von Markus Langemann//
Einheit ist das große, stille Geheimnis, das den Menschen trägt. Er selbst, das biologische Wunder, ist ein vollkommen orchestriertes Geflecht aus Organen, Nerven, Geweben. Kein Herzschlag würde ohne das Atemholen genügen, kein Gedanke könnte ohne Blutlauf erwachsen. Alles greift ineinander, fügt sich, widerspricht sich nicht.
Der Mensch ist Einheit – in Fleisch und Geist, in Angst und Zuversicht, in Endlichkeit und in Gottesfurcht. Wer diese Einheit bricht, wer in Zwist lebt mit sich selbst, wer das Geschenk des Lebens nicht annimmt als Ganzes, der wird zerrieben zwischen den Fronten des eigenen Innenlebens.
Doch der Blick auf das Gemeinwesen lässt das Ideal zerbrechen. Eine Gesellschaft, die ihre Einheit verloren hat, lebt im Zerren und Zerwürfnis. In Deutschland – so will es scheinen – hat sich der Zwist in alle Ritzen gesetzt. Der Streit ist Dauerzustand geworden, Feindseligkeit das tägliche Brot. Politik, einst als Kunst der Balance und der Maßfindung verstanden, entgleitet in endlose Auseinandersetzungen, in Debatten, die nicht dem Finden, sondern dem Verhärten dienen. Das Maß ist verloren. Der Streit wird nicht geführt, um Lösungen zu schaffen, sondern um die Gegenseite zu demütigen.
Es ist, als lebte dieses Land im Modus der Entzweiung. Ost und West – wie zwei Geschwister, die das Erbe nicht teilen können. Nach außen Kriegslüsternheit, das Säbelrasseln im Ton der großen Machtpolitik; nach innen Unordnung, ein zersetzendes Zulassen von Strukturlosigkeit, als wäre der Friede im eigenen Haus entbehrlich.
Einigkeit bedeutet nicht Einstimmigkeit. Einigkeit ist reif gewordenes Einverständnis, das nach Durchlaufen mühsamer Prozesse entsteht. Einigkeit heißt: Man hat gerungen, gestritten, geprüft, man hat Differenzen anerkannt – und doch einen Boden gefunden, auf dem man gemeinsam stehen kann. Doch wie soll eine solche Einigkeit erwachsen, wenn es am Grundstoff der Diplomatie mangelt? Wenn nicht das Gewinnen einer Mitte gesucht wird, sondern das Niederkämpfen des Anderen?
Die Einheit, die wir meinen, ist nicht das Gleichschalten, nicht das Entwerten von Unterschied, sondern das Finden eines größeren Ganzen, in dem Unterschied aufbewahrt bleibt und doch aufgehoben ist. Der Mensch, der Körper, ist dafür ein lebendiges Gleichnis: Die Lunge widerspricht nicht der Leber, das Herz kämpft nicht gegen das Auge. Und der Glaubende weiß: erst in der Ehrfurcht vor Gott wird er selbst eins mit dem Geschenk des Lebens.
Niemals gelingt ein gutes Leben im Zwist. Und niemals wird ein Land bestehen, das sein eigenes Fundament der Einigkeit verspielt. Darum mag man sich an den Satz erinnern, der uns in feierlicher Stunde wie eine ferne Mahnung zugesprochen ist:
„Einigkeit und Recht und Freiheit, für das Deutsche Vaterland.“

7 Antworten
Einigkeit. Danke für Ihre Gedanken, Herr Langemann, mit denen Sie versuchen, der Idee der Einigkeit etwas Erstrebenswertes abzugewinnen. Mir selbst erschien der Begriff der Einigkeit bisher zu absolut, als dass ich etwas Gutes an ihm fand. Aber ja, Ihre Interpretation gefällt: Einigkeit gedacht als ein größeres Ganzes, in dem unsere Unterschiede bewahrt bleiben und sich zu etwas Höherem erheben. Doch was soll es sein, das höhere Ganze?
Recht? Das Recht, unsere Grundrechte und Alltagsrechte, die uns untereinander verbinden und Jedem einen Platz mit Würde zuweisen, verliert in letzter Zeit an Tragkraft und Höhe. Als Kandidat für ein höheres Ganzes wäre es in schlechtem Zustand und reformbedürftig.
Freiheit. Die Freiheit wird täglich bedrängt im dichter werdenden Dschungel von Regeln und Abgaben. Im Beruf, auf Reisen, rund ums Geld und im eigenen Wohnen – die Freiheit ist im Rückzug. Selbst Sprache wird immer mehr reguliert und kontrolliert, und mit ihr verliert auch die Meinung an Freiheit zur Entfaltung und Kreativität..
Wenn also offenbar weder Recht noch Freiheit als höhere Ziele taugen sollten:
– Was eignet sich dann als Boden, auf dem man gemeinsam stehen kann?
– Was könnte alternativ zu Recht und Freiheit ein größeres Ganze sein, das uns eint?
– Und wenn es die Mitte ist, die gewinnt – was wäre ihr Wesen ohne Recht und Freiheit?
Kultur gibt es in jedem Kral, hat es immer gegeben, wurde immer wieder verschüttet, besonders gründlich in der Zeit des auf zwölf Jahre verkürzten 1000 jährigen Reiches, aber sie ist immer wiedergekommen. Man braucht sie einfach für eine funktionierende Gesellschaft und da wollen wir ja wieder hin. Die allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte müssen wir nicht neu erfinden, sie gelten bedingungslos. Jeder Einzelne muss erkennen, dass die eigene Freiheit da aufhört, wo die des Anderen beginnt. Oder wie sagte Mutter zu uns Kindern? „Was du nicht willst, was man dir tut, das füge keinem Anderen zu.“ Die Anerkennung von Realität – nicht nur die einer eigenen, erdachten Realität – ist eine kulturelle Voraussetzung dafür. Es braucht den Willen zur Wahrheitssuche. Diese wäre sehr erleichtert, wenn die von uns bezahlten öffentlich-rechtlichen Medienhäuser in ihrer Arbeit mit gutem Beispiel voran gingen. Bis dahin sind wir in der Wahrheitssuche allerdings weitgehend auf uns allein gestellt, was aber nicht heißt, dass es nicht machbar ist. Der Club macht es uns da ein wenig leichter, uns in der Nebel verhangenen, öffiziösen Medienlandschaft zurechtzufinden. Vielen Dank dafür.
Nie wieder wird diese Bevölkerung einig sein.
Der Ost- West Graben wird genau so wenig zugeschüttet werden wie die Religionsunterschiede zwischen 50 % Atheisten, 30 % Islamisten und 20% Christen.
Der Graben zwischen 50 % Leistungsbereiten und 50% Leistungsverweigerern wird solange bestehen bleiben bis die Lemminge hineingesprungen sind.
Schluß mit der Träumerei. Deutschland und „der Westen“ befinden sich im akzelerierten und nicht aufhaltbaren Abstieg.
Die Erde wird asiatisch. Die unvorstellbaren Menschenmassen mit stündlich wachsendem technologischen Vorsprung werden den Islam ebenso aus dem Wege räumen wie die Bevölkerungsexplosion in Schnackselland.
Sie haben auch mir aus dem Herzen gesprochen, lieber Herr Langemann:
Ja, suchen und finden eines größeren Ganzen
in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor Gott!
Warum gibt es keine Einigkeit? Und warum hilft keine Beschwörungsformel weiter? Warum ist der Mensch zerrissen? Warum verharrt das Land mal in schweigendem Nebeneinander der Menschen und Generationen, mal in aggressivem Gegeneinander? Hier die Antwort: Der Materialismus, der Glaube an die Materie, die Optimierung der Natur, die Vermessung der Welt, die Maximierung des Wohlstandes, die Beherrschung des Planeten, ohne Gott, zerplatzt wie eine Seifenblase und lässt die Menschen ratlos und oft aggressiv zurück. Andere Länder können sich unter der Fahne versammeln, und wenigstens für Momente Nähe und Wärme empfinden, wir nicht. Andere Länder können ihre Feste feiern und ihre Lieder singen, auch wenn sie schal klingen, wir nicht. Wir sind das zentrale Schlachtfeld der Geschichte, im Guten wie im Bösen. Wir sind die Kulturnation, die Wissensnation, die Geistesnation, und haben doch all das zerstört. Weil wir gleichzeitig die autoritäre Nation, die feige Nation, die Nation der Mitläufer und Duckmäuser sind: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“ Und dann, da wir uns durch eine unverdiente Gnade in das Wirtschaftswunder retten konnten, stellen wir fest, dass auch das nicht ewig hält, ja, dass es auch den günstigen Umständen geschuldet war. Stellen fest, dass unser Idealismus und unsere Halsstarrigkeit, unser fehlender Pragmatismus, uns schon wieder in eine bedrohliche Situation geführt hat. Bedrohlich für die Wirtschaft und bedrohlich für den Frieden. Nun stehen wir achtzig Jahre nach Kriegsende vor den Trümmern unserer Politik in jeder Hinsicht. Wir stehen diesmal nicht allein, sondern fest im Westen verankert, haben allerdings alles auf die Spitze getrieben. Wie so oft. Kann das ein Trost sein? Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Was gäbe es da zu feiern? Das ist der Grund, warum so viele, gerade auch junge Leistungsträger, nur noch weg wollen. Hören Sie sich um, dann wissen sie es.
Ich schätze Ihren Gottesbezug. … Aber, was würde es bedeuten, wenn die Zerstörung gesteuerte, gewollt ist? Von wem, wer orchestriert den Untergang nach Partitur. …. Nur ein Beispiel: Bringt man dieses Land in die Schuldenfalle, in die Knechtschaft: Wer wurde Bundeskanzler mit Wahllügen, … Wer sind die Kriegstreiber? Und welche Mächte stecken dahinter. City of L….?Es geht in Kriegen meist immer um Resourcen, kaltes Kalkül? Vllt aich auf der russischen Seite, ganz sicher beim künftigen Krieg gegen den Iran.
Ihre Worte tun sehr gut, vor allem das Zitat mit unserer Hymne. Sollten sich ALLE Bürger unseres Landes, vor allem aber unsere Politiker und zwar von ALLEN Lagern drauf besinnen. Wir waren immer am stärksten, als alle zusammen gehalten haben, sei es beim Wiederaufbau, der Wiedervereinigung oder auch „nur“ beim Fußball, insbesondere dem Sommermärchen. Eigentlich schier nicht zu verstehen, warum das vergessen wurde bzw. warum wir das nicht nochmals hinbekommen sollen?