Musterknaben

von Peter Löcke //

„Sah ein Knab‘ ein Röslein stehn.“ So beginnt das Lied.

Ich war etwa dreizehn Jahre alt, weil mitten im Stimmbruch, als Goethes Heimatgedicht „Heidenröslein“ wiederholt im Musikunterricht gesungen wurde. Daher hat sich der Text bis heute in mein Gehirn gebrannt. Volkslieder und Heimatgedichte standen in den 1980ern nicht auf dem moralischen Index. Damals war das Wort Volk noch kein Nazi-Begriff wie ein späterer Wirtschaftsminister und Hobby-Historiker analysierte. Dank Stimmbruch stimmlos und untalentiert für den Knabenchor, tat ich nur so, als würde ich im Klassenchor mitsingen. Mein Verhalten war wenig solidarisch und schon gar nicht mustergültig. Ich war generell kein Musterknabe.

Vorbildhaft und mustergültig! Wie Musterknaben verhielten sich die 13-jährigen im Jahr 2020. Die Teenager hatten es allerdings deutlich schwerer als ich im gleichen Alter. Die mussten im Chor der Solidarität mitsingen. Man musste ihnen nur genügend Angst machen, wie das geleakte Strategiepapier des Bundesinnenministeriums verriet. Mit einer gewünschten Schockwirkung und dem Glauben, Mama und Papa, Opa und Oma in tödliche Gefahr zu bringen, verhält sich ein jedes Kind wie ein Musterknabe. Gleichzeitig wurden sie wie Prügelknaben behandelt. Kinder? Die sind wie Ratten während der Pest. Das sind Wirtstiere. Diesen Vergleich zog Jan Böhmermann. Schreiben Sie gern ZDF-Intendant Norbert Himmler ein Email. Vermutlich erhalten Sie eine Musterantwort, in welcher sinngemäß steht, dass es sich bei Entmenschlichungen um Satire handelt und Satire von der Kunstfreiheit gedeckt ist. Was hat man nur einer ganzen Generation von Kindern angetan?

Dauervermummt und dauergetestet. Abstand ist die neue Nähe. Soziale Kontakte machen krank. Menschliche Wärme tötet. Jeder eurer Atemzüge stellt eine Gefahr dar. Habt ihr diese Botschaften endlich verstanden, ihr Kinder im Home Office? Habt ihr? Dann seid ihr brave Kinder. Dann seid ihr Musterknaben. Und wenn ihr euch dann im Alter von vierzehn brav impfen lasst, bekommt ihr neben einem Lob vom Klassenlehrer hier und da etwas mehr Freiheit als die ungeimpften Mitschüler. Eines jedoch vergesst bitte nie. Vergesst nie, dass das alles einen Sinn hatte.

Sicherheit geht vor Freiheit. Jedes Leben zählt.

Kinder waren niemals Treiber der Pandemie? Schulschließungen waren unnötig? Ja gut. Das weiß man heute. Das konnte man damals nicht wissen. Dabei handelt es sich um Rückschaufehler.

Kinderpsychiatrien heute sind anders als Intensivstationen während der Corona-Zeit wirklich überlaufen? Auch das konnte man nicht wissen. Auch das sind nur Rückschaufehler.

Heute werden Einsamkeitsstudien in Auftrag gegeben, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Ich nehme das Ergebnis der Studien vorweg. Längere soziale Deprivation und Isolation führen zu schweren psychischen Erkrankungen und Traumata. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand. Das steht außerdem in dutzenden Büchern, die sich schon im vergangenen Jahrhundert mit diesem Thema beschäftigt haben. Siehe isolierte Heimkinder mit zu wenigen oder überhaupt keinen sozialen Kontakten. Es handelt sich eben nicht um Rückschaufehler. Es handelt sich um Kollateralschäden, die achselzuckend in Kauf genommen wurden. Genug von Corona.

Heute werden die 13-jährigen Corona-Kinder volljährig. Und wieder dürfen sie ihren Gehorsam unter Beweis stellen. Wieder wird man ihnen blinden Gehorsam abverlangen und den als solidarisches Verhalten verkaufen. Auch hier wird es ein Strategiepapier des Verteidigungsministeriums geben, wie man durch kluge Kommunikation Folgebereitschaft bei Jugendlichen herstellt. Es ist nur nicht geleakt.

Hurra, hurra, die Musterung ist wieder da! Die Musterknaben werden gemustert. Gut, dass nur eine medizinisch-körperliche Untersuchung anfällt und keine psychische. Man nennt es „Bedarfsdienst“. Zukünftig werden alle jungen Männer ab 18 Post erhalten. Da der Bedarf von Pistorius größer sein wird als der Bestand von Freiwilligen, entscheidet das Los, wer unfreiwillig den Dienst an der Waffe antritt. Wie wahrscheinlich es anschließend ist, dass die gebeutelten 13-jährigen Corona-Kinder nicht nur Krieg in der Lüneburger Heide spielen, sondern andernorts Krieg erfahren, darf sich jeder selbst beantworten. Vergesst nie, liebe Musterknaben, dass das alles einen Sinn ergibt.

Deutschlands Freiheit geht vor Sicherheit. Da zählt nicht das einzelne Leben.

„Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.“ So endet das Lied.

Oder doch nicht? Manchmal täuscht mich mein Gedächtnis. Vielleicht schloss das Heimatgedicht von Goethe auch anders.

Knaben, Knaben, Knaben tot, Knaben wie sie leiden.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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7 Antworten

  1. zum Thema passend : das Lied „Absage“ von Yann Song King, der noch viel zu wenig bekannt ist.

    __ Der Bundeswehr General Carsten Breuer ist der Meinung, wir sollten bis in 5 Jahren kriegstüchtig sein
    – für unser Land, für unsere Werte, für die Freiheit und den Frieden Hören Sie im nachfolgenden Lied, warum der Künstler Yann Song King derartigen Forderungen eine klare Absage erteilt :

    ABSAGE
    Ihr Mächtigen, wir hören deutlich, wie die Trommeln rühren,
    die Schlag auf Schlag und Schritt für Schritt
    uns Richtung Schlachtfeld führen.
    Ihr sagt, wir müssen kämpfen und einen Feind besiegen,
    für unser Land und unsre Werte, die Freiheit und den Frieden.

    Ich frage mich, gemeint ist hierbei wirklich jenes Land,
    das zu lieben mancher von euch stets zum Kotzen fand.
    Und dessen Fahne man in eurer Nähe selten sieht.
    Ein Land, in euren Augen seelenloses Staatsgebiet.
    Wer stolz darauf ist, den seht ihr doch nur als Idioten.
    Doch jetzt braucht ihr auf einmal kriegsbereite Patrioten.
    Sprecht bitte nicht vom Land, sprecht mal von euren Interessen.
    Dass wir für euch den Kopf hinhalten, das könnt ihr glatt vergessen.

    Ich frage mich, gemeint sind von euch wirklich jene Werte,
    um die, als es mal nötig war, sich niemand von euch scherte.
    Als unsre Kinder Spielball wurden eurer irren Pläne,
    als alte Menschen einsam starben im Namen der Hygiene.
    Und meint ihr jene Ethik, welche grad noch propagierte,
    es wär ok, wenn man zwangsweise Impfstoff injizierte ?
    Sprecht bitte nicht von Werten, sprecht von euren Interessen.
    Dass wir für euch den Kopf hinhalten, das könnt ihr glatt vergessen.

    Ich frage mich ganz ehrlich, welche Freiheit ihr wohl meint.
    Etwa die, die nur wenn‘s grade passt, zu gelten scheint?
    Wer euerm Tun und Glauben scharf und gründlich widerspricht,
    der spürt, für ihn gibts diese Freiheit immer öfter nicht.
    Meint ihr die Freiheit, die erstickt in Regeln und Verboten ?
    Die wie ein ausgestoss‘nes Tier fortzieht auf leisen Pfoten ?
    Sprecht bitte nicht von Freiheit, sprecht von euren Interessen,
    dass wir für euch den Kopf hinhalten, das könnt ihr glatt vergessen

    Ist Frieden das, was nach der großen Katastrophe kommt,
    die Ruhe des Soldatenfriedhofs final herbeigebombt ?
    Solang die Menschen glauben an den letzten großen Sieg,
    bleibt Frieden nur die Zwischenspanne bis zum nächsten Krieg.
    Mir bleibt die Hoffnung, dieses Mal kommts anders, als ihr denkt.
    Dass niemand mehr so trottlich ist und euch sein Leben schenkt.
    Die hohlen Phrasen fruchten nicht und ja, wir werden sehen,
    der Russe wird nicht kommen, aber ihr, ihr werdet gehen !

    Quellen: https://www.youtube.com/watch?v=nu9WPIRXLBw

  2. Mein Vater wurde achtzehnjährig während seiner Grundausbildung in Blavand in Dänemark gefragt, ob er lieber bei der Wehrmacht oder zuhause sei. Er antwortete, er würde lieber nicht beim Militär bleiben. Daraufhin wollte man ihn erschiessen lassen – wegen Wehrkraftzersetzung. Zum Glück fand sich ein Vorgesetzter, der dem Wehrpflichtigen noch drei schreckliche Jahre bei der Truppe ermöglichte, die dann, drei Monate nach seinem einundzwanzigstem Geburtstag, implodierte. Zwei seiner drei Brüder hatten weniger Glück und kamen nicht wieder nach Hause. Kriegsdienstverweigerer wurden damals ohne jedes Aufheben erschossen, das ist heute anders, zum Glück. Heute kann man, geschützt durch das Grundgesetz, seine Meinung sagen und sich ganz allgemein gegen staatliche Übergriffe wehren. Das ist jetzt keine Satire. Gerade, wenn man unsere Lebensumstände mit denen im damaligen Ostblock vergleicht, nimmt man wahr, dass wir eine weit größere Freiheit genießen als die armen Genossen in der Täterä damals. Zumindest, wenn man sich imstande sieht, Schwachköpfe nicht Schwachköpfe zu nennen, sondern in seiner Kritik, zu der man als Bürger und Souverän gefordert ist, ohne Polemik auskommt. Dass vorkommende Polemik zu Bademantel Ereignissen führt, ist vielsagend. Ich vermute, dass die einst gesellschaftlich hochangesehenen Richter und Staatsanwälte dadurch ihre eigene Autorität untergraben und damit einer Entwicklung zu einer gefühlten Obstrepublik Tür und Tor öffnen. Wir als Bürger sind per se aufgefordert, unsere Demokratie zu verteidigen und ihr Leben einzuhauchen – im Alltäglichen, im politischen Diskurs oder auf der Straße. Niemand kann uns sagen, was wir innerhalb der Gesetze zu tun und zu lassen haben. Seitens der Machthaber, wir haben es hautnah erlebt, bedeutet Pflicht Zwang und immer wird mit Angst manipuliert. Das ist bei klarem Verstand des Wahlvolkes nicht mehrheitsfähig. Da müssen wir hin.

  3. Es geht darum, dass Trump den Europäern „den Stuhl vor die Türe gestellt hat“, das heißt, sie sollen sich ab jetzt selber verteidigen und können nicht mehr nur auf Uncle Sam zählen. Der kümmert sich um China. Deshalb brauchen sie einen höheren Wehretat und neue Waffensysteme. Der Krieg in der Ukraine ist nun plötzlich nicht mehr Sache der USA, es war tatsächlich überwiegend der Krieg der Democrats, der jetzt wo er nicht einfach zu gewinnen ist, in typischer US-Manier den Europäern in die Schuhe geschoben wird. Und die sind so doof, das Pfund Schultern zu wollen, obwohl ihnen aktuell alle Vorraussetzungen fehlen. Es fehlt an Geld, an Waffensystemen und an Soldaten. Aber Putin wartet ja mit seinem Angriff bis 2029. Witz lass nach. Dieses Narrativ, von der russischen Bedrohung der NATO, glaubt doch im Ernst keiner der Politiker. Aber sie können sich ja nicht hinstellen und den obigen Sachverhalt ihren Völkern verkünden. Außerdem brauchen sie dringend Wachstum, egal woher, nachdem die Wirtschaft lahmt und der „Green Deal“ von UVDL nichts brachte als Desindustrialisierung. Wenn die Wehrpflicht kommt, werden viele der Jungen anfangen nachzudenken, und dann ihre Schlüsse ziehen. Dumm ist diese Generation nicht. Und wenn sie erst einmal was anderes als Spiegel und Focus lesen, werden sie sicher gescheit. Merz hilft hierbei unheimlich, da er es einfach nicht gebacken bekommt. Noch nicht einmal dem Schein nach.

      1. Ja aber nicht an den mentalen Fähigkeiten, heißt nicht an der Intelligenz. Gehirnwäsche ist korrigierbar, das werden wir sehen. Wenn der grün-rot-woke Komplex stürzt, drehen die Medien mit und die Jungen kommen zur Besinnung.

  4. Es würde mich schon sehr wundern, wenn nicht daran gedacht wird, auch die Boomer-Generation an die Front zu schicken. Da kommt doch bestimmt noch was mit Wehrpflicht bis 70 oder so ähnlich.

    Der Staat könnte auf diese Weise das Rentenproblem lösen und gleichzeitig eine sprudelnde Quelle zusätzlicher Erbschaftssteuern erschließen. Man darf nicht vergessen, dass es bei der Corona-Politik von Beginn an um die Impfungen ging. Und als damit begonnen wurde, die Ältesten zuerst zu impfen, konnte man ahnen, welches Spiel im Hintergrund gespielt wird. Als später im Oktober 2022 die Bank of England die britischen Pensionsfonds stützen musste, hätte man mit etwas Sarkasmus meinen können, der Corona-Impfstoff habe versagt, zumindest im Off-Label-Use.

    Wahrscheinlich geht es auch diesmal wieder um etwas anderes, als das, was uns erzählt wird. In diesem Sinne: Holzauge sei wachsam!

  5. Diese Generation hat es doch selbst in der Hand, dem ganzen Spuk ein Ende zu bereiten. Sie müssten nur für ihre Überzeugungen auf die Straße gehen und richtig wählen. Auch die 68 er haben nichts umsonst bekommen. Was ich beobachte, ist ein tiefes Grummeln in der Generation 35 +, die sich mit Auswanderungsgedanken trägt, gerade solche denen es noch gut geht. Die Generation 18 + wird mit immer neuen Zumutungen konfrontiert werden. Schauen wir mal, wo das hinführt. Bisher kam der Strom aus der Steckdose, das neuste Handy von den Eltern und das große Geldgeschenk zum 18. Geburtstag vom Opa. Wenn das alles in Frage steht, weil die Regierung, wer immer sie auch stellt, nur noch Mist macht, und das Denken heutzutage die Meisten, dann kommt auch bei den Jungen das große Erwachen. Und dann wird diese Generation politisch und den Kehraus der Links-Woken vollenden. Die Zeichen stehen schon an der Wand und die Links-Woken verbeißen sich deshalb so energisch in die Macht, weil sie genau wissen, dass ihre Tage gezählt sind. Wie immer muss es erst schlimmer werden, bevor es besser wird. Menschen sind nur zum Teil vernunftbegabte Wesen. Die Meisten lernen nur aus Schmerzen. These, Antithese, Synthese, in diesem Dreisprung schreitet Geschichte vorwärts. Hoffen wir dass die Schleifspur diesmal nicht zu blutig wird.

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