Whistleblow

Voldemort

von Peter Löcke //

Voldemort. Das ist der, der nicht genannt werden darf. Als ich erstmalig eine Harry Potter-Verfilmung auf der Leinwand sah und das Kind neben mir mich aufklärte, wie der namenlose böse Zauberer tatsächlich heißt, rief ich spontan den Namen Voldemort in den Kinosaal hinein. Kindisch. Extrem kindisch. Ich weiß. Der Kinosaal war zu Recht genervt. Und dennoch hat es mir Spaß gemacht.

Der Voldemort der Politik ist die AfD. Das sind die, die man verhindern muss. Mit denen darf man nicht mal sprechen. Kontaktschuld. Sie wissen schon. AfD-Politiker wie ihre Wähler müssen ausgegrenzt werden. Warum wird eine solche Ausgrenzung nicht nur als legitim, sondern sogar als moralisch gute Tat empfunden? Weil man gefälligst Menschen ausgrenzen muss, die selbst ausgrenzen. Die Logik dahinter ist folgende: Ich bin tolerant, du bist es in meinen Augen nicht. Deswegen toleriere ich dich nicht. Keine Toleranz der Intoleranz.

Notfalls muss eine demokratische Wahl wie die in Thüringen autoritär per Merkel-Dekret rückgängig gemacht werden. Die Demokratie musste mit undemokratischen Mitteln verteidigt werden. Welch Quadratur des Kreises. Welch unlogische Logik. Ob Politik, Medien oder Mitmenschen – man bedient sich genau der Mittel, die der AfD unterstellt werden. Man begegnet der AfD und ihren Wählern mit Mitteln der Ausgrenzung, Diffamierung und Intoleranz. Warum? Weil es sich in der veröffentlichten Meinung um eine Partei handelt, die ausgrenzt, diffamiert und intolerant ist. 

„Wir müssen die AfD mit Argumenten stellen.“ 

Diese Losung wurde 2013 ausgerufen, als die AfD geboren wurde und schnell eine Größe entwickelte, die es in die Parlamente schaffte. Schaue ich heute bei Wikipedia nach, stelle ich fest: Rechtsextreme, Klimaleugner, Homophobe, Nationalisten, Islamfeinde und neuerdings Russland-Freunde. Puh. Wäre ich noch vierzehn und stünde am Anfang meiner politischen Meinungsbildung, würde ich mit solchen Unmenschen nichts zu tun haben wollen. Nur sind das alles keine Argumente. Das sind Kampfbegriffe und Diffamierungen. Das sind als Enzyklopädie-Tatsache verkaufte Tatsachenbehauptungen. 

Erinnern Sie sich an den Auftritt von Armin Laschet bei Sandra Maischberger im Juni 2021? Leidenschaftlich bis panisch forderte der damalige Kanzlerkandidat die Talkshow-Ikone auf, die AfD in Sachsen-Anhalt zu verhindern. Die Prognosen gingen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Nochmal würde man mit einer Wahlrückgangs-Nummer nicht durchkommen. So viel stand fest. Erstaunlich an diesem Aufruf waren zwei Dinge. Laschets Appell war und ist definitiv nicht Auftrag der Medien, vor allem nicht gesetzlich verankerter Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen. Dementsprechend war Sandra Maischberger ausnahmsweise auf Zack und wies die Forderung empört zurück. Noch erstaunlicher war Laschets Dummheit, denn dieser selbst entlarvende Appell war eigentlich vollkommen unnötig. Wozu Laschet aufrief, passiert ohnehin. Inoffiziell. Politiker der AfD werden selten in die Talkshows und Morgenmagazine eingeladen. Man redet über sie und nicht mit Ihnen. Die seltenen Fälle, in denen Weidel und Co. in ein TV-Studio eingeladen werden, gleichen Schauprozessen. Die verhörenden Journalisten treten als Staatsanwaltschaft, Ermittlungsbehörde und Richter in Personalunion auf. Das Urteil rechtsradikal ist gesprochen, noch bevor der Prozess beginnt.

Wie schaut es in den Landtagen, wie im Bundestag aus? Dort gibt es ein ungeschriebenes Gesetz. Stimme nie einem Antrag der AfD zu! Dann werden sie kontaktschuldig im Sinne der Anklage. Gerne kann man einen Gesetzentwurf der AfD kopieren und ihn einen Monat später als eigene Idee verkaufen. Das funktioniert. Aber niemals der AfD zustimmen. Never ever. Das wäre politischer und medialer Selbstmord.

Sie vermuten in mir einen Anhänger? Sie lesen hier ein Plädoyer für die AfD? Ganz und gar nicht. Ich sehe vieles in der AfD kritisch. Ich halte vereinzelte Aussagen ebenfalls für bedenklich, rechtspopulistisch und ausgrenzend. Einerseits. Für ebenso populistisch und ausgrenzend halte ich aber den generellen Umgang mit der AfD. Verstehen Sie bitte diese Kolumne als Kritik an der vorherrschenden Doppelmoral und Heuchelei. Und als Aufruf für eine  journalistische Gleichbehandlung. Es ist ein Plädoyer dafür, miteinander zu reden, statt einander zu diffamieren. Wir müssen die AfD mit Argumenten stellen? Eben das passiert selten bis nie. Jeder ist eingeladen, damit anzufangen. 

Nachdem ich mich sowohl bei Sympathisanten wie bei Kritikern der polarisierenden Partei, die wahlweise als blau oder braun wahrgenommen wird, unbeliebt gemacht habe, ein fun fact. Es gab schon mal eine Partei, die unbedingt verhindert werden musste. Die wurde 1980 gegründet und scheiterte noch zehn Jahre später an der Fünfprozenthürde. Vor Wahlen mussten sich alle anderen Parteien von diesen Spinnern distanzieren. Kontaktschuld. Sie wissen schon. Einige Mitglieder waren bekennende Staatsfeinde und wurden teilweise vom Verfassungsschutz beobachtet. Einige dieser Staatsfeinde von damals bekleiden im Jahr 2022 höchste Staatsämter. Ich habe mit Ihnen sympathisiert, weil ich stets Mitgefühl hatte mit Menschen, die ausgegrenzt werden. Diese Partei war eine bekennende Friedenspartei. NATO-kritisch. Zumindest bis zum Kosovo-Krieg 1999. Der Voldemort meiner Jugend waren die Grünen. Das hässliche Entlein von damals hat sich selbst zum Schwan und zum Harry Potter der Neuzeit transformiert. Oder ist es in Wahrheit umgedreht?

Die Grünen? Das sind die, mit denen heute jeder genannt werden möchte. Jede andere Partei möchte transformativ kontaktschuldig werden. Jede Partei, außer der, die nicht genannt werden darf. 

Schauen Sie mal auf den Wikipedia-Eintrag der Grünen und vergleichen ihn mit dem der AfD.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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13 Antworten

  1. Wenn ich mir die Redekultur in unserem völlig überbesetzten aber scheinbar permanent unterbelegten Bundestag so anschaue, muss ich feststellen, dass ich die Reden der AfD immer als die besten, weil aufrichtiger und ehrlicher empfinde. Die sog. “Altparteien” (über diesen Begriff sollte man mal ausgiebig nachdenken, stehen wir doch sonst in allem immer für permanente ErNEUerung!) benehmen sich wie kleine Kinder mit penetrant störenden Zwischenrufen (leider in den wenigsten Fällen durch den/die/das Bundestagsvorsitzende/n/s verhindert) und Protesten. Und dies, obwohl – dessen bin ich mir gewiss – diese die ein oder andere Aussage durchaus für gut und richtig befinden. Also, insgeheim natürlich. Darf man ja nicht offen zugeben. Und genau hier liegt die große Chance der AfD: sie spricht vielen Bürgern aus dem Herzen, während die “Alten” nur noch abgehoben und distanziert wirken. Ganz zu schweigen von Annalena, unserem rhetorischen Totalausfall! Und in ihrer verzweifelten Lage wählen sie die Grünen, obwohl die längst nicht mehr die Partei sind, die sie mal war. Weil, AfD “darf” man ja nicht, also hat man anscheinend keine Alternative. Nun, die Grünen sind gerade auf dem besten Weg, sich selbst zu zerlegen. Und welche Alternative haben wir dann? Genau: die richtige!

  2. Was die AfD anbelangt wurden mir die Augen geöffnet durch den jetzt leider viel zu früh verstorbenen Markus Gärtner mit seinen Politik-Spezial-Videos, in denen er auch super Leute aus dieser Partei interviewte. Bis dahin hatte ich sie nicht für voll genommen. Wie auch, bei Der öffentlichen Ausgrenzung? Auch ich hatte mich unbewusst der “öffentlichen Meinung” angepasst. Wie sehr muss man da zukünftig aufpassen, um nicht wieder in die gleiche Falle zu tappen. Es sollen junge CDU-ler ua zur AfD gewechselt sein. Leider sind sie für mich noch nicht wählbar. Am Liebsten würde ich mir eine Regierung mit guten Vertretern aus ALLEN Parteien zusammenstellen. Das hielte ich für eine interessante Innovation, wenn doch das zZ bestehende Angebot unwählbar geworden ist.

  3. Es führt kein Weg an dieser Erkenntnis vorbei: mit dem erneuten Umfallen der FDP gibt es in Deutschland keine Partei mehr, die sich ohne Wenn und Aber für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzt. Alle Parteien sind durch Ja-Sager und Mitläufer grün-sozialistischer Ideen und Konzepten unterwandert – bis auf die AfD. Dass daraus kein Pluspunkt für die AfD resultiert, dafür sorgt die rechtsradikale Gesinnung nicht weniger ihrer Funktionsträger.

    Als Wähler steht man ratlos vor dem aktuellen Parteienkonstrukt und kann es drehen und wenden so oft man will. Es gibt für mich aktuell keine wählbare Partei jenseits der 5%-Hürde, die die Freiheitsrechte der Bürger achtet und sich umsetzbare Konzepte für die Zukunft, z.B. in der Energie- und Verkehrspolitik, auf die Fahnen geschrieben hat.

    Da die Nichtwählerstimmen genau wie die Wahl von Parteien unter der 5%-Hürde keinen Einfluss auf Größe und Besetzung des Bundestages nehmen, bringt auch Nichtwählen oder die Wahl einer Kleinstpartei nichts. Für mich als Wähler stellt sich die Situation bei Wahlen zunehmend als klassische Zwickmühle heraus. Es gibt aktuell keinen Ausweg.

    1. Lieber Herr Aßmann, den Ausweg gibt es schon. Wie lange haben denn die Grünen gebraucht bis sie in die Parlamente einzogen. Da war Töpfer schon längst durch den Rhein geschwommen. Die Parteien im Bundestag hatten lange bevor endlich Grüne Mandate bekamen, Ideen der Grünen als die ihren verkauft. Glauben Sie denn, ohne die in ihrer Größe und Dauer beispiellosen Proteste hätte die allgemeine Impfpflicht vermieden werden können? Es gibt auch z.Zt. noch chancenlose neue Parteien, die staatlicherseits immerhin so ernstgenommen werden, dass mit einer besonders engen Betreuung durchaus zu rechnen ist. Die Parteien aus der großen Gesundheitskoalition schauen genau auf den Erfolg der Gegenspielers. Das heißt, Stimmen, die dorthin gehen, sind nicht verschwendet, ganz im Gegenteil. Das kommt direkt an im Kanzleramt. Die AfD zu wählen mit der Begründung, dann ginge die Stimme nicht verloren, ist aus meiner Sicht fragwürdig. Selbst wenn die AfD 25% bekäme, würde sie niemals Regierungsverantwortung bekommen. Vielleicht ist das auch besser so mit unserer angeschlagenen Gewaltenteilung und überproportional hohen Anteilen von AfD Anhängern in Polizei und Militär.

  4. Danke Herr Löcke, dass Sie sich auf dieses dünne Eis wagen – schließlich sind Sie fortan als Rechtsradikaler einzuordnen und nicht mehr gesellschaftsfähig. Was mich betrifft, sind mir die überwiegend bodenständigen und von gesundem Menschenverstand geprägten Ansichten der AfD allemal lieber, als die links-grün-queer triefende Ideologie der sogenannten Volksparteien. Freilich gibt es bei der AfD auch ein paar Menschen mit diskussionwürdigen Positionen, aber die gibt es andernorts genauso, nur eben links. Aber linksextrem ist ok, die meinen es ja nur gut, die wollen nur spielen.

  5. Diese Sache mit dem Ministerpräsidenten Kimmich von der FDP, der zurückgetreten wurde von der Bundespartei, war keine demokratische Glanzleistung. Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD, gratulierte Kimmich damals mit einer exakten Nachahmung des Dieners von Hitler zu Hindenburg, als er Reichskanzler wurde. Das ist sicher vielen aufgefallen. Ich glaube nicht, dass diese Geste im Sinne der AfD war, hat sie doch die AfD in die Nähe der Machtergreifung 1933 gerückt. Höcke hat auch zur Teilnahme an der zweiten großen Querdenker Demonstration in Berlin aufgerufen, obwohl er wissen mußte, dass er damit viele Menschen von einer Teilnahme abschrecken würde. Einige fragen sich, ist er echt oder nicht echt? Ich wünschte mir, die FDP hätte sich unserer Freiheitsrechte angenommen und hätte den Widerstand gegen die freidrehenden Coronaapostel:innen im Bundestag bei deren Grundrechtseingriffen geleistet. Freie Demokraten, das war leider nichts. Der RTL Schwiegersohn (der in Sylt usw.) sah sich nicht genötigt. Statt dessen war die AfD um Aufklärung bemüht, zumindest in dieser Sache eine Tatsachen basierte Diskussion zu führen und den doofen Linksinterlektuellen fällt nichts anderes ein, als jede Diskussion zu verweigern. Der Freitag ist, soweit mir bekannt, die einzige linke Zeitung, die nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes im Bundestag zur Corona Politik eingelenkt hat, immerhin. Es gibt einige Nachfahren von in den im „1000“ jährigen Reich verfolgten Menschen, die uns als Bürger vor faschistischen Tendenzen in Deutschland warnen. Die haben die Regierungen in Bund und Ländern gemeint, in denen alle Parteien außer der AfD vertreten sind. Seitens der UNO gab es einen niederschmetternden Bericht über unverhältnismäßige Polizeigewalt in nie bekanntem Ausmaß in der BRD, ähnliche Feststellungen zur Pressefreiheit noch oben drauf. Mit der Ukrainekrise geht es genauso weiter und wir sollten hoffen, dass Annalena, als ihr die wahren Umfrageergebnisse herausgerutscht sind, nicht Recht behält mit bevor stehenden Unruhen auf unseren Straßen.

  6. Ist es nicht das Natürlichste von der Welt, dass Menschen selbst entscheiden wollen dürfen, frei auswählen wollen dürfen, welche Menschen sie in ihr Privatleben einlassen und mit welchen Menschen sie Tauschhandel betreiben wollen und mit welchen nicht? Wen lade und lasse ich in mein Haus, meine Wohnung ein und wen nicht? Mit wem möchte ich gemeinsam etwas unternehmen und wem nicht? Welchem Arzt möchte ich mich bei Unwohlsein anvertrauen und um Rat fragen und welchen nicht? Welches Produkt ziehe ich einem anderen Produkt vor? Welche Dienstleistung möchte ich in Anspruch nehmen und welche nicht? Nicht anders verhält es sich auch mit der persönlichen Auswahl, die Geschicke seines gesamten Lebens in fremde Hände legen zu wollen, sich der Leitung einer Person oder Personengruppe unterzuordnen oder die Geschicke seines eigenen Lebens in die eigenen Hände nehmen zu wollen. Ich vermisse seit mittlerweile einem halben Jahrhundert die Akzeptanz und Toleranz von politisch interessierten und engagierten Mitmenschen gegenüber allen an Politik und Fremdbestimmung nicht interessierten Menschen. Parteien und Politiker klagen über Nichteinhaltung der Spielregeln, die sich Politik irgendwann einmal einfach selber gegeben hat und seither immer weitere an ihnen willkürlich herumbastelt. Diese ihre Regeln und sich ständig ändernden Regeln sind ihre Regeln, aber nicht meine. Niemand hat mich jemals gefragt, ob ich diesem merkwürdigen Club (Staat) überhaupt angehören möchte, dieses System überhaupt als Dienstleister für Schutz und Sicherheit frei auswählen würde, für den es angeblich primär stehen soll. Auch ist in diesem System nirgends vorgesehen, dass die Menschen, die mit diesem angeblichen Schutz- und Sicherheitsanbieter und mittlerweile Geld-, Bildungs,- Gesundheits-, Alters-, Pflege-, Unfall-, Arbeitsvorsorge/-anbieter (Dienstleister) etc. – die Expansion ist ja nicht mehr aufzuhalten – unzufrieden sind, diesen kompletten oder zumindest Teiel aus diesem angeblichen Vertrag kündigen und sich einen anderen, besseren Anbieter für Produkte aller Art selber suchen, auswählen können.
    Weil es keinen Vertrag gibt.
    Weil ein Austritt von Menschen nicht gewünscht wird.
    Weil das gesamte System ausschließlich auf Zwang und Gewalt aufgebaut ist.

    Sogenannte Nichtwähler wählen nicht nicht, sondern anders, nämlich contra Staat und dessen Zirkus und pro Freiheit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Vermutlich bilden die Anderswähler mittlerweile bei allen Wahlritualen die absolut Mehrheit ab, werden aber natürlich weder medial, noch im Bundestag abgebildet (durch leere Sitze z.B.).
    Immer mehr Menschen kehren diesem Unrechtsspektakel den Rücken, aber es darf eben nicht sein, was nicht sein soll.
    Daher wird insbesondere über die sog. Nichtwähler bis heute geschwiegen und lieber über die Schippchenstreitereien der Sandkastenkinder (Politiker) geschrieben, diskutiert und gesprochen.
    Kann man machen, muss man aber nicht.

    1. Liebe Frau Schmidt,

      vielen Dank für Ihren Beitrag.
      Sie sprechen mir absolut aus der Seele.

      Auch ich empfinde es als unerträglich, nicht frei und unbehelligt leben zu können, nur weil ein “Staat” unter scheinheiligen Scheinargumenten Anspruch auf ein Territorium erhebt, in dem ich mich zufällig niedergelassen habe.

      Nicht einmal meine Wohnung gehört mir, da der von mir unerwünschte Staat als Leihgebühr u.a. Grundsteuer abpresst, mich zur Preisgabe intimer Informationen nötigt und künftig wahrscheinlich wieder Zwangshypotheken einträgt.

      Meine Meinung: wenn wir gerade in diesen Zeiten allumfassender Digitalisierung und Überwachung nicht von diesem Parteien- und Staatsterror wegkommen, wird es für die meisten Menschen in einer totalitär-versklavten Katastrophe enden.

      Herzliche Grüße

      Mathias Babel

  7. “Kann ein richtiger Satz falsch sein, nur weil der Falsche ihn sagt?”, diese Frage habe ich hinlänglich mehreren meiner politisch interessierten Freunde gestellt. Die Antwort lautete durchweg “Ja!” Ich war nie ein Freund der AfD, in den vergangenen zweieinhalb Jahren habe ich aber viel Richtiges von Vertretern der AfD gehört, zu Coronamaßnahmen, zu Energiekrise oder zum Ukrainekrieg. War ich also vorher in meiner Ablehnung der AfD gegenüber ein Opfer der Manipulation von Medien und Zeitgeist? Eindeutig ja. Muss ich meine Ansichten dieser Partei gegenüber nun revidieren? Nein, ich muss keine Freundin dieser Partei werden. Revidieren muss ich vielmehr das Procedere meiner Meinungsbildung. Auch ich war über lange Zeit eine Sympathisantin der Grünen, diese Meinung habe ich inzwischen revidiert. Was gestern für schlecht befunden wurde, kann morgen schon als das Gute gepriesen werden- und umgekehrt. Den eigenen Kompass dabei zu finden, ist nicht immer einfach.

    1. Dazu noch Bertolt Brecht aus “Der Jasager und der Neinsager”: “Wer A sagt, der muss nicht B sagen, er kann erkennen, dass A falsch ist..” und: “Und ich will sofort umkehren, der neuen Lage entsprechend. Auch euch bitte ich umzukehren und mich heimzubringen. Euer Lernen kann durchaus warten. Wenn es drüben etwas zu lernen gibt, was ich hoffe, so könnte es nur das sein, dass man in unserer Lage umkehren muss. Und was den alten Brauch betrifft, so sehe ich keine Vernunft an ihm. Ich brauche vielmehr einen neuen großen Brauch, den wir sofort einführen müssen, nämlich den Brauch, in jeder neuen Lage neu nachzudenken.”
      So einfach, so gut!

    2. Liebe Ines, du sprichst auch für mich. Mein Leben lang habe ich Grün gewählt, weil sie eine kritische Friedenspartei war, die die seit 60 Jahren ungelösten Probleme, welche durch die Nutzung der Atomenergie entstanden sind, letztendlich erfolgreich bekämpft haben. Erst als der Faktor Macht hinzukam, änderten sich die Werte der Partei. Wahrscheinlich sind wir alle, wenn wir die, mit der Macht einhergehenden, Privilegien erst einmal gekostet haben, verführbar und unsere Werte gehen den “Bach” runter. Die Grüne Partei wird viel tun müssen, um mein verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen.
      Zum Artikel noch ein Gedanke: Es wurden in der Vergangenheit nicht nur die Grünen ausgegrenzt, sondern auch die Linken, mit denen nach der Wende von unseren Medien als Sprachrohr der “Altparteien” niemand reden wollte.
      Es bleibt dabei: Das Argument muss zählen, nicht die Person, die es ausspricht. Leider ist unsere Demokratie davon Lichtjahre entfernt. Auch deshalb dümpeln wir seit zweieinhalb Jahren in einer evidenzfreien Ahnungslosigkeit dahin und nehmen den Menschen – trotz geltenden Rechts – mit den Maßnahmen ihre UNANTASTBARE Würde (die zu achten und zu schützen Verpflichtung aller staatlichen Gewalt ist). Ohne freien Diskurs wird unsere Gesellschaft ärmer und unsere Demokratie auf eine harte Probe gestellt.

  8. Machen Sie doch mal diesen Test: Der Kanzler oder ein Minister oder ein Kabinettsmitglied (Bundestag oder Landtag) tritt im TV mit einer Rede oder einem Redebeitrag auf, oder ein AfD-Mitglied ans Rednerpult. Danach fragen Sie sich oder einen Mitsitzenden: “Was genau hat er oder Sie jetzt gesagt.Fasse das in zwei drei Sätzen zusammen.” Im ersten Fall haben Sie meistens den Sinn der Rede -aus unterschiedlichen Gründen..- nicht verstanden, sollen aber den Inhalt glauben (als braver Staatsbürger). Im zweiten Fall haben Sie meistens den Sinn verstanden, dürfen aber den Inhalt nicht glauben ( als braver Staatsbürger ). Beispiel etwa eine Rede von Annalena Baerbock und eine von Alice Weidel……In meinen früheren Jahren als Grundschullehrerin schrieben wir in der vierten Klasse noch 10 Aufsätze: Erlebniserzählung, Personenbeschreibung, Sachbeschreibung, persönlicher Brief, sachlicher Brief, Verfassen eines Rezeptes, einer Gebrauchsanleitung, Protokoll. Beurteilt wurden jeweils -mit eigener in Rot geschriebener Begründung- Inhalt, sprachlicher Ausdruck, Rechtschreibung. Das ist lange her. Zu lange…..Heute laufen übrigens bei den größeren Schülern etliche Lehrer unter der Rubrik Laberheini oder Labertussi……

  9. Als Ausbund an Neugier und zugleich „Experte“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:WinnieSchneider) folgte ich dem letzten Satz gern und förderte hinter Wikipedias Kulisse Bemerkenswertes zu Tage, nämlich nackte Zahlen zum intern tobenden Kulturkampf, die selbst mich in ihrer Deutlichkeit überraschten. Ursprungsimpuls war lediglich ein ähnlicher wie Peter Löckes im Kino, nämlich unter den Zuschauern hier ein wenig Verwirrung zu stiften und vergleichbar alte Fassungen der beiden Wikipedia-Einträge zu verlinken, etwa die jeweils zwei-, drei- oder fünftausendste Fassung seit der jeweiligen Enstehung. Pustekuchen: Die Grünen wurde bis heute noch gar keine 5.000 mal geändert, sondern erst 4.741 mal, obwohl das Lemma schon knapp 18 Jahre alt ist (17.10.2004). Der Umfang beläuft sich derzeit auf 88.466 Zeichen in 11.329 Wörtern. Die AfD dagegen bzw. die ihrer Gründung vorangehende Wahlinitiative würdigte man mit ersten Worten vor nicht einmal 10 Jahren (18.11.2012), änderte diese aber seitdem schon schlappe 11.491 mal, also weit mehr als doppelt so oft wie die Grünen, und nutzt dazu mit bislang 169.220 Zeichen in 21.546 Wörtern auf fast den doppelten Umfang. Und auch die Zahl „zurückgesetzter Bearbeitungen“, die primär der Beseitigung des sogenannten „Vandalismus“ dienen sollen, störender Edits also, die jedoch oft auch für intern „Edit-War“ genannte Kämpfe der Autoren untereinder genutzt werden, liegt bei der AfD mit 1.857 bezeichnend hoch, bei den Grünen wurden nämlich mit 830 Edits weniger als halb soviele „zurückgesetzt“. Noch deutlicher die Eingriffe der zwecks höherer Verantwortung mit Sonderrechten ausgestatteten „Administratoren“: Sage und schreibe 140 mal griffen sie gemäß „Logbuch“ beim Afd-Artikel ein, davon 125 mal „schützend“; bei den Grünen hielten die Admins in all den Jahren nur 48 mal einen Eingriff für nötig, davon 33 zum Seitenschutz. Dagegen stehen im interessanten Missverhältnis nur insgesamt 1.505 Bearbeiter des AfD-Artikels gegenüber immerhin 1.915 unterschiedlichen „Autoren“ bei den Grünen:

    https://xtools.wmflabs.org/articleinfo/de.wikipedia.org/Bündnis_90/Die_Grünen (technische Statistik zum Lemma der Grünen https://de.wikipedia.org/wiki/Bündnis_90/Die_Grünen – dazu das Logbuch https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Spezial:Logbuch&page=Bündnis_90%2FDie_Grünen)

    https://xtools.wmflabs.org/articleinfo/de.wikipedia.org/Alternative_für_Deutschland (technische Statistik zum Lemma der AfD https://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_für_Deutschland – dazu das Logbuch https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Spezial:Logbuch&limit=500&page=Alternative_für_Deutschland)

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