Wenn Jingdong Ding-Dong macht

von Diana-Maria Stocker //

Der Ausverkauf der deutschen Wirtschaft geht munter weiter. Vermutlich hat es das Firmenrot von MediaMarkt dem chinesischen Käufer Jingdong besonders angetan. War die deutsche Ökonomie früher selbstbewusst noch kritisch asiatischen Investoren oder gar Käufern gegenüber, scheint man heutzutage froh darüber zu sein, dass überhaupt noch jemand die maroden deutschen Unternehmen kaufen will.

Vorbei all die Skepsis oder gar kritische Berichterstattung, die es zumindest noch vor einigen Jahren gab, als sich das chinesische Unternehmen Cosco im Hamburger Hafen breit machte – so wie in vielen international relevanten Häfen. Ja, damals gab es sogar noch vereinzelt Kritik aus dem Mainstream gegenüber dem ehemaligen Kanzler Scholz, der ja einmal Bürgermeister der Hansestadt war und den Einstieg von Cosco mit zu verantworten hatte.

Nun, nach unzählig verbrannten Green-Deal-Milliarden und der folgenschweren Schuldenbremsen-Demenz des aktuellen Kanzlers – das Vergessen ist wohl ein Begleitsymptom des Amtes – weicht nahezu jede Kritik.

Das Bundeskartellamt hat nichts gegen Jingdong, den Ceconomy-Käufer – zur Ceconomy AG gehören die Marken MediaMarkt und Saturn. Das wurde jetzt bekannt. Warum auch: Jingdong war bislang am deutschen Markt noch nicht wirklich aktiv. Aber wie sieht es mit der Vertrauenswürdigkeit und Chinas Umgang mit Daten aus? Die Kartellbehörde wies auf etwaige sicherheitspolitische Aspekte hin. Deren Prüfung unterliege jedoch dem Bundeswirtschaftsministerium.

Und wie wird wohl das Ergebnis dieser Prüfung sein? Denn ist doch sonst mutmaßlich jeder Chinese unter Verdacht, ein Spion zu sein oder mindestens ein Mittelsmann, vor allem wenn es um Verbindungen in das konservative Spektrum geht. Hier werden die Beziehungen schon mal vorsorglich ganz genau unter die Lupe genommen – gerne von den regierungsnahen, deutschen Nachrichtendiensten. Während also einzelne Kontakte misstrauisch beargwöhnt werden, reicht man zugleich ganze Handelsriesen vermutlich nahezu geräuschlos weiter.

Doch nicht der Verkauf selbst ist der Skandal – MediaMarkt und Saturn sind kein glänzendes Tafelsilber mehr, sondern schwerfällige Riesen am Tropf. Entscheidend ist, dass die deutsche Politik auch in dieser Lage keine strategische Linie erkennen lässt. Wieder einmal wird eine Schlüsselhandelsplattform an ausländische Akteure durchgereicht, nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche. Wenn deutsche Entscheidungsträger das Feld erneut nur anderen überlassen, dann haben sie auch diesen Gong leider wieder nicht gehört.

Beitrag teilen:

3 Antworten

  1. Verehrter Herr Zorn Dieter, nur eine kurze, kritische Bemerkung zur Titanic: diese hat keinen Eisberg gerammt, sondern fiel einem Attentat zum Opfer… Ansonsten stimme ich Ihnen zu.

    Schöne Grüße vom Chiemsee

  2. „Deutschland schafft sich ab.“ Der Buchtitel von Sarazin passt doch immer noch komplett. Es geht hier inzwischen zu wie auf der Titanic nach der Kollision mit dem Eisberg. Der Kapitän tut so als hätte er nichts gehört. Vielleicht ist er auch schwerhörig. Die Offiziere bilden einen homogenen Block, der nur noch an sich selber denkt. Die Passagiere der ersten Klasse tanzen im Ballsaal, weil das Schiff ja unsinkbar ist und man ja zur Not noch seine private Rettungsinsel in petto hat. Im Mitteldeck herrscht aufgeregte Ratlosigkeit, aber keiner spricht laut über seine Befürchtungen. Im Unterdeck rumort es, weil sie wissen, dass es für sie keine Rettung gibt. Frauen und Kinder zuerst, meint Frauen und Kinder des Oberdecks. Die Bordzeitung verbreitet gute Stimmung und stählt den Durchhaltewillen. Auf dem Promenadendeck wird weiter promeniert als wäre nichts geschehen, indes das Wasser bereits knietief in den Gängen steht. Der Bordpastor ist entsetzt und flüstert,,, „ Mein Gott, sie haben uns doch immer was ganz anderes erzählt. Das Märchen vom reichen Land.“ Seinen Schäfchen dämmert, ,,, „Hilfe, wir sind schon wieder hinters Licht geführt worden!“ Da entscheidet der Kapitän „Volle Fahrt voraus!“ Wenn schon Untergang, dann richtig! Wir haben schließlich Übung darin!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Herzlich Willkommen auf dieser Plattform des kultivierten Austauschs von Argumenten.

Wir haben verlernt Widerspruch aushalten zu können. Hier darf auch widersprochen werden. Ich möchte Sie bitten, dabei wertschätzend und höflich zu bleiben. Beleidigungen und Hasskommentare werden künftig ebenso entfernt, wie Wahlaufrufe zu Parteien. Ich behalte mir vor, beleidigende oder herabsetzende Kommentare zu löschen. Dieses öffentliche Forum und die ihm innewohnende Möglichkeit Argumente und Meinungen auszutauschen, ist der Versuch die Meinungsfreiheit – auch die der anderen Meinung – hoch zu halten. Ich möchte hier die altmodische Tugend des Respektes gepflegt wissen.

„Kontroversen sind kein lästiges Übel, sondern notwendige Voraussetzung für das Gelingen von Demokratie.“ Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck a.D., vor nur 5 Jahren in seiner Rede zum Tag des Grundgesetzes.

de_DEGerman