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Gil Ofarim & die Opferindustrie

von Peter Löcke //

Der Fall des Sängers Gil Ofarim ist durch sein Geständnis gerichtlich geklärt. Der von ihm geäußerte Vorwurf des Antisemitismus gegen einen Mitarbeiter des Westin Hotels in Leipzig war erstunken und erlogen. Dabei war der Darsteller Ofarim bei seiner inszenierten Verzweiflung doch so überzeugend, hatte seine Darbietung filmisch festgehalten, um das Schaupiel anschließend ins Netz hochzuladen. Ich möchte nicht nachtreten, indem ich mich in psychologischen Erklärungsversuchen über die Motive des Sängers verliere. Stattdessen möchte ich an einen anderen Fall erinnern, der niemals geklärt wurde, obwohl er als aufgeklärt gilt. Der Fall steht exemplarisch für die medialen Empörungs-Mechanismen, die bei Skandalen rund um die Themen Antisemitismus, Sexismus und Rassismus ablaufen. Es handelt sich um Fall Jordan Torunarigha. Vielleicht erinnern Sie sich. Der vermeintliche Rassismus-Eklat gegen den dunkelhäutigen deutsch-nigerianischen Fußball-Profi fand im Februar 2020 statt und wurde über Wochen zum Titelseiten schmückenden Politikum. Was war geschehen?

Torunarigha trat mit seiner Mannschaft Hertha BSC zum DFB-Pokalspiel auf Schalke an. Trotz einer Zwei-Tore-Führung verlor Berlin die Begegnung mit 2:3 nach Verlängerung. Das Sportliche rückte schnell in den Hintergrund, denn nach dem Spiel platzte auf der Pressekonferenz eine Bombe. Ein Bombeneinschlag, der während des Spiels unbemerkt blieb. Herthas damaliger Trainer Klinsmann beklagte sich über wiederholte üble rassistische Anfeindungen von Zuschauern gegen seinen dunkelhäutigen Spieler Torunarigha. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Geschichte seinen eigendynamischen Rassismus-Verlauf.

Betreuer, Mit- und Gegenspieler bestätigten Torunarigha. Sie bestätigten, dass Jordan Torunarigha ihnen auf dem Platz und während der Pause zur Verlängerung äußerst verzweifelt, emotional angefasst und zutiefst glaubwürdig von Rassismus erzählte. Der Spieler beklagte Affenlaute von Zuschauern, die ihn von der Tribüne aus verhöhnten. Bilder tauchten auf. Bilder des Jordan Torunarigha mit Tränen in den Augen. Wer so weint, der lügt nicht. In den darauffolgenden Tagen zogen zwei Wellen durch Deutschland. Neben einer Welle der Empörung wegen eines erneuten Eklats in einem deutschen Fußballstadion gab es eine noch größere Welle der Anteilnahme. Volle Solidarität mit dem Opfer Jordan Torunarigha. Vom A-Politiker bis zum C-Prominenten ereilten den Fußballspieler von Hertha BSC hunderte Botschaften, die ihm Trost spendeten. Der Verein Schalke 04 wurde vom DFB in einem kurzen Prozess zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt. Selbstverständlich wurde das Strafmaß reumütig angenommen. Anders als bei Gil Ofarim urteilt beim Fußball kein ordentliches Gericht, sondern nur ein DFB-Strafgericht. So viel in aller Kürze zur offiziellen Geschichte, wie sie noch heute im Netz zu finden ist, wenn man danach googelt. Und nun meine Geschichte.

Schaut man sich das Pokalspiel in Gänze an, stellt man fest, dass der Spieler Jordan Torunarigha bereits von der ersten Minute an höchst emotional war. Es gab kaum eine Entscheidung gegen Berlin, insbesondere gegen ihn selbst, die nicht klagend mit einem weinerlichen Gesichtsausdruck kommentiert wurde. Sein Verein führte mit zwei Toren, um binnen kürzester Zeit in der zweiten Halbzeit den Ausgleich zu kassieren. Die Arena auf Schalke tobte. Ohrenbetäubender Lärm im Stadion, Ekstase wegen der Aufholjagd des Heimteams. Man verstand kaum sein eigenes Wort. Während dieses Lärmpegels kam es laut offizieller Version zu den abstoßenden Affenlauten von der Tribüne, die Torunarigha vernahm. Nur stand er während des von ihm selbst angegeben Zeitrahmens nicht in der Nähe einer Tribüne. Wer außer dem Spieler selbst hat die rassistischen Affenlaute vernommen? Niemand. Kein Spieler, kein Betreuer, kein Journalist, kein Zuschauer. Kein Richtmikrophon hat sie aufgenommen, keine TV- oder Handy-Kamera hat die Vorfälle eingefangen. Es gab Zeugenaufrufe, um die Täter ausfindig zu machen. Es wurde gar eine Belohnung ausgeschrieben. Erfolglos.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Nichts liegt mir ferner als wirklichen Rassismus, wirklichen Antisemitismus und wirkliche sexuelle Gewalt zu verharmlosen. Ganz im Gegenteil. Doch wo muss man die Opfer suchen? Bei den Stars & Sternchen, den Influencern, den A bis C-Promis, die ihr Leid im grellen Scheinwerferlicht zur Schau stellen? Nein. Dort ist mittlerweile eine lukrative Opferindustrie entstanden. Wirkliche Opfer sind still und bewegen sich im Dunkel ihres traumatischen Erlebnisses. So zumindest ist meine Lebenserfahrung.

Gil Ofarim wünsche ich, dass er aus seinem Fehler lernt. Und Jordan Torunarigha? Vielleicht tue ich ihm Unrecht. Falls es entgegen jeder menschlichen Logik wirklich einen Rassismus-Eklat gab, entschuldige ich mich bei ihm in aller Form. Den Journalisten von taz, Spiegel, Süddeutsche und Co, die Ofarim glaubten und Torunarigha immer noch glauben, die nichts hinterfragen und Menschen wie mich vorschnell als Rassisten beschimpfen, möchte ich eine Geschichte mit auf den Weg geben.

Zur Vorbereitung der Olympischen Spiele in Tokio, anderthalb Jahre nach dem Rassismus-Eklat auf Schalke, fand im Juli 2021 ein anderes Fußballspiel statt. Deutschland gegen Honduras. Es war ein Testspiel, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Keine Bilder heißt kaum Interesse. Doch auch dieses Spiel wurde von einem wenig beachteten Eklat überschattet. Ein deutscher Spieler behauptete, sein Gegenspieler habe ihn rassistisch beleidigt. Umgehend solidarisierten sich Trainer Kuntz und seine Mitspieler. Das Spiel wurde vorzeitig abgebrochen. Der Verband von Honduras wies den Vorwurf empört von sich. Der angeklagte Spieler sei tolerant und komplett Rassismus-unverdächtig. Der Name des honduranischen Fußballspielers ist mir entfallen. Sein Gegenspieler, das anklagende Opfer, hieß Jordan Torunarigha. 

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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Eine Antwort

  1. Dafür sind die Medien doch da, um die Masse Mensch immer in die gewünschte Richtung zu lenken. Wozu das immer wieder führt haben alle Kriege in der Vergangenheit eigentlich eindrucksvoll gezeigt, egal unter welchem Vorwand.

    “Das Problem sitzt weder im Kreml, noch im Weißen Haus, sondern Kopfnickend vor dem Fernseher.” (unbekannt)

    Vor über zweitausend Jahren wurde ein Handwerker ans Kreuz genagelt, weil er wollte dass die Menschen die herrschenden Glaubens Konstrukte hinterfragen. Auch das haben die Medien inzwischen übernommen und alles dient wie seit tausenden von Jahren dem Gott Mammon und dem Glauben, dass Geld dies alles rechtfertigt.

    Was sie Medien ebenfalls geschafft haben ist, dass sich all die Massen von Menschen mit den vielen Symptomen beschäftigen. Im Grunde wie die “moderne” Medizin. Die Ursachen könnten die Heilung bringen, aber im täglichen Hamsterrad lässt sich so schlecht nachdenken.
    So werden weiterhin Rüstungsindustrie und Pharma die beiden umsatzstärksten Industriezweige weltweit bleiben und Kriege und Leid so schnell nicht enden. Unterstützt von den Medien, die der unbewussten Masse weiterhin die Welt erklären. Platons Höhlengleichnis zeigt dadurch, wie wenig sich die Menschheit weiter entwickelt hat.

    Die Wahrheit könnte den Menschen befreien, aber er nimmt ja nicht einmal die Realität war. Erst wenn der Mensch am Boden liegt, wird er den Himmel wieder für sich entdecken. Doch zuvor wird er, wie immer, erst durch tiefes Leid gehen.

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