Faktencheck bei Brecht. Und nun?

von Peter Löcke //

Heinrich oder Heidenreich? Wer war hier Opfer, wer Täter? Das Thema scheint dank der Causa Julian Reichelt Lichtjahre entfernt. Trotzdem möchte ich kurz darin eintauchen. Teenager ist man zwischen 13 und 19 und steht in gewisser Weise unter Alters-Welpenschutz. Nachvollziehbar. Sarah-Lee ist nun 20 und damit erst ab jetzt zu bewerten. Vielleicht ist das so. Vielleicht ist Sie wirklich in kurzer Zeit vom hässlichen Entlein, das in einer Sprach- und Gedankenwelt aus Vulgarisch, Denglisch und Emojis aufwuchs zum gendersensiblen Schwan mutiert. Und vielleicht bedient die linke Elke nur rechte Klischees und ist umgedreht auf ihre alten Tage zu einer demenzkranken Heidenreichsbürgerin mutiert. Es ist nicht auszuschließen. Die Suche nach Rechtsradikalität, die auch Menschen wie Vera Lengsfeld, Sahra Wagenknecht und Lafontaine in AfD-Nähe rückt, kann nicht intensiv genug sein. Die Suche hat längst die Literatur erreicht und viele Schriftsteller erscheinen urplötzlich in braunem Licht. An die wirklichen Größen traut man sich jedoch nicht heran und das ist bedenklich. Die Frage darf, nein, sie muss gestellt werden: War Bertolt Brecht rechtsradikal? Ich möchte bei meinem Faktencheck auf correctiefes Niveau sinken. Selbstverständlich mit Quellenangabe.

Wer war der Mensch Brecht? Das Betrachten alter Fotos gibt erste Hinweise. Die Haare sind kurz geschoren, auf einigen Bildern trägt Brecht einen sehr schmalen Schnäuzer, der jeden Deutschen unweigerlich an einen Diktator mit österreichischer Abstammung erinnern lässt. Auf vielen dieser Bilder ließ sich Bert chauvinistisch mit Zigarre im Mund ablichten. Er galt als Frauenheld, bekannt für seine vielen Liebschaften. Es darf in dem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass Brecht ein primitives Weltbild verinnerlicht hatte. In Brechts kleiner Welt gab es nur zwei Geschlechter namens Mann und Frau. Zwischenfazit: Brecht hatte ein verdächtiges Äußeres, qualmte wie ein Schornstein, reduzierte Frauen auf Ihren Körper und Gendersensibilität war ihm vollkommen fremd. 

Der Legende nach ist Brecht vor den Nazis geflohen und seine Bücher wurden verbrannt. Doch ist das die ganze Wahrheit? Am Ende seiner Odyssee und Flucht aus Nazi-Deutschland, bei der es ihn u.a. nach Russland, in skandinavisches Exil und in die USA verschlug, verbrachte Bert Brecht seine letzten Jahre im kommunistischen Teil Deutschlands, in der DDR, wo er auch verstarb. Nun wissen meinungsstarke Hobbyhistoriker wie T. Jung, nicht zu verwechseln mit C.G. Jung, zu zwitschern, dass jede Form von Diktatur, auch Mao, Stalin und die DDR, rechtsradikal waren. War der vermeintliche Antifaschist Brecht also in Wahrheit ein kommunistischer Faschist? War das Land mit dem antifaschistischen Schutzwall in Wahrheit ein faschistischer Staat? Die Frage muss man stellen. Etwas weniger bekannt ist, dass Brecht gerne die Wissenschaft kritisierte, sie für den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki mitverantwortlich machte. War Brecht gar ein Wissenschaftsleugner? Auch diese Frage muss man stellen dürfen.

Antworten findet man in Brechts Werken. Brecht ging neue Wege. Er entwickelte das epische Theater, das zwei literarische Gattungen miteinander verknüpfte, den Roman und das Drama. Er wollte die Menschen nicht gefühlsbesoffen in etwas hineinziehen, sondern zum distanzierten Nachdenken und Hinterfragen anregen. Die Einstellung des Hinterfragens gilt jedoch im Jahre 2021 als überholt. Brecht eckte an, galt als Querdenker seiner Zeit. Querdenker? Höchst verdächtig. Bert Brecht war außerdem ein Vertreter der Dialektik. Eine dialektische Geisteshaltung ist im Zeitalter der demokratischen Alternativlosigkeit ebenfalls nicht mehr aufrecht zu erhalten. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Dieses bekannte Zitat aus der Dreigroschenoper ist längst durch moderne Germanisten und Philosophen wie dem Fast-Namensvetter Precht widerlegt. Richtig müsste es nach neuer Forschung heißen: „Erst kommt die Moral, dann der Moralismus, dann gibt’s nix mehr zu fressen.“ Das ist die Philosophie im Jahre 2021, die nicht zu hinterfragen ist. Brecht waren die Menschen und die Verhältnisse in seiner Gegenwart wichtig. Deren Lebensumstände wollte er verbessern. Eine reichlich kurzsichtige und veraltete Vorstellung nach heutigen Maßstäben. Das Zeitgeist-Credo heute ist: Es gilt die Welt im Jahre 2030 bis 2050 zu retten. Die Gesamtheit von Brechts Schaffen kann ich in diesem Faktencheck natürlich nicht beleuchten, denn Brecht war vieles, nicht nur Dramaturg. Er war auch Lyriker. Doch ist eine Brechtsche Liebeslyrik glaubwürdig, wenn man an sein frauenverachtendes und genderunsensibles Weltbild denkt? 

Fazit des Faktenchecks: Es ist höchst bedenklich, dass solch ein umstrittener alter, weißer Mann immer noch an deutschen Schulen gelesen wird. War Brecht wirklich ein Antifaschist oder nicht doch das Gegenteil? Diese Frage muss neu beantwortet werden. Mindestens aber sollte es überarbeitete Neufassungen seiner Werke geben. Mutter Courage? Solch ein Titel sollte sprachlich transformiert werden in „Des gebärenden Elternteils Mut“. Um diese Probleme sollten sich nicht mehr 20-Cent-Omas wie Elke Heidenreich kümmern. Kümmern Sie sich darum, Frau Heinrich, nachdem Sie die Lektüre der Tribute von Panem beendet haben.

Verwendete Quellen:
– Google/Bilder
– Wikipedia-punkt-org
– Allgemeinwissen-dot-analog
– Twitter-ät-Fremdschäm
– Bauchgefühl-dot-com

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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4 Antworten

  1. ,,brecht bis ihr kotzt,,…unsere Losung als DDR Freie deutsche Jugend…kurz FDJ.
    Ich bin eine alte leipziger Göhre und weiss nur allzu gut, wie sehr uns Kinder das geprägt hat, prägen sollte.
    Im Unterricht an der politechnichen Oberschule war das im unserem Mittagssüppchen.
    In den Ag,s war es als ,,freiwilliger,,Stoff zur Auswahl als Pflichtwahlfach.
    Neben Heinrich Heine und Lenin, kam gleich Brecht.
    …und nun?
    und nun kann ich denken…Brecht sei dank.

  2. Die Regie, die gerade den Scheinwerfer mit dem braunen Licht führt, hat selbst nicht annähernd erfaßt, welche perfekt bürokratisierten, bestialischen Verbrechen historisch chrakteristisch für braun waren. Offensichtlich dient es einer Antifa dazu, sich selbst zu optimieren, alles Mögliche in braunes Licht zu tauchen, ohne annähernd zu erfassen, welchen Realitätsverlust eine Antifa auf diese Weise selbst erleidet.
    Ein wie auch immer gearteter, brecht’scher Verfremdungseffekt täte gut, um die notwendige, kritische Distanz wieder herzustellen. Es ist ein Unding, #allesmaldichtmachen oder #allesaufdentisch einer rechten Ecke zuzuschreiben. Schade, daß der Geschichtsunterricht einer SarahLee offenbar zu kurz gesprungen war und die berechtigte Kritik einer lebenserfahreneren E. Heidenreich die jungen Gemüter mit „gute Güte“ erhitzt…vor lauter Welpenschutz weiß keiner mehr, wovon tatsächlich gesprochen wird…

  3. Dreck absondern, dafür nicht verantwortlich sein wollen.

    Aber mit 18 dürfen sie wählen, demnächst mit 16. Früher wurde man nach der Konfirmation in eine Lehre gesteckt und wusste genau, was sich gehört oder nicht. Diese mit 20 noch unreife Göre hat – wie aus ihren aktuellen Äusserungen folgt – überhaupt nichts reflektiert.

    Die Hilfstruppen verlangen, dass der Welpenschutz bei Linken bis mindestens über 30 zu gelten hat.

    1. Sarah-Lee wer? Ist dieses ganze Getöse um die fehlgeleitete Jugend nicht ein wenig viel? Aber zumindest zeitlos, schon die alten Römer wurden durch ähnliche Szenarien verunsichert.
      Die nachhaltige Erziehung von Kindern und Jugendlichen geschieht ja durch die Vorbildfunktion von Erwachsenen. Haben nicht viele von uns die jetzt beklagten Verhaltensweisen vorgelebt? Der wichtigste Griff ist immer noch der an die eigene Nase.
      Früher in die Lehre gesteckt? Ganz viele „Arbeiterkinder“ konnten in den Achtzigern und Neunzigern nicht mehr studieren, weil der politischen Führung um Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble das nicht so wichtig erschien und das Wahlvolk tatenlos zugesehen hat. Und Lehrstellen? Wo waren sie denn? Schicksal oder Politikversagen?
      Ich sehe im deutschen Bildungssystem viel Luft nach oben. Es fehlt an Vielfalt und Eigenverantwortung, noch mehr Untertanen können wir uns eigentlich nicht leisten. Dort ist ein wichtiger Ansatzpunkt.

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