Der Experte

von Peter Löcke //

Die Experten von Heiko Maas und der AKK und Co KG hatten geirrt. Alle westlichen Experten hatten geirrt. Welche Geostrategen und Nachrichtendienste genau geirrt hatten, wurde nicht gesagt. Afghanistan fiel direkt in die Hände der Taliban. Zwei Jahrzehnte epischer Kampf Gut gegen Böse waren für die Katz. Das Böse wollte einfach nicht einsehen, wie gut das Gute ist. Nun möchte ich mich nicht am deutschen Außenminister und Kramp-Karrenbauer abarbeiten. Der Grund ist nicht, dass sie es nicht verdient hätten. Der Grund ist, dass mir die Schlange derer, die es tun, zu lang ist und ich nicht gern anstehe. Vor allem stehen in dieser Reihe viele Menschen, die es ebenso verdient hätten. Einschließlich der versammelten öffentlich-rechtlichen Hofberichterstatter, die stets den falschen Propheten ein Forum geboten haben, während sie wirkliche Experten ignorierten. Darauf einen doppelten Pharisäer. Sie sehen Parallelen zum alles überragenden Thema Corona? Das haben Sie gesagt.

Was macht eigentlich einen Menschen zum Experten und könnte ich das auch? Zum Aufwärmen möchte ich mich dem Sport, dem Fußball widmen. Was braucht es, um Fußball-Experte zu werden? Eigentlich nur eines. Sie müssen selbst professioneller Fußballer gewesen sein. Das beinhaltet die drei notwendigen Kompetenzen. Sie haben einen Bekanntheitsgrad, eine vermeintliche Kompetenz und vor allem sind Sie Medien-affin. Für den Ex-Fußballer ist Kameralicht wie Tageslicht. Wer 15 Jahre lang als Spieler im Scheinwerferlicht stand und dumme Fragen beantworten musste, kann die Seiten tauschen und diese dummen Fragen selbst stellen. Der Rest, die Analyse, ist einfach. Sie müssen nur nach dem Spiel erklären, was sie nicht bereits vor dem Spiel gewusst haben. Das könnten 80 Millionen Deutsche, das kann Lothar, das könnte sogar ich. Mein Problem: Ich hatte nur Kreisliganiveau, leide bis heute unter einer Selfie-Phobie und bin schon nervös, wenn ich eine Tischrede im Familienkreis halten muss. Mehr Nichtexperte geht also nicht.

Wissenschafts-Experte im Fernsehen? Dort sind die Voraussetzungen etwas anders, aber weniger komplex als Sie vermuten. Sie brauchen schon einen akademischen Titel. Ohne geht nicht. Vor allem aber benötigen Sie zeitgeistkonforme  Ansichten und eine sympathische Verpackung. Es geht um Infotainment, Dokutainment, Entertainment. Was haben diese Experten, diese TV-Scientologen gemeinsam? Sie verkaufen sich selbst gut, dadurch sind sie glaubwürdig. Sie greifen viele Zielgruppen ab. Richard David Precht sieht aus wie ein Rockstar, Christian Drosten wird von Schwiegermutti geliebt und gleichzeitig von Punkbands besungen. MaiLab ist – get it on und what the fuck – einfach cool or whatever. Harald Lesch und Eckart von Hirschhausen könnten sich zur Prime Time 90 Minuten über eine Dose Erbsen unterhalten und es wäre in der Tat unterhaltsam. Das ist keine Kritik. Klappern gehört zum Handwerk. Auch ich packe meine Weihnachtsgeschenke nicht in Zeitungspapier ein, auch mir hat Harald Lesch einst durch viele spacige Nächte geholfen. Ich stelle fest: Auch hier bin ich definitiv Nichtexperte. Bildung ist nun Mal Bildungsabschluss. Kein Doktor, kein Prof, kein Bachelor, kein Master heißt „Kein Experte“.

Nun stehe ich im Tal der Unwissenheit und schmeiße blasphemisch Steine auf den Olymp der allwissenden Experten. Ich habe meine Gründe. Diese Experten sind wie Viren. Sie mutieren in ihrer Expertitis mit ständig neuen Varianten ihrer selbst. Ist Lesch ein guter Astrophysiker? Ich weiß es nicht, da ich weder Interesse an, noch Ahnung von Astrophysik habe. Wäre von Hirschhausen ein guter Arzt geworden, wenn er nicht nur ein Praktikum gemacht hätte? Das weiß niemand, nicht mal er selbst, denn er hat sich für einen anderen Karriereweg als Moderator, Comedian, Zauberkünstler und Schriftsteller entschieden. Das ist legitim. Doch ist es legitim, wenn Hirschhausen zum Klimaforscher mutiert? Ist es glaubwürdig, wenn Lesch als Politologe, Ägyptologe, Mediziner und selbstverständlich ebenfalls als Klimaforscher auftritt? Würden Sie nicht auch zusammenzucken, wenn Lothar Matthäus am Wochenende Eiskunstlaufen oder Dressurreiten kommentieren würde statt Fußball?

Stichwort Verpackung und Zeitgeist. Stellen Sie sich eine Sekunde lang vor, MaiLab hieße Klaus Müller und Precht sähe aus wie Philipp Amthor? Anders ist das neue Normal, Normal ist das neue Anders. Blenden Sie die bunte Verpackung aus und achten Sie auf den Inhalt. Ich persönlich bin ein großer Befürworter der AHA-Regel. Nicht die des Robert-Koch-Instituts, sondern die der moralischen und intellektuellen Distanzierung. Bei dieser Regel ist das Hinterfragen nicht nur erlaubt, bei der ist Hinterfragen Bedingung. Als Nichtexperte hinterfrage ich die Expertin MaiLab. Ergebnisoffen – wie es so schön heißt. Ich höre Ihr zu. Sie spricht über falsche und richtige Ansichten in der Wissenschaft. Grundsätzlich sei Sie ja für Meinungsfreiheit, anschließend folgen viele „Aber“. Sie versichert jedoch: „Einige meiner besten Freunde haben Meinungsfreiheit.“ Pardon. Bei einer solchen Aussage greift bei mir die AHA-Regel. Der Philosoph der alternativlosen Transformation, Richard David Precht, blickt auf den Beginn der Corona-Krise zurück und stellt fest: „Merkel und Söder hatten den richtigen politischen Riecher.“ Da greift bei mir die AHA-Regel. Als Nichtphilosoph. Sie sind anderer Meinung als ich? Das hoffe ich. Dissens ist etwas Wunderbares. Alternativlose sind nämlich meistens Nieten. Ich bin übrigens durchaus fortschrittlich. Ich war und bin großer Fan von Frank’n’Furter, dem Star der Rocky Horror Picture Show. Das war ein Transgender. Der wusste bereits vor Jahrzehnten: „Don’t judge a book by its cover.“

Es gibt durchaus viele Experten, die meine größte Wertschätzung haben und zwar unabhängig ihrer politischen Ausrichtung. Peter Scholl-Latour etwa. Der wusste nicht nur die Situation in Afghanistan richtig einzuschätzen. Der wusste mehr als alle westlichen Geheimdienste vor vier Wochen wussten. Und der wusste 2014 kurz vor seinem Tod „Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung, besonders der medialen Massenverblödung.“ Dieser Expertise möchte ich mich anschließen. Als Nichtexperte.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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29 Antworten

  1. Das Bemühen um Wahrheit, sozusagen die immer subjektive Wahrheit als Arbeitshypothese einzuordnen, die Möglichkeit des eigenen Irrtums zu sehen, da erkennt man den eventuell bestehenden Wert einer Meinung, einer Information für unser Zusammenleben, für unser Gemeinwesen. Man kann auch sagen, dieses Bemühen um Wahrheit ist eine wichtige Grundlage für den gerechten Interessenausgleich, für die Gerechtigkeit.
    Davon sind wir in der offiziellen Politik und in den Qualitätsmedien wie Tagesspiegel, Zeit, Frankfurter, NZZ seit mehreren Jahrzehnten schon mehr oder weniger weit entfernt. Viele von uns haben die Entwicklung erkannt, sie aber nicht ernst genommen.
    Verpackt in großartige Reportagen , in gut recherchierte Beiträge wurden uns ganz konsequent Fehlinformationen untergejubelt. Sei es 9/11, Assange, Jugoslawienkrieg, Maidan, Eurokrise, Flüchtlingskrise, man könnte die Reihe endlos fortsetzen.
    Ein Grundprinzip ist ganz offensichtlich, die Erzeugung von Ängsten steht fast immer im Vordergrund. Klimakrise, Welternährungskrise, Flüchtlingskrise, Coronakrise alles scheinbar ganz neue und nur mit quasi diktatorischen Maßnahmen zu bewältigende Herausforderungen. Unter diesem Eindruck der Angst, eines möglicherweise gar nicht bestehenden Notstandes heiligt der Zweck plötzlich die Mittel, der Rechtsstaat wird im allgemeinen Bewußtsein zur gefährlichen Einengung der Handlungsmöglichkeiten. Alle Bedenkenträger gegen solche Entwicklungen erscheinen im offiziellen Narrativ als schädlich für das Gemeinwohl. Das allein schon ist ein Ausnahmezustand, der mir nichts dir nichts zum Normalzustand werden kann.
    Man kann also sagen, dieses Agieren von öffentlich rechtlichen Medien und fast aller privaten Fernseh- und Radiosender sowie nahezu aller Printmedien z.Zt. in letzter Konsequenz Demokratie gefährdend erscheint, da für eine demokratische Willensbildung innerhalb eines Gemeinwesens eine Medienlandschaft notwendig ist, die sich zumindest zum Ziel setzt, dass gesamte Informationsspektrum weitgehend abzubilden.
    Medienkompetenz habe ich in meinem konservativen Elternhaus und von „langhaarigen“ 68ern in der Schule gelernt. Genau dort wird auch heute entschieden , wo wir politisch in zwanzig Jahren stehen werden.
    Es ist eine Bildungsaufgabe, die mit freien Schulen wahrscheinlich besser gelingen wird.

  2. Gebe jemanden Macht und Du erkennst seinen wahren Charakter.
    Deutschland hat es schon zweimal auf dem Höhepunkt angekommen, komplett verbockt.
    Leider wird es voraussichtlich ein drittes Mal so enden. Nach der C-Krise wird als Hauptschuldiger
    Deutschland verantwortlich gemacht werden. Der C PCR Test kommt aus Berlin.
    Es wird keine Ausreden mehr geben, das Internet vergisst nichts.

  3. Sehr geehrter Herr Dr. Roland Aßmann, erwartet hätte ich etwas Schlaues oder etwas Witziges. Leider kam es anders und ich muss den höchst unsympathischen und despotischen Prof. Levermann vom PIK zitieren, weil es nicht mein Sprachgebrauch ist: Alles „Quatsch“ und alles „Mist“, was Sie da an hohlen Schlagworten absondern. Ihre Rechnung berücksichtigt nicht the dark side of the sun! Das sollten Sie als Experte mal einspeichern. Kemfert und Lesch, die Propagandaschleudern Agora, Mercator und Germanwatch sehen das wie Sie. Aber WIR sind mehr. Das IPCC hat inzwischen erkannt, dass der globalistische (wie der einsam deutsche) Maßnahmen-Bullshit keine Reduzierung von CO2-Emissionen gebracht hat und denkt über moderne Kernkraft nach. Ihren Energiebedarf kann eine Industrie im Umbruch, eine Exportnation nicht senken. Und Phrasen von Power to X sind auch nicht grundlastfähig. Ich schlage seit langem vor, Windenergieanlagen vom Netz zu trennen, bis sie die gewonnene Energie so speichern können, dass eine kontinuierliche, zuverlässige Stromlieferung möglich ist. Bis dahin können sie am Fuß ihrer Windmühle Steckdosen anbringen und den Strom an geduldige Teslafahrer verkaufen. – Ich gebe zu: Dies ist das Statement eines selbsternannten Experten, der von Energieversorgung und Zirkadianik etwas versteht. Bei mir hieß EEG bislang Elektroenzephalogramm.
    Mit freundlichen Grüßen A.R.

    1. Sehr geehrter Herr Rochow,

      1. Sie haben Sie die Rechnung wahrscheinlich nicht nachvollzogen, sonst würden sie nicht etwas von „Dark side of the sun“ fabulieren.

      Kennzahlen:
      Solareinfall Nordafrika, Amerika, Australien, etc.: 2500 kWh/a m²
      Stromverbrauch Deutschland: ca. 550 TWh/a
      Endenergieverbrauch: ca. 2550 TWh/a

      Ertrag Power-to-X für 100 km x 100 km Nettofläche:

      100.000 m x 100.000 m x 0,2 (Solar) x 0,5 (P2X) x 2500 kWh/a
      = 2,5 x 1013 kWh/a x 0,1 = 2500 TWh/a
      = Endenergieverbrauch Deutschlands!

      2. War Kernenergie noch nie mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man unseren gesamten Energieverbrauch der Menschheit betrachtet, von dem Strom nur etwa ein Fünftel umfasst.

      3. Wer behauptet Power-to-X ist nicht grundlastfähig, hat nicht verstanden, worum es geht.

      4. Zum Thema Kernenergie: wir hatten Glück, dass Deutschland bislang von einem großen Störfall a la Tschernobyl und Fukushima verschont blieb. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht.

      5. Für Strom mit der Haltbarkeit von weniger als einer Millisekunde die Welt über lange Zeit zu verstrahlen macht zumindest für mich keinen Sinn. In diesem Punkt geben ich ausnahmsweise den Grünen Recht.

  4. Liebe Frau Nicole, welch trefflicher Kommentar !!!
    Jenes nie für denkbar gehaltene Glaubwürdigkeitsproblem, welches vor 18 Monaten
    auch über mich hereinbrach, könnten wir mit Lösch-Syndrom kennzeichnen.

  5. Für mich steht der Anspruch im Raum, das ein Experte allenfalls ein Hinweisgeber ist und nicht etwas ein Guru, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Diesen Eindruck bekommt man allerdings.
    Aber wo bleibt bei alle dem der gesamte Blick auf die Welt?

    Hat ein Mensch eine ganzheitliche WeltAnschauung, den Sinn hinter allem als Ganzes erfassend,
    gepaart mit Lebenserfahrung, einer gelebten eigenen Lebensphilosophie und Verbundenheit zu allem was Geist, Körper, Seele nähren kann, diesen würde ich dann Experten nennen.
    Reicht dafür ein Leben aus?
    Sind wir nicht einfach alle nur Menschen, der eine mehr, der andere weniger?
    Danke Herr Löcke, für dieses Gedankenfutter!

  6. Sehr geehrter Herr Löcke,
    auch von mir herzlichen Dank für die erfrischende Analyse. Scholl-Latour fiel mir auch zuerst im Zusammenhang mit Afghanistan ein, nur hörte man ja auch auf ihn schon früher nicht. Leider setzt sich die Vernunft im großen Rahmen nicht durch, warum auch immer. Nicht nur beim Thema Afghanistan. Trotz vieler guter Gegenargumente scheint die Partei von Sebastian Kurz in Österreich weiter führend zu bleiben, der grüne Pass scheint für die Mehrheit kein Problem darzustellen und auch bei uns wird`s im Herbst keine wie auch immer geartete Wende geben. Glaube ich. Die einzige Kraft, welche Verhältnisse wieder gerade rücken kann, ist wohl der Lauf der Dinge selbst wie jetzt dort unten am Hindukusch, wo ja unsere Freiheit verteidigt wurde… Leider immer mit massivster Gewalt und Leid. Hoffen wir alle, dass es in Sachen C. zu einer sozialverträglicheren Entwicklung kommt.

    1. Liegt das mit der dürftigen Vernunft in vielen Dingen in D und EU nicht auch stark daran, dass er Große Bruder outre mer mit zig „Think-tanks (nach den anderen tanks auf Ketten) bei uns ein sehr betreutes Denken eingeführt hat? – Und wir dem vielleicht nicht nur freiwillig folgen?
      – Natürlich können wir etwas Freiraum erkaufen; – z.B. nord-strömendes Gas gegen 5 mrd Rüstungskauf, die 50 Flieger im letzten Sommer, – so Kleinkram geht ja in einer Grippewelle schnell unter.

  7. Der wahre Charakter von vermeintlichen „Experten“ stellt sich heutzutage besonders in Gerichtsverhandlungen zur Schau, wenn beide Seiten eben diese „Experten“ herbeiziehen um ihren Standpunkt zu untermauern. Es braucht nicht extra erwähnt zu werden, dass diese Experten sich in ihrer Auffassung und Auslegung der Sachlage dann immer diametral gegenüberstehen. Beide Seiten natürlich absolut glaubwürdig und überzeugend.

    Das sollte uns zu denken geben und uns veranlassen, Expertentum einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Meiner Meinung nach gibt es nur Experten, wenn Politik, Geld, Abhängigkeiten oder Karriere keinen Einfluss auf sie haben.

    Eigentlich ist es mit der „Wissenschaft“ genauso. Es gibt meines Erachtens nach überhaupt keinen wissenschaftlichen Standpunkt, der nicht genauso wissenschaftlich 100% widerlegt werden kann. Soviel zur Wissenschaft oder „Science, falsely so called“, wenn ich das hier einmal in Englisch ausdrücken darf. Das sollte uns ebenfalls zu denken geben und uns gegebenenfalls dazu veranlassen Wissenschaft in einem neuen Licht zu sehen.

    Diese Aufstellung wäre natürlich nicht komplett wenn hier die „Wahrheit“ nicht erwähnt würde. Auch Wahrheit scheint eigentlich nicht mehr zu existieren, wenngleich Faktenchecker diese für sich heutzutage in Anspruch nehmen. Sind diese Faktenchecker etwa auch Experten und Wissenschaftler? Dann wäre ja alles klar, oder? Was ist die Wahrheit von Pearl Harbour, 9/11, Afghanistan, dem ersten, zweite, dritten Weltkrieg, AIDS oder dem jetzigen Absurdistan?

    Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, dass unser gesamtes Weltbild im Moment zusammenfällt. Man muss immer zerstören bevor man wieder aufbauen kann. Können wir auf den Trümmern unserer Weltvorstellung von Gestern, eine neue Welt von Morgen aufbauen? Oder ist es bereits, um noch einmal auf das Englische zurückzugreifen, „too little to late“ um die Welt und die Menschheit zu retten? Sollte das so sein, dann droht uns das bedingungslose Grundeinkommen, Unterwerfung und Sklaventum…

    Was würde Gretchen Müller dazu sagen: „Das sind ja schöne Aussichten!“
    Oder „Ach je, lasst uns doch einfach darauf einen trinken gehen“…?

  8. Das Beste, was ich seit Dieter Hildebrandt, Werner Schneyder und Josef Hader über „Experten“ gehört oder gelesen habe.
    Unter anderem an deren Song „Lieber Gott, mach mich bitte zum Experten“ musste ich beim Lesen dieses Artikels denken.
    (Findet man leicht auf YouTube, wenn man alle drei Namen eingibt.)

  9. Sehr geehrter Herr Löcke,
    es tut mir aufrichtig leid, Sie in Ihrer Hoffnung enttäuschen zu müssen. Trotz aller Anstrengung will es mir – ebenfalls Nichtphilosoph – nämlich einfach nicht gelingen, einen hieb- und stichfesten Dissens zu Ihrer Position zu entwickeln. Insofern oute ich mich in meiner Alternativlosigkeit beschämt als Niete, immerhin mit gebührender Aufrichtigkeit: „Ein Schuft, wer mehr gibt, als er hat“.
    Als Ausgleich kann ich vielleicht mit einem Tipp zum Umgang mit Buchtiteln dienen: ich lese immer zuerst den Schluss; dann weiß ich, ob sich’s lohnt… 😉 Im Übrigen bedanke ich mich für Ihre für einen Nicht-Experten überaus gut gelungene Expertise!

  10. Gelungener Artikel. Fällt – aber nur eventuell – unter Infotainment …?;), denn ich habe mich amüsiert.
    Egal.
    Artikel hat meine Mental-Hygiene unterstützt. Bitte weitermachen. Dankeschön.

  11. Top Kommentar, aber die, die das lesen, wissen es doch schon, spätestens seit Corona, nur was können wir zur Abhilfe der Verblödung leisten, wenn schon beim ersten Versuch, die Verblödeten das Gegenüber als blöde bezeichnen?

  12. Offenkundiger, mustergültiger als in der Afghanistan Agenda können sich Unfähigkeit, Überforderung, empfindungslose Charakterlosigkeit der verbrecherischen, die-Dinge-vom-Ende-her-denkenden, hinterher-immer-schlauer-sein Entscheidungsträger nicht mehr ablichten lassen. Denkt man so vor sich hin, als Naivling und irrt grandios. Konsterniert konstatiert der freigeistige Nichtexperte, Untertanen wollen die Nacktheit nicht sehen, nicht die unbefleckte Empfängnis infrage stellen.

  13. Danke, Herr Löcke…
    Charlie Brown zu Snoopy: „Die beste Waffe in der (Corona-)Krise ist gesunder Menschenverstand.“
    Darauf Snoopy: „oh – da sieht es aber schlecht aus. Die meisten von euch sind unbewaffnet“…

    …ein Peter Scholl-Latour fehlt uns sehr…

  14. Vielen Dank für die treffende Formulierung. Ich habe über 20 Jahre lang Harald Lesch geliebt, er konnte einem so wunderbar das Gehirn verknoten am späten Abend. Man dachte endlich das Große und Ganze verstanden zu haben bis zu dem Punkt als man es jemandem erklären wollte, also am Morgen beim Frühstückskaffee. Und dann sah ich den Beitrag über den Impfstoff…
    Für mich persönlich an Unglaubwürdigkeit nicht zu überbieten. Jetzt kann ich mir keine Sendung mehr ansehen ohne die Frage im Hinterkopf was ist Show und für die Quote und politische Vorgabe und was ist tatsächlich noch Lesch als Mensch und Wissenschaftler? Der Lesch, der mir vor so vielen Jahren das Universum erklärte und mir das Gefühl gab eine Nacht lang Einstein zu sein.

    1. Liebe Nicole,
      treffender hätte man es nicht beschreiben können. (M)ein langjähriger Experte zerfiel binnen Minuten in den Zustand einer Niete. Danke für Ihre Ausführung, der ich mich ebenfalls gern anschließe.

  15. Ich würde es begrüßen, wenn mehr Menschen so denken würden. In Diskussionen begegnet mir erschreckender Weise die Einstellung, dass es sehr vielen schlicht zu anstrengend ist, sich außer mit dem Cover eines Buches auch noch mit dem Inhalt zu beschäftigen.

  16. Damit dieser Essay nicht so theoretisch stehen bleibt, hier zwei schöne Beispiele zum Thema „Experten“:

    1.
    Am 19.04.2017 verbreiteten viele Zeitungen die Meldung einer Nachrichtenagentur „DIW Expertin – AKWs* abschalten“. Darin so markante Sprüche der im TV allseits präsenten Energieexpertin Prof. Claudia Kemfert: „Wir schwimmen geradezu im Strom und verramschen ihn an der Börse“. Man könnte ja denken, eine Energieexpertin kann sich nicht irren. Doch was ist das für eine Expertin, wenn sie weiterhin anmerkt „Der Strom aus Wind, Sonne und Biomasse deckt bereits heute ein Drittel unseres Energiebedarfs“. Wer es nicht besser weiß, glaubt dieser Wissenschaftlerin. Real wurden in 2016, also zum Zeitpunkt der Aussage 2,1% unserer Primärenergie (ca. 3700 TWh/a) durch Windenergie, 1,2% durch Solarenergie und 7,3% durch Biomasse erzeugt, in Summe also gerade einmal 10,9%. Selbst bezogen auf Endenergie (ca. 2500 TWh/a) sind das nur etwa 16%. Worin besteht nun der Irrtum? Die Aussage lässt nur einen Schluss zu: Die Energieexpertin kann Strom und Energie nicht auseinanderhalten. Irgendjemand sollte ihr erklären, dass Strom nur etwa ein Fünftel unseres Endenergieverbrauchs umfasst.

    2. Auf Nachfrage, warum der Klimawandel, der viele Jahrzehnte lang in Deutschland und Europa dem globalen Verlauf folgte, seit Einführung der Windenergie in den genannten Regionen plötzlich signifikant nach oben abbiegt (s. https://www.welt.de/wissenschaft/article158110222/Wetter-aendert-sich-in-Deutschland-besonders-krass.html, 1. Diagramm, Quelle: Deutscher Wetterdienst), antwortet ein führender Klimaforscher des wohl renommiertesten physikalischen Instituts unseres Landes wie folgt: „Zur Wirkung von Windenergie auf das bodennahe Klima wird geforscht. Eine Kollegin von mir an der Universität Hamburg hat z.B. den Einfluss der Windparks in der Nordsee auf das regionale Klima der Metropolregion Hamburg untersucht. Effekte sind zwar statistisch signifikant, können aber bei weitem nicht die beobachtete Zunahme der Jahresmitteltemperatur in der Region erklären. Umkehrt erscheint mir eine Korrelation von Temperatur und Windenergie plausibel. Wegen der Sorge vor einer Klimaerwärmung wird mehr Windenergie eingesetzt…“

    Hätte dieser Experte Recht, würde das im Umkehrschluss bedeuten, hätte es diesen überproportionalen Anstieg der Erderwärmung in Deutschland und Europa nicht gegeben und würde die Erwärmung bei uns „nur“ dem globalen Trend folgen, gäbe es keine Windräder. Sorry, aber das ist eine Demonstration politischer Abhängigkeit auf hohem wissenschaftlichen Niveau. Einen plausiblen anderen Grund konnte der Klimaforscher übrigens nicht nennen.

    Da lobe ich mir die US-Wissenschaft, die noch weiß, was der Begriff „Freiheit der Wissenschaft“ bedeutet und die sich eine in Deutschland kaum noch vorstellbare Unabhängigkeit von politischer Einflussnahme gönnt: https://news.harvard.edu/gazette/story/2018/10/large-scale-wind-power-has-its-down-side/

    *P.S.: Um Missverständnisse zu vermeiden: auch ich halte Kernenergie für die gefährlichste und die nachfolgenden Generationen am stärksten gefährdende Energieform. Doch es gibt längst Alternativen: Christian Lindner auf Twitter: „“Wie wäre es, wir würden #Klimaschutz mal groß und global denken? Zum Beispiel durch einen Neustart für das Projekt #Desertec in der Sahara?!“ TL https://t.co/GLgLlrWSQ7“ /

    100 km x 100 km in Regionen mit viel Solarenergie würden genügen, unseren kompletten Endenergiebedarf auf Basis von Solarenergie zu erzeugen und in Power-to-X-Produkte, also Wasserstoff, eFuels und eGas umzuwandeln, wie jeder leicht ausrechnen kann. Dabei ist bereits ein Gesamtwirkungsgrad von nur 10% berücksichtigt. Unsere Politik müsste nur wollen. Doch wie beim Thema Corona folgt die „Politikelite“ lieber als Experten getarnten Lobbyisten, allen voran unser Bundesgesundheitsminister und Chef-Pharmalobbyist Jens Spahn sowie Peter Altmaier beim Energiethema, statt ihren Verstand zu gebrauchen. So werden sinn- und planlos einerseits unsere Gesellschaft und Innenstädte bzw. andererseits unsere Landschaften, Natur und sogar das Klima zerstört.

    1. Dazu kommt die „Kleindenke“, dass es unbedingt in D sein muss Solarenergie zu erzeugen, dieweil in Afrika jede Menge Kohlekraftwerke – als billigster Stromerzeuger – gebaut werden (wie auch in China), aber dort viel mehr CO2 billiger eingespart werden könnte – und letztlich ist es ein globales Thema, solange wir die Grenzen gegen CO2 und Hitzewellen nicht dicht bekommen 🙂

  17. Sie treffen die Sache auf den Punkt! Haben wir noch eine Chance dem zu entkommen oder ist die Verblödung schon zu weit fortgeschritten. Vielleicht sollte ich den Funken Hoffnung lieber selbst austreten bevor es ein Experte tut.

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