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Zusammenland

von Peter Löcke //

BMW – Freude am Impfen! Persil – Impfen. Da weiß man, was man hat! McDonalds – Impfen. Ich liebe es! Lidl – Impfen lohnt sich! KitKat – Have a break. Have a Pieks! Douglas – Come Impf and Find Out! Müller – Alles impfen oder was!  

# ZusammengegenCorona! Es war im Dezember 2021, als eine groß angelegte Werbekampagne startete, an der sich über 150 Unternehmen beteiligten. Die Konzerne stellten ihre Namen, Logos und Claims zur Verfügung und münzten ihre Werbeslogans zu Impfaufrufen um. Als offizieller Medienpartner fungierte die BILD. Wenig überraschend stieß die Kampagne auf großen Beifall in der Politik. Kritiker sahen in dieser Hochzeit zwischen Medien, Großkonzernen und Politik eine konzertierte Gleichschaltung, Befürworter gelebte Solidarität. War die Aktion erfolgreich? Nein. Trotz aller Werbebotschaften und obwohl parallel die Diffamierung ungeimpfter Menschen ihren traurigen Tiefpunkt fand, stagnierten die Impfquoten. Von Erfolg gekrönt war die Kampagne genauso wenig wie die Abstimmung zu einer Impfpflicht vier Monate später im April 2022.

#Zusammenland – Vielfalt macht uns stark! Es gibt eine neue Zusammen-Kampagne, die offiziell am 15. Februar 2024 startete. Initiiert wurde sie von den Geschäftsführern gleich fünf großer Medienhäuser. Das sind namentlich Christian Wegner (Süddeutsche Zeitung), Rainer Esser (Die Zeit), Gabriel Grabner (Tagesspiegel), Christian Schmalzl (Ströer) sowie Andrea Wasmuth (Handelsblatt Media Group). Vom Umfang her stellt die neue Aktion die Impfkampagne aus dem Jahr 2021 in den Schatten. Rund 500 Unternehmen, Verbände, Großkonzerne, Banken und Buchverlage beteiligen sich und folgen dem Ruf der fünf Verlagshäuser – angefangen bei A wie Adidas und Allianz. Angesichts dieser Dimensionen erscheint interessant, wer nicht mitmacht. Warum blieb Springer außen vor und welche Unternehmen beteiligen sich warum nicht. Diese Konzerne wirken verdächtig unsolidarisch.

Wofür wirbt die Kampagne, wogegen kämpft sie?

„Weltoffenheit, Respekt und Gemeinschaft sind Werte, die Deutschland nicht nur zu einem lebenswerten, sondern auch zu einem wirtschaftlich starken Land machen. Deshalb stehen wir zusammen für ein offenes Land, das sich Schwierigkeiten mutig stellt.“ 

So die Initiatoren. Ob Deutschland momentan ein wirtschaftlich starkes Land ist, sei dahingestellt. Für Vielfalt, Gemeinschaft, Respekt & Weltoffenheit, sprich für Toleranz? Es gibt wohl kaum einen vernünftigen Menschen, der diese edlen Ziele und Werte nicht unterschreiben würde. Gekauft! 

Wie viele Kampagnen wendet sich „Zusammenland“ neben einem „für“ auch „gegen“ etwas. Sie wendet sich gegen Rechts, Rechtsextremismus und Intoleranz. Ab hier geht es ins Kleingedruckte. Die Grenzen zwischen konservativ, rechts und wirklichem Extremismus verschwimmen, die Grenze der Mitte und des noch Sagbaren wird Stück für Stück an die linke Außenlinie verortet. Sind Bauernproteste bereits rechtsextrem? Steht Kritik an der Wirtschafts- und Migrationspolitikpolitik der Ampel generell unter Verdacht, den Staat delegetimierend infrage zu stellen? Ab wann ist Kritik bereits Hass, nachdem jüngst Verfassungsschutzpräsident Haldenwang nebulös vor „verbalen und mentalen Grenzverschiebungen“ unterhalb der Strafbarkeitsgrenze warnte? Auch die Initiatoren der Kampagne bleiben bei diesen Fragen im Unklaren.

Wie sieht die Kooperation zwischen den großen Verlagshäusern und den Konzernen in der Praxis aus?

Die Unternehmen und Verbände, die die Toleranzkampagne „Zusammenland“ unterstützen, können ihr Logo kostenfrei in Anzeigen integrieren und verpflichten sich im Gegenzug, gemeinnützige Aktionen zu unterstützen oder firmenintern Aktionen zu starten. Dabei handelt es sich um Aktionen für Vielfalt und gegen Rechts. Bei der Kooperation handelt sich um eine win-win-win-Imagekampagne, um eine weitere Dreier-Allianz aus selbsternannten Qualitätsmedien, Großkonzernen unter Applaus der selbsternannten demokratischen Parteien. Solche Partnerschaften tauchen in Wirtschaftsplänen gerne als „gegenseitige unbare Leistungen“ auf.

Zusammenland. Zusammenstehen. Unterhaken. Solidarität. Das hört sich gut an. Gekauft!

Gleichgeschaltet wird freigeschaltet für Vielfalt. Das hört sich weniger gut an. In ist wer drin ist und leider nur der. Draußen und verdächtig ist, wer nicht mitmacht. Macht Müller Milch auch dieses Mal mit wie einst bei der Impfkampagne? Wurde das Unternehmen überhaupt angefragt, nachdem sich dessen Chef Theo Müller privat mit Alice Weidel traf? 

Es ist einfältig zu glauben, es ginge bei dieser Werbekampagne um Vielfalt. Wenn Großkonzerne, Leitmedien und Politik fusionieren, geht es nicht um Solidarität sondern um gemeinsame Interessen. Es handelt sich nicht um eine Zeichensetzung für Demokratie. Es ist ein Zeichen für das genaue Gegenteil.

Ursprung dieser Zusammenland-Kampagne war die Recherche von Correctiv um vermeintliche Deportationspläne bei einem vermeintlichen Geheimtreffen in Potsdam. Diese Geschichte mobilisiert bis heute Menschenmassen. Nur hat es diese Pläne nie gegeben. Correctivs stellvertretende Chefredakteurin Anette Dowideit log am 28. Januar im Presseclub gleich doppelt, indem Sie behauptete, keine staatlichen Zuwendungen zu erhalten und das Wort Deportation selbst nie verwendet zu haben. Einer der Hauptverantwortlichen der Recherche heißt Jean Peters, ein selbsternannter Geschichtenerfinder. Dennoch wird diese Geschichte bis heute weitererzählt von Süddeutsche, Zeit, Tagesspiegel, t-online und Handelsblatt. Sie wird erzählt von eben jenen Unternehmen, die nun die Kampagne „Zusammenland – Vielfalt macht uns stark!“ ins Leben gerufen haben. 

#Zusammenland oder #Wirlassenunsergehirnzuhause? Müller – Alles Vielfalt oder Was? Man darf gespannt sein, wie sich diese Werbekampagne entwickelt.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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2 Antworten

  1. Geschichte wiederholt sich – vor allem, wenn die Aufarbeitung nicht stattfindet.

    Umsonst war es dennoch nicht – 1989 “auf der Straße” gewesen zu sein. Gerne wieder, wenn`s denn sein muß.
    30 “freie” Jahre hatten wir ja immerhin dazwischen.
    Es verblüfft, wie plump und demagogich das Vokabular aus der DDR übernommen wird.
    Wem da immer noch kein Licht aufgeht…

    Tja, Nachtigall, ick hör Dir trapsen.

  2. 1. Das wir Ossis nochmal dort ankommen, wo wir herkamen, hätte wohl 1990 kein DDR-Bürger jemals für möglich gehalten.
    2. „….. Deshalb stehen wir zusammen für ein offenes Land, das sich Schwierigkeiten mutig stellt.“ —- äh, Nein, kein Bedarf an selbst gemachten Schwierigkeiten (was für ein Euphemismus)!

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