Jugendwertestudie 2021 Prof. Heinzelmaier

Verstörendes Ergebnis der
Jugendwertestudie 2021

Prof. Bernhard Heinzlmaier und Antje Maly-Samiralow über die Ergebnisse der Jugendwertestudie 2021. In Österreich vertraut nur noch ein Drittel der jungen Menschen der Regierung.

Prof. Heinzlmaier

Prof. Bernhard Heinzlmaier und Antje Maly-Samiralow über die Ergebnisse der Jugendwertestudie 2021.

In Österreich vertraut nur noch ein Drittel der jungen Menschen der Regierung. In Deutschland sind es noch 49%. Der Opposition vertrauen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen noch weniger, gerade einmal ein Drittel der unter-30-Jährigen. In beiden Ländern konnte die Opposition allerdings kein Kapital aus dem schlechten Corona-Management der Regierenden schlagen.
Das ist insofern fatal, als sich zeigt, dass innerhalb des politischen Systems keine Alternativ-Angebote für die mit der Regierung Unzufriedenen vorhanden sind. Die Repräsentationskrise der Politik ist dabei, sich zu verselbständigen.
Während in Österreich fast 50% der Jugendlichen das Handeln der Regierung in der Corona-Krise mit den Noten „Nichtgenügend oder „Genügend“ bewerten, sind das in Deutschland lediglich 15%. Weitgehende Einigkeit herrscht hingegen darüber, dass junge Menschen sich nicht gehört und vertreten fühlen, dass ihre Sorgen und Ängste ignoriert und sie als Personen und Mitglieder der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden.
Wenn sich 70% der jungen Generation vom politischen Diskurs ausgeschlossen fühlen, nehmen sie folglich auch nicht daran teil. Dann ist das eben nicht ihr Diskurs, sondern eine Auseinandersetzung, die gewissermaßen in einem anderen Universum stattfindet. Sie haben den Eindruck, dass sich die Eliten aus Politik und Wirtschaft ausschließlich um ihre eigenen Belange kümmern und den Blick für den Rest der Gesellschaft verloren haben, sich also tatsächlich in einem eigenen und zudem abgegrenzten Universum bewegen. Die jungen Menschen beklagen, dass die Nöte und Fragen aus der Gesamtbevölkerung von den Eliten schlicht nicht gehört und damit auch nicht verhandelt werden.
Offenkundig fühlt sich die Jugend gegenüber älteren Gesellschaftsgruppen ausgespielt. Sobald die Eliten Partner für die Durchsetzung politischer Ziele in der Bevölkerung brauchen, ist es eher die Generation 50plus, mit der man in Verhandlung tritt. Diese ist leichter zufrieden zu stellen als die Jugend, die weil sie am Anfang ihres selbst zu gestaltenden Lebens steht, deutlich mehr und radikalere Forderungen stellt.

Der Vertrauensverlust manifestiert sich auch in der Bewertung staatlicher Institutionen
Während der Zeit der Pandemie ist das Vertrauen der jungen Menschen in Parlamente, Regierungen und die Europäische Union auf einen historischen Tiefstand gesunken. Das Vertrauen in Journalisten und Zeitungen war schon davor katastrophal niedrig. Dem Gesundheitswesen hingegen vertrauen sowohl die unter-30-Jährigen in Österreich als auch in Deutschland. Zwei Drittel der Jugendlichen fühlen sich in Krankenhäusern und von niedergelassenen Ärzten gut betreut. Das Gesundheitssystem genießt von allen staatlichen Institutionen das höchste Ansehen innerhalb der jungen Generation, und zwar 71% der jungen Österreicher und 63% der jungen Deutschen. Ein deutlicher Kontrast zum Rechtssystem, in das lediglich 50% der Jugendlichen Vertrauen setzen.
Autoritäre Drohungen und Meinungsmanipulationen laufen ins Leere
Weder die österreichischen noch die deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zählen sich zur Covid-Risikogruppe. Die überwältigende Mehrheit hatte schon zu Beginn der Krise im März 2020 keine Angst vor einer Ansteckung. Sorgen und Ängste galten eher älteren Verwandten und Bekannten.
Trotz massiver Kampagnen der Bundesregierungen beider Länder, die in enger Kooperation mit den reichweitenstärksten Medien geführt wurden und die zum Ziel hatten, auch bei den jungen Menschen Respekt vor der Gefährlichkeit des Corona-Virus zu erzeugen, blieben die jungen Bürger gelassen. Lediglich 5% der Österreicher und 8% der Deutschen haben auch ein Jahr später, im März 2021, sehr große Angst vor einer Ansteckung. Im Ländervergleich wird deutlich, dass die deutschen Jugendlichen in höherem Maße mit ihrer Regierung konform gehen als die österreichischen. Während 40% der jungen Österreicher keine Angst vor der Gefahr durch das Virus zeigen, begegnen der viralen Bedrohung in Deutschland lediglich 27% entspannt.
Während 80% der jungen Deutschen die Einschränkung der sozialen Kontakte in Ordnung finden, sind es in Österreich nur 65%. Die Skepsis gegenüber den Restriktionen der Corona-Politik ist in Österreich generell stärker ausgeprägt als in Deutschland. In beiden Ländern sind es vor allem die niedrigen und mittleren Bildungsschichten, die den autoritären staatlichen Maßnahmen skeptisch bis äußerst kritisch gegenüberstehen. Die höheren Bildungsschichten beurteilen die freiheitsbeschränkenden Eingriffe des Staates hingegen positiv. Klassische Denkmuster werden deutlich sichtbar.

Die soziale Schere öffnet sich weiter – faktisch und ideologisch
Nachdem es schon in den vergangen zwei Dekaden in der Mittelschicht darum ging, den Status zu halten, wovon die extremen Bemühungen des bürgerlichen Milieus zeugen, ihren Nachwuchs auf weiterführende Schulen zu schicken, weil Bildung der einzige Garant für wirtschaftliche Prosperität war, steigt aktuell die Angst vor dem Abstieg. In den unteren sozialen Schichten wurde die Hoffnung auf einen sozialen Aufstieg begraben. Kaum bis gar nicht scheint indes das obere gesellschaftliche Drittel von Abstiegsängsten tangiert. Entsprechend fallen die Beurteilungen der Corona-Maßnahmen aus:
Während 43% der Angehörigen der Arbeiter- und Mittelklasse in Österreich die Maßnahmen als „viel zu streng“ qualifizieren, sind es bei den Jugendlichen der gehobenen Milieus lediglich 32%. In Deutschland beträgt dieses Verhältnis 38% zu 23%. Auffällig ist, dass die den gutbürgerlichen und gebildeten Schichten zuzuordnenden Jugendlichen extremen, freiheitsbeschränkenden Maßnahmen deutlich aufgeschlossener gegenüberstehen als junge Menschen aus dem Arbeitermilieu, die von den wirtschaftlichen Folgen solcher Maßnahmen deutlich stärker betroffen sind, z.T. existenziell.
Die überwiegend aus Akademiker- und Abiturienten-Familien kommenden Aktivisten der poststrukturalistischen Linken plädieren in ihren Forderungen mehr oder weniger für den chinesischen Weg. Der Staat wird aufgefordert, ohne Abwägung von wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Gütern, mit mehrwöchigen strengsten Lockdown-Maßnahmen das Virus zum Verschwinden zu bringen. Obwohl das eine ähnlich realitätsfremde Strategie ist, wie die Überlegung, durch Verstaatlichung der großen Immobiliengesellschaften einen funktionstüchtigen sozialen Wohnungsmarkt zu schaffen, wird diese Idee weiter ventiliert, vor allem von einer Plattform, die sich „Zero-Covid“ nennt.
Die Linke scheint wieder in die Ideenwelt der einfachen Lösungen zurückgekehrt zu sein, ganz in der Tradition des unterkomplexen Spruches von Lenin, „Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“. Maßnahmen werden nur dann als sinnvoll erachtet, wenn sie besonders rigide, undifferenziert und vor allem HART sind und zudem ohne Pardon durchgesetzt werden.
Kaum verwunderlich scheint, dass die Mitglieder höherer Bildungsschichten den staatlichen Institutionen mehr Vertrauen schenken als die Angehörigen unterer und mittlerer Bildungsschichten. Das mag darauf zurückzuführen sein, dass die, die in den jeweiligen Institutionen sitzen, ob als Lehrer, Beamte, Richter oder Politiker dem eigenen Milieu entstammen, während Arbeiterkinder dort kaum Vertreter ihres Standes finden. Man vertritt die eigenen Interessen. Und so ist es nur folgerichtig, dass die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der HARTEN Maßnahmen primär von sozial schlechter gestellten Jugendlichen und ihren Familien geschultert werden müssen.
Während die Arbeitslosigkeit im unteren Einkommenssegment, in dem überwiegend Menschen aus bildungsfernen Milieus arbeiten, stark zugenommen hat, was auch auf das Angebot an Ausbildungsplätzen durchschlägt, ist sie unter Akademikern relativ stabil geblieben. Auch Angestellte im öffentlichen Dienst und Bedienstete des Staates sowie höher dotierte Jobs in Unternehmen sind bislang kaum von Kürzungen betroffen.
Konkret auf das Leben junger Menschen während des letzten Jahres bezogen heißt das, dass die unteren und mittleren Schichten mit deutlicheren Einschnitten zurechtkommen mussten. Zu den wirtschaftlichen Einschränkungen kommt der Druck innerhalb der Familien. Wo man eng zusammenlebt, kommt es eher zu Spannungen, dem die Jugendlichen kaum ausweichen können.
Die materielle Klassenspaltung zwischen den Bildungsschichten einerseits und den mittel- und niedrig Gebildeten andererseits schlägt sich immer mehr im Bewusstsein der Unterprivilegierten nieder. In ersten Ansätzen kommt es offenbar zur Ausprägung einer neuen Form von Klassenbewusstsein, das ein solidarisches Gemeinschaftsgefühl unter den Verlierern der Klassenspaltung entstehen lässt und damit auch die Bereitschaft, mit den anderen Betroffenen auf die Straße zu gehen und gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft zu kämpfen.
Was die Spaltung der Gesellschaft zwischen „Unten“ und „Oben“ zusätzlich verstärkt, ist die zunehmend klassistisch werdende Alltags-Rhetorik der bildungsnahen Schichten, vor allem aber des akademisch-universitären Milieus und des Kunst- und Kulturbetriebs, die dem gemeinen Volk bisweilen die Qualifikation absprechen, an der Demokratie teilzunehmen, u.a. deshalb, weil sie rechtspopulistische Parteien wählen. Wenn Kulturschaffende von „dumpfen Unterschichten“ sprechen, vertiefen sie die Gräben, anstatt sie zu überwinden und treiben die solchermaßen Verachteten in die Arme rechter Parteien, wo sie Gehör zu finden glauben und sich heimisch fühlen.

Zukunftsängste und Verlust von altersgerechten Entwicklungschancen
Der zweite wunde Punkt, den die Studie offenlegt, sind die Zukunfts- und Verlustängste junger Menschen, die vor allem die Mittelschicht sowie die unteren Einkommensschichten betreffen. Das gilt sowohl für die junge Generation als auch für ihre Eltern, die erstmalig nach 1945 nicht davon ausgehen, dass es ihren Kindern besser gehen wird, sondern die bestenfalls hoffen, dass sie den Status halten können. Damit erhöht sich der Leistungsdruck auf Jugendliche, die in einem härteren Wettbewerb bestehen müssen, in einem Maße, der vermutlich hochgradig toxischen Stress induziert mit weitreichenden Konsequenzen für ihre psychische und physische Gesundheit. Während sie einerseits um die weniger werdenden Lehrstellen und Arbeitsplätze konkurrieren, wird ihnen durch die Lockdown-Politik die Möglichkeit entzogen, sich auf ihr künftiges Leben vorzubereiten. Die Abnabelung aus der familiären Sicherheit hinaus ins selbständige Leben wird gewissermaßen vereitelt, weil sie ihres natürlichen Umfeldes, ihrer Peergroups, auf die sie dafür angewiesen sind, beraubt werden.
Seit den 1980er Jahren wird im Rahmen von Wertestudien gefragt, welche Lebensbereiche den Menschen besonders wichtig sind. Dabei werden den Studienteilnehmern die Bereiche Politik, Religion, Arbeit, Ausbildung, Freunde, Familie und Freizeit zur Beurteilung vorgelegt. Wenn es einen bemerkenswerten Langzeittrend zu beobachten gab, so war dies der stetige Bedeutungszuwachs der Beziehungsräume „Freunde“ und „Freizeit“. In den 2010er Jahren blieb die Szenerie relativ stabil, zu größeren Verschiebungen zwischen den verschiedenen Lebensbereichen kam es kaum. Und dann kam das Corona-Virus.
Die Lockdown-Politik hat für viele Jugendliche dramatische Veränderungen ihrer Lebenswelt mit sich gebracht. Vor allem die Freundschaftsbeziehungen wurden auf eine harte Probe gestellt. Ein Zahlenvergleich soll das belegen. Im Jahr 2019 gaben über 70% der 16- bis 29-jährigen jungen Österreicher an, dass „Freunde und Bekannte“ für sie ein „sehr wichtiger“ Lebensbereich ist. Zu dieser Zeit gab es noch keine Corona-Beschränkungen, die Jugendlichen waren also weitgehend frei, ihren Alltag nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten.
Ein Jahr später, inmitten des ersten Lockdowns im März 2020, war die Wichtigkeit des Lebensbereiches schon auf 55% zurückgegangen und ein weiteres Jahr später, im März 2021, sind wir bei 50% angekommen. Diese Zahlen bedeuten nicht nur, dass sich die Kontakte junger Menschen zu ihren Freunden drastisch reduziert haben, sondern dass auch die Intensität der Freundschaftsbeziehungen deutlich abgenommen hat. Wo früher Freundschaftskontakte den Alltag bestimmten, herrscht heute Einsamkeit oder die Dominanz einer wieder stärker gewordenen Elternkontrolle. Wo man früher mit den Gleichaltrigen das Abenteuer Freiheit genießen konnte, findet man sich heute unter der anleitenden Kontrolle der Eltern wieder, deren Herrschaft durch die Corona-Einschränkungen wieder restauriert wurde.

Abnabelung unter erschwerten Bedingungen
Der Freundeskreis ist die wichtigste soziale Institution neben der Familie, wenn es um die Entwicklung vom Jugendlichen zum Erwachsenen geht. Die Aufgabe der Jugendlichen ist es, im Entwicklungsverlauf die Ablösung von der partikularistischen Familie und die Integration in die universalistische Gesellschaft zu schaffen. Dies bedeutet, dass sie auch lernen müssen, in einem Umfeld zu bestehen, das ihnen emotional neutral bis skeptisch oder ablehnend gegenübersteht.
Während die Familie eine emotionale Verbindung von einander nahestehenden Menschen ist, die überwiegend solidarisch miteinander umgehen, ist die Gesellschaft ein Sozialraum, in dem das rationale Kalkül und der Wettbewerb dominieren. Diesen schwierigen Übergang vom emotionalen Aufgehoben sein in einer von Solidarbeziehungen geprägten Primärgruppe in eine kühl kalkulierende, rationale, auf marktwirtschaftliche Tauschprozesse ausgerichtete Konkurrenz-Gesellschaft, begleiten die Freundesgruppen, die Peers und unterstützen dabei, die Herausforderungen dieser transitorischen Lebensphase zu bewältigen.
In Zeiten der Corona-Pandemie war die Gleichaltrigengruppen überwiegend nur über die Vermittlung der Medien zugänglich, und vielen Jugendlichen wurde dadurch klar, dass die digitale Kommunikation den unvermittelten Kontakt, der die Anwendung eines ungleich größeren Repertoires an symbolischen Ausdrucksmitteln erlaubt und zudem auch körperliche Berührungen und Nähe ermöglicht, nicht ersetzen kann. Face-to-Face kann man sich eben doch leichter und vor allem fehlerfreier verständigen, als vermittelt durch das distanzierende Medium von Laptop oder Handy.
Die Qualität der sozialen Beziehungen in Corona-Zeiten war nur mehr halb so gut und die Unterstützung der Peers nur mehr halb so effektiv. Man war vor allem dort eingeschränkt, wo die Macht des logisch-rationalen Diskursmediums Sprache endet und die Sphäre der präsentativen Symbolik, der Kommunikation mit Hilfe von sprachlosen Zeichen, die Verständigung mit Unterstützung von mimetisch-körperlichen Gesten beginnt.
Die Halbierung der Kommunikation durch den Ausschluss des berührbaren und vollständig sichtbaren Körpers aus dem zwischenmenschlichen Austausch, führte am Ende nicht nur zum Gefühl der emotionalen Verlassenheit und sinnlichen Isolation, sondern auch mitten hinein in ein Phänomen, das Mark Fisher „depressive Hedonie“ nannte und das darin besteht, dass die jungen Menschen, auf die kommerziellen Angebote des digitalen Marktes verwiesen, nicht mehr in der Lage sind, etwas anderem zu folgen, als der eigenen Genussfähigkeit und sich dadurch gleichzeitig von der Erfüllung ihrer Genusswünsche immer mehr entfernen.
Die Sucht nach Genuss, die permanenten Versuche, Sensationelles und Außergewöhnliches zu erleben, zieht nach sich, dass am Ende das Vergnügen schal, langweilig, trüb und trostlos wird. Man hat schon alles gesehen, alles empfunden, alles erlebt und so bleibt am Ende nur noch die Wiederholung von abgegriffenen und gebrauchten Bildschirmerlebnissen, die weder ein Feuer entfachen, noch Leidenschaften auslösen, noch das Begehren befriedigen können und so geradewegs in eine dauerhafte Melancholie führen.
So sitzt der isolierte junge Mensch allein zu Hause, dem ständig über den Bildschirm flimmernden Genussangeboten ausgeliefert, die aber allesamt außerhalb einer sozialen Situation, einer solidarischen Gemeinschaftlichkeit angesiedelt sind und so das Ziel des Lustgewinns verfehlen. Denn wahre Lust und echte Erfüllung des Begehrens, sind eng mit Gemeinschaftserlebnissen, mit dem Zusammentreffen mit wirklichen Menschen und realen und unvermittelten Erfahrungen verbunden.
Unbefriedigt fallen die Menschen in den Zustand von Überforderung und Lethargie, in andauernde Selbstreflexion und Introspektion. Am Ende steht die Unsicherheit, die eigene Lebensplanung nicht mehr im Griff zu haben, selbstgesetzte Ziele nicht erreichen zu können, überhaupt in eine stabile Lage kommen zu können, ohne Unterstützung der Eltern handlungs- und lebensfähig zu sein.
Gleichzeitig fühlen sich die Jugendlichen zurückgestoßen in die Familie. Die Selbständigkeit, die sie bereits erreicht haben, wird zumindest teilweise wieder zurückgenommen, der kontrollfreie Raum, den sie sich erobert haben, wird von den Eltern wieder in Besitz genommen. Die enge Elternbindung, die sich nun wiederherstellt, die Rekonstruktion einer längst überwundenen Kontroll- und Überwachungskultur, führt zu Spannungen innerhalb der Familie, die vor allem von den unter 18-Jährigen, die sich noch im Zustand der Teilautonomie befinden, als besonders erdrückend erlebt werden, weil sie sich am Ende der staatlich legitimierten Machtposition der Eltern erneut unterwerfen müssen, die nun, da sie sich im Homeoffice befinden, wieder ständigen Zugriff auf die Jugendlichen haben.
Befriedigende und gut funktionierende Eltern-Jugendliche-Beziehungen, die nur aufgrund von Distanzierungsmöglichkeiten und relativer Autonomie der Jugendlichen auf gleicher Augenhöhe mit gegenseitigem Respekt geführt werden können, werden wieder zu Beziehungen mit asymmetrischer Machtverteilung, in denen die Erwachsenen bestimmen und die Jugendlichen gehorchen müssen. Besonders bedrückend wird das „gemeinsame Homeoffice“ der Generationen dort erlebt, wo der Wohnraum klein ist und für das einzelne Familienmitglied zu wenig Rückzugsraum zur Verfügung steht. In der 300m² Wohnung lässt sich ein Lockdown zu viert leichter überstehen als in einer lediglich 75m² großen Wohnung. Der Stress, der nun über die, von zu engen Wohnverhältnissen betroffenen Jugendlichen kommt, ist keine individuelle, sondern eine soziale Angelegenheit und muss demzufolge auch als soziales Problem angegangen und durch soziale Maßnahmen zu lösen versucht werden. Es geht also nicht darum, die Resilienz der jungen Menschen zu erhöhen, sondern um die Verbesserung der materiellen Ressourcensituation der Familien.
Vergleicht man die Situation in den verschiedenen Lebensbereichen der Jugendlichen in Österreich mit der in Deutschland nun im Überblick, so sehen wir, dass es kaum Unterschiede zu sehen gibt. Institutionalisierte Religion und Parteipolitik sind in beiden Ländern gleichermaßen von geringer Relevanz für das Alltagsleben der unter-30-Jährigen. Freunde, Ausbildung und Arbeit haben dort wie da einen Bedeutungsverlust aufgrund von Schulschließungen, betrieblicher Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Die zwei alles dominierenden Handlungsfelder sind die Freizeit und die Familie. Sie sind für die Jugendlichen so wichtig wie nie zuvor. Die Freizeit ist nun allerdings stärker mit dem Phänomen der „depressiven Hedonie“ belastet, einem lustlosen Vor-sich-hin-konsumieren, und die Familie mit einem erhöhten Stresspegel, der durch die Restaurierung von überwundenen asymmetrischen Machtverhältnissen und der Mangelausstattung an materiellen Ressourcen hervorgerufen wird.

Der Blick in die Zukunft wird trüber, aber nicht für alle gleichermaßen
Die Corona-Pandemie hat bei vielen jungen Menschen zu einer Verdüsterung ihrer Zukunftssicht geführt. Die Gruppe derer, die die Zukunft der Gesellschaft „eher düster“ sieht, liegt heute in Österreich bei 42%, zuversichtlich blicken nur noch 23% nach vorne, der Rest sieht die Lage gemischt, mal so – mal so. Betrachtet man die Entwicklung, die die pessimistische Sicht auf die Zukunft des Gemeinwesens seit dem vergangenen Jahr in Österreich genommen hat, so muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Gruppe der Pessimisten vom März 2020 zum März 2021 um 10 Prozentpunkte zugelegt hat. Unter den jungen Frauen ist der Anteil der Zukunftspessimisten gar um 15 Prozentpunkte gestiegen. In Deutschland ist die Lage weniger drastisch, aber auch dort ist die Gruppe der Zukunftspessimisten deutlich größer als die der Optimisten.
Aufstiegserwartung haben nur noch 41% der deutschen und 37% der österreichischen Jugendlichen, der Rest glaubt, dass er entweder den Status der Herkunftsfamilie halten oder gar absteigen wird. Wirft man einen Blick in die Subgruppen der österreichischen Daten, dann zeigt sich ein überraschendes Ergebnis, denn es ist die Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die der österreichischen Gesellschaft förmlich eine Optimismus-Injektion verpassen.
45% von ihnen sind der Auffassung, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden als sie heute. Bei den jungen Österreichern glauben das lediglich 26%. Fast 40% der Österreicher nehmen sogar an, dass es ihre Kinder einmal schlechter haben werden als sie und aus der gesellschaftlichen Sphäre, in der sie sich jetzt befinden, absteigen werden.
Warum sind gerade die jungen Migranten, denen man in der soziologischen Literatur in der Regel eine Mehrfachbenachteiligung attestiert und sie zur Opfergruppe schlechthin stilisiert, im Vergleich zu den Österreichern so optimistisch? Aufgrund der Forschungen der letzten Jahre kann man dazu eine recht eindeutige Antwort geben. Der Hauptgrund besteht darin, dass die überwiegende Anzahl von ihnen sich selbst NICHT als Opfer sieht, sondern im Gegenteil, als kämpferische Aufsteiger, die das Feld von hinten aufrollen werden.
Vor allem denjenigen, denen es gelingt, sich von den erdrückenden Gemeinschaftsverpflichtungen ihrer Herkunftskulturen zu lösen, die es schaffen, die gegenwärtig gesellschaftlich dominante „westliche“ Rolle des individualistischen Einzelkämpfers mit Familienanhang anzunehmen und die sich in den Konkurrenzkampf um eine gute Ausbildung und Spitzenjobs stürzen, sind ihren Mitbewerbern ohne Migrationshintergrund meistens überlegen, weil sie über ein für eine Konkurrenzgesellschaft wertvolles Gut verfügen: den unbedingten Willen zum Aufstieg. Im Unterschied zu deutschen und österreichischen Jugendlichen, die vor allem, wenn sie aus bildungsnahen Milieus kommen, im Übermaß selbstreflexiv, skrupulös und voller Schuldgefühle sind, denkt der junge aufstiegsorientierte Migrant pragmatisch, ist selbstbewusst und vom unbedingten Willen beseelt, die Chancen, die zwei der reichsten Länder der Welt ihnen bieten, zu nutzen.

Rückkehr zum Konservatismus
Die Entwicklung der Werthaltungen und Einstellungen zeigt eine deutliche Hinwendung der Jugend zum Konservatismus. In Deutschland und Österreich sind rund 70% der Befragten „Traditionen“ wichtig, jeweils über 80% schätzen „Sauberkeit, Ordnung und Sparsamkeit“ und ebenso wird in beiden Ländern die traditionelle bürgerliche Familie hochgeschätzt. Unter den österreichischen Jugendlichen hat der Nationalstolz im Verlauf der Corona-Krise einen neuen Höhepunkt erreicht. Schon im Dezember 2019 waren 76% der Befragten stolz darauf, Österreicher zu sein. Im Zuge der Corona- Krise hat sich dieser Wert bis zum März 2021 noch einmal leicht auf fast 82 Prozent gesteigert.
Der Patriotismus ist bei den jungen Österreichern deutlich stärker ausgeprägt als bei ihren deutschen Altersgenossen. Die jungen Deutschen weisen nur zu 72% ein stark entwickeltes Nationalbewusstsein auf. Warum hat sich in beiden Ländern nun der Patriotismus unter Jugendlichen so stark entwickelt und das in allen Subgruppen der Gesellschaft, also im gleichen Maße unter Männern, Frauen, bildungsnahen und bildungsfernen Menschen, ja selbst unter Menschen mit Migrationshintergrund finden sich in Deutschland noch 65%, die stolz darauf sind, Deutsche zu sein?
Ein Grund dafür könnte die „retrotopische“ Stimmung sein, die die Jugendlichen beider Länder in den letzten 20 Jahren erfasst hat. Retrotopisch gestimmte Menschen sind zukunftsskeptisch und gleichzeitig vergangenheitsverliebt. Sie sind vom Glauben beseelt, dass früher nicht alles, aber vieles besser war. Man beneidet die Eltern darum, dass sie ihre Existenz noch in stabilen, sozialpartnerschaftlich regulierten Verhältnissen aufbauen konnten. Der Job war sicher, die Einkommen stiegen von Jahr zu Jahr, die Ausbildung war noch etwas wert und der Wettbewerb in der Arbeits- und Geschäftswelt noch durch sozialpartnerschaftliche Regulative „zivilisiert“. Von der Bank bekam man einen Kredit zu günstigen Konditionen und beim Hausbau halfen die Nachbarn mit, wenn sie Zeit hatten. Ein Hauch von Gemeinschaftlichkeit durchwehte die Zeit.
Mit dem Beginn der neoliberalen Ära in den 1980er Jahren kam diese Idylle nach und nach unter Druck. Der Sozialstaat wurde zurückgebaut, verstaatlichte Betriebe privatisiert, der Leistungsdruck in Betrieben und Ausbildungsstätten verstärkte sich, die Lohnzuwächse wurden geringer und prekäre Beschäftigungsverhältnisse breiteten sich aus. Die Gesellschaft wurde, ganz nach der Logik der neoliberalen Theoretiker, mit Wettbewerb durchflutet. Der Homo oeconomicus betrat die Bühne, dessen Lebenssinn aus dem Kampf Mann gegen Mann und Frau gegen Frau entspringt und der mit anderen nur in gemeinschaftliche Beziehungen eintritt, wenn er sie für seinen persönlichen Vorteil nutzen kann. Der Markt, von hinderlichen Regulativen befreit, konnte innovative und später disruptive Kräfte freisetzen und seine Veränderungsdynamik entfalten.
Veränderungen gehen im Neoliberalismus mit der Destabilisierung menschlicher Lebens- und Arbeitsverhältnisse einher sowie der Ausbreitung von Unsicherheit und Angst, hervorgerufen durch Deregulierungen jener das Zusammenleben stabilisierenden Ordnungssysteme sowie einer Ökonomisierung des Sozialen. Insbesondere das durch die Liberalisierung des Börsenhandels ermächtigte Finanzkapital verwandelte die Welt tatsächlich in einen Ort, an dem das Kapital nach Verwertungsmöglichkeiten suchend um den Erdball jagt und alle Verhältnisse seinem inhumanen Hochgeschwindigkeits-Rhythmus unterwirft.
Vor allem die jungen Menschen der Mittel- und Unterschichten sehen die Veränderungen, die in Wirtschaft und Gesellschaft um sich greifen, nicht als Folge von politischen und ökonomischen Entwicklungen, die aus dem Inneren ihrer Gesellschaft kommen, in der sie leben. Vielmehr meinen sie, dass diese von außen im Zuge von Digitalisierung und Globalisierung und vermittelt durch supranationale Strukturen auf ihr Land niederkommen. So wird zum Beispiel die „soziale Marktwirtschaft“ oder die „Sozialpartnerschaft“ als österreichische oder deutsche Errungenschaft gesehen, die nun gegen die von außen auf ihr Land einstürmende „Gig Economy“ und „digitale Superkonzerne“ verteidigt werden muss.
Im Zuge dieses „Abwehrkampfes“, werden auch die symbolischen Ressourcen der kulturellen Sphäre der „Heimat-Länder“ zur Abgrenzung gegen die neoliberalen Außenfeinde mobilisiert. Plötzlich ist man nicht mehr nur stolz darauf, ein Österreicher oder eine Österreicherin zu sein, sondern man bringt auch Traditionen, Volkskultur und alte Werte ins Spiel, um sich gegen den anstürmenden entfesselten Markttotalitarismus zur Wehr zu setzen.
Und so kommt es, dass mit einem Mal 65% der jungen Deutschen und fast 70% der jungen Österreichern Traditionen wichtig sind und 30% der Deutschen und über 50% der Österreicher Volksmusik und Trachten einfach schön finden. Gleichzeitig erfahren alte Werte wie Sparsamkeit, Ordnung und Sauberkeit einen Aufschwung. Konservativismus, Konformismus, emotionale Gemeinschaftsbindungen, Retraditionalisierung und regionale Bindungen werden als kulturelles Kapital in Stellung gebracht, um die „Heimat“ gegen unerwünschte Veränderungen von außen zu verteidigen. Aber Traditionen, alte Werte, Volkskultur und Gemeinschaftsromantik sind nur die bunte kulturelle Fassade, hinter der sich die eigentlichen Beweggründe des Aufstandes gegen die Globalisierung verbergen, und das sind materielle und sozialpolitische Interessen wie sichere Arbeitsplätze, Lohnzuwächse, staatliche Gesundheitsvorsorge und ein stabiles Pensionssystem. Genauer betrachtet widerspiegelt der Aufschwung der Traditionen, der alten Werte und des Nationalismus nichts anderes als den Wunsch der jungen Menschen nach „Halt im Leben“, nach einem stabilen Lebensverlauf, materieller Sicherheit und den Wunsch nach Schutz vor sozialen Abstieg.

Fazit
Die Jugend wird einem Sozialexperiment ausgesetzt, dessen Ausgang offen ist, das für viele – das zeigen die Daten der Studie schon jetzt – mit einem erheblichen Verlust an Lebensfreude bei einer gleichzeitigen Perspektivlosigkeit einhergeht, die vermutlich nicht allzu viele Optionen zulässt.

Quelle: Institut für Jugendkulturforschung

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13 Antworten

  1. „ Maßnahmen werden nur dann als sinnvoll erachtet, wenn sie besonders rigide, undifferenziert und vor allem HART sind und zudem ohne Pardon durchgesetzt werden.“ Was soll man dazu noch sagen? Die offene Gesellschaft und ihre Feinde – unsere zukünftigen „Eliten“. Tolle Aussichten.

  2. Erschreckend, klar, nachvollziehbar und mir meinen Beobachtungen übereinstimmend.

    Ich danke für diesen Artikel und das Interview.

    Als Angehöriger der Babyboomer Generation erlebe ich selbst die Ausgrenzung Älterer im Erwerbsleben. Um das politisch zu kaschieren wurde „Diversity“ eingeführt (wobei Alte, Arne, Schwache, Kranke, sexuell ‚anders‘ orientierte, Ausländer, usw. nicht bedacht werden, denn es geht nur um w + m.
    Am Beispiel Gendersternchen lassen sich hervorragend die Ergebnisse der Jugendwertestudie 2021 belegen. Mit Gewalt wird hier ein neuer Begriff in die Sprache gedrückt, der politisches Understatement darstellen soll, ohne bisher Wiederhall in der Sprachkultur gefunden zu haben. Wenn Arbeiten von Studenten ohne Gendersternchen abgewertet werden, ist eine Grenze überschritten. Denn eben diese „Reinwaschung“ durch Sprache spaltet die Gesellschaft weiter in die „Wissenden“ und den „Mob“.

  3. Was hier leider fehlt, ist der im Gespräch zugesagte Hyperlink zum Essay „Homo sociologicus“ von Ralf Dahrendorf. Oder habe ich diesen übersehen?!

    Liebe Grüße

    T. Müller

  4. der vergleich deutschland zu österreich beweist mal wieder wie Kurt Tucholsky schon sagte: Im Deutschen wurzelt tief der Knecht

  5. Guten Tag,

    Anscheinend steht die Jugend hinsichtlich der eigentlichen Thematik, ob denn tatsächlich eine Pandemie vorliegt, völlig unkritisch gegenüber. Das Verständnis, von der Politik gewollt mutwillig übergangen zu werden, fehlt eklatant. Mit dieser Jugend geht es nicht weiter.

    Stichwort „verstörend“. Verstörend ist die Politik. Daß die Jungend nicht versteht, eine eigenständige Entwicklung durchzuleben und sich stattdessen der kritiklosen Anpassung preisgibt ist gar nicht verstörend – das ist das Ergebnis der permanenten Berieselung durch schwachsinnige Medien – das ist gewollt und gewünscht. Nur so kann ein Volk schlußendlich willfährig geknechtet werden – Demokratie ade.

    1. „Berieselung durch schwachsinnige Medien“ … Quallen, man hat ein Volk von Quallen herangezüchtet. Gehirnlose und extrem angepaßte Wesen.

      Seit Jahren habe ich den Eindruck, daß für viele „Eltern“ Kinder zum Prestige-Objekt geworden sind. Ähnlich dem noch dickeren Auto, noch größerem zweiten oder dritten Fernsehgerät, der Weber-Grill, der noch tolleren Fernreise …
      Diese Kinder, denen tatsächlich nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden kann, verrohen innerlich.
      Natürlich gibt es viele Familien, bei denen der Wunsch nach einer „richtigen Familie“ im Vordergrund steht, aber dort sind es dann die finanziellen Aspekte, die zum Tragen kommen. Wer kann es sich heute noch leisten, sich beruflich für die ersten, wichtigsten Jahre in der Entwicklung seiner Kinder zurückzunehmen?

      Eine „Ex-„Bekannte, die im Kita-Bereich tätig ist, glaubt sich in ihrer Meinung bestätigt, daß die frühkindliche Bindungstheorie „Quatsch“ wäre, weil die Kinder nach Kita-Schließung im vergangenen Jahr die Erzieher wiedererkannt und nicht „gefremdelt“ hätten …
      Aus Ideologie wird Idiotie …?

  6. Dies alles bezeugt wieder einmal u.a., dass die Maßnahmen der Regierung (und nicht nur unserer Regierung) nicht wirklich KLUG waren und sind. Dies würde natürlich voraussetzen, dass die Maßnahmen zumindest nach Bestem Wissen und Gewissen, mindestens jedoch in guter Absicht erfolgen. Ob dem so ist, wird sich vielleicht noch herausstellen. Dem Gegenteil möchte ich, auf Grund eines noch immer vorhandenen inneren Widerstandes, noch nicht nahetreten.

  7. Aus meinem Leben mit Kontakt zu diesem „oberen Drittel der Gesellschaft (auch der angehörigen Jugend dieser Schicht)“ kann ich die Aussagen von Prof. Heinzelmaier und Antje Maly-Samiralov bestätigen.
    Die „Unterschicht“ ist ihnen peinlich. Sie wollen möglichst nicht einmal Blickkontakt mit anderen im öffentlichen Raum und schon gar nicht angesprochen werden. Neu war mir die Theorie wodurch sich die, von nicht wenigen subjektiv wahrgenommene, „Gleichschaltung der Medien“ begründet. Hatte man doch in dieser Pandemie zunehmend die Einflußnahme der Regierung auf die Medien in Betracht gezogen, erscheint die in der Studie erwähnte Möglichkeit einer sich ähnelnden Sichtweise der dort Beschäftigten durchaus einleuchtend. Auch das harsche Framing gegen alle kritische Fragen und andersdenkende würde eine Erklärung sein. Der überlieferte Spruch „teile und herrsche“ erscheint in unserer Zeit anders zur Anwendung zu kommen:
    „Teile das Volk und herrsche!“ Rechts gegen links, Vernünftige gegen Querdenker, Weltverbesserer gegen Kulturbewahrer, die Alten gegen die Jungen (und ihre Sorgen um die Zukunft, auch der Umwelt). Das Volk ist beschäftigt. Und es sieht nicht wer, und wie, von oben (be-) geherrscht wird ……. es ist zu beschäftigt!

  8. Das verfolge ich schon seit langem. Heißt das nun, wir haben einen Kampf zwischen sehr reich und Mittelstand. Die Snops wollen aber keine bessere Welt, sondern nur ihren eigenen Vorteil schützen, sprich hoher Egoismus.

  9. Herzlichen Dank, Herr Langemann, für dieses herausragende Interview!

    Ich gehöre zur Generation der Mit-40er, bin Ende der 1970er Jahre in der DDR geboren. Ich habe sämtliche Ihrer Fragen vollkommen analog zu Herrn Prof. Heinzelmaier beantwortet und sehe mich überwältigend bestätigt in meiner Wahrnehmung und Analyse. Und das, ohne dass ich akademisch-forschend tätig bin, sondern gegründet auf Wahrnehmungsfähigkeit und Schlussfolgerungen der menschlichen Intelligenz. Dabei fällt auf: Ich habe mich immer nur auf mich selbst verlassen, habe mich selbst, meine Wahrnehmung, meine Intuition zum Maßstab genommen. Das ist bis heute meine „Lebensversicherung“.

    Ich stimme mit Prof. Heinzelmaier überein, dass sich der aufgestaute Druck relativ bald Luft machen wird. Darauf weisen auch viele Publikationen und Studien hin. Das insoweit abgehobene „obere Drittel“ hat mit der Stimme von Soros & Co. selbst erklärt, dass es Krieg gegen die „unteren 2/3“ führt. Und: Dass sie dabei sind zu gewinnen. Wie? Sie haben die „unteren 2/3“ ökonomisch und medial vollkommen im Griff. Das beweist, dass Prof. Heinzelmaier’s Studie totgeschwiegen wird. Er hat das wunderbar erläutert.

    Womit ich nicht konform gehe ist, dass es sich nicht um eine Verschwörung handle. Als Beleg führe ich https://www.epochtimes.de/politik/ausland/exklusiv-interview-wie-die-sozialisten-in-den-usa-die-macht-an-sich-reissen-wollen-a3406796.html an. Außerdem ist das Werk „Wie der Teufel die Welt beherrscht – 36 Strategien zur Zerstörung der Menschheit“ eine exzellente Enzyklopadädie zur ideologischen Indoktrination, die nichts dem Zufall überlässt. Das Ergebnis ist totalitär und dystopisch. Aus Verblendung ist schon einmal unendliches Leid hervorgegangen. Ich habe keine Lust auf eine Neuauflage!

  10. Äußerst spannendes Interview. Vielen Dank, Herr Langemann. Besonders „interessant“ finde ich die Frage zum Schluss an Prof. Heinzlmaier, warum diese Studie nicht wirklich an die breite Öffentlichkeit dringen würde. Die Antwort, weil die Politik wohl der Überzeugung sei, dass Sprache Wirklichkeit schafft, macht mir Angst.
    Heißt für mich übersetzt: Es existiert für die Politik nur das, worüber gesprochen wird.
    Diese „Philosophie“ könnte man, was Leitmedien und Politik angeht, auf die gesamte „Pandemie“ übertragen. Über die Gefahr des Virus wird 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr gesprochen. Also existiert diese Gefahr. Über die Kollateralschäden wird gar nicht gesprochen. Also existiert diese Gefahr nicht.
    Warum nur habe ich gerade das Bild eines Affen im Kopf, der sich wahlweise Mund, Ohren und Augen zuhält?

  11. „Das Vertrauen in Journalisten und Zeitungen war schon davor katastrophal niedrig.“

    Das Herausgeber einer großen Tageszeitung schrieb mir jüngst zwei denkwürdige Sätze: „Vielen Dank für Ihre anerkennenden Worte; normalerweise kriegen Journalisten immer nur negative Reaktionen. Und danke für die Anhänge, aber ich fürchte, in dieser Debatte geht es nicht um Fakten-, sondern Glaubensfragen.“

    Parallel sucht der Tagesspiegel einen Politologen für die Thematik Energie- & Klimapolitik (s. https://verlagsjobs.tagesspiegel.de/wordpress/wp-admin/admin-ajax.php?action=full_job_ad_page&sgjobid=9663702)? Wie kann ein Politologe dieses komplexe Thema durchdringen? Das gelingt auch den meisten MINT-Absolventen nicht ansatzweise. Selbst ehrliche Wissenschaftler geben zu, vieles in diesem Zusamenhang (noch) nicht zu überblicken. Das erinnert mich an: https://clubderklarenworte.de/exklusiv-rki-schriftverkehr/

    Der Jugend kann mar raten, die wohlfeilen Antworten unserer Zeit kritischer zu hinterfragen. Das notwendige Handwerkzeug lernt sie immer noch in Schule und Studium, d.h. Mathematik, Physik und Chemie sowie Geschichte, aller in Schule und Universitäten infiltrierter links-grüner Ideologie zum Trotz. Auch wenn unsere Bundesumweltministerin Svenja Schulze, SPD jüngst im TV meinte: „….es geht nicht um Mathematik……“ (s. https://www.aol.de/bundesregierung-verscharft-ihre-klimaziele-151105348.html; min: 00:45).

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