Tempus Fugit und die innere Ordung

Im Frühling wird es nun ein Jahr. Sie wissen was sie meint. Gastautorin Anna Frei öffnet ihr Herz und lässt Buchstaben seufzen...

Im Frühling ein Jahr

von Gastautorin Anna Frei

Es war einer jener Tage, für den der Rest des Landes die Bayern beneidet. Der Himmel blau, der Wind sanft bei Nachmittagstemperaturen um die 17 Grad. Es war ein guter Tag, und es hätte ein nahezu perfekter Tag werden können, wäre es nicht justament jener Tag gewesen, auf den der Tag der Verkündigung folgen sollte. Wissen konnte ich das an jenem Tag nicht, aber es lag in der Luft.

Am Abend stand ich am Ufer des Tegernsees, und da schwante mir, dass dies für lange Zeit der letzte unbeschwerte Tag sein würde. Die Uferpromenade in Rottach-Egern – sonst eine beliebte Flaniermeile – war gespenstisch leer. Außer einigen wenigen Anwohnern verlief sich niemand an diesen schönen Flecken Erde. 

Mein Lieblingslokal war geschlossen, die zweite Wahl auch und in allen anderen Restaurants waren nur vereinzelte Tische besetzt. An solchen Orten mag man nicht verweilen. Gaststuben ohne Gäste laden nun mal nicht ein.

Als ich mich endlich irgendwo niederließ, wurde ich unfreiwillig Zeuge eines Gesprächs, das mir vollends den Appetit verdarb. Die Herrschaften vom Nachbartisch waren bereits in Kurzarbeit. Sie Kellnerin, er Koch, das Lokal, das noch vor wenigen Wochen ihr Arbeitsplatz war, hoch oben am Berg, war verwaist. Bevor ich schlafen ging, genehmigte ich mir ein Glas Wein, ein ausgesprochen großes Glas Wein.

Am folgenden Tag kündigte Markus Söder an, Schulen, Museen, Theater und überhaupt alles schließen zu lassen, was nicht systemrelevant sei. Der Rest ist Geschichte.

Am Tag darauf, das Wetter war noch immer schön, der Föhn noch immer nicht zusammengebrochen, ging ich Spazieren. Ich nahm die große Runde durch Haine und Wälder und immer weiter, bis ich endlich Ruhe fand und allmählich zu vergessen begann. Der Waldboden war weich, die Luft roch harzig, die Vögel waren im Rausch und überboten sich im Singen und Pfeifen und Tirilieren. Spürbar leichteren Herzens machte ich mich auf den Rückweg. Das Dorf lag schon in Sichtweite, da vernahm ich eine blecherne Stimme, die wie eine einzige Drohung klang. Und je näher ich kam, desto dystopischer geriet die Ansage: „Bleiben Sie zuhause! Verlassen Sie das Haus nur in Notfällen!“ Noch Stunden später durchschnitt das Plärren die Frühlingsluft. 

Da kippte das Wetter. 

Es war der Auftakt zu einem Jahr der Superlative. Das Staunen wollte kein Ende nehmen. Wer hätte gedacht, dass etwas derartiges möglich sein könne, ja dass all das tatsächlich eintreten würde, vor unser aller Augen. Ich staune noch immer. Am meisten staune ich über die Menschen um mich herum, die ich zu kennen glaubte. Ich staune darüber, was sie so sagen, was sie so denken, wie sie sich einrichten in dieser besonderen Situation. Und obgleich ich das eigentlich gar nicht wissen will, frage ich mich manchmal, was sie wohl sagen und wie sie sich erst verhalten werden, wenn sich weitere Superlative ankündigen, Entwicklungen, die im Moment niemand für möglich hält. 

Es war ein Jahr der emotionalen Unwuchten. Es gab Tage, an denen ich faktisch handlungsunfähig war, Urängste leidend, die ich nicht zu benennen wusste und für die ich noch immer keine Worte finde. Es gab Tage, an denen ich mir gewünscht habe, auszusteigen, nicht mehr mitzuspielen, die Decke über den Kopf zu ziehen und erst wieder aufzutauchen, wenn der Spuk vorbei ist. 

Kinder machen das so, und sie sind ziemlich gut darin, sich auszuklinken, in ersonnene Welten zu entschwinden, um nicht an den nackten Realitäten zu zerbrechen. Folgenlos bleiben solche Fluchten nie. Was verdrängt, was ausgeblendet wird, weil es zu übermächtig ist, als dass man es ertragen und verarbeiten könnte, bleibt einem, manchmal ein Leben lang. Und manchmal holt es einen ein.

Wohin die Fluchten der Erwachsenen führen, davon zeugen die Flaschenbatterien am Rande der überquellenden Glascontainer. Die meisten sind grün oder braun, aber es werden der weißen mehr. Und das sind nur die sichtbaren Zeugen, die, die nicht diskret im Hausmüll entsorgt werden. Treffe ich Menschen, die ich länger nicht gesehen habe, muss ich mitunter ein unwillkürliches 

Entsetzen unterdrücken, was mir nur leidlich gelingt. 

Frauen, die größten Wert auf ihr Erscheinungsbild gelegt und einen erheblichen Aufwand betrieben haben, um in Form zu bleiben, tragen plötzlich eine, wenn nicht zwei Kleidergrößen mehr. Sweatshirts und Jogginghosen kaschieren manch Fleisch gewordene Flucht. 

Zu Lebzeiten frotzelte Karl Lagerfeld, dass Menschen in Jogginghosen wohl die Kontrolle über ihr Leben verloren hätten. Was auf den ersten Blick überheblich anmuten mag, ist nichts anderes als die Interpretation innerer Zustände, die sich im Äußeren abzeichnen und also für Jedermann sichtbar werden. Dass sich weite Teile der Modeindustrie auf Homeoffice-Looks verständigt haben, ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten verständlich. Vermutlich hätte Karl Lagerfeld für sein eigenes Label auch vermehrt auf Hoodies und Jogginghosen gesetzt.  

Der allgegenwärtige Schlabberlook ist nur ein Indiz für den Zustand unserer Zeit, für eine Unordnung, die die Menschen einem Strudel gleich erfasst. Es ist schwer, eine innere Ordnung aufrecht zu erhalten, wenn rings umher alles durcheinandergerät und Perspektiven einfach nicht entworfen werden. Es ist schwer, bei klarem Verstand zu bleiben, wenn man keine Antworten findet, auf die Fragen, die immer dringlicher werden. Es ist schwer, falsch von wahr und richtig von falsch zu unterscheiden, wenn die Lautsprecher tönen, tagein, tagaus. 

Wenn sie zu laut werden, flüchte ich mich noch immer in Haine und Wälder und immer weiter, bis sie verstummen und die Gedanken sich klären. 

Als ich unlängst, von einem dieser Spaziergänge kommend, an einem Hof vorbeilief, dessen Gemüsegarten ich seit je her bestaune, sah ich die Bauersleute in einem Eck ihres Anwesens werkeln. Ich hege größten Respekt für diese Menschen, die trotz ihres hohen Alters ihren Flecken Erde bestellen und in Ordnung halten. Wann immer ich sie im Garten sehe, suche ich das Gespräch mit ihnen, die mich nicht kennen, nicht wissen, wer ich bin, noch wohin ich gehöre. Und sie lassen sich auf meine Avancen ein, erklären mir bereitwillig, welchen Kohl sie gerade ernten, warum ihre Zucchini solche Dimensionen annehmen und wie die Birne heißt, die sie im letzten Jahr gesetzt haben. Wie ich sie da arbeiten sah, fiel mir auf, dass die Bäuerin am Stock ging. 

Also rief ich sie an und fragte, was sie in diese missliche Lage gebracht hätte. 

Da kam sie näher und begann das Martyrium zu schildern. Ein Bandscheibenvorfall hätte sie an den Stock gebracht, aber sie wolle sich auf keinen Fall operieren lassen, sie habe genug vom Krankenhaus. Und dann brach es aus ihr heraus. Sie habe sich zu Beginn des Jahres einer Hirnoperation unterziehen müssen. Man habe einen Tumor entdeckt, und dann sei alles ganz schnell gegangen. Ihren Mann habe sie in all den Wochen nicht gesehen, ja, er habe sie nach diesem schweren Eingriff nicht besuchen dürfen. Und wie ihre Bettnachbarin positiv auf dieses Corina, wie sie es nannte, getestet wurde, musste sie weitere zwei Wochen im Krankenhaus bleiben, obwohl sie gar kein Corina hatte. Und während sie erzählte, flossen ihr die Tränen. 

Sie sprach von dem Leid, das über sie und ihren Mann gekommen ist. Zeit ihres Lebens waren die beiden nie länger als einen Tag getrennt, und jetzt ganze fünf Wochen.

Trotz ihrer schweren OP und der heftigen Schmerzen litt die alte Frau um ihren Mann, den sie allein lassen musste, allein mit dem Hof, allein mit dem Haushalt, allein mit sich und seinen Ängsten. Während sie erzählte und schluchzte, kam ihr Mann mit der Schubkarre vorbei und nickte mir kurz zu. Es war ein verzagter Gruß, so als schäme er sich für das Unglück, das ihnen widerfahren ist. Ich nahm die Frau in den Arm und ging schnell meiner Wege. Ich hatte genug gehört, hatte genug gesehen. 

Ich weiß nicht, ob der Rest des Landes die Bayern noch immer beneidet. 

Und ich habe keine Ahnung, wie sich die Menschen um mich herum verhalten werden.

Aber ich weiß, dass es fortan nurmehr eine Flucht gibt. Und die führt in keinen Wald.

 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung des unabhängigen Journalismus in Deutschland. 

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32 Antworten

  1. Zitat:
    Aber ich weiß das es fortan nur noch eine Flucht gibt , und die führt in keinen Wald .
    Diese Worte haben mich am Ende laut weinen lassen.
    Es ist als hätte mir jemand meine eigene Geschichte erzählt.

  2. Es sind diese Zwischentöne, sehr geehrte Frau Frei, die verloren gegangen sind. Danke für ein Lebenszeichen.
    Natürlich ist es überlegenswert, ob die Vor-Corinna Lebensweise „richtig“ war aber die Stimmen des Prüfens und aufrichtigen Zweifelns sind ja nun erst recht erstickt oder gebrandmarkt in dieser neuen Ordnung, weil nun keiner mehr sterben darf. Bzw nicht an der falschen Ursache.

    Die Disziplin der Anerkennung eines unbeeinflussbaren Seins und trotzdem der Zuversicht eines getragenen Lebens ist im Sperrfeuer der technokratischen Eitelkeit verendet und es wird alles getan, dass die Kinder es nicht lernen dürfen. Man könnte verzagen…

  3. Wir haben nur ein Leben und die Krisen gehören mit dazu. Meine Schwester ist mit ihrem Mann im Oktober 2020 ausgewandert. Ich weiß nicht, ob sie glücklich sind. Sie haben nun Sehnsucht nach ihrer Enkelin. Aber es gibt kein Zurück mehr. Für mich war eine Flucht zu keiner Zeit eine Option. Ich liebe unsereVerwandten, die große Familie unseres Schwiegersohnes. Unsere Kinder und Enkelkinder. Menschen unseres Wohnumfeldes, denen wir verbunden sind. Was mich wirklich belastet, ist das was unsere Kinder durchleben müssen. Wir Erwachsenen in der Familie sind ihre Anker und Zuversicht, dass sie als kleine Menschen nicht allein sind. Wir dürfen Hass und Angst keinen Platz in unseren Herzen geben. Die Kunst besteht im Loslassen. Nach über einem Jahr der C. werde ich keine Gespräche mehr mit Gehirn gewaschenen Menschen führen und sie bei herrlichem Wetter mit ihrer Maske laufen lassen. Und wer sich Impfen lassen möchte, sollen sie’s machen. Ich teile die Auffassung, dass wir als Familie Teil einer unbeugsamen Parallelgesellschaft sein werden. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Sklaverei nicht unsere Zukunft sein wird. Lassen sie uns Kraft schöpfen, indem wir die Natur genießen und Lieblingsmusik hören…und dazu tanzen, träumen und lachen. Denn dafür lohnt es sich zu leben. „Das Leben ist doch das mit den Farben und nicht das mit dem Grau“

  4. Liebe Anna Frei, sehr geehrter Her Langemann,
    danke für den Text und die Möglichkeit, durch Ihre Arbeit an den Gedanken meiner Mitbürger teilnehmen zu können.
    Nach lesen des Textes – und der vielen Kommentare – bin ich sehr froh, dass ich nicht alleine eine sehr kritische Meinung
    von dem Zustand unserer Gesellschaft habe. Ich fühle mich in meinem privaten Umfeld alleine, isoliert, ausgegrenzt und
    manchmal sogar als Blödmann verhöhnt. Das ist bitterer Tobak und irgendeine offene Diskussion unmöglich. Natürlich bin ich kein Experte,
    kann aber doch beurteilen welche Aussagen und Berichte von unabhängigen Journalisten einen größeren Wahrheitsgehalt haben, als die
    Verlautbarungen der ÖRR und der MSM.
    Das ich da nicht ganz einsam bin und es viele Menschen gibt, die meine Einschätzung teilen, macht mir wieder Mut.

  5. O Wunder! Was gibt‘ s für herrliche Geschöpfe hier! Wie schön der Mensch ist! Wackre neue Welt, die solche Bürger trägt. (William Shakespeare, 1564-1616)

  6. Werte Frau Frei,
    ich denke ich schreibe aus einer Position der Verständnis die mich nicht traurig, sondern eher wütend macht. Die Doktrin Irrsinn oder Vulnerabilität hat in 2020 ein Ausmaß erreicht, welches ich nie für möglich gehalten hätte. Bezugnehmend auf die Situation der Dame kann ich von mir berichten, dass meine Partnerin, nach wirklich langem Leidensweg, in einem Hamburger BG Klinikum einen Zusammenbruch hatte und ich, um sie zu besuchen, mich durch ein Waldstück schlagen musste um sie zu sehen. Ich werde nie den Anblick vergessen wie sie weinend hinter den Zäunen, gesäumt von Stacheldraht, stand. Ein Gefühl wie ich es zuletzt bei einem Besuch von Dachau verspürte.
    Im etwa selben Zeitraum erlitt meine Mutter einen Schlaganfall. Weder innerhalb der zweiwöchigen Akutphase, noch innerhalb der dreiwöchigen Phase der Anschlussheilbehandlung im selben, Bremerhavener Klinikum wurde mir ein Besuch gestattet. Eine alte, verängstigte Frau mit Aphasie nach Schlaganfall….
    Ich halte mich für einen recht resilienten Menschen, der nicht ganz unbewandert ist was die von der WHO geforderte Haltung zu ICF mit allen Folgen anbelangt. Um so mehr habe ich aktuell Probleme, das Verhalten meiner Umwelt einzuordnen und die Subjektlogik zu verstehen die immer mehr Menschen und Institutionen an den Tag legen.
    Als Kind habe ich mir im Rahmen des Geschichtsunterrichtes immer die Frage gestellt, wie es zu den Taten kommen konnte, die uns Deutsche heute noch verfolgen. Mir wollte es nicht in den Kopf, wie Menschen einem Leitbild folgen konnten, welches derartiges Leid verursachte.
    Heute erlebe ich es…..

  7. …gern habe ich den Text auch nochmal gelesen. Herzenswärme gegen die menschenverachtende Grundhaltung der eingebildeten „Pandemiekontrolle“ (auf der Grundlage falsch erhobener und interpretierter Zahlen/Daten/Fakten mit konsekutiver Diffamierungsgesellschaft…)
    Wie nötig wir das haben, diese Herzenswärme zu pflegen, zu erhalten, zu schützen! Es ist gut, daran erinnert zu werden!

  8. An dieser Stelle möchte ich dem „clubderklarenworte“, insbesondere aber Herrn Langemann danken, dass ich neben vielen anderen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung auf YT, abseits des MS, hier einen wertungsfreien Journalismus auf konstant hohem Niveau konsumieren darf. Der Beitrag von Frau Frei hat mich sehr traurig und nachdenklich gestimmt, mir aber auch bewusst gemacht, wie es den Menschen hier tatsächlich geht. Ich bemerke vieles an mir selbst, was „früher“ unmöglich schien…….
    Herrn Michael Linsner möchte ich zu seinem Kommentar noch ergänzend sagen, dass sicherlich viele der sogenannten Impfgegner, wie der MS sie derzeit bezeichnet, irgendwann eine Entscheidung treffen müssen. Die Impfpflicht wird kommen, davon muss man ausgehen nach allem, was wir innerhalb eines Jahres nun erleben durften. Der Mensch als soziales Wesen wird ein Ausgeschlossensein aus dem gesellschaftlichen Leben nicht ertragen können, jedenfalls nicht auf Dauer. Ich gehe davon aus, dass sich am Ende die meisten der jetzigen Impfgegner doch gegen ihren Willen impfen lassen werden, weil sie die Repressalien nicht ertragen werden können. Der Rest der Nichtgeimpften wird eine Parallelgesellschaft darstellen, zu der ich dann definitiv gehören werde, das kann ich schon jetzt sagen. Es ist eine Grundsatzentscheidung, bei der ich alle möglichen Konsequenzen als unbekannte Variablen eingerechnet habe. Als „unbequemer“ Mensch mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn habe ich mich persönlich an das Verhalten der Mitmenschen gewöhnt, die aus Sicherheitsgründen lieber mit dem Strom schwimmen, weil sie schlichtweg Angst vor Veränderungen haben, oder am mühsam erlangten Lebensstandard hängen. Am Ende wird jeder auf sich selbst zurückgeworfen und für sich ganz persönlich sorgen und entscheiden müssen.
    Ich hoffe sehr, dass viele Mitmenschen nicht nur den Mut, sondern auch den Willen und die Kraft haben, sich dem zu widersetzen, was da auf uns zu kommt.

  9. Auch ich schließe mich dem Dank an Frau Frei und Herrn Langemann gerne an und möchte bei dieser Gelegenheit ein kleines Résumé ziehen. Der Aussage von Herrn Fuente schließe ich mich übrigens auch an. ER bestimmt, wann und wie es vorbei ist.
    Nun, nach diesem Jahr scheint es tatsächlich so zu sein, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung „auf Kurs“ ist, das sieht man draußen, in der Familie, bei Gesprächen mit Bekannten, unter denen es viele Akademiker gibt. Alle glauben an Corona, sind dankbar für die Maßnahmen, fiebern ihrer Impfung entgegen und werden i.d.R. entweder böse oder mitleidig, wenn man versucht, diese Mitmenschen „durch Fakten zu irritieren“. Nach dem vorläufigen Stop dieser einen Impfmarge nahm ich keine Erleichterung wahr, sondern Wut, dass jetzt nicht genug Impfstoff zur Verfügung steht. Auch der Hinweis auf zu erwartende schwere Nebenwirkungen wird weggewischt mit dem Argument weniger Einzelfälle usw. Nun, weder Herr Füllmich mit seiner Arbeit noch Herr Wodarg mit seinen klugen Briefen an die Gesundheitsbehörden, noch Frau Renate Holzeisen mit der EU-Klage gegen die Impfzulassungen werden wahrscheinlich irgendeinen Erfolg haben. Wie auch, Herr Laschet spricht „glaubwürdig“ von ganz geringen Nebenwirkungen zu „seinem Volk“, die BILD prangert das „Impfdesaster“ an (nicht die Todesfälle oder die Nebenwirkungen, sondern den Zeitverzug), die Stadt ist mit Impfwerbung überzogen etc. etc. Das muss doch Wirkung zeigen.
    Gestern nun bekam ich von einem Opernhaus auf meine Frage, ob ich im April mit ärztlichem Attest in ein Konzert kann eine klare Absage. NEIN, die Regelungen des Gesundheitsamtes sind eindeutig, es gibt KEINE Ausnahmen. Na gut, ich weiß. wohin der Weg führt. Es gibt mit Sicherheit den Impfzwang, gar nicht durch die Hintertür sondern ganz offen. Ich werde wohl erstmal zu der kleinen Minderheit der Nichtgeimpften gehören. Vielleicht wird der gesellschaftliche und soziale Druck ja irgendwann so groß, dass als Ultima ratio doch nur das Mitschwimmen im Strom bleibt…

  10. Dem Dank von Verena schließe ich mich gerne an! Danke, daß es hier eine Plattform der Menschlichkeit gibt! Ergänzend zu all dem: Mich erschüttert die tiefe Spaltung durch die Menschheit – ein Riss durch die Familien – hier durch meine Familie, was ich als äußerst schmerzlich empfinde. So stehe ich als Großmutter plötzlich sehr alleine da – nur weil ich kritisch denke……. meine eigenen Entscheidungen treffe, die nicht regierungskonform sind.
    Und als Fluchtort kann ich nur – oder: wie tröstlich – das eigene Innere finden.

    1. Liebe Dorothea,
      Der Weg nach Innen ist wohl der einzige, der Freiheit verheißt.
      Nichtsdesto trotz werde ich auch weiterhin auf die Straße gehen für unser aller Grundrechte.

    2. Liebe Dorothee, Sie glauben nicht, wie gut ich Sie verstehe. Sie sind ganz und gar nicht allein. In meiner Familie sieht es ähnlich aus. Allerdings habe ich 600 km von mir entfernt 2 Schwestern, die genauso kritisch und alles andere als regierungskonform denken.
      Aber durch unsere jeweiligen Familien geht ein tatsächlich Riss. Mein Mann ist zwar fast auf einer Wellenlänge mit mir, er erträgt nur das Gespräch darüber nicht mehr und möchte einfach die Zeit, die ihm noch bleibt, (er ist 71 uns muss wegen einer ererbten Nierenerkrankung 3 x die Woche in die Dialyse) in Ruhe genießen und sich nicht ständig mit dieser fürchterlichen Situation auseinandersetzen. Er hat mein völliges Verständnis dafür. Ich selbst bin 70 und bin die kritischste in unserer Familie. Wir haben 4 erwachsene Töchter, von denen 2 in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind. Beide sind sehr kritisch, was die Impfungen betrifft, ansonsten hadern die aber nicht mit der Situation und empfinden und sehen nicht die Gefahr in die wir steuern.

  11. Auch von mir ein herzlicher Dank für diesen Beitrag! Was mich persönlich am stärksten belastet ist das Nicht-Wissen-Wollen meiner Umwelt. Menschen, die immer einen kritischen Geist hatten und die heute nach „mehr Lockdown“ und Impfung schreien. Nach mehr als einem Jahr bin ich sehr müde geworden, diese Diskussionen zu führen, sie kosten viel Kraft. Stattdessen möchte ich diese Kraft nutzen, um für mich mein ganz eigenes „New Normal“ zu definieren und auch danach zu leben. Lieber Herr Langemann, vielen Dank für diese Seite. Sie ist ein Licht in dieser Zeit!

    1. Genauso geht es mir auch.
      Wo zuerst eine gehörige Lust an Aufklärung, Fakten liefern, Fragen stellen war, ist nunmehr nur noch gleichgültiges Schulterzucken übrig.
      Sollen sie sich doch impfen lassen, Masken tragen u sich solidarisch vorkommen.
      Ich mache nicht mit u werde auch das Land verlassen.
      Der deutsche vorauseilende Gehorsam, der jeden Schwachsinn legitimiert, kotzt mich an.

  12. Liebe Frau Frei, beim Lesen Ihres Artikels war ich innerlich tief berührt, auf unterschiedliche Art und Weise. Bis zum vorletzten Satz beeindruckte mich die Schilderung Ihrer inneren Unruhe und das Schicksal des betagten Ehepaares. Aber dann der Schluss!!!??? Sie möchten flüchten? Wohin, warum? Sind Sie zu schwach, zu unentschlossen, sich dieser Situation zu stellen und zu handeln? Unterliegen Sie der Angst vor Ihrem weiteren Leben? In den alternativen Medien kann man leider oft von Auswanderungswünschen lesen. Das alte Leben abwerfen und nach einem neuen, bequemen irgendwo anders suchen? Das sollte nicht unser Ziel sein.

    1. Was ist daran auszusetzen, wenn jemand einen anderen Ort für sich sucht, wo er ein zufriedenes Leben führen kann?
      Die eigenen Abfrund folgen einem auch dorthin.
      Bequemer wird es vielleicht nicht, aber erfreulicher.
      Wir sind auf der Welt um Freude zu empfinden, zu geben u zu teilen.

  13. Ich merke, dass ich mich verändert habe, ich trage Hass und Wut in mir auf unsere Regierung auf die Menschen die es als neue Norm akzeptieren.Ich möchte das diese Poltiker meinen Hass zu spüren bekommen…..Auge um Auge, Zahn um Zahn.
    In meinen Augen ist es der größte Massenbetrug aller Zeiten und der deutsche Michel schläft immer noch, während in anderen Ländern die Menschen gegen diese Maßnahmen demonstriert.
    Einige Staaten der USA haben alle ihre Covid Maßnahmen eingestellt, das hat einen Grund.

  14. Sehr geehrte Frau Frei,

    vielen Dank fuer Ihren lyrischen Beitrag. Er hat mich zutiefst geruehrt. Lassen Sie uns nicht verzagen, denn solange noch ein letzter Rest an Hoffnung besteht muessen wir weiter fuer unsere Werte einstehen. Und wenn es sein muss, muessen wir kaempfen, denn tun wir es nicht, werden wir es am Ende unseres Lebens bereuen.

    Mit besten Gruessen,

    Martin Kolm, alias Charles Smith

  15. Hallo Frau Frei!
    Vielen Dank für Ihre Zeilen, sie beschreiben ziemlich genau meine Gedanken und Erfahrungen. Ich traue mich, zu behaupten, das es ganz vielen Menschen gibt, denen es so ging und geht.
    Ich habe mir erlaubt, die angebotene Option zu nutzen, Ihren Beitrag zu teilen, verbunden mit der Hoffnung, dass es vielleicht doch irgendwann gelingt, dieses furchtbare Gefühl der Machtlosigkeit ablegen zu können, weil die Menschen endlich verstehen, was „corina“
    ist.
    Beste Grüße aus bayern ()

  16. Hallo Anna,
    ich kann ihre Gefühle nachvollziehen, habe mich aber von dieser kranken angstmacherei nicht anstecken lassen.Ich gehe mit meinem Boxermädchen jeden Tag große Runden und erfreue mich an meiner geliebten Schwäbischen Alb.Wenn ich einkaufen gehe dann lache ich über diese Angstverzerrten Gesichter unserer Stadt.
    Was mir aber auch aufgefallen ist , es gibt Menschen die lieben ihre Maske.Was muß in so einem Leben falsch gelaufen sein?
    Ich und meine Frau haben keine Angst vor Corrina wie wir es nennen.Ich habe eine Patientenverfügung die klar aussagt das ich im Falle des Falles keine Lebensverlängernde Maßnahmen möchte.Wenn der da oben sagt es ist vorbei dann ist es so.
    Danke für diese Gedanken viel Liebe und glaube an die Zukunft.

    Liebe Grüße von der Alb

  17. Danke, liebe Anna, für diese poetischen Zeilen inmitten einer strudelnden und strauchelnden Welt. Wir alle sind Zeugen der Auflösung von liebgewonnenen Strukturen und der Zerstörung von Leitbahnen, die uns zwar einengten, aber doch Halt und Richtung gaben. Man lockt uns mit einer neuen Normalität, aber was war am Gewohnten denn normal? Haben uns die Mantren des ständigen Höher, Schneller, Weiter letztendlich das große Glück gebracht? Wir werden gerade gezwungen, das gemütlichste Zimmer im Hause unserer momentan Existenz zu verlassen, um in ein anderes zu ziehen, von dem wir nicht wissen, wie es aussieht. Wir stehen auf einem kalten, dunklen Flur und haben in jeder Hand eine Türklinke. Und trauen uns nicht, die eine Türe zu öffnen und die andere zu schließen. Wir fühlen uns am tiefsten Punkt der tiefsten Tiefe…oder zumindest auf dem Weg dorthin. Und ja, liebe Anna, fliehen wirst du müssen. Um Antworten zu finden. Nicht in (d)eine Wälder, sondern nach innen. In dein Herz. Ins Licht. Willkommen!

    1. Lieber Markus, du hast es auf den Punkt gebracht.
      Immer höher, schneller, weiter war das Motto!
      Erinnere Dich an die Werbung von der Sparkasse: Mein Haus, mein Auto, mein Boot, usw….
      Wir laufen im Hamsterrad, dessen Stellschrauben fester gedreht und das Tempo erhöht wurde.
      Die Zeit rast an uns vorbei und wir haben vergessen zu leben. In der Freizeit wurde nur noch konsumiert.
      Jetzt, in dieser „vermeintlichen neuen Weltordnung“ sehe ich Menschen im Wald. Der Wald wird als Erholungsstätte erschlossen. Die Menschen essen auf abgesägten Baumstämmen ihr mitgebrachtes Picknick (da öffentliche Rastplätze im Wald abgesperrt sind, welch Schwachsinn) die entdecken, wie es ist nicht shoppen zu gehen oder nur in der Eisdiele abzuhängen und sich rundherum einlullen zu lassen, von immer gleichen Songs aus dem Gleichgestellten Radio.
      Leider haben sie vielfach verlernt eigenständig zu denken. (Anderes Thema)
      Das was man hat, wird geschätzt. Der Garten, welches eine große Bürde war, wird als Refugium wertgeschätzt. Diese „neue Zeit“ hat ein wenig dazu geführt, dass das ZuHause einen anderen Stellenwert bekommen hat. Ein für mich positiver Effekt bei diesem Theater.
      Nun denn genug der Worte, ich wünsche allen gute Gesundheit und ein langes glückliches Leben.
      Danke für diese Plattform!

  18. Wohin führt denn Ihre Flucht? Die beschriebenen Formen sind ja wohl nicht gemeint. So nachdrücklich und schön der Text ist, so fragwürdig und seltsam ist sein Ende. Oder wollen und müssen Sie wie Bodo Schiffmann das Land verlassen, ganz wörtlich, weil man Sie bedroht? Noch dürfen Sie veröffentlichen, zum Glück bei Langemann. Schreiben Sie weiter solche wahren Geschichten auf, damit wir sie erfahren. Das wäre vielleicht mal eine Flucht ins Schreiben! Da wird bestimmt ein Buch daraus. Ich würde es lesen wollen.

  19. Liebe Anna Frei!

    Vielen Dank für Deinen zu Herzen gehenden Text der mir so sehr aus der Seele spricht!

    Etwas Sorge macht mir nur der Schluss: Wohin geht die Flucht…?

    Wir brauchen uns – Wir werden nicht flüchten – Wir werden uns helfen und kämpfen – Und wir werden das Leben neu ergreifen und gestalten – Und es wird gut –

    Liebe Grüße! Viel Kraft! Viel und guten Mut! 🙂

    Mascha

  20. Dieser Text hat mich emotional sehr berührt. Ich kenne leider ebenso zahlreiche Geschichten von Menschen, die unter dem schlimmen Begriff „Kollateralschäden“ einzuordnen sind. Über sie zu sprechen würde einen Tabubruch darstellen. Also sollten wir es tun.

  21. „“Im Frühling ein Jahr“, die Verinnerlichung, die dieser Text ausstrahlt, möchte ich nicht kommentieren, die kraftvolle Wirkung muss sich bei mir erst setzen.

  22. Diese Frau hat vollkommen recht. Wir waren letztes Jahr mit dem Womo in Bayern und dem Zugspitzgebiet unterwegs. Es war wunderschön nur haben wir gesagt, was ist aus euch so tollen Bayern geworden. Ich war total überrascht und enttäuscht über das Verhalten dieser sonst so netten Menschen. Wir sind aus Sachsen und haben viel erlebt und gelernt, die Wende, D- Mark, wir mussten für unser Geld hart arbeiten, 8,34 Stunden für einen Hungerlohn und dieser Gesellschaft der es richtig gut gegangen ist, diese macht heute solche Sachen. Es wäre vielleicht angebracht wieder eine Mauer zu errichten um sich davor, dieser Regierung zu schützen. Es ist einfach traurig was aus diesem Land geworden ist.

  23. Hallo Frau Frei

    Danke für Ihre Zeilen die Sie hier hinterlassen haben und an Herrn Langemann der dies ermöglicht hat .

    Wann nur erkennen die Menschen was auf dieser Welt ( genau genommen seit Jahren ) gerade jetzt passiert ?

    Warum regt sich so wenig in der Masse ?

    Die Antwort kennen wir wenn wir ehrlich zu uns selbst sind .

    Nur die Wahrheit will sich kaum einer eingestehen , darum schweigen viele .

    Wenn viele dies weiterhin so beibehalten wird es schlimm , und um ehrlich zu sein , dann haben wir es nicht anders verdient .

    mit freundlichen Grüssen aus dem Ruhrgebiet

    Uli

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„Kontroversen sind kein lästiges Übel, sondern notwendige Voraussetzung für das Gelingen von Demokratie." Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck a.D., vor nur 5 Jahren in seiner Rede zum Tag des Grundgesetzes.