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Propaganda im Briefkasten

von Peter Löcke //

Bitte keine Werbung einwerfen! Das kleine Etikett ist auf vielen Briefkästen angebracht. Ob ein Reklamezettel als nützliche Verbraucherinformation angesehen wird oder als nervige Belästigung, liegt im persönlichen Ermessen eines jeden Bürgers. Auch die Auswahl der Medien war und ist in der analogen Papierwelt selbstbestimmt. Tageszeitung ja oder nein und falls ja, welche? Ich allein entscheide. Ich bin Herr meines Briefkastens. Das Einloggen ist noch ein Aufschließen und funktioniert mit einem tatsächlichen Schlüssel. Drehe ich den Schlüssel um, blickt mich anno 2023 mein analoges leeres Postfach an. Das örtliche Käseblatt, Süddeutsche und Spiegel? Die Abo-Zeiten sind für mich vorbei. 

Die Welt hat sich nun mal geändert. Kaum noch Briefe oder Postkarten. Eine WhatsApp, eine SMS oder ein elektronisches Mail funktionieren sekundenschnell und gratis, ganz ohne Briefmarke. Selbst unliebsame Rechnungen erhalte ich kaum noch klassisch postalisch, sondern als pdf im Dateianhang. Rechtssicher versendet als tragbares Dokumentenformat an meine E-Mail-Adresse. Also öffne ich mindestens ein Mal täglich meinen elektronischen Briefkasten. Was erwartet mich dort, bevor ich mich über mein Passwort einlogge? Mich erwarten Bilder, Headlines, Nachrichten. Nachrichten für mich und Millionen anderer Kunden. Nur welche? Es sind Medienformate, die ich mir nie selbstbestimmt aussuchen würde. Wie sieht das typische Nachrichten-Menü auf GMX, Web, Yahoo und Co aus?

Die tägliche Horrormeldung mit der Klima-Botschaft „Das Ende der Welt naht“ darf nicht fehlen. Außerdem ein unkritisch geführtes Interview mit einem Experten. Die Botschaften der Militär-, Medizin-, Klima- und sonstigen Experten sind einseitig und entsprechen dem offiziellen Narrativ. Einen NATO-kritischen Fachmann finde ich hier ebenso wenig wie einen Wissenschaftler, der Lauterbach widerspricht. Was steht sonst auf der Speisekarte der kostenlosen E-Mail-Provider? Das typische Menü sieht in etwa so aus: böser Trump und guter Biden, Putins imperialer Angriffskrieg neben der nächtlichen Videobotschaft von Wolodymyr Selenskyj, dazu eins zu eins übernommene Agentur-Meldungen sowie Wiedergekautes aus dem Mainstreambereich. Gemeint sind Medienberichte über Medienberichte. Die fade Kost wird abgeschmeckt mit der wohlwollenden Nacherzählung der Talkshow des Vorabends sowie von Zeit zu Zeit einem Faktencheck von Correctiv. Als Alternative für den politisch wenig interessierten Menschen stehen etwas Sport oder die Welt der Stars & Sternchen auf der Speisekarte.

Jetzt könnte man tiefer eintauchen. Die erwähnten Experten sind jene, die auch von der Süddeutschen, dem Spiegel oder den Öffentlich-Rechtlichen angefragt und herumgereicht werden. Recherchiert man die Namen der aufstrebenden jungen Journalisten zu anderen Artikeln, so sind es meist freie Schreiber, die sich vor allem für die Themen Klima und Rechtsextremismus interessieren. Warum steht ein Faktencheck auf den Reichweiten starken Mailseiten? Weil nur wenige Menschen die Checkerseiten direkt ansteuern und es sich um Gratis Content für Zweitverwerter handelt. Steal our stories ist das Motto von Correctiv.

Falls Sie also denken, dass Sie weitestgehend auf Informationen aus den sogenannten Leitmedien verzichten – dem ist nicht so. Sie konsumieren diese Informationen jeden Tag beim Gang an den elektronischen Briefkasten. Beiläufig, ungewollt und fremdbestimmt. Bitte keine Propaganda und Reklame einwerfen? Das funktioniert vielleicht beim Briefkasten vor der Haustür, nicht aber beim elektronischen Postfach.

Natürlich kann ich mich mit einer eigenen kostenpflichtigen Email Domain wehren. Aber wer gibt schon gerne Geld aus für etwas, das es (noch) gratis gibt. Außerdem ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Vielleicht sind Sie auch der optimistischen Überzeugung, dass Sie sich von derlei Propaganda nicht beeinflussen lassen. Ich bin mir da nicht so sicher. Zumindest ich ertappe mich regelmäßig dabei, die Artikel anzuklicken. Sei es aus Neugier, sei es aus Fassungslosigkeit, sei es aus Wut, sei es aus Belustigung. Es ist die digitale Litfasssäule, die mir täglich ins Auge springt, ohne dass ich es möchte. Zumal ich zu jenen Menschen gehöre, die ihre elektronische Post immer noch am Rechner öffnen und nicht auf dem kleinen Display des Smartphones. Ich versuche die Nachrichten zu ignorieren, doch dann sagt mir eine innere Stimme „Klick mich!“

Der Mensch funktioniert im Übrigen so, dass er ein Bild, einen Text oder auch seinen Bildschirm mit seinen Augen von links nach rechts und von oben nach unten abtastet. Heute hat mich mein kostenloser Mail-Provider über eine Neuerung informiert. Es ist nur eine Petitesse. Zukünftig darf ich mich ganz unten auf der Webseite einloggen. 

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.

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8 Antworten

  1. Sehr geehrter Herr Löcke, wenn ich das lese vermute ich, dass Sie über den Browser und die Website des Providers ihre Mails abrufen. Ich empfehle ein Mailprogramm, wie z.b. Thunderbird und sie sind die Propaganda los.

  2. Ich habe vor 3 Tagen gesehen, daß sich nun auch die evangelische Kirche, genauer gesagt, die Frauenkirche Dresden mit riesengroßem Plakat in den Kampf für das Klima hineinwirft.
    “Wir können alles wieder aufbauen- außer das Klima”.
    Endlich bezieht die Kirche Stellung!
    Blöd nur, daß man auch Ahnung haben sollte.
    Klima als ein Durchschnittswert der Wettererscheinungen über einen längeren Zeitraum hinweg, wird es immer geben und ist nicht zerstörbar.
    Aber sicher hat man lange darüber nachgedacht, wie man Kirche für junge “Aktivisten” attraktiv machen kann. Ob’s hilft?

  3. Es gibt manchmal auch noch was anderes, schönes im Postfach. Heute hatte ich Post von Markus Langemann. Fields of Gold. Ein wunderbares Musikstück von Police das mich zurückversetzt hat in längst vergangene Tage. Es war ein Sommer, ich glaube 1977. Ich hatte noch keinen Führerschein und meine Freundin und ich beschlossen eine gemeinsame Reise zu unternehmen. Übrigens meine erste, denn mit meinen Eltern war ich noch nie verreist. Weiter als München zu meinen Verwandten bin ich bis dahin nie gekommen. Und die Fahrten zur Verwandtschaft waren sowieso ein Graus. Mit dem VW Käfer, vorne die Eltern, hinten vier Kinder, Benzingeruch. Mein Bruder, der Bauchschmerzen vorgetäuscht hat, um diesen Besuch zu vermeiden. Mein Vater, der meinte, gut dann machen wir Halt in Steinhöring und du kommst ins Kinderkrankenhaus. Damit ging es dann auch gleich viel besser mit dem Bauch. Allerdings hinderte uns dies aber nicht, dass uns allen schlecht wurde und einer nach dem anderen kotzen musste. Nun aber zu meiner Reise nach Frankreich. Ich hatte 150 Mark, davon habe ich ein Zugticket über 90 Mark von Wasserburg bis zur spanischen Grenze gekauft. Hin und zurück, zur Sicherheit. Ein großer Rucksack mit Schlafsack, was brauchten wir mehr? Es war unsere Vorstellung einer Reise. Es war eine fantastische Reise. Wir fuhren so weit, wie es uns gefiel, stiegen irgendwo aus und legten uns zum Schlafen in die Natur. Als wir das Meer erreichten, fanden wir ganz wunderbare Schlafplätze im Sand, ewige Gespräche an den Stränden. Die Sonne verbrannte uns das Gesicht. Manchmal fuhren wir per Anhalter, wenn wir von der Zuglinie abschweiften. Eines Tages machten wir die Bekanntschaft von einer Gruppe junger Franzosen. Wir gingen in eine Dorfbar und wurden danach zu einem Konzert eingeladen. Wir hatten davor noch nie von der Band gehört. Police spielte in Montpellier. Ich freute mich auf das Konzert. Das Konzert fand im Stadion von Montpellier statt. Vielleicht war es sogar das erste Konzert von Police. Ich weis es nicht. Jedenfalls wollte meine Freundin nicht mitkommen. Die Gründe habe ich nie erfahren. Ich wollte sie nicht allein lassen und blieb schweren Herzens mit ihr draußen auf einer Bank. Die Musik fing an und wir konnten sie laut und deutlich hören. Diese grandiose Musik hat mich so beeindruckt, dass ich heute noch diesen wunderbar lauen Sommerabend mit der Musik von Police in meinem Gedächtnis habe. Ja es war ein Feld voller Gold. Mein Beitrag mag nun vielleicht nicht wirklich passen, aber vielleicht kann ich für Peter Löcke einen kleinen aufmunternden Beitrag leisten um den Frust aus dem Postfach etwas zu mildern.

  4. Genau weil ich nicht mehr jedes Mal den Brechreiz dem Lesen meiner e mails vorangehen lassen wollte, habe ich von GMX zu Posteo gewechselt, ist wirklich nicht teuer, wärmstens zu empfehlen und sollte unterstützt werden.

  5. Lieber Herr Löcke,
    Sie sprechen mir bei fast allen Punkten aus der Seele. Was das Klimanarrativ betrifft allerdings bin ich der Meinung, dass au contraire der Mainstream und die Politik den Klimawandel ignorieren, der sich ja allenthalben zu manifestieren droht und immer deutlicher zum Vorschein kommt. Es ist der Mainstream, der nicht wahrhaben will, dass der Mensch diesen Planeten in jeglicher Hinsicht schon so ausgebeutet hat, dass künftige Generationen damit rechnen müssen, unter extremen Naturbedingungen leben zu müssen, so fern in absehbarer Zeit Leben überhaupt noch möglich sein wird. Würde der Mainstream in Bezug auf Klimawandel diesmal dem, was Sie als Propagandanarrativ bezeichnen, so folgen, wie der Mainstream dies bei den fatalen Corona-Maßnahmen getan hat, würden, um sich dem Klimawandel entgegenzustellen, längst fällige Maßnahmen ergriffen werden, die ja gerade der Mehrheit (Mainstream) leider noch als überzogen vorkommen und sogar belächelt und torpediert werden: Verteuerung von Tierprodukten; Energiegenerierung nur durch nachhaltige Technologien, Energieeinsparung, wo es möglich ist; Verbot von Abholzung unserer Naturwälder; keine Massentierschlachtungseinrichtungen etc…
    Viele Grüße, Melita

    1. Künftigen Generationen wird gerade die Zukunft durch Krieg und falsche politische Entscheidungen die Lebensgrundlage entzogen.

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