Im Fall der Fälle

von Peter Löcke //

Oktober 2025 und die Fallzahlen steigen. Corona? Nein. Die abendlichen Ziehungen der Inzidenzzahlen gehören der Vergangenheit an. Weder der Querdenker Jens Spahn noch sonst jemand muss heute noch „kompliziert um drei Ecken denken“. Kein Goldstandard heißt keine Pandemie, weil keine steigenden Fallzahlen. Es steigt jedoch etwas anderes. Sprachfrequenz statt Inzidenz! Es fällt auf, dass es immer mehr Fälle von Fällen gibt. Das wiederum halte ich für keinen Zufall. Es folgt ein Überblick dieser Fälle, die sich von Fall zu Fall unterscheiden.

Der Zwischenfall. Es kommt zu immer mehr Zwischenfällen. Meistens handelt es sich um Flüge von Drohnen. Die überfliegen, bedrohen und landen in Ländern, die ausdrücklich nicht Ukraine heißen. Der Wertewesten wird von Drohnen angegriffen. Und all diese Drohnen scheinen aus Russland zu kommen. Nun gut. Sie kommen wohl, angeblich, anscheinend und vermutlich aus Russland. Das behaupten Medienberichte, die auf übereinstimmenden Medienberichten basieren. Dafür gibt es Quellen aus Geheimdienstkreisen. Das bestätigen mir Militärexperten. Das sagen Rundfunk, Reuters & Roderich. Muss Deutschland nach so vielen Zwischenfällen nicht irgendwann auch mal zurückschießen? 

Der Spannungsfall. Aufgrund der vielen Zwischenfälle möchte Roderich Kieswetter den Spannungsfall ausrufen. Er möchte die Lage, um es in den Worten einer unmoralischen Ethikerin zu sagen, sozusagen schrittweise hocheskalieren. Kanzler Merz nimmt seinen Kettenhund an die kurze Leine, um ihn gleichzeitig zu streicheln. Deutschland befände sich nicht im Krieg. Glück gehabt! Allerdings befände sich Deutschland auch nicht im Frieden. Ja was denn nun? Ich halte diesen geistigen Durchfall des Kanzlers nicht für einen semantischen Unfall. Deutschland befindet sich in einer Twilight Zone aus Krieg & Frieden. In einer solchen Grauzone muss man vermutlich zurückschießen.

Der Bündnisfall. In der Logik des Krieges kommt es nach dem Spannungsfall stets zum Bündnisfall. Die komplette NATO? Da bin ich mir nicht sicher. Trump wird sich damit zufrieden geben, dass Europa neben dreckiger Energie auch Waffen aus den USA einkauft. Make America Great Again And Europe Even Smaller! Es kommt zur vielzitierten europäischen „Koalition der Willigen“ rund um Merz, Macron und Starmer. Deutschland, Frankreich und England haben nämlich ähnliche innenpolitische Probleme und Interessen. Die Probleme heißen wirtschaftlicher Niedergang, Migrationskrise einhergehend mit sozialen Unruhen in Form von wachsendem Unmut und Wut in der einheimischen Bevölkerung. Was liegt im Fall des eigenen Zerfalls näher als auf Kriegswirtschaft umzurüsten? Um wie viel Uhr genau wird zurückgeschossen?

Der Kriegsfall. Dann wären wir endlich im Kriegsfall. Und ein solcher Ernstfall wird schon geübt wie unlängst in der Bundeswehrübung „Red Storm Bravo“ [1]. In solchen Zeiten darf man nicht für den Frieden sein. In solchen Zeiten darf man nicht den Kriegsdienst verweigern. Für den Frieden darf man nur in friedlichen Zeiten demonstrieren. Im Kriegsfall wird endlich zurückgeschossen.

Zwischenfall, Spannungsfall, Bündnisfall und Kriegsfall? Das ähnelt ein wenig der deutschen Grammatik. Da gibt es auch vier Fälle. Gelernt ist gelernt. Davon habe ich auch mehr Ahnung als vom Militär. Anders als der Militärexperte Carlo Masala betrachte ich bis heute Menschen als Menschen und nicht als „Menschenmaterial“. Fragen wir doch einfach nach den vier Fällen in der schönen deutschen Sprache.

Erster Fall, Nominativ. Wer oder was? Russland. Das Subjekt Russland hat einen Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet. Weil es sich um einen imperialen Angriffskrieg handelt, wird es nicht bei der Ukraine bleiben.

Zweiter Fall, Genitiv. Wessen Schuld ist das? Das ist alleine Putins Schuld. Hier findet kein Stellvertreterkrieg statt. Ebenso wenig existiert eine historische Mitschuld westlicher Länder am Krieg in der Ukraine durch gebrochene Versprechen und Verträge sowie eine NATO-Osterweiterung bis vor die Haustüre Russlands.

Dritter Fall, Dativ. Wem muss man die Botschaften der ersten beiden Fälle in einem politmedialen Dauerfeuer ins Gehirn hämmern? Der einheimischen Bevölkerung, früher auch Heimatfront genannt. Dadurch erzeugt man Folgebereitschaft alias Solidarität.

Vierter Fall, Akkusativ. Wen oder was interessieren die ersten drei Fälle im Kriegsfall? Das interessiert dann niemanden mehr. Im Fall der Fälle fällt alles auseinander. Dann geht jede Menschlichkeit verloren. Das war seit jeher der Kasus des Krieges.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

Beitrag teilen:

2 Antworten

  1. Mein Vater, der durch den Untergang der Wehrmacht 1945 aus seiner Wehrpflicht entlassen wurde, hat bis 1975 in seinen Alpträumen nachts geschrieen. Ich habe einige wenige Augenzeugenberichte von meinem Vater gehört. Ein Beispiel: Verwundeten Kameraden hingen die Gedärme heraus und sie haben weinend in ihrer Verzweiflung nach ihrer Mutter gerufen. Und jetzt erzählt man uns, es könnte wieder losgehen? Ein paar Drohnen, ein bisschen Artillerie, hier und da eine Rakete? 1.700.000 gefallene Ukrainer, 500.000 bis 1.500.000 tote Russen? Wir sehen noch keine volle Eskalation des Krieges, da die Verluste an Zivilisten z.Z. weitaus geringer sind als z.B. im Irakkrieg. Es ginge also noch viel schlimmer einschließlich einer nuklearen Eskalation. Was ist los mit unserem Militär? 1944 wurden mehr als 10.000 Messerschmidt Jagdflugzeuge gebaut, die Bundesluftwaffe verfügt, wie man hört, über 20 einsatzbereite Eurofighter, 160 sind nicht flugfähig. In den anderen NATO Staaten sieht es nicht anders aus, unsere Regierungen wissen das ganz genau, sie wissen auch, dass man eine Atommacht nur mit nuklearen Waffen ernsthaft bekämpfen kann. Man erzählt uns vermutlich nicht die ganze Wahrheit. So, wie ich es verstehe, ist ein tatsächlicher Waffengang gegen die Russische Föderation nicht möglich und daher schlicht unwahrscheinlich. Mag sein, dass einige wollen, aber können können sie wohl nicht.

  2. Es ist ja alles so billig und durchsichtig, dass es außer den Dummen und Ideologen alle, wirklich alle, kapieren! „Putin“ will uns angreifen! Ja, was will er denn? Unser Rentensystem sanieren? Unsere Schulden übernehmen? Unsere Rohstoffe stehlen? Speckwürste in Tallin essen? Drohnen, „vermutlich aus Russland“ , greifen unsere Infrastruktur an. Zwei Stunden lässt „Putin“ zwanzig unbewaffnete Drohnen über dem Münchner Flughafen kreisen, ohne dass irgendjemand in der Lage wäre, diese abzuschiessen. Da wird selbst Putin vom Lachanfall geschüttelt und sagt, er schickt jetzt keine mehr! Deutschland ist nicht im Krieg, aber auch nicht im Frieden. Das ist logisch unmöglich. Der Satz verdeckt nur, dass Deutschland längst im Krieg ist, nämlich Teilnehmer im Stellvertreterkrieg der NATO, jetzt der europäischen NATO, gegen Russland. Trump hat das klug gemacht, der Schwarze Peter liegt nun bei den Eurpäern, sie entscheiden über Krieg und Frieden, über Eskalation oder Deeskalation und Verhandlungen. Und sie entscheiden darüber, wieviel tausend ukrainische Soldaten der NATO Osterweiterung noch geopfert werden sollen. Dabei spricht die EU nicht mit einer Stimme, Spanien, Italien, Ungarn, die Slowakei und Serbien fühlen sich nicht durch Russland bedroht und wollen deshalb nicht weitere Milliarden an Schulden in die Ukraine für deren Staatshaushalt und neue Waffen pumpen. Die Achse Paris, London und Berlin steht auf dem Papier wie eine Eins. In Wirklichkeit sind alle drei Regierungen angezählt. Jetzt wollen sie die 200 Mrd Russischer Gelder, die sie in Brüssel „konfisziert“ haben, in die Ukraine umleiten, weil sie die jährlich 50 Mrd. Euro, die diese mindestens benötigt, nicht selber aufbringen können oder wollen, da selber hoch verschuldet. Keiner von ihnen versteht, dass das realwirtschaftlich ohne Bedeutung ist, da es sich nur um bedrucktes Papier in Form von Dollars und Euros handelt: Ob die Europäer dieses Geld nehmen oder selber welches drucken, ist für sie irrelevant. Die Waffen müssen sie herstellen oder in den USA kaufen. Mit welchem „Papier“ sie bezahlen ist völlig egal, es ergibt sich immer ein realer Wohlstandsverlust, da man Waffen nicht essen kann. Aber der größte Witz ist, dass nach den westlichen Experten, Putin erst 2029 angreifen wird. Weil wir dann erst „kriegstüchtig “ sind? Es ist von vorn bis hinten das dümmliche Geschwafel von Spin Doctors, die die Bürger für genau so dumm halten, wie sie selber sind. Wie man in den Umfragen sieht, täuschen sie sich gewaltig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Herzlich Willkommen auf dieser Plattform des kultivierten Austauschs von Argumenten.

Wir haben verlernt Widerspruch aushalten zu können. Hier darf auch widersprochen werden. Ich möchte Sie bitten, dabei wertschätzend und höflich zu bleiben. Beleidigungen und Hasskommentare werden künftig ebenso entfernt, wie Wahlaufrufe zu Parteien. Ich behalte mir vor, beleidigende oder herabsetzende Kommentare zu löschen. Dieses öffentliche Forum und die ihm innewohnende Möglichkeit Argumente und Meinungen auszutauschen, ist der Versuch die Meinungsfreiheit – auch die der anderen Meinung – hoch zu halten. Ich möchte hier die altmodische Tugend des Respektes gepflegt wissen.

„Kontroversen sind kein lästiges Übel, sondern notwendige Voraussetzung für das Gelingen von Demokratie.“ Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck a.D., vor nur 5 Jahren in seiner Rede zum Tag des Grundgesetzes.

de_DEGerman