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Hass!

von Peter Löcke //

Übe keine Rache an einem Angehörigen deines Volkes und trage ihm nichts nach, sondern liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ich bin der Herr!“

Etwas erschrocken war ich schon, als ich das Bibelzitat aus dem Buch Mose las. Schließlich handelt es sich beim Begriff Volk um einen Nazibegriff, wenn man dem Evangelium des Propheten Robert Habeck Glauben schenkt. Die Bibelstelle spiegelt außerdem das wider, was Alice Weidel der deutschen Bundesregierung vorwarf. Die Abrechnung der Fraktionsvorsitzenden der AfD (1) mit der deutschen Bundesregierung mündete in starkem Tobak.

„Diese Regierung hasst Deutschland.“

Hier widerspreche ich Frau Weidel. Die Ampel übt keine biblische Rache am eigenen Volk. Es handelt sich nicht vordergründig um Hass. Es geht vielmehr um Prioritätensetzung. Europäische und globale Interessen genießen Vorrang gegenüber deutschen Interessen. So gesehen liebt die deutsche Regierung jeden außer sich selbst und den eigenen Bürger. Dieser altruistischen Ansicht ist auch Britta Haßelmann. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen trat nach Weidel in den Ring (2) und sah den Hass bei der Vorrednerin.

Die Rede von Weidel sei voller Verachtung, Menschenfeindlichkeit und Verächtlichmachung demokratischer Institutionen gewesen. So die Britta über die Alice. Aus zwei Gründen möchte ich mich eines Urteils enthalten. Zum einen mische ich mich niemals ein, wenn zwei Frauen sich streiten. Zudem gehöre ich zu der wachsenden Mehrheit von Deutschen, die Angst haben, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Das ist natürlich auf Dauer schlecht für einen Kolumnisten. Was ich jedoch an dieser Stelle machen kann, ist die veröffentlichte Meinung mit der Realität zu vergleichen.

Weidel ist pietätlos, solch eine harsche Regierungskritik direkt nach der Gedenkfeier um die Opfer des Nationalsozialismus zu äußern. So der Vorwurf der Leitmedien. Die Reden von Eva Szepesi und Marcel Reif waren in der Tat ergreifend. Und dennoch sehe ich es anders. Wie kann man eine traditionell hart geführte Generaldebatte direkt nach einer Trauerfeier terminieren, auf welcher den Opfern des NS-Regimes gedacht wird? Das war entweder Dummheit oder Absicht. Letzteres halte ich für wahrscheinlicher. Wie war sonst der Tenor in den großen Gazetten?

Britta Haßelmann spreche den Menschen aus den Herzen, während Alice Weidel nur puren Hass verströme. Das wundert mich dann doch, wenn ich mir die Aufrufzahlen und Likes der Reden auf Phoenix, einem öffentlich-rechtlichen Kanal, anschaue. Der Beitrag von Weidel wurde über 400.000 Mal angeklickt, der von Haßelmann weniger als 14.000 Mal. Die Kommentarfunktion des öffentlich-rechtlichen Senders ist traditionell deaktiviert. Offiziell wegen möglicher Hassrede. Apropos Hass.

Hassrede wirft man auch Hans-Georg Maaßen vor. Gesichert rechtsextremer Hass soll es sein. Also habe ich mir das 20-seitige Dokument des Verfassungsschutzes (3) durchgelesen, das den Anwälten des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten auf seine Anfrage hin zugestellt wurde. Als bekennender Altlinker war ich bitterlich enttäuscht und verfassungslos. Beim Verfassungsschutz herrscht eindeutig Fachkräftemangel.

Die Behörde brauchte fünf Monate für die Erstellung von öffentlich zugänglichen Maaßen- Zitaten. Das hätte ich in einer halben Woche unter Einhaltung von Pausenzeiten geschafft. Mehr noch: Ich hätte die Ergebnisse meiner Recherche nicht t-online und der ARD zur Verfügung gestellt. Oder glauben Sie der offiziellen Version, dass die beiden regierungsfreundlichen Portale das recherchiert haben? Neben vermeintlichem Hass, den ich in den Äußerungen nicht erkennen kann, lautet Maaßens größtes Problem Kontaktschuld. Irgendjemand kennt irgendjemanden, der eventuell Heinrich XIII. Prinz Reuß nahesteht und gleichzeitig einen Facebook-Beitrag des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten geteilt hat. Ja dann.

Doch urteilen Sie an den Quellen wie etwa dem Politmagazin „ARD Kontraste“ (4) vom bekannt seriösen Sender RBB. Der Redaktionsleiter heißt Georg Heil, unabhängiger Bruder von Arbeitsminister Hubertus Heil. Leider hat mein Intellekt nur die Anmoderation überlebt. Verspürte ich Hass? Nein, das Gefühl hieß Mitleid. Wie investigatief kann man sinken? Die Sendung beginnt mit einem warnenden Einspieler, in welchem der unbekannte AfD-Abgeordnete Lars Hünich die „Abschaffung des Parteienstaats“ fordert. Das ist für Kontraste der Beginn des Untergangs des demokratischen Abendlandes. Liebe ARD, vor einem Parteienstaat und einer Parteienherrschaft warnten bereits Politiker wie Richard von Weizsäcker oder Hans Apel. Wer sich also gegen einen Parteienstaat ausspricht, möchte mehr und nicht weniger Demokratie. Ausnahmsweise zitiere ich Wikipedia (5). 

„Der Parteienstaat wird zum vollständigen Parteienstaat, wenn sich alle Staatsgewalten – Legislative, Exekutive und Judikative – ausschließlich in den Händen formierter gesellschaftlicher Kräfte wie der politischen Parteien befinden. Diese Art eines Gesellschaftssystems wird auch Parteienherrschaft genannt.“

Zurück im Studio sagt die Moderatorin Eva-Maria Lemke folgenden Satz. „Übrigens, als die Nazis 1933 an die Macht kamen, hat es gerade mal sechs Monate gedauert, bis alle Partien verboten waren außer der NSDAP.“

Übrigens, Frau Lemke. Dass die AfD und wohl auch die WerteUnion verboten werden sollen, ist politische Realität. Dass die AfD und die WerteUnion andere Parteien verbieten wollen, sind Phantasien.

Host mi? Nein, ich hasse Sie nicht, Frau Lemke. Haben Sie das verstanden?

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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3 Antworten

  1. Zitat: “Schließlich handelt es sich beim Begriff Volk um einen Nazibegriff,…”
    Ohoh… ist das so?
    Wie erklären Sie dann: “Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus” im Grundgesetz der BRD, nun auch Deutschlands.
    Oder “Dem Deutschen Volke” über dem Reichstagsgebäude, in dem der Bundestag tagt?
    “Wir sind das Volk!” mit dem Slogan stürzten 1989 Menschen der DDR die Mauer in Berlin.
    Wie kann das dann ein Nazibegriff sein?
    Wie auch immer, Heitmeyer hat in seinen Forschungen über Rechtsextremismus, Rechtspopulismus die Formel von “gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit” geprägt. Hat er dazu auch in den Spiegel geschaut?
    Wikipedia informiert dazu: “Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bezeichnet die Abwertung und Diskriminierung von Menschen allein aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen Angehörigkeit zu Gruppen – unabhängig vom individuellen Verhalten.”
    Was unterscheidet die Massendemonstrationen gegen die AfD von dieser Definition?

  2. Die Rede von Frau Weidel war an Brillianz und Klarheit schwer zu übertreffen. Von einer Frau Haßelmann schon gar nicht, das war nur hohles Gewäsch.

  3. Dieses Zitat wird von Jesus im Neuen Testament wiederholt. Man sollte allerdings nicht nur den Anfang hervorheben “liebe deinen Nächsten”, sondern auch das WIE DICH SELBST beachten. Und das ist unserem Volk fast vollständig abhanden gekommen. Einen solchen anerzogenen Selbsthass gibt es in keinem Volk der Erde wieder. Wer sich selbst nicht liebt ist auch kaum zur Liebe Anderer fähig!

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