Jean Peters. Ein Künstler im Kreuzverhör.

von Peter Löcke //

Prozess gegen Deutschland – Muss die AfD verboten werden?

Unter diesem Motto fand im Thalia Theater von Hamburg ein spektakuläres Theaterstück irgendwo zwischen Realität und Fiktion statt. Keine Schauspieler, sondern bekannte Persönlichkeiten aus Medien, Politik, Justiz und Kultur spielten Verteidigung und Anklage, Richterin und Zeugen. In diesem Format von Milo Raus sind nur grobe Struktur und Ablauf des Stücks vorgegeben, nicht aber Inhalt und Ausgang. Das links-woke-weiße Hamburger Publikum hätte als Jury die Fragestellung zu einem Großteil mit einem Ja beantwortet. Ja, die AfD muss verboten werden. Damit lehne ich mich angesichts der Reaktionen aus dem Auditorium nicht zu weit aus dem Fenster. Öffentliche Beachtung fand in erster Linie und völlig zu Recht das Auftaktplädoyer des Journalisten und Schriftstellers Harald Martenstein [1].

Zu Unrecht untergegangen ist dabei ein Kreuzverhör [2]. Der für sein schrilles Outfit bekannte WELT-Autor Frédéric Schwilden [3] nahm Jean Peters, den Autoren der am 10. Januar 2024 veröffentlichten Correctiv-Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“, in die Mangel. Das ist bisher noch nicht geschehen. Von seiner Fangemeinde wird Peters seit zwei Jahren bejubelt und mit Preisen überhäuft. Von seinen Kritikern, dazu zählt diese Plattform, wird er für sein Fantasy-Theaterstück scharf angegangen. Wie reagiert Jean Peters also, wenn er sich erstmalig von Angesicht zu Angesicht für seinen Text, der Millionen Menschen auf die Straßen bewegte, rechtfertigen muss? Bühne frei für Schwilden und Peters. Es folgt eine kommentierende Wiedergabe des spannenden Dialogs.

Spricht Peters die Wahrheit?
„Haben Sie heute hier die Wahrheit gesagt?“ Das möchte Frédéric Schwilden zum Warmmachen als harmlose Einstiegsfrage wissen. Hat Peters in den bisherigen Befragungen im Theaterstück die Wahrheit gesagt? Jean Peters antwortet mit einem lauten wie selbstbewussten „Ja“.
Kommentar: Die Frage ist nicht harmlos. Sie zielt auf die generelle Glaubwürdigkeit von Jean Peters. Ist er ein brillanter Rechercheur oder ein brillanter Scharlatan, der die Lüge als legitimes Stilmittel ansieht, wenn sie der vermeintlich guten Sache dient? Um diese Frage geht es letztendlich seit der Veröffentlichung des Textes „Geheimplan gegen Deutschland“ von Correctiv. Ist Peters glaubwürdig? Spricht er die Wahrheit oder lügt er permanent? Sei es nun im Theater oder sei es in seinem bei Correctiv veröffentlichten Text. Das fragt Schwilden eigentlich.

Wie heißt Jean Peters wirklich?
Jean Peters ist nur ein weiteres Pseudonym eines Künstlers. So steht es seit Jahren auf Wikipedia [4]. Zumindest bis heute. Schwilden zitiert nicht aus Wikipedia, sondern aus einem im „Falter“ erschienenen Artikel des bekannten österreichischen Journalisten Robert Misik, der dort schreibt: „Einer der witzigsten Künstleraktivisten ist ein Deutscher mit dem Pseudonym Jean Peters.“ Folgerichtig möchte Schwilden wissen, ob Jean Peters sein echter Name sei und der Name so in seinem Personalausweis stehe. Peters antwortet mit einem klaren Ja. Die Antwort verwundert. Ist Wikipedia, sind journalistische Kollegen seit Jahren so schlecht informiert und – konkret – verbreitet Misik hier als Lügner Desinformation? Letzteres möchte Schwilden nachbohrend von Peters wissen. Ab diesem Zeitpunkt wird die Stimmung aggressiv. Peters, der anscheinend wirklich Peters heißt, wirft Schwilden rhetorische Spiele vor und zeigt auf den im Publikum sitzenden Misik, der selbst beantworten solle, ob er ein Lügner sei. Schwilden verbittert sich das Verhalten. Er stelle Peters die Fragen, nicht Peters dem Publikum. Daraufhin sieht Peters in dramatischer Weise seine Freiheit als Zeuge eingeschränkt. Die Richterin Däubler-Gmelin, ehemalige Justizministerin von der SPD, setzt dem Treiben ein Ende. Sie sieht die Frage als beantwortet an. Sie ermahnt Schwilden, nicht Peters.
Kommentar:
„Ich frage mich, warum wir so fügsam sind, uns dem Staat zu unterwerfen und unseren wahren Namen preiszugeben.“ [5]
Mit dem Argument, sich schützen zu müssen, beantwortete der Künstler noch 2019 die Frage, warum er mit Pseudonymen wie Jean Peters auftrete und nicht mit dem Namen, der in seinem Pass steht. Die Frage, ob Peters Peters heißt, erscheint unwichtig und ich kann sie nicht beantworten. Spannend jedoch ist zu beobachten, wie nervös und aggressiv Jean Peters auf eine eigentlich harmlose Nachfrage reagierte. Es bleibt abzuwarten, ob sein Wikipedia-Eintrag zeitnah angepasst wird und Jean Peters urplötzlich schon immer der echte Name war.

Lehnt Jean Peters Gewalt gegen Andersdenkende ab?
Selbstverständlich lehnt Jean Peters jede Gewalt gegen Andersdenkende ab. Das bestätigt der Correctiv-Autor dem nachfragenden Autor der WELT. Nur was ist Gewalt? Keine beziehungsweise eine legitime Gewalt ist für Peters, Beatrix von Storch auf der Bühne eine Torte ins Gesicht zu drücken. Auch wenn er dafür verurteilt wurde, sei die rhetorische Gewalt, die von einer von Storch ausginge, weitaus größer. Er nennt Beispiele. Zur großen Freude und unter Beifall des Hamburger Publikums bezeichnet er die Tortenattacke auf die AfD-Politikerin spöttisch als ein „Benetzen des Gesichtes“ und „Dialogangebot“.
Kommentar: Man stelle sich einen rechten Künstler vor, der Robert Habeck auf offener Bühne eine Torte ins Gesicht drückt. Das legitimiert dieser Aktivist mit der größeren Gewalt, die Habeck ganz Deutschland als Wirtschaftsminister angetan habe. Unter dem Jubel eines rechten Theaterpublikums nennt der Täter die Tat Jahre später „Dialogangebot“. Ein solches Szenario können Sie sich nicht vorstellen? Ich auch nicht.

Ist Peters einfach nur ein Geschichtenerfinder?
„Ich entwickle Aktionen und erfinde Geschichten, mit denen ich in das politische und ökonomische Geschehen interveniere. Besonders wichtig dabei mit der passenden Medienstrategie Aufmerksamkeit erregen.“
Frédéric Schwilden holt zum KO-Schlag aus, indem er Jean Peters zitiert. Als kreativer Geschichtenerfinder bot der Künstler nachweislich auf seiner eigenen Webseite seine Dienstleistung an. Nun. Mit seinem Text „Geheimplan gegen Deutschland“ ist ihm das gelungen. Damit intervenierte Peters tatsächlich erfolgreich in das politische Geschehen, denn der Text und die passende Medienstrategie von Correctiv animierte Millionen Menschen auf die Straße zu gehen im Kampf gegen Rechts. Peters Rechtfertigung auf Schwildens Demaskierung erscheint mindestens kurios. Er habe leider vergessen, das zu löschen. Das sei dumm gewissen. Seitdem werde seine Arbeit als Reporter „delegitimiert“. Peters schweift ab. Man könne auch nach seinen Hobbies fragen. Er habe auch mal als Beifahrer besoffen gegrölt.
Kommentar: Jean Peters lenkt ab. Kein seriöser Kritiker interessiert sich für seine Hobbies und sein Privatleben. Sein gesamtes Berufsleben jedoch verbrachte er als linker Aktivist und linker Aktionskünstler im epischen Kampf gegen Rechts. Dabei schlüpfte er in verschiedene Rollen und benutzte als Künstler unterschiedliche Stilformen. Der Tortenangriff auf Beatrix von Storch – verkleidet als Clown –  war nur eine von vielen „Kunstaktionen“. Außerdem arbeitete er als Autor für Jan Böhmermann. Da noch unter dem Pseudonym Conny [6].
Schlüpfte Jean Peters also in die Verkleidung des Reporters  und schuf mit dem als Recherche verkauften Correctiv-Drama sein künstlerisches Meisterwerk? Schließlich schaffte er damit genau das, was er laut eigener Aussage immer wollte. Er griff damit in das politische Geschehen Deutschlands ein.

Beschreibt Jean Peters sich selbst?
Das Kreuzverhör wird schmutzig. Sexismus, Chauvinismus, autoritäres Verhalten, Selbstinszenierung, toxisches Verhalten, mangelnde Kritikfähigkeit und mehr. Das warfen ehemalige Mitarbeiter des Künstlerkollektivs PENG, vor allem drei Frauen, ihrem Gründer Jean Peters  in einer Pressemitteilung vor. Schwilden zitiert daraus. Peters bestreitet die Pressemitteilung nicht, sieht sie aber als teilweise falsch wiedergegeben an. Vor allem, dass es sich nur um drei Frauen gehandelt habe, sei unwahr. Die seien nämlich geblieben. Er verweist auf eine spätere Pressemitteilung des Künstlerkollektivs, die sich für Feminismus einsetzte, möchte ansonsten nicht über Interna in der Öffentlichkeit reden.
Kommentar: Inhaltlich kann und möchte ich nichts über die Vorwürfe sagen. Einen Artikel der Berliner Zeitung wie die auf Twitter/X veröffentlichte Pressemitteilung über den internen Streit finden Sie in den Quellen [7, 8]. Sollten die Vorwürfe stimmen, wären sie ein Indiz für ein weit verbreitetes menschliches Phänomen und das heißt Projektion. Alle Verfehlungen, die Peters vorgeworfen wurden, sind Dinge, gegen die Peters in der Öffentlichkeit vehement kämpft.

Gab es wirklich Deportationspläne?
Endlich ist es soweit. Es kommt zu einem längeren Disput, in welchem es um die Geschehnisse an jenem 23. November 2023 im Landhaus Adlon in Potsdam geht. Jean Peters zeigt sich dankbar, endlich ausführlich darüber erzählen zu dürfen. Er sah sich zuvor zu sehr persönlich angegriffen. Peters beharrt darauf, dass sein Text eine Recherche war, wenn auch formal als Theaterstück angelegt. Wirklich spannend und neu waren meines Erachtens nur zwei Dinge. Martin Sellner stellte seinen Masterplan vor, der AfD-Politiker Ulrich Siegmund wohnte in der Mastersuite. Zwei Mal Master – das fand Peters bemerkenswert. Zweitens: Der Feststellung des Frédéric Schwilden, dass mittlerweile gerichtlich verboten wurde, zu verbreiten, dass an diesem Tag in Potsdam die Deportation von Millionen Menschen geplant worden sei, kann Peters nicht widersprechen. Er ist sich dennoch sicher und ich gebe ihn hier sinngemäß und verkürzt wieder: Wer Remigration sagt, meint eigentlich Deportation. Das Kreuzverhör endet mit dem süffisanten Dank von Schwilden, dass Peters seine Fragen nicht beantwortet habe.
Kommentar: Sellner hat einen Masterplan vorgestellt. Jean Peters verfügt laut eigener Aussage über mehrere Masterabschlüsse. Ich sehe hier keine Verbindung.

Fazit: Wirkliche Kreuzverhöre finden nur vor Gericht statt. Bei diesem Verhör handelte es sich nur um eine Szene in einem Theaterstück. Auch der Text „Geheimplan gegen Deutschland“ war ein Theaterstück. In einem Theater gilt Kunstfreiheit. Erfundene Geschichten, als Satire verpackte Diffamierungen, selbst Gewaltaktionen sind von der Kunstfreiheit gedeckt. Darüber gibt es sogar einen Song. „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. So heißt ein Lied von Danger Dan. Das ist ein Pseudonym, ein Künstlername. Das ist gesichert. Beworben und uraufgeführt wurde das Lied im „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann. Auch Böhmermann verteidigt sich verlässlich mit der Kunstfreiheit der Satire, wenn er wieder einmal einen Menschen öffentlich an den Pranger stellt und diffamiert. Die Idee zu diesem Song hatte aber weder Jan Böhmermann noch Danger Dan, sondern ein ehemaliger WG-Partner von Danger Dan.

Die Idee zu diesem Song wurde auf einem linken Geheimtreffen geboren und stammt von einem talentierten Künstler. Er heißt Jean Peters [9]. Das war sein eigentliches Meisterstück. Schade, dass Frédéric Schwilden ihn nicht darauf ansprach.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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7 Antworten

  1. Die nach meinem spontanen Gefühl unseligste Rolle spielte die Juristin Herta Däubler-Gmelin. Jeden Ethos, jede Neutralität vergessend nahm sie (einen) Zeugen der Anklage vor der Verteidigung in Schutz durch deren barsche Zurechtweisung, während sie bei (einem) Zeugen der Verteidigung exakt umgekehrt agierte und diesen wie eine wahre Herrin des Verfahrens barsch zurecht wies, um die (dennoch blamierte) Anklage zu schützen. Außer Martensteins Plädoyer sah ich nur die beiden Verhöre, auf die ich mich beziehe. Aber das reicht allemal, um hier laut Pfui zu rufen!

  2. Addendum:
    1.) Das Thalia Theater hat mittlerweile das Stück von seiner eigenen Youtube-Plattform entfernt, nachdem man zuvor schon den Kommentarbereich deaktivierte. Die Quellen 1 und 2 funktionieren daher nicht mehr. Kritiker sehen im Löschen ein Eingeständnis, dass sich das Projekt, das dem „Kampf gegen Rechts“ diente, zu einem PR-Eigentor entwickelte. Das Theater selbst verweist auf rechtliche Gründe.
    2.) Die Frage, die Herr Herzer aufwirft, ist spannend. Fest steht, dass das Theaterprojekt mit öffentlichen Geldern gefördert wurde, konkret von der „Kulturstiftung des Bundes“ und dem „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“ (Wolfram Weimer). Es fand in Kooperation mit der aktivistischen Organisation „Resistance Now! Together“ statt.

  3. Wenn ich diesen ganzen Mist lese (ich meine damit nicht die Kolumne von Herrn Löcke!!) wünsche ich mir eigentlich, dass sowohl die AfD als auch dieses ganze Geschehen der letzten Jahre einfach wirklich verboten werden könnte und wieder so etwas wie ein normales, lebenswertes Dasein und Lebensgefühl in diesem Land und dieser Gesellschaft entstehen könnte. Ich weiß, das ist naiv. Aber auszuhalten ist dieser Irrsinn langsam aber sicher nicht mehr, ohne krank zu werden. Geht mir jedenfalls so.

      1. Nein, das will ich natürlich nicht. Sehen Sie es als eine Art Metapher. Mein naiver Wunsch wäre es, das gesamte „3.Reich“ ungeschehen machen zu können, um Deutschland damit aus dieser lebenslangen Geiselhaft entlassen zu können, die immer und immer wieder konstruiert wird bei dem sog. Kampf gegen „Nazis“. Und dass uns dieser Betonklotz am Bein jeder vernünftigen politischen Diskussion irgendwann entfernt wird, werde ich wahrscheinlich nicht mehr erleben.

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