Kommentar von Markus Langemann //
Über Koalitionsphantasien, Pragmatismus und die Chance auf eine Lady-Legislatur
Es gibt diese seltenen, kostbaren Momente in der Politik, da flackert plötzlich ein Hauch von Wahrheit auf – zwischen Nebelgranaten, Rhetorik und parteitaktischer Plattitüde. Es flackert. „Ich finde Wagenknecht und Weidel klasse. Gemeinsam in Regierungsverantwortung – das würde Deutschland guttun.“ Ein Satz, gefallen an diesem Montag, beiläufig beim Kaffee in meinem Büro. Gesprochen von einem Mann, der das Oval Office nicht nur von außen gesehen hat. Nur wenige Tage später entfaltet sich just jene Konstellation, halb Wunschbild, halb Provokation,
als hätte das politmediale Theater plötzlich einen neuen Plot aufgegriffen.
Nun gut, die einen nennen es Ketzerei, die anderen kluge Anarchie. Was sich aber zwischen der AfD und dem BSW anbahnt – oder vielleicht auch nicht – ist mehr als nur der Flurfunk einer aufgeschreckten Republik. Es ist ein politischer Kipppunkt.
Denn da war er nun, Tino Chrupalla, der sächsische Zimmermann des rechten Riegels, und sprach im Fernsehen von Gesprächen – „über das, was Deutschland bewegt“. Und siehe da, der publizistische Erdrutsch folgte prompt. Man sprach plötzlich über den Schulterschluss zweier Parteien, die – so verschieden ihre Herkunft, so ähnlich ihre Diagnose – dem Irrsinn der Ampel eine intellektuell munitionierte Verweigerung entgegenstellen.
Freilich: Sahra Wagenknecht wiegelt ab. Noch. Aktuell keine Gespräche. Aber, so ihre Worte, ein Treffen mit der AfD sei „selbstverständlich“ möglich, denn es sei „undemokratisch“, diese parlamentarisch auszugrenzen. Ich bitte Sie! Das sind Sätze wie aus dem alten Brevier des gesunden Menschenverstandes – eines, das im Berliner Regierungsviertel längst vergilbt im Regal der politischen Relikte verstaubt.
Wir erleben gerade den Anfang eines politischen Tabubruchs. Und vielleicht auch den Beginn einer unheiligen Allianz – oder aber: einer heilenden.
Denn machen wir uns nichts vor: Die Gemeinsamkeiten sind da. Migration, Ukraine, soziale Fragen – das sind keine Nebenkriegsschauplätze, das sind die Schlagadern der Republik. Und während westdeutsche AfDler noch mit Wagenknechts Mietpreisbremse fremdeln, hat man im Osten bereits pragmatisch Handschlag geübt. Thüringen lässt grüßen.
Und nun stellen wir uns das einmal vor: Zwei kluge, kampferprobte Frauen – Weidel und Wagenknecht – die sich nicht an Genderfragen oder Bodyshaming aufreiben, sondern das Land mit intellektuellem Klartext und eiserner Contenance regieren. Beide mit akademischem Schwert. Die eine mit ostdeutscher Prägung, die andere mit libertärem Blick und ökonomischer Brillanz. Eine Lady-Legislatur. Warum eigentlich nicht?
Oder höre ich Sie etwa schon schreien? „Halt Kommunistin! Niemals eine rechte Extremistin!“
Nun, während sich Hamburger fressende Parteivorsitzende der CDU und CSU gegenseitig die Frikadellen vom Parteibuffet klauen und dabei das Amt bis zur Lächerlichkeit pürieren, könnten W&W (Weidel und Wagenknecht) tatsächlich das Vakuum füllen, das eine entkernte Demokratie zwischen Talkshow-Quote und Regierungsversagen hinterlässt.
Wird das passieren? Wahrscheinlich nicht. Noch nicht. Zu viele Egos, zu viele Altlasten, zu viele Strippenzieher im Schatten. Aber die Brückenpfeiler werden bereits gegossen. In Thüringen traf sich BSW mit Björn Höcke – einem Mann, bei dem selbst viele AfDler die Fluchttür suchen. Und dennoch: Der politische Wille zur Bewegung ist da.
Vielleicht bleibt es bei punktueller Kooperation. Vielleicht wird es ein Pakt der wechselnden Mehrheiten – wie Wagenknecht andeutet. Oder vielleicht zwingen die Realitäten dieses Landes, das sich in vielen Teilen vom gesunden Urteilsvermögen verabschiedet hat, doch zu einem historischen Schulterschluss. Nicht aus Liebe. Sondern aus Notwendigkeit. Auch der Notwendigkeit aus Erkenntnisgewinn? Es ist wohl eher das BSW, das eine große Schwester sucht.
Dennoch, die einen nennen es Populismus. Ich nenne es: die Chance auf eine politische Immunisierung – gegen die Dummheit, den moralischen Größenwahn und die Selbstabschaffung der eigenen Lebenswirklichkeit.
Denn das Land, verehrte Leser, braucht keine neuen Ideologien. Es braucht Klartext, Klarblick – und Klarheit darüber, wer das Ruder hält, wenn der Dampfer „Deutschland“ dem Eisberg immer näherkommt.
W&W – das könnte mehr sein als ein Kürzel. Vielleicht ist es das letzte Angebot der politischen Vernunft.

21 Antworten
soweit, so gut. Aber Weidel ökonomische Brillianz zu unterstellen ist verwegener Bullshit. Wenn sich jemand mit Volksökonomie eingehend beschäftigt hat, ist das unzweifelhaft Wagenknecht.
Frau Weidel war meines Wissens nach beste „Volksökonomin“ und hat auch noch beinen echten Doc in der VWL hingelegt. Danach internationale Karriere in der Finanzwirtschaft vom Feinsten. Was kann man mehr? Wagenknecht hat ein etwas turbulentes Studium hingelegt und ist theoretisch links verkeilt – alles nur keine Marktwirtschaftlerin. Bisher hat Frau Wagenknecht wohl hauptsächlich Ideen und Vorschläge ihres Gatten umzusetzen versucht. Leider wenig erfolgreich. Führungsfähigkeit ist bei ihr nicht sehr ausgeprägt. Aber bei Frau Weidel auf jeden Fall.
Ich hoffe was Frau Feldbauer sagt erlebe ich nicht mehr, denn dann können wir uns gleich erschiessen
Sie müssten nur beide über ihre Schatten springen
Keiner der Kommentatoren sieht das wahre Problem! Es sind weder Parteien noch Personen, sondern das System selbst. Demokratie ist Herrschaft des Volkes, Herrschaft bedarf der Gewalt! Demokratie ist die Herrschaft der Mehrheit mittels Gewalt gegen das Individuum. Ist das so schwer zu verstehen? Da kann führen wer will, Demokratie zerstört sich selbst laut eigener Definition, denn Gewalt fordert Gewalt, fordert Gewalt, fordert Gewalt, … ! Das Individuum verdummt in dieser Spirale bis zur Unkenntlichkeit, es schafft gerade noch Farben zu erkennen, zu wählen, Farben zu folgen in den Abgrund! Hohes Niveau vor allem bei der s.g. geistigen Elite, wie gerade hier zu sehen. Liebe Grüße aus Dresden
PS: „Beleidigung“ ist ein innerer Bewusstseinszustand, man kann einen Menschen N I C H T beleidigen, er kann sich nur beleidigt fühlen. Ein gefestigter, innerlich klarer Mensch kann nicht beleidigt werden.
Beleidigt fühlt sich nur, wer noch am falschen Selbstbild hängt.
Das ist keine Schuld des Sprechenden (Schreibenden) – sondern eine Entwicklungsaufgabe des Hörenden (Lesenden).
W&W, eine lang fällige Verflechtung, welche der AFD die teilweise Aggressivität nehmen und der BSW mehr Realitätssinn geben könnte. Noch bleibt viel Wunschdenken, denn zur Zeit ist in Deutschland Toleranz und Stärke zeigen durch dem Grunde nach einig sein, kaum erreichbar. Dazu sind die gesellschaftlichen Macher zu verwirrt, zu misstrauisch, zu wenig kompromissbereit.
W&W – diesen Wunsch hege ich schon lange. Möge endlich die Vernunft siegen.
Geht mir genauso – es bestehen auch viele Übereinstimmungen. Um Deutschland vor dem Untergang und der Zerstörung zu retten, wäre mir diese Fusion mehr als Recht. 2 Frauen mit Verstand.
Sehr geehrter Herr Langemann,
Alles ist besser, als das was wir seit Jahren haben. Dennoch bitte ich zu bedenken, dass die linke Antifa, dann mit Sicherheit zum großen Sturm blasen wird, und alles kurz und klein schlägt. Manchmal habe ich das Gefühl, die warten nur darauf.
So viele intelligente Menschen in meinem Umfeld, gehen lieber zu Grunde, als der AfD auch nur die Chance zu geben, sich zu beweisen, und das Ruder herum zu reißen.
Ich glaube nicht, dass es in 3,5 Jahren noch was zu reißen gibt, bis dahin sind wir digital versklavt und nur noch Marionetten. Es schlafen einfach zu viele, oder schauen bewußt weg. Um in 5 oder 10 Jahren sagen zu können, wir wussten von nichts.
Ich hoffe, ich werde eines besseren belehrt.
Herzliche Grüße
Claudia Feldbauer
Sehr geehrter Herr Langemann,
ich denke es seit geraumer Zeit schon und hätte mir eine Zusammenarbeit von BSW und AfD in Sachsen gewünscht. Genau aus den gleichen Gründen, die Sie für die BRD genannt haben.
Danke für Ihren Mut diese Gedanken zu veröffentlichen.
Es ist für mich immer wieder ein Hochgenuss Ihre Zeilen zu lesen und es hilft ir , diese Welt ein wenig nüchterner zu sehen.
Ich bin in der Friedensbewegung hier in Dresden aktiv und manchmal frustriert darüber, wie wenige meiner Mitmenschen erkennen, was hier mit uns gespielt wird
Da fällt mir ein Gedicht von Erich Weinert ein, dass er in den 0iger Jahren des letzten Jahrhunderts geschriene hat :
Erich Weinert
FERIENTAG EINES UNPOLITISCHEN (1930)
Der Postbeamte Emil Pelle
hat eine Laubenlandparzelle,
wo er nach Feierabend gräbt
und auch die Urlaubszeit verlebt.
Ein Sommerläubchen mit Tapete,
ein Stallgebäude, Blumenbeete,
hübsch eingefaßt mit frischem Kies,
sind Pelles Sommerparadies.
Zwar ist das Paradies recht enge
mit fünfzehn Meter Seitenlänge;
doch pflanzt er seinen Blumenpott
so würdig wie der liebe Gott.
Im Hintergrund der lausch’gen Laube
kampieren Huhn, Kanin und Taube
und liefern hochprozent’gen Mist,
der für die Beete nutzbar ist.
Frühmorgens schweift er durchs Gelände
und füttert seine Viehbestände.
Dann polkt er am Gemüsebeet,
wo er Diverses ausgesät.
Dann hält er auf dem Klappgestühle
sein Mittagsschläfchen in der Kühle,
Und nachmittags, so gegen drei,
kommt die Kaninchenzüchterei.
Auf einem Bänkchen unter Eichen,
die noch nicht ganz darüber reichen,
sitzt er, bis daß die Sonne sinkt,
wobei er seinen Kaffee trinkt.
Und friedlich in der Abendröte
beplätschert er die Blumenbeete
und macht die Hühnerklappe zu,
dann kommt die Feierabendruh.
Er denkt: Was kann mich noch gefährden
Hier ist mein Himmel auf der Erden!
Ach, so ein Abend mit Musik,
da braucht man keine Politik!
Die wirkt nur störend in den Ferien,
wozu sind denn die Ministerien?
Die sind doch dafür angestellt,
und noch dazu für unser Geld,
Ein jeder hat sein Glück zu zimmern.
Was soll ich mich um andre kümmern?
Und friedlich wie ein Patriarch
beginnt Herr Pelle seinen Schnarch.
In diesem Sinne einen schönen, vor allem friedlicheren Sommer noch
Wo Regenbogenfahnen wehen,
Pleitgeier krähen
Wo Regenbogenflaggen wehen,
Schwarzrotgrün sitzt auf dem Thron,
wird viel, viel mehr zugrunde gehen
als Industrie und Produktion.
Denn kein System auf dieser Welt
ist von Nachhaltigkeit geprägt,
wo man von Korrektur nichts hält,
das freie Wort zu Grabe trägt.
Wo woke Klima-Gender-Sekten
die Politik im Land diktieren,
manifestiert in Wahnprojekten,
was soll denn da noch funktionieren?
Wofür sie jetzt schon Geld verplempern,
man fässt sich nur noch an den Kopf,
NGOs, Erneuerbare, Migration, Medien sie pempern,
was hängt nicht am rotgrünen Tropf?
Jetzt soll sogar der Rubel rollen
für Aufrüstung und Militär,
schöpfen dabei nicht aus dem Vollen,
doch Schulden werden immer mehr.
All das Gebaren lässt erstaunen:
Was ist mit Deutschland nur geschehen?
Hört man nichts mehr von Aufschwung raunen,
bloß Pleitegeier jubelnd krähen.
Seit vielen Monaten lese ich Ihre Kommentare und bin immer auf‘s Neue hoch angetan und dankbar für den Mut,den sie alle unverdrossen aufbringen ‼️
Danke ‼️
Ich verleihe der Hoffnung Ausdruck,das dies bitte so bleiben möge
Seien sie alle bitte weiterhin der Leuchtturm,den wir so dringend brauchen um weiterzumachen ❤️
herzliche Grüße aus Chemnitz,
Sylke Rothe
Diese Querfront könnte uns aus dem Schlamassel befreien!
Vorsicht bitte wenn Sie das Wort „quer“ erwähnen und dann auch laut öffentlich DENKEN. Das führt dann gerne wegen 20€ in den Knast für 9 Monate. Trotzdem – auch ich finde diesen Begriff „Querfront“ wunderbar. Es wird höchste Zeit, dass beide Parteien ihre Fähigkeiten beweisen dürfen. Es braucht ja nicht viel, um hier in Deutschland sehr viel positives zu bewirken.
Ich finde Waigel und Wagenknecht nicht klasse und gemeinsam in Regierungsverantwortung ein Graus. … aber „… was kommt kommt und was nicht kommt, kommt nicht“ … in meinem reichlich fortgeschrittenen Alter werden die beiden mich sicherlich überleben. Deutschland hat besseres verdient, aber die Alternativen scheinen sehr begrenzt.
Ich kann mich diesem Kommentar nur anschließen.
Statt die für das Land und mit vor allem Verstand und Können die Besten aus den Parteien zu suchen wird nur die eigene Macht, der Erhalt praktiziert, fern ab von dem, was das Volk will. Die Selbstbedienung ohne jede Gegenleistung ist erschütternd bei diesen „Eliten“ und nimmt immer mehr zu.
Warum versucht man nicht zusammen zu arbeiten um D wieder auf die Füße zu bringen, was in nunmehr Jahrzehnten nur ausgebeutet und runter gewirtschaftet wurde sondern übt sich grundsätzlich z.T. mit Lügen und Verleumdungen den sog. Gegner auszubooten. Es geht schon lange nicht mehr um das Volk sondern um Machtspiele, wobei die wirklichen Fachleute nicht mehr vorhanden sind, eher ungelernte, Schul- und Studienabbrecher usw.
…Sie sprechen mir aus dem Herzen…mehr kann ich zu Ihren Zeilen nicht schreiben…
Beste Grüße
Ja Herr Langemann, es ist einen Versuch wert. Was wir jetzt haben, führt uns in den Untergang und zu Sklaven der Altparteien. Ich stehe voll und ganz zur AfD seit 2013, aber auch eine Sahra Wagenknecht hat sehr vernünftige Ansichten. Es wäre einen Versuch wert.
W. UND W Ich wäre begeistert, hoffentlich klappts,
…seit langem mein Traum…die W&W Monarchie ; )…zwei echte Traumfrauen, die dem Weiblichen wieder Ehre geben.
Ein Weiter so der alten, möglicherweise überholten, Politikerklasse würde teuer werden und wahrscheinlich in letzter Konsequenz zu Bürgerkrieg und bzw. oder offenem Krieg gegen Russland führen, damit einhergehend Kriegsrecht und Ende unserer demokratischen Gesellschaft. Ich sehe immer weniger Lösungen, die aus Berlin und Brüssel kommen. Stattdessen werden die Probleme immer größer. Die Bevölkerung wird in ihrer Angst vor Seuchen, Klima, Flüchtlingsströmen, Populisten und Extremisten bestärkt. Wirksame Gegenmaßnahmen sehe ich nicht. Die Wähler beginnen zu erkennen, dass es so nicht weitergehen kann. Mir kommt es so vor, dass zumindest programmatisch die AfD der CDU der sechziger Jahre entspricht, das BSW analog der alten SPD. Damals hat sich Deutschland positiv entwickelt. Das kleine unbedeutende Thüringen könnte tatsächlich die AfD wie das BSW als Landesregierung auf den Prüfstand stellen. Das oppositionelle Reden würde Regierungshandeln weichen müssen. Man darf gespannt sein.