch wird jedes schwerer, raffinierter, fordernder. Niemand weiß, wie viele Münzen noch bleiben.
 
Niemand weiß, ob der Automat des Lebens uns ein weiteres Spiel gönnt. Vielleicht liegt in dieser schrägen, beinahe profanen Analogie eine leise Wahrheit: Dass unser Leben kein geradliniger Aufstieg ist, sondern ein Spiel aus Stufen, Herausforderungen und Belohnungen. Und dass der eigentliche Wert nicht darin liegt, wie viele Levels wir erreichen, sondern wie wir sie durchschreiten. Ob wir die Fässer des Schicksals mit Geschick überspringen, ob wir mit Humor stolpern oder mit Würde scheitern.
 
Am Ende blendet der Automat das unvermeidliche „Game Over“ ein. Aber bis dahin? Bis dahin bleibt uns das Spiel – und die Frage: Welches Level wartet als Nächstes?
 
 

Eine Antwort

  1. Ich kannte bisher nur King Kong, aber auch mit dem konnte ich wenig anfangen. Meine Erfahrung ist, dass es mit zunehmenden Alter immer einfacher wurde, als Ehemann, als Vater, als Arzt oder in der Gesellschaft.

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