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Putin über Nordstream und die Bundesregierung

Kommentar von Peter Löcke //

Der Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines am 26. September 2022! Wie ist die Sichtweise des russischen Präsidenten auf den Terrorakt, der die Hauptschlagader der deutschen Energieversorgung zerstörte? Auf diesen Teil des Interviews, auf die Antworten des russischen Präsidenten zu den Fragen von Tucker Carlson waren kritische Menschen, die sich abseits der Tagesschau informieren wollen, besonders gespannt. Der Part taucht im Video ab etwa 1h, 11m, 30s auf. Zum Ende des Themenkomplexes Nord Stream unternimmt Wladimir Putin einen bemerkenswerten Vergleich. Er sieht eine Analogie zwischen der zweigeteilten Welt und dem menschlichen Gehirn, das ebenfalls in zwei Hemisphären unterteilt sei. Wir haben diesen spannendsten Teil des Interviews frei übersetzt und möchten das Transkript wertfrei zur Diskussion stellen.
Für jene Leser, die das Interview bereits in Gänze gesehen haben, möchte ich zwei konkrete Fragen zur Diskussion stellen. Die Fragen sind nicht wertfrei und bewegen mich persönlich. Sie sind zugegeben subjektiv und rhetorisch. Meine erste Frage basiert auf einer Spiegelung.
Ist es für Sie vorstellbar, dass sich Joe Biden, Olaf Scholz oder gar Annalena Baerbock einer zweistündigen durchaus kritischen Befragung eines russischen Journalisten stellen?
Falls dem so ist – ist es für Sie vorstellbar, dass Biden, Scholz oder Baerbock bei dieser Befragung auf dem intellektuellen Niveau von Putin antworten könnten?
Ich rede vom Intellekt, nicht von den Schubladen Gut und Böse. Das sollte man unterscheiden.

"Das sind höchst inkompetente Leute."

Transkribierter Auszug aus dem Interview Carlson- Putin

 

Tucker Carlson: Wer hat Nord Stream 2 in die Luft gejagt?

Wladimir Putin:  Sie!

Tucker Carlson: Ich war an diesem Tag beschäftigt. Ich habe Nord Stream nicht in die Luft gejagt. Ich danke Ihnen trotzdem.


Wladimir Putin: Sie persönlich mögen ein Alibi haben, aber die CIA hat kein solches Alibi.

Tucker Carlson: Hatten Sie Beweise dafür, dass die NATO oder die CIA es getan haben?

Wladimir Putin: Wissen Sie, ich werde nicht ins Detail gehen, aber man sagt nach solchen Fällen immer, man solle nach jemandem suchen, der interessiert ist. Aber in diesem Fall sollten wir nicht nur nach jemandem suchen, der interessiert ist, sondern auch nach jemandem, der über Fähigkeiten verfügt. Denn es mag viele Interessenten geben, aber nicht alle von ihnen sind in der Lage auf dem Grund der Ostsee zu gehen und diese Explosionen auszuführen. Diese beiden Komponenten sollten miteinander verbunden werden. Wer ist interessiert und wer ist in der Lage es zu tun?

Tucker Carlson: Aber ich bin verwirrt, ich meine, das ist der größte Akt des industriellen Terrorismus aller Zeiten und es ist der größte CO2-Ausstoß der Geschichte – okay – wenn Sie also Beweise hätten und vermutlich aufgrund Ihrer Sicherheits- und Geheimdienste wüssten, dass die NATO, die USA, die CIA, der Westen dies getan hat, warum würden Sie sie nicht präsentieren und einen Propagandasieg erringen?

Wladimir Putin: Im Propagandakrieg ist es sehr schwierig die Vereinigten Staaten zu besiegen, weil die Vereinigten Staaten alle Medien der Welt und viele europäische Medien kontrollieren. Der eigentliche Nutznießer der größten europäischen Medien sind amerikanische Finanzinstitute. Wussten Sie das nicht? Es ist also möglich, sich an dieser Arbeit zu beteiligen, aber es ist sozusagen unerschwinglich. Wir könnten einfach unsere Informationsquellen ins Rampenlicht stellen, aber wir werden keine Ergebnisse erzielen. Es ist der ganzen Welt klar, was damals passiert ist. Selbst amerikanische Analysten sprechen direkt darüber.

Tucker Carlson: Das ist wahr, ja. Aber hier ist vielleicht eine Frage, die Sie beantworten können. Sie haben bekanntlich in Deutschland gearbeitet. Die Deutschen wissen natürlich, dass ihr NATO-Partner das getan hat, aber sie und es hat ihrer Wirtschaft sehr geschadet. Sie wird sich vielleicht nie wieder erholen. Aber warum schweigen sie dazu, die Deutschen. Das ist für mich sehr verwirrend. Warum sagen die Deutschen nicht etwas dazu?

Wladimir Putin: Das verwirrt mich auch, aber die heutige deutsche Führung lässt sich eher von den Interessen des kollektiven Westens führen als von nationalen Interessen leiten. Anders lässt sich die Logik ihres Handelns oder Nichthandelns nur schwer erklären. Schließlich geht es nicht nur um Nord Stream 1, das in die Luft geflogen ist und Nord Stream 2 wurde beschädigt, sondern ein Rohr ist sicher und gesund und Gas kann man durch das Rohr nach Europa liefern aber Deutschland öffnet sie nicht. Wir sind bereit. Bitte. Aber es gibt noch eine andere Route durch Polen, die Jamal Europe, die ebenfalls einen großen Durchfluss ermöglicht. Polen hat sie geschlossen, aber Polen pickt aus der deutschen Hand. Es erhält Geld aus den paneuropäischen Fonds und Deutschland ist der Hauptgeldgeber für diese paneuropäischen Fonds. Deutschland ernährt Polen bis zu einem gewissen Grad und es schließt seine Route nach Deutschland. Und warum? Ich verstehe die Ukraine nicht, an die die Deutschen Waffen liefern und Geld geben. Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Sponsor von Finanzhilfen für die Ukraine. Es gibt zwei Gasrouten durch die Ukraine. Sie haben einfach eine Route geschlossen. Die Ukrainer öffnen die zweite Route und holen Gas aus Russland. Sie öffnen sie nicht. Warum sagen die Deutschen nicht „Seht her, Jungs. Wir geben euch Geld und Waffen. Macht das Ventil auf. Bitte lasst das Gas aus Russland für uns durch. Wir kaufen in Europa Flüssiggas zu exorbitanten Preisen, was unsere Wettbewerbsfähigkeit und unsere Wirtschaft im Allgemeinen auf den Nullpunkt bringt.“ Sie wollen also, dass wir Ihnen Geld geben. Lasst uns ein anständiges Leben führen um Geld für unsere Wirtschaft zu verdienen, denn von dort kommt das Geld, was wir euch geben. Sie weigern sich dies zu tun und warum? Fragen Sie sie. Das ist es, was in ihren Köpfen vorgeht. Das sind höchst inkompetente Leute.

Tucker Carlson: Nun. Vielleicht zerfällt die Welt in zwei Hemisphären. In einer mit billiger Energie, die andere ohne und ich möchte Sie fragen ob wir nun eine multipolare Welt sind, was wir offensichtlich sind. Können Sie diese Blöcke der Allianzen beschreiben? Wer ist auf welcher Seite? Was denken Sie?

Wladimir Putin: Hören Sie. Sie haben gesagt, dass die Welt in zwei Hemisphären zerfällt. Das menschliche Gehirn ist in zwei Hemisphären unterteilt. Der eine Teil ist für eine bestimmte Art von Aktivitäten zuständig, der andere ist eher für Kreativität zuständig usw. Aber es ist immer noch ein und derselbe Kopf. Die Welt sollte ein einziges Ganzes sein. Sicherheit sollte geteilt werden und nicht nur für die goldene Milliarde bestimmt sein. Dies ist das einzige Szenario, in dem die Welt stabil, nachhaltig und vorhersehbar sein könnte. Bis dahin ist der Kopf zwar in zwei Teile gespalten, aber es handelt sich um eine Krankheit, eine ernsthafte Beeinträchtigung. Es ist eine Zeit schwerer Krankheiten, die die Welt derzeit durchmacht. Aber ich denke, dass diese Arbeit dank des ehrlichen Journalismus mit der Arbeit der Ärzte vergleichbar ist. Dies könnte irgendwann geheilt werden.

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11 Antworten

  1. Es ist immer wieder das gleiche Spiel. Die größten Diebe schreien am lautesten. Haltet den Dieb, er hat mein Messer im Rücken.
    Das unser System nunmal wie Monopoly funktioniert, brauchen wir einen Sieger. Es wird Russland beschuldigt sich Imperial zu verhalten und als nächstes nach Europa greifen zu wollen. Genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Hätte es damals nicht einen Wechsel an der Spitze Russlands gegeben, Putin für Jelzin, wäre Russland wahrscheinlich noch immer Lieferant von Naturschätzen ohne eigene Einnahmen.
    Erst Putin hat diesem Spiel der Oligarchen ein Ende gesetzt. Kein normaler Mensch wollte je Krieg. Es waren immer die Interessen der oberen 2%. Keiner kennt diese Leute und auch werden deren Kinder niemals auch nur in die Nähe einer Kampfhandlung kommen.
    Solange es möglich ist mit Krieg Geld zu verdienen wird es sich nicht ändern. Leider.

  2. Putin hat mal gesagt, er sei nicht der Freund Deutschlands sondern der Präsident der Russischen Föderation. Offensichtlich geht es ihm in erster Linie um die Interessen Russlands. Ich finde das nicht verwunderlich. Wer den Krieg beenden möchte, sollte sich darüber klar sein, dass es eine militärische Lösung, die den Wünschen der Ukraine entspricht wohl nicht geben wird, vielleicht auch keine, die den Wünschen Russland gerecht wird. Nur je länger es dauert desto größer wird das menschliche Leid und der materielle Schaden – auch hier in Mittel- und Westeuropa, welches durch die Ereignisse massiv geschwächt wurde und diesen Krieg für sich schon verloren hat. Die EU, die als eigenständiger Machtfaktor weder Russland noch den USA allzu sehr am Herzen liegt, ist z.Z. fremdbestimmt in der Bedeutungslosigkeit verschwunden und in ihrem Erhalt gefährdet. Auch das ein langfristig nicht abzusehender Schaden für uns.

    1. Die schlimmste Erkenntnis der letzten Jahre ist für mich, dass es die EU nicht geschafft, eine unabhängige Position zwischen den Machtblöcken der alten Großmächte zu entwickeln. Und immer noch am Rockzipfel der USA hängt. Zwar haben wir mit der EU eine Superbürokratie entwickelt, die inzwischen vom Verschluss von Plastikflaschen bis zur Wärmedämmung alles regelt, politisch sind wir jedoch keinen Schritt weiter gekommen. Und gäbe Gott, dass eine solche divergente EU mit ihrer nicht legitimierten Führung und ihren undurchsichtigen Strukturen, keine Atomwaffen besitzt. Wer würde schon einer Bürokratie zutrauen wollen, über den Einsatz von Atomwaffen zu entscheiden? Wenn es ganz dumm läuft, und das ist nicht auszuschließen, würde Frau Strack-Zimmernann, die ehemalige Verlagsvertreterin für Kinder – und Jugendbücher den Roten Knopf drücken. Man muss in die Satire ausweichen, um den Wahnsinn der heutigen Politik offenzulegen. Dann doch lieber die deutsche Wirtschaft von einem Kinderbuchautor, und selbstverständlich Philosophen, wie Habeck, im Auftrag der Grün-Sekte, zerlegen lassen. Warum wurde schon vor Jahrzehnten Scientology die staatliche Förderung als Religionsgemeinschaft entzogen, wenn solche Sekten als politische Parteien getarnt, ihr Unwesen treiben dürfen? Nun wissen wir, die menschliche Dummheit ist unendlich. Da hilft wie zu Zeiten der Stoiker im Rom der Jahrtausendwende nur, sich wie Seneca auf seine Latifundien zurückzuziehen, oder falls solche fehlen, sich zuhause in Demut zu üben, bis die Narretei vorbei ist, und dabei Senecas Werk ÜBER DAS GLÜCK zu lesen.

      1. Gute Idee! Wenn das nicht verfängt, LaoTse könnte die Gelassenheit fördern, etwas was wohl die meisten von uns dringend gebrauchen könnten.

  3. Eben, Herr Linsner. Der letzte Satz gilt! Es ist schwer sich eine Meinung zu bilden, aber nicht unmöglich. Es ist sogar leichter als vor fünfzig Jahren, wo man dem Mainstream alles glauben musste, da es kein Internet und keine Alternativen Medien gab. Wenn ich nur daran denke, wie absolut verlogen im Westen die Kuba-Krise dargestellt wurde. Lesen Sie doch mal zum Ukraine-Konflikt seit 2012, vielleicht ändern Sie dann Ihre Meinung?

    1. Dass die Ukraine (die Politik) kein Knabenchor ist, weiß ich natürlich. Das ist aber kein Grund, massenhaft unschuldige Menschen zu ermorden. Es erschreckt mich, dass es hier im Jahr 2024 noch zwei Meinungen gibt.

      Es gibt eine Zeile aus einem alten Song: “Warum ist Töten und ist Töten nicht das selbe, in Uniform stellt man es noch zur Schau. Ja das bleibt immer ein Geheimnis, das weiß niemand so ganz genau.”

      1. Ich hoffe, sie zählen in Ihrer Bilanz die ab 2016 ca 12 bis 20 Tausend von der Ukrainischen Armee getöteten Zivilisten im Donbass mit. Und Sie bedenken auch, dass die NATO die Ukraine seit 2008 systematisch aufgrüstet hat, den Maidan Putsch mit mindestens 5 Mrd Dollar langfristig unterstützt hat und die Aufnahme in die NATO und die EU wollte, statt eine neutrale Pufferzone zu Russland zuzulassen. Der Krieg hätte noch im März 2023 vermieden werden können, wenn der Westen das damalige Verhandlungsergebis zwischen der Ukraine und Russlands nicht arrogant abgelehnt hätte. Boris Johnson wurde dazu extra nach Kiew geschickt, etc, etc. Und nun! Erneutes Scheitern des Wertewestens wie schon in Vietnam, dem Irak, Afghanistan, Syrien, Lybien, um nur einige der westlichen Kriegsabenteuer zu nennen. Was lernen wir daraus? Nix.

  4. Zu Ihren Fragen kennt jeder kritische und nicht Mainstreammedien hörige Leser die Antwort. Schade, das der Rest der Bürger nicht erkennt, wie arm wir regiert werden.

  5. Nun, ich habe bisher nur Auszüge des Interviews gesehen bzw. gelesen. Am Wochenende werde ich es mir ansehen. Allerdings habe ich einige Rezeptionen dazu gelesen. Die NZZ steigt mit der Bemerkung ein, man erführe ja nichts Neues. Das ist eine komische Erwartungshaltung. Was sollte es Neues geben in einer Welt in der minütlich über jeden Pubs berichtet wird? Putin und Carlson hatten vielleicht dasselbe Motiv, dieses Interview zu führen, nämlich dem Durchschnittsamerikaner die Sicht Russlands auf die Welt und ihre Konflikte zu zeigen. Das ist löblich, scheitert jedoch im Westen, insbesondere in den USA, an einer Generation, die keine historische Bildung mehr hat. Anders in Rusland wo jedes Kind die Historie kennt, wenn auch durchaus aus deren Perspektive. Nur was ist die westliche Perspektive? Historie als eine Aneinanderreihung von Jahreszahlen und Schlachten? Deshalb auch das Erstaunen über Putins historischen Exkurs. Zu Ihren Fragen: Natürlich würden weder Scholz noch Biden einem russischen Journalisten ein so langes Interview geben. Letzterer wäre dazu kognitiv gar nicht in der Lage. In einem solchen Interview müsste man Farbe bekennen, da helfen keine Politstanzen und Satzgirlanden. Keiner von beiden würde das intellektuelle Niveau Putins erreichen, weil unsere Führer keine umfassende Bildung haben, wie sie in Russland noch vermittelt wird. Aber, abgesehen davon, Bildung macht noch keinen besseren Menschen. Worum es wirklich geht ist, dass Politiker aufrichtig genug sein müssen, einzusehen dass jede Großmacht Interessen hat, die ernst zu nehmen sind. Und dass nur aus deren gegenseitigen Berücksichtigung Frieden erwachsen kann. Soweit war man in Europa schon einmal nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg und dem Wiener Kongress. Leider wissen die Amerikaner rein garnichts darüber, aber auch der durchschnittliche Europäer, die Politiker eingeschlossen, nicht. Deshalb muss die Lektion noch ein drittes Mal schmerzhaft gelernt werden. Wer nichts weiß und nicht hören will, muss fühlen.

    1. Wenn das intellektuelle Niveau Putins dazu ausreicht, einen Angriffskrieg mit tausenden Toten, die des Nachts überrascht wurden, zu führen, kann man ihm ja nur gratilieren. Und er spricht von Heilung. Aber was weiß ich schon.

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