Whistleblow

Die nachhaltige Nachhaltigkeit

von Peter Löcke //

Manchmal geht mir meine betagte Mutter nachhaltig und saumäßig auf die Nerven. Weil Sie als Oma die 2020 vom WDR besungene alte Umweltsau ist, die unseren Planeten zugrunde gerichtet hat? Im Gegenteil. Wegen Ihrer extremen Nachhaltigkeit. Nichts kann Sie wegschmeißen. Socken werden noch gestopft, Schuhe neu besohlt und zerschlissene Hosen genäht. Der ganze Keller steht voller Einmachgläser. Die Friteuse von 1990? Wer weiß, wozu die noch gut ist. Gott sei Dank stellt Sie neben Marmelade auch alkoholische Getränke selbst her. So kann ich bei einem Besuch zumindest etwas aufräumen und nachhaltig Platz für neue Liköre und Weine schaffen.

Auf jeder zweiten Verpackung, jedem Werbe-Flyer und jedem Wahlplakat steht was? Nachhaltigkeit. Jeder nimmt sie für sich in Anspruch, ob in der Wirtschaft oder in der Politik. Kaum ein Wort wird dermaßen inflationär benutzt. Jedes Unternehmen bewirbt seine Produkte neben Klimaneutralität mit Nachhaltigkeit. Jede Partei bewirbt seine politischen Ideen damit, dass diese selbstverständlich nachhaltig seien. Ich wage eine provokante Hypothese. Bei einem Großteil des Hypes um Nachhaltigkeit handelt es sich um nachhaltigen Quatsch. Nachhaltigkeit ist zumindest auch ein Marketingbegriff, eine notwendig gewordene verkaufssteigernde Worthülse. Nicht mehr als ein Etikett, eine Verpackung ohne Inhalt und im schlimmsten Fall bewirken die Ideen der Nachhaltigkeits-Blender sogar nachhaltige Schäden.

Woran denkt man zuerst sobald der Begriff Nachhaltigkeit fällt? An Umwelt, Klima, Energie. Der angeblich notwendige sofortige Energiewandel, der Umstieg auf endlich nachhaltige Energieformen wie Sonne und Wind. Vor allem die selbsternannte letzte Generation ist in panischer Zukunftsangst, ausgelöst durch eine Dauerbeschallung an Propaganda der vorletzten Generation, zu der ich gehöre. Erfahrungsgemäß verlaufen Diskussionen rund ums Klima meist so, dass sich zwei verfeindete Parteien als Klimaleugner und Klimahysteriker beschimpfen. Das möchte ich hier nachhaltig vermeiden. Und dennoch möchte ich den meist gut situierten Hysterikern einige Fragen stellen. 

Ist es nicht heuchlerisch und zynisch, zum Verringern des vielzitierten ökologischen Fußabdrucks aufzurufen, während man selbst mit Quadratlatschen durch die Welt wandert und fliegt? Ich zumindest würde mich schämen, ohne finanzielle Sorgen und mit vollem Magen Enthaltsamkeit einzufordern. Ein gewisser Eckart von Hirschhausen hat diese Widersprüchlichkeit sogar eingestanden. Der wurde übrigens über Nacht zum Klimaforscher. Der heiße Sommer 2018 habe ihn dazu inspiriert. Danach habe er sich „ein wenig schlau gemacht“, Bücher geschrieben und eine neuerdings von Bill Gates großzügig unterstützte Stiftung gegründet. Ich schweife ab.

Ist es nicht undankbar und ebenfalls zynisch, die Nachkriegsgeneration zu verhöhnen, die den eigenen Wohlstand aufgebaut und ermöglicht hat? Diese Generation hat Nachhaltigkeit gelebt und verinnerlicht, obwohl es den Begriff selbst noch gar nicht gab. Und nein. Ich gehöre nicht dieser Generation an, sondern der vorletzten Generation, liebe letzte Generation. Ich bin aber dankbar. Das Nachhaltigkeits-Motto damals hieß „Unseren Kindern soll es besser gehen“.

Wie schaut es mit der eigenen Nachhaltigkeit der politischen Nachhaltigkeits-Fetischisten aus? Wie nachhaltig sind das Wissen, die Bildung und die Lebenserfahrung diverser Eiferer im Bundestag? Als die Grünen eine Nachfolgerin für Anne Spiegel suchten, sagte Ricarda Lang, dass Aspekte wie Alter und Erfahrung für das Anforderungsprofil der neuen Familienministerin unwichtig seien. Diese nachhaltige Dummheit verstehe ich sogar, wenn ich mir den Lebenslauf von Ricarda Lang anschaue.

Die größte Tragik besteht darin, dass im Bestreben nach Nachhaltigkeit nachhaltig vieles zerstört wird. Im Bestreben die Welt und das Klima im Alleingang zu retten, wird selbige, zumindest Deutschland, zerstört. Nachhaltig zerstört. Es gibt nämlich nicht nur ökologische Modellierungen von Klimaforschern. Es gibt auch andere Modellierungen. Nicht am Computer entworfene Zukunftsszenarien wie es beim Klima der Fall ist. Diese anderen Modellierungen findet man in der Vergangenheit. Sie stehen in Geschichtsbüchern.

Wirtschaftliches Leid löst soziales Leid aus. Die Kombination führt zu Unruhen und zur Spaltung einer Gesellschaft. Das wiederum fördert radikale Parteien, die dann wirklich radikal sind und nicht nur als radikal diffamiert werden. Schlimmstenfalls kommt es zum Krieg. Das sind die Dominosteine, die stets in dieser Reihenfolge umgefallen sind. Natürlich im Namen des Guten und auch im Namen der angeblichen Nachhaltigkeit. 

Geschichtsbuch, nicht PC-Prognose. 

Vergleiche mit der NS-Zeit sind immer heikel, weil sich das angeblich verbietet. Es verbietet sich zumindest gegen Parteien aus dem linken Spektrum, wie ich es gelernt habe. Ich tue es dennoch, weil ich mich lange selbst diesem Spektrum zugeordnet habe. Wie lange sollte die zwölf Jahre andauernde NS-Zeit andauern? Tausend Jahre. Das tausendjährige Reich. Das war eine Verheißung auf Nachhaltigkeit. Auf Ewigkeit. Nur wurde dabei die Gegenwart nachhaltig zerstört. Heute retten wir die Welt zwischen 2030 und 2070. Koste es, was es die Gegenwart wolle. Das macht mir Angst. Nachhaltige Angst. Aber vielleicht bin ich ja nur unsolidarisch.

Seis drum. Beim letzten Elternbesuch schmiss mein betagter Vater die Fernbedienung in den Mülleimer. Die ist kaputt. So mein Vater. Ich habe aus zwei Gründen nichts gesagt. Mein Vater benötigt dringend TV-Entzug wegen nachhaltiger Propaganda. Der zweite Grund: Meine Mutter wird die Fernbedienung im Mülleimer finden und anschließend die Batterien wechseln. Also habe ich die Spirituosen-Abteilung im Keller etwas übersichtlicher gestaltet und nachhaltig aufgeräumt.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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15 Antworten

  1. Sehr geehrter Herr Löcke,
    aber, aber, so sehr ich Ihre Beiträge schätze: Da lese ich doch in einem Absatz gleich dreimal das Wort Modellierungen, mit dem die Corona-Künstler immer so anmutig hantieren..Bei mir-Lehrerin-weckt dieses Wort immer Assoziationen von einem Töpfer-C-Kurs an einer Gesamtschule, in dem nach frustranen Modellierversuchen die Ergebnisse in einem Stuhlkreis diskutiert werden und dann mit übriger Modelliermasse am T-Shirt des Nachbarn, am Heizkörper, auf dem Fensterbrett, im Papierkorb, im Haar des Vordermanns (früher gab es noch keine Vorderfrau) usw. weitermodelliert wurde. Nichts für ungut! Jeder Beruf hat seine Probleme.

  2. Der Mensch ist gezwungen,
    will er (über)leben,
    dafür Sorge zu tragen,
    seinen Körper gesund und am Leben zu erhalten.
    Möchte ein Mensch sein Leben und das seiner Familie dauerhaft und nachhaltig weiter bereichern,
    sind Wissenserweiterungen, der Ausbau seiner individuellen Fähig- und Fertigkeiten und
    Eigentumsaneignungen auf friedlichem Wege unerlässlich,
    wofür es zuerst den Dienst für andere Menschen bedarf,
    mit der Herstellung von Produkten oder Dienstleistungen,
    die er gegen Güter des eigenen Bedarfs tauschen kann.

    Der Mensch glaubt gelernt und verstanden zu haben,
    dass er aufgrund seiner individuellen Mittel und Möglichkeiten (physische Beschaffenheit, Wissen, Fähig- und Fertigkeiten, etc.)
    größere persönliche Lebensqualität erreichen kann,
    wenn er friedlich und freundlich mit Mitmenschen zusammenarbeitet (Arbeitsteilung).

    Der Mensch glaubt gelernt und verstanden zu haben,
    dass friedliche und freundliche Handlungen das Leben aller Beteiligten bereichern und verbessern
    und
    das feindliche Handlungen zu Konflikten, Leid, Elend und Zerstörung führen.

    Der Mensch glaubt gelernt und verstanden zu haben,
    dass es der Freiheit, Eigenverantwortung und persönlichen Haftung bedarf (absoluter Respekt vor fremdem Eigentum),
    um zielführend und mit größtmöglicher Sicherheit (Risikoaversion) die individuellen Herausforderungen des Lebens zu meistern
    und
    das Sklaverei abzulehnen ist,
    die das be- und verhindert.

    Die unermüdliche Kreativität und Produktivität vieler Menschen,
    haben es vermocht,
    den Lebensstandard von Mrd. von Menschen massiv anzuheben.

    Politikerunternehmer zählen nicht zu den produktiven, friedlichen und freundlichen Menschen (jeder Mensch ist ein Unternehmer),
    die den Wohlstand aller durch Fleiß und Leistung, freiwillige Arbeitsteilung als Unternehmer oder Arbeitnehmer mehren.
    Sie stellen keine Güter, sondern Ungüter her,
    leben parasitär vom Raub an den von ihnen versklavten Menschen,
    die sie täuschen, belügen, betrügen, bedrohen und mit Gewalt zum Sklavendasein zwingen.

    Die Menschen glauben daher nur,
    bis auf wenige Ausnahmen,
    die Sklaverei überwunden zu haben und frei zu sein.
    Die Menschen haben entweder noch nichts gelernt,
    oder sich über die letzten Jahrzehnte wieder zurückentwickelt.
    Der nächste Kollaps steht vor der Tür,
    das Produkt der Unfreiheit der Menschen durch die Tyrannei der Politikerunternehmer
    und dennoch
    drehen sich die meisten Diskussionen um die Politikerunternehmer,
    anstatt ihnen die verdiente und gebotene Ignoranz und Nichtachtung zukommen zu lassen
    und
    sich endlich wieder auf das Leben,
    seine natürlichen Herausforderungen und
    deren Bewältigung
    in friedlicher und freundlicher Arbeitsteilung (Zusammenarbeit)
    mit seinen produktiven, friedlichen und freundlichen Mitmenschen zu konzentrieren.

  3. Sehr interessant fand ich die folgende Seite: https://test.rtde.tech/meinung/140062-deutschlandexperte-kamkin-bundesrepublik-ist-vassalenstaat-im-dienste-eines-schurkenstaates/ . z.b. die Rede von Bundeskanzler Scholz. Ich hoffe, dass der Zugang nicht wieder gesperrt wird. Was Herr Scholz hier sagt, möchte ich gerne in die Rubrik, er ist leider nicht mein Bundeskanzler einfügen. Wir wissen, dass alles was unsere Politiker von sich geben von Mc. Kinsey aufgesetzt wurde. Und für die amerikanische Beraterfirma Mc. Kinsey zahlt der deutsche Depp alles über seine Steuern, nur um in sein Elend getrieben zu werden. Eine andere bemerkenswerte These, die sich in den letzten Tagen aufgetan hat, war, dass, wenn Putin immer mehr in Bedrängnis gerät, Hilfe von islamistischen Seiten bekommt, die wir uns auch nicht wirklich wünschen. Ein Mensch wie Peter Scholl Latour hat diese Szenarien und ihre Zusammenhänge sehr gut erläutert. Liebe Grüße. Eva

  4. Wir
    – offenbaren in digitalen Welten nachhaltig unser Innerstes.
    – kaufen nachhaltige Produkte und finanzieren Kompensationsmaßnahmen im blinden Glauben, damit die Welt zu schützen.
    – nutzen bereitwillig Smartphones mit Apps für unsere nachhaltige Überwachung.
    – fahren in Tesla & Co mit nachhaltiger Erfassung des Bewegungsprofils und mehr.
    – werden von ÖRR, Spiegel, SZ & Co nachhaltig manipuliert.
    – verteidigen unser Freiheit nicht, die immer stärker auch durch das Wirken der großen US-(Medien)-Konzerne nachhaltig verloren geht und
    – glauben dagegen, dass mörderische Waffensysteme unsere Freiheit nachhaltig verteidigen und Sicherheit bringen werden.
    – überlassen Menschen dem nachhaltigen Hungertod, um unsere hohen Moralansprüche aufrecht zu erhalten,
    – Putin nachhaltige Gewinne zu ermöglichen und
    – ukrainischen nachhaltig gegen russischen Nationalismus auszuspielen.
    – widerstehen nicht, wenn Militarismus als sicherer Gewinner des russischen Angriffskrieges nachhaltig wieder hoffähig gemacht wird.
    – lassen es zu, dass unsere demokratischen Parteien nachhaltig in grüne Blockparteien mutieren.
    – zerstören nachhaltig unsere Landschaften und Natur durch immer monströsere Windräder und
    – finanzieren so nachhaltige Klimazerstörung.
    – erodieren nachhaltig unsere industrielle Basis.
    – erkennen nicht, wie KI (=künstliche Intelligenz) unsere Arbeitswelt und damit das Selbstwertgefühl vieler Menschen nachhaltig beeinträchtigen wird.
    – ersetzen Wissen durch Glauben und wickeln so nachhaltig die Aufklärung ab.
    – geben die Kontrolle über unsere Gesundheit nachhaltig an die Pharma- und Gesundheitslobby ab.
    – akzeptieren nachhaltige Fehlentscheidungen höchster Gerichte, u.a. des BVG verbunden mit massivem Rechteabbau der aktuellen Generation.
    – geben unsere Kinder zu nachhaltiger Gehirnwäsche bei einer zunehmend grünen Lehrerschaft ab.
    – fertigen nachhaltig in Billiglohnländern mit zweifelhaften Regierungsformen.
    – kämpfen nicht dagegen an, wenn eigenständiges Denken nachhaltig unter Generalverdacht gestellt wird.

    Ja, lieber Herr Löcke, Sie haben Recht. Die Welt ist nachhaltig nachhaltig geworden.

    1. Eben nicht, Herr Aßmann, wir sitzen nicht da wie das Kaninchen vor der Schlange. Unser Innerstes können reine Materialisten sowieso nicht erkennen, das Geistige existiert für sie garnicht, ihre größte Schwäche. Unsere Freiheit verteidigen wir seit mehr als zwei Jahren, was meinen Sie denn, wo wir wären, wenn es nicht so einen breiten Widerstand gegeben hätte? Jeder, der will, kann durch Vormachen neue Anstöße geben, anders einzukaufen, eine andere Wirtschaft ermöglichen. Damit wäre vielen Menschen geholfen, die schon jetzt eine bessere und nachhaltige Art zu wirtschaften leben. Wir können einfach anders miteinander umgehen im täglichen Leben, eine gesunde Nähe untereinander zulassen, so dass Gemeinschaft entstehen kann. Das nimmt den zum Großteil unwirklichen, nur empfundenen dunklen Gefahren ihren Schrecken. Unsere industrielle Basis halte ich für unzerstörbar, da die eigentliche Basis unsere Schaffenskraft und unser Erfindergeist sind. Selbst nach der Stunde Null 1945 war es nicht vorbei, nur weil es materiell vorbei war. Ganz im Gegenteil, der Geist wurde befreit, viele wachten aus ihrer Verblendung auf und ungeahnte Kräfte wurden frei. Sie haben Recht, wir dürfen unsere Kinder und Enkel nicht mehr einfach zur Erziehung abgeben an den Staat, da braucht es deutlich mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit unsererseits, möglicherweise ist das langfristig der Weg, uns unsere Freiheit zu erhalten oder, je nach Sichtweise, zurückzuholen. Einfach machen – wir jetzt.

      1. Sehr geehrter Herr Wessel,
        mit “Wir” habe ich ganz bestimmt nicht Sie gemeint, sondern den Schwerpunkt der unserer Gesellschaft. Davon liegen Sie bekanntermaßen Lichtjahre entfernt.
        Dass unsere industrielle Basis “unzerstörbar” ist, glaube ich allerdings nicht. Dafür ist das Niveau in einigen Branchen allzu sehr im Sinkflug begriffen. Beispiele sind Energiewirtschaft, die zunehmend von staatlichen Subventionen abhängig ist, die Automobilindustrie, in die unsinnige E-Mobilität gepresst wird und das trotz immer unsicherer Stromversorgung, der Wohnungswirtschaft, der Enteignung droht oder der Tourismusbranche, der durch hässliche und laute “Freiheitsenergien” schon bald die Landschaften und Natur ausgehen werden. Wir leben in Teilbereichen von unserer in Jahrzehnten hart erarbeiteten Substanz.
        Dass wir das alles so hinnehmen müssen, habe ich nicht behauptet. Aber es wird schwierig und langwierig werden, zu vernunft- und faktenbasiertem Handeln und insbesondere Denken zurückzukehren, da die Rahmenbedingung bereits in der Bildung falsch gesetzt werden: Ideologie- und Glaubens- vor Wissensvermittlung! Wie schon des Öfteren in unserer Geschichte nehmen Ideologie und Glauben deshalb einen immer breiteren Raum in unserer Gesellschaft und vor allem in der Politik, Justiz, Verwaltung, Presse/Medien und selbst in den Wissenschaften ein.
        Viele Grüße
        Roland Aßmann

  5. Guten Morgen Herr Löcke, ja das kommt mir auch bekannt vor. Diese Nachhaltigkeit der Nachkriegskinder zu denen meine Mutter und mein Vater zählten. Das Vergnügen gehortete Dinge zu entsorgen hatten dann wir Kinder. Und trotzdem konnte ich meinen Eltern nicht böse darüber sein, auch wenn ich einiges belächeln musste, was ich beim Wohnung auflösen mit dem dazu gehörigen Nebengelass so fand. Es ist so Schade das man keinen Zeitzeugen befragen kann, wie er es denn zur Zeit so fände was im Moment hier gepredigt wird aus allen Rohren. Ich glaube die Mehrzahl der älteren Herrschaften würde es tatsächlich an 33 erinnern. Meine Mutter ist Jahrgang 37 und war bei Ende des 2. Weltkriegs 8 Jahre alt. Er erinner mich gern an die Abende in ihrem Bett (unser Vater war Montagearbeiter und kam nur am Wochenende nach Hause), wo wir unsere Mutter löcherten sie solle doch was über die Zeit damals erzählen. Das tat sie im Regelfall dann auch. Von Opas Verschwinden nach dem Volkssturm, von Omas Kartoffel stoppeln auf den Äckern um ihrer Rasselbande von 9 Kindernn eine Zumpelsuppe zu kochen, so das jeder was im Bauch hat. Von Igelitschuhen in denen man erfrorene Füße bekam, von selbstgenähten Jacken aus Wolldecken, von Vergewaltigungen, die Mädels wurden alle kindlicher hergerichtet als sie es tatsächlich waren, von liegengelassener Munition mit denen Kinder spielten bis es zu Todesfällen kam.
    Heute wird von Nachhaltigkeit in einer Leichtigkeit geplaudert das es einem den Atem verschlägt! Nachhaltig wäre es, sich all dieser Dinge zu erinnern und so einen Sinnloskrieg nicht weiter zu befeuern. Aber leider muss man hier sagen, die Menschen haben nichts dazu gelernt!
    Im Herbst wird die Corona Propaganda Maschine wieder hochgefahren, Anzeichen sind jetzt schon erkennbar. Durch all diese Dinge habe ich eine nachhaltige Nervenschädigung im Bein und an sonstigen Organen erlitten, weil nicht nachhaltige Diagnosen mir den Weg in ein schmerzfreies Leben versperrt haben. Die Diagnose so bescheuert es klingt, habe ich mir selbst ergoogelt und dann auch den richtigen Behandler gefunden. Es war ein sehr langer weiter schmerzhafter Weg und ich hoffe das ich nach dem 8. Juni den Start in ein neues Leben bekomme und meine Nerven sich nachhaltig erholen. Das alles macht wütend und traurig zugleich und ich bin mir dessen bewusst das ich damit nicht allein bin. Fakt ist aber, dass ich alles was bis dahin nicht nachhaltig war in meinem Leben, restlos entsorgen werde. Angefangen von Mitmenschen, von Arbeitgebern die es nicht mal verdient haben sich so zu nennen und für Lauterbach und Co. wünsche ich mir nichts sehnlicher als das der Tag kommen möchte an dem sie endlich nachhaltig entsorgt werden. Ich bleibe bockig. In diesem Sinne bis demnächst.

  6. Lieber Herr Löcke,
    Ihr Artikel regt mal wieder so richtig zum Mitdenken ein. Danke.
    In der Nachkriegszeit war die “Nachhaltigkeit” die Not der Menschen.
    Als erstes “Bilderbuch” für kleine Kinder fungierte ein Kochbuch mit wenigen bunten Bildern, Bilder über Speisen und Kochgeräte. Die ersten neuen richtigen Kinder- und Jugendbücher tauchten gegen 1958 auf.
    Man hatte bis dahin fast NICHTS. Und musste aus NICHTS etwas machen.
    Aufgeribbelte Pullover wurden neu gestrickt. Ärmel und Bündchen angestrickt und der Pulli oder die Jacke “wuchsen” so mit. Man kaufte Stoffe und nähte “selbst”. Und auch die Kleider “wuchsen” mit. Nur Löchriges wurde, wenn es nicht mehr reparabel war, entsorgt oder noch als Schuhputzlappen restverwertet.
    Einwickelpapiere und Geschenkschleifen wurden geglättet und wieder verwendet, genauso Papiertüten, die noch brauchbar waren. Mehl und Zucker, ua wurden in mitgebrachten Leinensäckchen eingefüllt. Eingelegter Hering mit Marinade landete im mitgebrachten kleinen Kochtopf.
    – Das waren die UMWELTSÄUE?
    Wie muss man aber jetzt Diejenigen benennen, die zu Recht auch mal im Überfluss aufwachsen durften? – Umweltvernichter?
    Beide Begriffe sind deplaziert.
    Wenn wir uns bewusst werden, dass wir nur das brauchen, was wir voraussichtlich auch wirklich mehrfach benutzen wollen, dann reduzieren sich die neu erworbenen Gegenstände von selbst. – So muss man auch Niemandem den eigenen alten Krempel aufnötigen oder ihn wegwerfen.
    Ein hungriger armer Mensch freut sich mehr über etwas Geld, um sich etwas zu Essen zu kaufen. Und das haben wir, bei bewusstem eigenen Kaufverhalten, dann auch übrig. – Der andere Mensch muss vollwertig mitgedacht werden.

    Wenn die Einträge in die Natur aus der Industrie auf absolutes Minimum reduziert oder noch besser so gut wie möglich ganz verhindert werden, spricht man von Nachhaltigkeit. – Interessanterweise profitiert auch die Industrie von intelligenten Aufarbeitungsanlagen, die solche Stoffe wieder in die Produktion mit einfließen lassen können.

    Nachhaltigkeit fängt bei jedem Einzelnen an und sollte gerade von Denjenigen vorgelebt werden, die sich dafür auch einsetzen.
    Leider sehe ich in den letzten Jahren, dass man NUR Alle “über einen Kamm scheren” will (sich selbst natürlich ausgenommen). Und so wird der Schuss nach hinten losgehen: Mehr Unheil, als Nutzen bringen.

  7. Nachhaltig nachhaltig setzt voraus, dass man wie beim Schach mehrere Züge voraus denkt, und zwar nicht nur die eigenen, auch die Züge des Gegners, hier Reaktionen von Mitmenschen, Ökosystemen, Ökonomien, politischen Gruppen oder was auch immer. Man muss sich also in andere oder anderes hinein versetzen wollen, wenn man nachhaltig zum Ziel kommen will. Es ist also genau das Gegenteil von Dogmen und Ideologien gefragt. Bei aller Gegensätzlichkeit von Meinungen und Denkweisen kann man nach der Devise „Das Glas ist halb voll…“ nach Gemeinsamkeiten suchen und die ersten Schritte zur Lösung miteinander gehen. Oft kommt es im Tun zur Erkenntnis, dass man teilweise die gleichen Ziele hat, man findet Kompromisse, sozusagen eine gegenseitige Anregung zur Weiterentwicklung. Hilfreich wäre auch, erst einmal selbst die entsprechenden Anforderungen zu erfüllen, die man von allen Anderen einfordert. Vormachen statt Reden, niemand muß allein die Welt zu einem besseren Ort machen, aber tatsächlich anfangen muß schon jeder selbst, sonst wird es schwer.

  8. Immer ist es spät, wenn ich Zeit habe, deshalb verzeihe man mir evtl. Tippfehler die mir auf der Einfingertastatur meines garantiert nicht nachhaltigen Telefons widerfahren. Auch ich habe mehrere Speisekammern entsorgt. Die letzte hatte ein Ausmaß von 30 Quadratmetern. Ich konnte es nicht fassen, dass so viele Lebensmittel gehortet, eingeweckt und auf so großem Raum gestapelt wurden. Im Nachhinein bin ich neidisch ob dieser Weitsicht. Was sich mir dabei nicht ganz erschlossen hat, waren Einweckgläser mit nicht mehr definierbarem Inhalt. Eigentlich habe ich ja auch ein Problem mit dem wegwerfen. Wenn ich etwas kaufe muss es von guter Qualität sein, und dann wird es ewig geschont, ein schönes Kleid das kaum getragen wird und dafür 20 Jahre und mehr im Kleiderschrank verbringt und ewig zu gut ist um weggeworfen zu werden. Kann sich noch jemand an das „gute Geschirr“ erinnern? Die Wertschätzung der guten Dinge, das bewahren der Vermächtnisse, ein Bücherregal mit Büchern, die teilweise schon meine Vorfahren gelesen haben. Schuld und Sühne, z.b. . Die komplette russische Kultur, die man nachhaltig verdammen und vernichten möchte. Ein Schatz an großartigen Schriftstellern, Gelehrten und Komponisten. All diese, die nun tonangebend von Nachhaltigkeit schwafeln und wahrscheinlich noch nie eines der großen Werke gelesen haben oder sich tatsächlich mit Geschichte befasst haben, fordern nachhaltig „schwere Waffen“ um eine sich gerade vertrauensvolle Beziehung zwischen Russland und uns nachhaltig zu demolieren. Vielleicht mag ich mich täuschen in meiner Einschätzung. Ich sehe die Gesichter, die Ausdrucksweisen. Ich höre was sie sagen und ich fühle, dass uns etwas ganz nachhaltig ins Verderben führt. Wohl dem der seine Speisekammer gut gefüllt hat mit Weitsicht, Liebe und Widerstand.

  9. Lieber Herr Löcke,
    sie sprechen mir aus der Seele! Und sie setzen meinem Antlitz ein Lächeln auf. Ihr Sarkasmus ist köstlich und ähnlich genial wie der des Herausgebers 😉 Danke für die nachhaltig wirkenden Minuten in dieser nachhaltig gefährdeten Daseinsberechtigung.
    Grinsende Grüße
    LeoS

    My level of sarcasm depends on your level of stupidity.

  10. Lieber Herr Löcke,
    sie sprechen mir aus der Seele! Und sie setzen meinem Antlitz ein Lächeln auf. Ihr Sarkasmus ist köstlich und ähnlich genial wie der des Herausgebers 😉 Danke für die nachhaltig wirkenden Minuten in dieser nachhaltig gefährdeten Daseinsberechtigung.
    Grinsende Grüße
    LeoS

  11. Lieber Herr Löcke, absolut sensationell! Ich bin begeistert von Ihrem Artikel – gestern, wirklich gestern saß ich da und hab mich mit genau diesem Begriff auseinandergesetzt, wollte sogar was darüber schreiben, weil er mit so einer nichtssagenden Wichtigkeit daherkommt und jedes Mal Groll in mir verursacht, und das ist- wie Sie ja schon sagen- katastrophal oft!!!
    Egal ob Möbelhauswerbung über’s Radio oder gute Freunde, die zu Besuch kommen – alles lebt und isst und wohnt plötzlich nachhaltig… naja, ich brauch das nicht weiter ausführen, das haben Sie ja selbst in großartiger Weise getan!
    Danke für diesen Artikel, es ist der erste, den ich zu diesem Thema lese!
    Herzliche Grüße
    Martina Schnell

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„Kontroversen sind kein lästiges Übel, sondern notwendige Voraussetzung für das Gelingen von Demokratie." Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck a.D., vor nur 5 Jahren in seiner Rede zum Tag des Grundgesetzes.