Pressing ohne Ball

Kommentar von Markus Langemann //

Beim Fußball versteht man unter Pressing, bestimmte Bereiche des Spielfeldes so zu verengen, dass der ballbesitzende Gegner unter Druck gerät. Im Fußball ist das eine spieltaktische Variante unter mehreren.

Unsere Gesellschaft ist kein Ballspiel und dennoch werden hier derzeit die gleichen Techniken angewandt, wenn die Demokratie das Spiel dominiert. Der große Unterschied liegt darin, dass man den nicht ballbesitzenden Gegner, der jene Pressingtechniken anwendet, nicht sieht. Man kann diesen Gegner nur vermuten. Man darf aber sicher sein, er steht  im braunen Trikot auf dem Platz und gehört zum totalitären Klub. Trainerin ist die berühmte und so oft erfolgreiche Feigheit.

Pressing und das Verengen von Meinungsräumen führt auf dem freien Feld der Pressefreiheit, die für eine freie Gesellschaft überlebenswichtig ist, am Ende zum Verlust von bürgerlichen Freiheiten, demokratischen Ordnungen und zu einem gesellschaftlichen Gleichschritt.

Einige Leser haben mich darüber informiert, dass sie seit Kurzem von ihrem Anti-Virus-Programm NORTON eine Warnung erhalten.
Natürlich ist die Seite nicht gefährlich, sie ist auch nicht Virusträger. Sie mag nur in den Augen derer gefährlich sein, die Pressing betreiben und Fakten- und Meinungsräume verengen. Für jene ist Anregen zum eigenständigen Denken offenbar eine größere Gefahr, was viel über ebenjene gesellschaftlichen Teilnehmer aussagt.

Ich hörte auch, dass für User des Providers 1&1 die Website zuweilen nicht zu erreichen oder das letzte Video über die Youtube-Suche nicht zu finden sei. Denn löschen kann man das Video nach den eigens aufgestellten Communityregeln nicht. Man kann aber sehr wohl mit Pressing, Fakten-, Denk-, Diskussions- und Meinungsräume verengen. So weit nur ein kleiner Einblick in die Taktik.

Das Pressing ist umso trauriger, da ich persönlich stets darauf bedacht bin, zurückhaltend und abgewogen zu befragen und den Interviewpartnern Raum zu geben, ohne eine vorschnelle Einordnung, denn ich halte meine Leserinnen und Leser und meine Zuschauer für klug genug, selbst zu urteilen. Wer bin ich, dass ich Ihnen vorgeben sollte, was Sie zu denken haben?

Sollte es dennoch mal zu einer Meinungsäußerung kommen wie dieser hier, mache ich sie stets deutlich, auch wenn ich weiß, Sie können selbst differenzieren.

Leider ist das hier kein Fußballspiel, nicht mal Rugby.

Es ist gar kein Spiel …

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13 Antworten

  1. Die Geschichte zeigt uns, dass es immer wieder möglich sein wird die Gesellschafft nach beliben zu manipulieren. So lange, bis die Minderheit der kritischen hinterfragenden zu einer Mehrheit wird und diejenigen, welche jetzt als Minderheit bestimmen nicht mehr so spielen können wie sie es möchten

  2. Für die Mächtigen dieser Welt, d.h. im Großen Xi Jinpings, Joe Biden, Wladimir Putin, Angela Merkel, Jeff Bezos, Klaus Schwab und einige andere sowie im kleinen, sich selbst überschätzenden Deutschland u.a. Jens Spahn, Markus Söder, Robert Habeck, Stefan Rahmstorf, Lothar Wieler ist die Wahrheit ein höchst gefährliches Gut.

    Gute Argumente und Offenheit kann man eben nicht durch Diskurs bekämpfen. Da braucht es dann solcher Methoden, wie sie Youtube, Twitter, Facebook & Co aber auch ARD und ZDF seit einiger Zeit anwenden und zu denen nun auch Norton gestoßen zu sein scheint, d.h. missliebige Fakten und Dokumente verschweigen oder gar aktiv löschen, den Zugriff erschweren oder gar unmöglich machen. Wo das nicht möglich ist, die Autoren diskreditieren.

    Im Osten nichts Neues.

  3. In der Musik sagt man auch ,ich spiele das und das Stück.
    1991 hatte mir meine Prof. zu meinem Examen gesagt: „Es geht hier nicht darum, daß du schöne Musik machst, sondern, daß du aus einer Klasse kommst, die einen großen Namen hat.
    Die entscheidenden Grundlagen, damit aus der Musik ein Spiel werden kann, mußte und muß ich mir selber aneignen.

    Lieber Herr Langemann ,
    herzlichen Dank für die lieben Worte

  4. Ich bin dermaßen entsetzt, dass ich – zumindest momentan – keine Worte mehr finde.
    Und Zustimmung: nein, das alles ist längst kein Spiel mehr … oder aber einige Spielverliebte mit Unmengen Chips am Roulettetisch der Eitelkeiten und Machtbesessenheit spielen ihr eigenes Spiel?
    Kaufen nicht, wie etwa beim Monopoly-Spiel, Straßen oder ganze Straßenzüge, bauen Hotels und Häuser darauf, damit den Mitspielern die Luft ausgeht, sondern kaufen gleich die Spieler?
    Hm.
    >>Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert.
    Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter:
    Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.>>
    Zitat: Jeans-Claude Juncker, Quelle:
    zitiert von Dirk Koch: Die Brüsseler Republik. Der SPIEGEL 52/1999 vom 27. Dezember 1999, S. 136, spiegel.de

    1. „… bis es kein Zurück mehr gibt.“ Einspruch, es gibt immer ein Zurück!
      Nach meiner Wahrnehmung müssten die letzten Jahrzehnte Gesetzgebung fast komplett rückabgewickelt werden.
      Warum soll das nicht gehen?
      Ok, mühsam, zugegeben…..

  5. Danke für diesen wundervollen Kommentar. Ich liebe Fußball-Metaphern.

    Den Akteuren des versteckten, feigen Pressings würde ich gerne sagen: Es gibt auch ein Gegenpressing. Wenn man geschickt und fair mit dem Ball umgehen kann, eröffnen sich dadurch viele demokratische Freiräume. Offensichtliche versteckte Foulspiele können auf Dauer dazu führen, dass die Zuschauer immer misstrauischer werden und sich ein Spiel lieber selbst anschauen als die dreiminütige geframete Zusammenfassung von ARD und ZDF. Dafür braucht es lediglich ein inneres Virus-Programm bestehend aus kritischem Denken und Eigenverantwortlichkeit.

    Auch bei der Farbenlehre bin ich kritisch. Ich mag kein Braun. Die allerwenigsten mögen braun. Nur: Die Wahrnehmung einer Farbe hängt immer auch vom Lichteinfall ab (Nachts sind alle Katzen grau). Wenn ich manipulierende Filter vor der Kameralinse habe, sieht eine Farbe auf einmal ganz anders aus als sie in Wirklichkeit ist. Nicht nur das. Welche Farbe hat eine Melone? Sie ist auf dem ersten Blick grün. Allerdings ist sie innen rot und im Kern braun.

    „Der schlaueste Weg, Menschen passiv und gehorsam zu halten, ist, das Spektrum akzeptierter Meinungen strikt zu limitieren, aber innerhalb dieses Spektrums sehr lebhafte Debatten zu erlauben.“ (Noam Chomsky)
    Auf Dauer wird es den Pressern nicht gelingen, das Spektrum an noch erlaubten Meinungen zu begrenzen. Es fördert nur den Drang der Menschen, endlich wieder frei ihre Meinung äußern zu dürfen. Für mitlesende Faktenfüchse: Chomsky gilt als kritischer Linker. Sogar Thilo Jung hat ihn mal länger interviewt. Hätte er ihn doch nur gelesen und verstanden.

    1. Noam Chomsky ist einer der Autoren, die im Vorfeld der Krise kritisch, ‚ irgendwie links‘ u produktiv waren. Jetzt hört man nichts von ihm, wo es doch gerade jetzt im Herbst wichtig wäre, dass sich ein Schwergewicht der intellektuellen amerikanischen Szene äussert.
      Aber dasselbe Verhalten ist ja auch bei den Intellektuellen hierzulande zu beobachten.
      Ich vermisse einen Roger Willemsen, in der Hoffnung, er hätte sich heute kritisch zu dem ganzen Theater positioniert.

      1. Ich vermisse auch noch andere Intellektuelle und Künstler. Wo sind die Helden unserer Jugend, Herbert Grönemeyer, Heinz-Rudolph Kunze und wo ist Reinhard May? Sie alle sind stumm, während Dirk Müller, Paul Schreyer und Klaus Schwab in ihren Büchern unverholen beschreiben, wo die Reise hingehen soll. Zumindest versteht man, wenn man zwischen den Zeilen lesen kann.

    2. Das Beispiel mit der Melone gefällt mir gut. Bei dem Beispiel mit dem braunen Trikot, kam mir sofort der Gedanke, sind die heute nicht grün?

  6. Es ist schon erschreckend, welche Einigkeit sich da offenbart. Frage mich, was für ein Ausmaß an Vernetzung da bestehen muss, das es zu solchen Auswüchsen kommt.
    Sollte Norten vielleicht kaufen … nur um es dann mit Kommentaren dann zurückzuweisen.

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