von Peter Löcke //
Sonntagabend. Das Sommerinterview der ARD mit Alice Weidel. Für mich zu viel des Schlechten. Der Leiter des Hauptstadtstudios heißt Markus Preiß. Ich googel ihn. Sein letztes Buch heißt „Angezählt“. Das passt. Danach tauche ich ab in Stille.
Montagmorgen. Ich tauche wieder auf. Verbringe den Tag auf den sozialen Kanälen des Zentrums für politische Schönheit. So nennen sich die berühmt gewordenen Aktivisten. Oder handelt es sich um Terroristen? Ihren Bus „Adenauer SRP+“ nennen sie Gefechtsstand. Der Eindruck meiner Recherche? In der Luft liegt ein penetranter Gestank von Roter Armee Fraktion. Die Jungs sind gut vernetzt im Kulturbetrieb. Haben Freunde in den Medien. Ich googel nach den Gründern der RAF und erinnere mich. Die waren ebenfalls gut vernetzt im Kulturbetrieb. Hatten Freunde in den Medien. Für mich zu viel des Schlechten. Danach tauche ich ab. Ich tauche länger ab.
Ich tauche in den Wald, in die Natur und in den Frieden. Ich tauche ein in eine stille Güte. Es gibt so viel Gutes in der Welt. Man muss einfach nur die Augen öffnen und das Gute annehmen. Es ist seltsam. Demut macht mutig. Das Gefühl der eigenen Unwichtigkeit gibt Kraft. Stille spricht.
Freitagmorgen. Die Arbeit ruft. Endlich tauche ich auf. „Bonjour tristesse“ würde Françoise Sagan sagen. Der Wahnsinn begrüßt mich mit einem höhnischen Guten Morgen. Ein Zuviel an traurigen Nachrichten. Welche?
Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner von der CSU dreht der AfD-Abgeordneten Katrin Ebner-Steiner das Mikrofon ab. Die Oppositionsrede war Aigner nicht versöhnlich genug. Erinnern Sie sich an die unversöhnliche Corona-Hetzrede der Grünen Katharina Schulze an gleicher Stelle? Damals wurde nicht interveniert.
Derweil setzt Baden-Württembergs Vize-Landtagspräsident Daniel Born von der SPD ein Zeichen. Er setzt ein Hakenkreuzzeichen auf einem Stimmzettel. Die Nummer fliegt auf und wird zum Propaganda-Eigentor. So ein Pech.
2,5 Millionen Leben wurden insgesamt durch die Impfung gerettet. Sagt die neueste Modellierung. 20 Millionen Leben wurden allein 2021 durch die Impfung gerettet. Sagte die letzte Modellierung im letzten Monat. Kein Kommentar.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche möchte Rentenanreize stoppen. Der Deutsche soll gefälligst mehr und länger arbeiten. Ja dann.
Der Hitzesommer tarnt sich gut! Das verrät mir t-online. Das macht er in der Tat. Wetter und Klima befinden immer weniger im Einklang. Und sonst?
Die Ukraine erleidet Rückschläge bei der Demokratisierung. Seltsam. Ist die Ukraine also gar nicht demokratisch?
Freitagmittag. Das war das Ergebnis von dreißig Minuten Medienkonsum. Zu viel des Schlechten. Ich tauche wieder ab. Doch vorher schreibe ich dem Herausgeber dieser Plattform noch schnell ein Email. Mit meiner nächsten Kolumne darf er bis spätestens Samstagmittag rechnen. Ich verspreche es ihm.
Samstagmorgen. Ich schaue auf meinen vorbereiteten Text. Dem fehlt nur noch der letzte Schliff. Die Kolumne ist wirklich gut. Ist sie das? Vielleicht ist sie gut geschrieben. Nur steht dort zu viel des Schlechten. Das will doch niemand lesen. Also landet der Text im digitalen Mülleimer.
Ich greife zu meinem Handy. Möchte meinem Freund und Arbeitgeber eine kurze Nachricht schicken. Ein Mea Culpa für mein gebrochenes Versprechen. Um etwas Aufschub bitten. Da sehe ich einen kurzen Text im WhatsApp-Status von Markus Langemann.
Die Zukunft des Schreibens liegt nicht mehr in Worten.
Da hat er Recht. Stille spricht. Taten zählen. Der Blick auf das Gute zählt. Also verwerfe ich all meine Pläne und schreibe spontan diesen rohen Text an Gedankenfetzen. Frei von der Leber weg. Ohne schmückende Adjektive. Ohne verschachtelte Sätze. Vielleicht nicht gut geschrieben. Aber echt.
Die Kolumne ist fertig. Ich schaue ein zweites Mal auf den Zweizeiler meines selten verlegenen Verlegers. Ups! Ein Freudscher Verleser meinerseits. Mein Gehirn hatte zwei Worte verdreht und den zweiten Teil des wahrlich nicht langen Textes ausgeblendet.
Die Zukunft des Schreibens liegt nicht in mehr Worten, sondern in mutigeren.
Beim nächsten Mal. Versprochen! Bis dahin wünsche ich allen Lesern und Schreibern des Clubs der klaren Worte einen schönen Tauchgang in friedlicher Stille. Es gibt kein Zuviel an schönen Dingen. Für das Aufzählen der schlechten Dinge möchte ich mich entschuldigen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

10 Antworten
Lieber Herr Langemann,
Lieber Herr Löcke,
Herrlich, Einfach Herrlich!
Besten Dank
Volker Schöwel
Lieber Herr Langemann,
Lieber Herr Löcke,
ein großer Dank an Sie, für Ihre Arbeit, ihr Durchhaltevermögen und vor allem für Ihre exquisite Schreib- u. Ausdrucksweise, es ist ein wahrer Genuss für Körper, Geist und Seele!
Hochachtungsvoll,
Greß Michael,
Betriebsleiter einer kl. Metzgerei in einem Stadtteil v. Regensburg
In der Stille werden alle Sinne (wie z.B. Augen und Ohren) geschärft, all´ das Schöne um uns herum zu sehen, zu erkennen, wahr-zu-nehmen. Und dieses Schöne gibt uns ein Ziel vor, das wir erreichen wollen.
Schlechtes ist für mich kein Ziel.
Und nun zur Idylle des Lederschuheputzens: Schon mal 15 Paar Schuhe – 1 x / Woche – für die ganze Familie putzen müssen? Danach nimmt die Eleganz der Schuhe mit der Putzdauer deutlich ab…
Trotzdem war das Hohelied auf die noch Rahmenvernähten doch mal wert gelesen zu werden. Danke.
Ein solcher halbhoher, lammfellgefütterter Winterstiefel hatte bei mir eine Haltbarkeit von 40 Jahren erreicht.
Danke!
Die „mutigen Worte“ könnten dann zu Mobbing führen, oder sogar Ausschluss aus einer Gruppe, z.B. einem Chor, usw.
Alles schon erlebt.
Manchmal schwappt einem die Leber über.
War die Corona-Zeit nicht eine sog. Wasserscheide? Spreu und Weizen trennten sich innerhalb Monaten?
Und plötzlich stellte man fest, dass auch andere Themen nicht mehr verschwiegen werden konnten. Es war zu offensichtlich, wie auch in Politik und Wissenschaft die Kenntnisse und Meinungen auseinandertrifteten. Und schliesslich noch das Thema „Spiritualität“, auf einmal sah man seine Kirche für Andersdenkende verschlossen. Muss mal wieder tief einatmen!
Wie wohl die kommende Woche uns überraschen wird?
War es bei Ihnen ein Kirchenchor…?
Es tut gut und richtig, sich Gedanken und Gefühle einfach von der Seele zu schreiben ….ein roher Text ist auch ein klarer Text und spricht sicher nicht nur mir aus der Seele. Ich genieße -wie Sie- den Wald, die Natur als Rückzugsort, als einen Ort der Stille, am liebsten am frühen Morgen, um diesen ganzen negativen Nachrichten, Stimmungen und Handlungen, die aggressiv und undemokratisch sind, wenigstens für ein paar Stunden zu entkommen. Vielen Dank Herr Löcke!
Wir leben immer noch in einem materiellen Wohlstand, den sich vor zwei Generationen niemand vorstellen konnte und sind immer noch in größerer Freiheit als zur Zeit des zwölfjährigen Tausendjährigen Reiches oder unter der sozialistischen Diktatur in Mitteldeutschland, die immerhin 44 Jahre überdauerte. Könnte sein, dass es noch schlimmer wird. Vieles deutet daraufhin, es herrscht große Ungewissheit. Heulen und Zähneklappern allerorten. Einige sehen in diesen schweren Krisen allerdings auch Chancen. Corona hat mindestens ein Drittel der Menschen aus dem Tiefschlaf gerissen. Davor hatten vielleicht fünf Prozent verstanden, was gespielt wird. Ich hatte 1981 als junger Student an meinem ausgeleierten Mercedes ein D Schild, in dessen Mitte ein Chiquita Aufkleber prangte. Ich sah mich damals als konservativen Liberalen, hatte also in der herrschenden Parteienlandschaft keine Heimat. Das geht heute wahrscheinlich ganz vielen Wählern so. Das muss niemanden, der nicht politisch aktiv werden möchte, davon abhalten, gesellschaftlich aktiv zu werden. Ich glaube, dort ist die Möglichkeit einer positiven Einflussnahme deutlich größer als in z.B. politischen Parteien. Jeder, der möchte, darf auch wählen gehen – wer z. B. gegen den Krieg in Gaza ist, findet bestimmt eine Partei, die dort für Frieden eintritt.
Klasse – einfach klasse. Sowohl der Text zum Thema Schuhe als auch der von Peter Löcke. Vielen Dank. Ein Lichtblick in trüben Zeiten.
Herzliche Grüße
„Vielen Dank für dieses wundervolle Plädoyer für mehr Stille“ sagte sie und schwand dahin, gen Teutoburgerwald, um in der Stille den Verstand zu verlieren und die Seele wiederzufinden
Danke Katharina.