Deutscher Intensivpatient Stromversorgung.

Wäre die Bundesrepublik Deutschland eine Klinik, läge die wohl wichtigste Patientin auf der Intensivstation. Ihr Zustand: Besorgniserregend. Ihr Name: Energieversorgung. Die Autoren Detlef Ahlborn und Horst Heidsieck mit einem Klinikbesuch.
von Detlef Ahlborn und Horst Heidsieck

Sehen Sie gerne Krankenhausserien? Dann kenne Sie ja die Situation auf einer Intensivstation, wo die Vitalfunktionen des Patienten überwacht und auf einem Monitor angezeigt werden. Der wichtigste Parameter ist der Herzrhythmus, dessen Verlauf auf dem Bildschirm groß angezeigt wird und der gleichförmig etwa 60-mal pro Minute zwischen einem Maximum und einem Minimum hin und her schwingen sollte – man nennt das einen Sinusrhythmus. Andere Parameter wie z. B. Blutdruck und Sauerstoffsättigung werden natürlich ebenfalls überwacht. Allerdings ist z.B. der Blutdruck nicht ganz so kritisch wie die Herzfrequenz: immer dann, wenn sich diese ungeplant ändert – sei es verlangsamt oder stark erhöht – ist akute Gefahr für den Patienten in Verzug und das medizinische Personal muss schnellstens eingreifen, um die Herzfrequenz wieder zu stabilisieren. Ansonsten droht ein Kreislaufkollaps und im schlimmsten Fall der Tod des Patienten. Wenn die Herzfrequenz nicht wieder unter Kontrolle gebracht werden kann, sieht man auf dem Monitor üblicherweise nur noch eine gerade Linie und hört einen unangenehmen Piepton, bis jemand den Monitor ausschaltet… 

Jetzt werden Sie sich sicherlich fragen, warum wir an den Anfang eines Artikels über Stromversorgung die Lage auf einer Intensivstation beschreiben. Wir meinen, dass sich das, was sich auf den Intensivstationen in unseren Krankenhäusern abspielt, zu einem gewissen Grad auch auf die Leitwarten in unseren Stromnetzen übertragen lässt: auch dort werden die Vitalparameter der Stromversorgung überwacht und bei Bedarf gesteuert. Während die Spannung – sozusagen der „Blutdruck der Stromversorgung“ – durchaus zwischen 220 und 240 Volt schwanken kann, ist auch hier der wichtigste Parameter die Frequenz, mit dem der Strom zwischen einem Maximum- und einem Minimumwert hin und her schwingt. In Europa macht er das 50-mal pro Sekunde und – in Würdigung des deutschen Physikers Heinrich Hertz – bezeichnet man das als 50 Hz. Diese Netzfrequenz ist in unserem Beispiel mit der Herzfrequenz auf der Intensivstation vergleichbar. Denn ähnlich wie auf den Intensivstationen können bereits kleinste Abweichungen vom Sollwert von 50 Hz fatale Auswirkungen haben. Sollte z.B. die Netzfrequenz auf einen Wert zwischen 49,00 und 49,80 Hz abfallen, werden sofort alle verfügbaren Leistungsreserven aktiviert, Reservekraftwerke (in der Regel Gaskraftwerke) hochgefahren und Strom importiert. Sollte die Netzfrequenz über 50 Hz ansteigen, so wird zwischen 50,20 und 51,50Hz – falls möglich – Strom exportiert und es kommt zu Zwangsabschaltungen von Erzeugern, auch von Erneuerbaren. Sie sehen, es sind recht kleine Abweichungen vom Sollwert, die bereits große Eingriffe erfordern. Und wenn Sie sich jetzt fragen, was ist denn, wenn die Netzfrequenz noch weiter absinken sollte, so sind die Auswirkungen nur als dramatisch zu bezeichnen: Bei einer Netzfrequenz zwischen 49,00 und 47,50Hz kommt es zu sogenannten „Lastabwürfen“ – das sind nichts anderes als Zwangsabschaltungen von Stromverbrauchern in großem Umfang – und bei Frequenzen kleiner als 47,50 Hz und größer als 51,50 Hz ist die Konsequenz ein „Blackout“ – ein Zusammenbruch des Stromnetzes [1]. Relativ geringe Abweichungen vom Sollwert von 50 Hz können also verheerende Auswirkungen haben. Verheerend deshalb, weil es mehrere Tage lang dauern kann, ein einmal zusammengebrochenes Stromnetz wieder in Betrieb zu setzen. 

Wie, Sie sind jetzt überrascht und wissen das nicht? Das kann schon sein, denn diese Zusammenhänge sind nicht unbedingt Gegenstand der Berichterstattung oder der „Wissenschaftssendungen“ bei ARD und ZDF. Da erfahren Sie eher, dass das Sturmtief „Goran“, das im Januar 2021 über Deutschland hinweg zog, dem Windstrom einem neuen Rekord beschert hat. Dass die Stromproduktion zwei Tage später landesweit auf nur noch 20% des „Rekordwertes“ abgefallen ist, hat man in den Medien dann nicht mehr gefunden.
Aber dafür werden Sie regelmäßig mit „Siegesmeldungen“ über den erfolgreichen Vormarsch der Erneuerbaren Energien am Strommix versorgt. 

Da hören und sehen Sie dann z.B., dass Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE die Jahresauswertung zur Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2020 vorgelegt und festgestellt haben, dass der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung, d.h. dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt, erstmals bei mehr als 50 Prozent liegt  und dass die Windkraft (WK) mit einem Anteil von 27 Prozent an der Stromerzeugung dabei wieder die wichtigste Energiequelle gewesen sei [2]. Und Sie erfahren auch, dass von März bis September 2020 die monatliche Stromerzeugung von Solar-Anlagen (SA) höher war als die von Steinkohlekraftwerken, und dass im ganzen Jahr 2020 Solar- und Windenergieanlagen (S&W) erstmals vor der vor der Summe aller fossilen Quellen (Kohle, Öl, Gas) gelegen haben. Ist es da nicht verständlich, wenn Sie angesichts dieser Meldungen sagen: toll! Frau Merkel, Frau Ministerin Schulze, Herr Minister Altmaier, Frau Baerbock und alle anderen Windkraft-Befürworter haben Recht: wir sind auf einem guten Weg und müssen schnellstens weiter ausbauen!
Nun, genau das ist mit derartigen Meldungen beabsichtigt. Man könnte es auch Propaganda nennen. 

Sie erfahren nämlich nicht, dass ein großer Anteil dieses Stroms ins Ausland exportiert werden muss, weil wir den Überschuss im Land nicht mehr verbrauchen können und bei Überlastung ein Netz-Kollaps droht. In 2020 haben wir 69 TWh in unsere Nachbarländer exportiert [3]. Wenn diese den Strom nicht abnehmen und verbrauchen wollen, versüßen wir die Abnahme dieser Überschüsse schon mal, indem wir ein paar Cent für jede abgenommene Kilowattstunde drauflegen. Sowas nennt man dann Negativpreis. Natürlich zu Lasten der Verbraucher. 

Die oben genannten „Siegesmeldungen“ sind zunächst nicht zu beanstanden, wenn man nur die Summen der W&S-Stromerzeugung für das gesamte Jahr betrachtet. Dann stimmen die Aussagen. Was wir hingegen massiv kritisieren, ist, dass nur ein Teil der „Wahrheit“ verbreitet wird und in derartigen Meldungen immer nur Summen oder bestenfalls noch Durchschnittswerte verwendet werden. Der alleinige Blick auf Jahresproduktionswerte ist unvollständig und unseriös, denn Strom wird nicht erst komplett am Jahresende benötigt, sondern immer – zu jeder Sekunde, jeder Minute und jeder Stunde. Stellen Sie sich vor, Sie bringen Ihr Auto in die Werkstatt, weil der Motor stottert und die Zündung regelmäßig ausfällt. Nach erfolgter Reparatur erfahren Sie, dass der stotternde Motor kein Problem sei, man könne im Jahresschnitt trotzdem noch 18.000 km weit fahren. Sollte der Motor mal nicht anspringen, könnten Sie ja immer noch mit Bus und Bahn fahren. Letzteres nennt man neuerdings gern „demand side management“ oder Nachfragesteuerung. 

Schauen wir uns daher die Produktion von Strom durch WKA etwas genauer an:

Niemand kann und will ernsthaft bestreiten, dass es Tage gibt, an denen es komplett windstill ist. Dann dreht sich landauf landab kein Windrad und kann folglich auch keinen Strom produzieren, egal wie hoch die Summe des Windstroms am Ende über das ganze Jahr gerechnet auch sein wird. 

Es ist ebenso unstrittig, dass Wind nie konstant und gleichmäßig weht, sondern sich seine Stärke ständig ändert. Fragen Sie einen Hobby-Segler, der die Wasseroberfläche beobachtet und an einem Kräuseln erkennt, dass sich eine Böe nähert und der Wind auffrischt. 

Jetzt werden Sie vielleicht sagen, na gut, dass mit der Windstille sehe ich ein. Aber welche Rolle sollten denn kleinere Änderungen des Windes spielen? Solange sich die WKA dreht, wird doch Strom produziert, oder? Es tut uns leid, aber hier spielt uns die Physik wieder einen Streich: sie legt fest, dass die Stromproduktion eines Windrads nicht „einfach nur so“ von der Windgeschwindigkeit abhängt, sondern dass sich die Geschwindigkeit in dritter Potenz auf die Stromerzeugung auswirkt (Beispiel für die dritte Potenz: 2³ = 2x2x2 = 8). 

Konkret bedeutet das: wenn die Windgeschwindigkeit sich von z.B. 6 m/sec (Windstärke 4) auf 12m/s (Windstärke 6) verdoppelt, dann verachtfacht sich die Stromproduktion, wenn sie sich von 6 m/s auf 3 m/s (Windstärke 2) halbiert, sinkt sie auf 12%. Die Stromproduktion schwankt dann ständig und zufällig zwischen 12 und 800%. Dabei fällt das tatsächliche Auf und Ab der Stromproduktion noch größer aus. Es lässt sich mathematisch sehr schön beweisen, dass die Schwankungen der Stromproduktion noch deutlich größer sind als die Schwankungen der Augenzahlen beim Würfeln [4]. 

Stellen Sie sich vor, Ihr Stromversorger würde auswürfeln, welcher Strom Ihnen täglich zur Verfügung steht: wenn er eine eins würfelt, sind es maximal 200 Watt, bei einer zwei 400 Watt usw. Es wäre ein einschneidender Eingriff in Ihr tägliches Leben. Kochen und Wäsche waschen wäre z.B. nur noch an zwei Tagen in der Woche möglich. Und Ihr Nachbar könnte Ihnen auch nicht aushelfen, er wird durch das gleiche Kabel versorgt!

Das Stromnetz muss wegen der W&S-Anlagen gewaltige Schwankungen verkraften. Und zwar immer und für alle WKA an Land und auf See, wie das nachfolgende Diagramm sehr eindrucksvoll zeigt: 

Abb. 1: Windstromproduktion in Deutschland JAN – DEZ 2020

Die Grafik stellt die Stromproduktion aller in Deutschland vorhandenen WKA (onshore und offshore) in 2020 im Stundentakt dar. Jeder Laie erkennt auf einen Blick, dass „Windstrom“ eine hochgradig schwankende, volatile Angelegenheit und die Leistungseinspeisung extremen Ausschlägen unterworfen ist. Wie oben erklärt, kommt hier die Abhängigkeit der Stromproduktion von der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit zum Ausdruck. Erwiesenermaßen ist das ein Problem, welches die gesamte Fläche Deutschlands betrifft [5].
Die Problematik dieser Schwankungen soll beispielhaft durch einen Blick auf die Wind-stromproduktion im Dezember 2020 nochmals unterstrichen werden:

Abb. 2: Windstromproduktion im Dezember 2020

Die hier gezeigten Daten sind alle öffentlich verfügbar [6][7], leider finden sie in den Medien und in der Berichterstattung, aus welchen Gründen auch immer, wenig Beachtung. 

Statt die schwankenden Stromproduktion im Blick zu haben, wird – wie oben bereits kritisch angemerkt – mit Jahressummen und Mittelwerten operiert. So hört sich z.B. der Mittelwert aller Einspeisungen für den gesamten Monat Dezember 2020 mit ca. 15 Gigawatt auf den ersten Blick gut an. Aber es gab im Dezember auch Tage – wie z.B. am 10.12. um 16:00h – an dem nur ca. 1,5 GW Strom erzeugt wurden. Im ganzen Land, wohlgemerkt! Bei einer installierten Nennleistung von ca. 62 GW entspricht diese geringe Einspeisung nur 2,4% der tatsächlich installierten WKA-Kapazität. Auf der anderen Seite betrug die maximale Leistung am 27.12. um 18:00h 44 GW, was einer Auslastung der installierten Nennleistung von ca. 71% entspricht. Wie man sieht, ist die Angabe von Mittel- oder gar Summenwerten in höchstem Maße irreführend! Sie kennen bestimmt das Beispiel: Der Feuerwehrteich im Dorf hat eine durchschnittliche Tiefe von 80 cm und trotzdem ist die Kuh darin ersoffen…

Ein weiteres Ärgernis bei der allgemeinen Berichterstattung ist, dass nur auf die Erzeugungs- bzw. die Einspeisungsseite geschaut wird. Die Abnahmeseite kommt in der öffentlichen Diskussion nicht oder nur am Rande vor. Dabei sind beide Seiten auf das engste miteinander verknüpft: Weil der Strom augenblicklich verbraucht werden muss, ist er das verderblichste Produkt, das wir überhaupt kennen. Vereinfacht ausgedrückt: auf der einen Seite entnehmen die Verbraucher – und das sind nicht nur die privaten Haushalte, sondern die gesamte Industriegesellschaft – dem Netz die Strommenge, die zum Betrieb eines elektrischen Geräts oder einer elektrischen Anlage gerade benötigt wird und auf der anderen Seite müssen die Stromproduzenten exakt die entnommene Strommenge in jedem Augenblick einspeisen. Wenn auf der Verbraucherseite z.B. ein großer Verbraucher dazukommt, muss die Stromversorgerseite in der Lage sein, die zusätzlich benötigte Strommenge augenblicklich bereitzustellen. Und umgekehrt. Wenn das nicht gelingt, dann kann es zu den Problemen kommen, die wir eingangs beschrieben haben. Da dieses Problem in Fachkreisen bekannt ist, wird mit Hochdruck an möglichen elektronischen Lösungen geforscht. 

Ob „smarte“ Lösungen zukünftig in der Lage sein werden, die oben gezeigten Schwankungen des Windstroms auszugleichen und zu „managen“, wird sich zeigen müssen. Derzeit stehen sie zumindest noch nicht zur Verfügung. In unseren Augen kann „smart“ jedenfalls nicht bedeuten, dass Verbraucher immer dann „abgeklemmt“ werden, wenn auf der Einspeiseseite gerade nicht ausreichend Strom zur Verfügung steht. Solche „Lösungen“ gehören in Entwicklungsländern zum Alltag, eine Industrienation wie Deutschland sollte darauf verzichten können. 

Werfen wir nochmals einen Blick auf die Stromerzeuger-Seite. Die Aufnahmefähigkeit des Stromnetzes ist mit einer Spitzenlast von ca. 85 GW begrenzt. D.h., Strommengen, die über diesen Wert hinausgehen, überlasten die Netze und könnten wie dargelegt zu deren Zusammenbruch führen. (Durch eine Wasserleitung kann auch nicht mehr Wasser transportiert werden, als die Rohre aushalten, ohne zu platzen.)

Um das zu verhindern, müssen Strommengen, die diesen Grenzwert übersteigen, „abgeregelt“, also abgeschaltet werden. Die erforderlichen Eingriffe haben in den zurückliegenden Jahren mit dem Ausbau von W&S massiv zugenommen. Mit jeder Erhöhung der Kapazitäten müssen mangels Leitungen immer mehr Anlagen abgeregelt werden. Jede nicht produzierte Kilowattstunde leistet keinen Beitrag mehr zur CO2-Einsparung. Das System kannibalisiert sich selbst.  

Für die Betreiber von „Windparks“ ist das Abschalten übrigens weitgehend ohne finanzielle Folgen: sie erhalten eine Vergütung für den „Ausfallstrom“. Sie erhalten eine Vergütung für Strom, denn sie hätten produzieren können, aber nie produziert haben. 

Für 2019 beziffert die Bundenetzagentur die „abgeregelte“ Menge mit 13,3 TWh. Diese Strommenge übertrifft den Stromverbrauch der Stadt Hamburg. Für diese Abregelungs-Maßnahmen wurden die Stromkunden über den Strompreis ein Betrag von € 709 Mio. belastet. Zudem wird bereits heute auf der Abnahmeseite eingegriffen: Großverbraucher wie die Aluminium- und die Stahlindustrie werden – je nach Wetterlage und Windvorhersage – gebeten, zu bestimmten Zeiten ihre stromintensiven Anlagen nicht zu betreiben – natürlich gegen eine entsprechende Entschädigung, versteht sich. Insgesamt gibt die Bundesnetzagentur die vorläufigen Gesamtkosten für „Netz- und Systemsicherheitsmaßnahmen“ für 2020 mit €1,4 Mrd. an [8]. Tendenz steigend. Wer diese zahlt ist auch klar: der Verbraucher!

Diese Praxis wollte der Gesetzgeber nach zweijähriger Beratungszeit offensichtlich auf eine neue rechtliche Basis stellen. Wenn auf der Versorgungsseite nicht genügend Strom zur Verfügung steht, dann muss eben auf der Abnahmeseite die Entnahme zwangsweise reduziert werden. Bis zum 15. Januar 2021 lief die Frist für Stellungnahmen zum Referentenentwurf „Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz“ [9]. Betroffen vom sperrigen Titel sollen künftig alle Nutzer zumindest von Wärmepumpen, Stromspeichern, Nachtstromspeicher-heizungen und Ladestellen für Elektrofahrzeuge sein. Sie wären damit zur Spitzenlastglättung verpflichtet(!). Man sollte sich von dem Gesetzestitel nicht irritieren lassen: es geht um die Verwaltung des Mangels an Strom! Aus welchen Gründen auch immer ist der Referentenwurf dieses Gesetzesvorhabens seit dem 14.01.2021 auf der Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie nicht mehr abrufbar. Aber es ist zu erwarten, dass dieser Entwurf spätestens bei einer Beteiligung der Grünen an der nächsten Bundesregierung wieder hervorgeholt wird. Ersten Stimmen, die „zum Verzicht“ aufrufen, sind jetzt bereits zu vernehmen, denn Verzicht hätten wir doch in der Corona-Pandemie wunderbar unter Beweis gestellt. Damit wäre dann nicht nur ein weiterer Schritt in Richtung Ökosozialismus gemacht, sondern wir würden uns in Sachen Stromversorgung Entwicklungsländern weiter annähern. 

Sie werden jetzt vielleicht die berechtigte Frage stellen, ob die verantwortlichen Politiker in Bund und Land die aufgezeigten Defizite eine W&S-Stromversorgung nicht kennen. Diese Frage können wir klar und deutlich beantworten: sie kennen sie! Einer der Autoren hat bei einer Anhörung in Berlin Bundeswirtschaftsminister Altmaier persönlich darauf aufmerksam gemacht. Das Ergebnis ist mehr als enttäuschend: 

Nachdem in den letzten beiden Jahren der weitere Ausbau von WKA deutlich abgenommen hat, fordern nicht nur diverse Lobbyverbände lautstark, die Politik müsse dringend mögliche „Ausbauhindernisse“ beseitigen. Diese „Hindernisse“ sind in der Hauptsache Einsprüche und Klagen von betroffenen Bürgern. Inzwischen ist dieser „Hilferuf“ der grünen Lobbyverbände durch die Bundesregierung erhört worden und mit dem „Investitionsbeschleunigungsgesetz“ soll der weitere Ausbau insbesondere der Windkraft wieder Fahrt aufnehmen Dazu sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Mit dem Investitionsbeschleunigungsgesetz ist ein großer Schritt hin zu schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren getan. Das ist ein wichtiges Zukunftssignal für Deutschland als Investitionsstandort. Und es ist für den Bereich Windenergie an Land zugleich ein gutes Signal für die Energiewende. Mit dem Gesetz sorgen wir für eine Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen an Land. So verkürzen wir den verwaltungsgerichtlichen Instanzenzug und damit auch die Verfahrensdauer insgesamt. Zudem entfällt bei Klagen gegen die Zulassung Windenergieanlagen die sogenannte aufschiebende Wirkung von Widerspruch und Anfechtungsklage. Auch dies ist ein wichtiger Beitrag, um den Ausbau von Windenergie an Land zu beschleunigen.“ [10] Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will inzwischen ebenfalls mehr Flächen für den Ausbau von Windrädern in Deutschland schaffen und hat Bewegung vom Koalitionspartner Union gefordert. Schulze sagte vor wenigen Tagen der Deutschen Presse-Agentur: „Wer ja sagt zu mehr Klimaschutz, der muss auch ja sagen zu mehr Strom aus Wind und Sonne. Die entscheidende Stellschraube dafür ist, dass mehr Flächen zur Verfügung stehen für Windräder. Zwei Prozent der Landesfläche wären nötig.“ [11]

Wie Sie sehen, haben die verantwortlichen Minister offensichtlich einfachste Zusammenhänge nicht verstanden, oder sie wollen es nicht – aus welchen Gründen auch immer. Dabei stellt sich die Frage, ob ein weiterer massiver Ausbau von WKA die oben beschriebenen Probleme der Stromerzeugung durch WKA überhaupt lösen könnte. Die Antwort darauf ist so einfach wie naheliegend. Sie lautet eindeutig Nein!

Abb. 3: Stromproduktion bei verdreifachten W&S Produktionskapazitäten

Nehmen wir einmal an, dass die Anzahl der WKA von heute ca. 31.000 um den Faktor 3 auf ca. 90.000 erhöht würde. Diese Erhöhung entspricht übrigens der Empfehlung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, einer führenden Institution der Ingenieur-wissenschaften im Land [12]. Die Steigerung hätte zunächst einmal zur Folge, dass bei Windstille nicht nur 31.000 WKA stillstünden, sondern 90.000. In dem oben in Abb. 3 gezeigten Diagramm würde die Struktur der vielen Spitzen in gleicher Weise erhalten bleiben – allerdings würde sich ein noch größerer Regelungsbedarf ergeben: der oben genannte Spitzenwert könnte von derzeit ca. 60 GW [18] auf fast 180 GW ansteigen und läge damit deutlich über der Aufnahmefähigkeit des Stromnetzes, bzw. des Strombedarfs. Der erforderliche Regelungsbedarf – und die damit verbundenen Kosten würden ebenso weiter massiv zunehmen wie das Risiko eines Blackouts. Um zu erkennen, ob der geforderte massive Ausbau von W&S unser Stromversorgungsproblem tatsächlich lösen könnte, hilft ein Blick auf Europa. Leider zeigt das folgende Diagramm schon auf den ersten Blick, dass dies auch keine praktikable Lösung darstellt:

Abb. 4: Windstromproduktion in West- und Mitteleuropa

Man erkennt sofort, dass die Struktur dieses Diagramms, mit dem, welches die nationale Einspeisung zeigt (Abb. 1), praktisch identisch ist: wenn wir alle bereits in Europa betriebenen WKA mit einem Schlag nach Deutschland „verpflanzen“ würden, würde sich an der Struktur der Stromerzeugung nichts ändern. Mit anderen Worten: wenn in Deutschland wenig Wind weht, dann weht auch meistens wenig Wind in allen anderen westeuropäischen Ländern – und wenn hier viel Wind weht, dann ist das in den gezeigten Ländern ebenso. Dieser Sachverhalt ist inzwischen eindeutig und zweifelsfrei mathematisch bewiesen: Die Analyse bestätigt die Beobachtung [13]. Auch unter Einbeziehung aller Windkraftanlagen aus 15 europäischen Staaten ist also mit Windkraft eine zuverlässige Stromversorgung nicht möglich. Daher stellt sich die Frage: warum sollten wir dann weitere WKA in diesem Land aufstellen, wenn das Ergebnis bereits absehbar ist? Abb. 3 und 4 zeigen eindrucksvoll, dass die von den Lobby-Wissenschaftlern postulierte „Glättung“ der Stromproduktion durch W&S-Anlagen bei ausreichend großer installierter Kapazitäten bestenfalls Träumereien sind, die eindeutig ins Reich der Fabeln und Märchen gehören [13] [14].

Damit sind wir wieder zurück auf der Intensivstation. Den Ingenieuren in den Leitwarten der Netzstationen stehen bereits heute die Schweißperlen auf der Stirn, da sie ständig manuell auf der Kraftwerks-Erzeugungsseite eingreifen müssen, um Schäden am Netz, aber auch Schäden für das ganze Land zu verhindern. Seit Jahren wird daher eine manuelle „Strom-Zuteilung“ praktiziert. Man könnte es auch ökosozialistische Mangelverwaltung nennen. Die Netzbetreiber beschäftigen heute Meteorologen, die Vorhersagen zu den erwarteten Winden machen müssen. Auf Basis dieser Vorhersagen werden die verschiedenen Stromquellen für den kommenden Tag geplant. Wie gut diese Vorhersagen sind, erfahren wir selber jeden Abend vor der Tagesschau. Die Anzahl der manuellen Eingriffe beträgt inzwischen 6000 pro Jahr. [15]

Zurzeit wird die Stromversorgung in diesem Land noch durch wetterunabhängige Kraftwerke gesichert. Dass ändert sich ab 2022. Dann gehen die beiden letzten Kernkraftwerke vom Netz. Darüber hinaus ist der Ausstieg aus der Kohleverstromung beschlossene Sache: die Kohlekommission hat der Bundesregierung deren Beendigung bis spätestens 2038 empfohlen. Diese Kommission bestand aus 31 Personen und es wurde beklagt, dass nur 10 davon Frauen waren. In der Kommission suchen Sie übrigens einen Fachmann für Stromnetze vergeblich. Derartige Kompetenz war offensichtlich nicht gewünscht. Dafür war jedoch Prof. Schellnhuber vom PIK (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung), der Christian Drosten der Klimakatastrophe, namhaft vertreten [16].
Angesichts der Entwicklung stellt sich für die Autoren nicht die Frage, ob das Stromnetz ganz oder teilweise zusammenbricht, sondern nur die Frage: wann. In dem Zusammenhang könnte es sich lohnen, den Film „Blackout – Hessen ohne Strom“ anzusehen. Er ist in der Mediathek des Hessischen Fernsehens noch verfügbar und erfreulich sachlich gehalten [17]. 

Quellenverzeichnis (zum downloaden) zu diesem Artikel unter Dokumente.

Danksagung:

Wir danken Herrn Rolf Schuster herzlich für die Bereitstellung der Diagramme.

                   

Elektrische Maßeinheiten:

Leistung:

1 Terawatt (TW) = 1.000 Gigawatt (GW) = 1.000.000 Megawatt (MW) = 1.000.000.000 Kilowatt (kW)

Arbeit (= Leistung x Zeit)

1 GW x 365 Tage x 24 Stunden = 1 GW x 8.760 h = 8,76 TWh

1 MW x 8.760 h = 0,00876 TWh

1 TWh = 1.000 GWh = 1.000.000 MWh = 1.000.000.000 kWh

Die Autoren

Dr.-Ing. Detlef Ahlborn ist stellvertretender Vorsitzender der Bundesinitiative Vernunftkraft.de und Inhaber der Karl Ahlborn Maschinenfabrik im nordhessischen Großalmerode. Er kritisiert die Energiewende als illusionär weil die zahlenmäßigen technischen Dimensionen jeden vernünftigen Rahmen sprengen.

 

Der Physiker Dr. rer. nat. Horst Heidsieck, hat zwischen 1990 und 2006 als CEO verschiedene Unternehmen im In- und Ausland geleitet und ist seit 2018 Mitglied der Arbeitsgruppe „Energy Reality Büdingen“. Die Arbeitsgruppe besteht aus erfahrenen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern und hat sich zum Ziel gesetzt, die Energiewende in Deutschland zu Ende zu denken.

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18 Antworten

  1. Sehr geehrter Dr.Aßmann,
    danke für Ihren ausführlichen Kommentar, dem man nur vollumfänglich zustimmen kann.
    Solare Energie an begünstigten Standorten, insbesondere wenn statt Photovoltaik vermehrt auf Solarthermie, inklusive Wärmespeicherung etwa in Salzen, gesetzt wird, ist zusammen mit PtL zentraler Teil der Lösung und ein Standbein CO2-neutraler Energieversorgung. Das zweite sind grundlastfähige Kernreaktoren der 4.Generation.
    Dr.-Ing. Michael Elicker

  2. Die Lösung für dieses Problem ist natürlich der Preis. In unserem Wirtschafts- System wird fast immer bei schwankendem Angebot die Nachfrage über den Preis geregelt. Ganz einfach könnte über die so schön beschriebene Netzfrequenz der Stromzähler unterschiedliche Preise ermitteln.
    Daraufhin würde im Winter bei Windstille ein Stromspeicher ein sehr gutes Geschäft bringen. Mit Sicherheit würde in jedem Hochhaus ein Stahlklotz als Speicher mittels potentieller Energie gebaut. Auch mein chemischer Speicher aus meinem Elektro- Auto würde genutzt werden, obwohl ich das Auto ansonsten weniger nutze. So würde zu dieser Jahreszeit kein Zement oder Stahl produziert werden. Da ist ein weites, weites Feld, welches von den obigen Mecker- Königen leider nicht bestellt wird.

    1. „Mit Sicherheit würde in jedem Hochhaus ein Stahlklotz als Speicher mittels potentieller Energie gebaut.“

      Mit diesem Satz haben sie sich aber sowas von ins Abseits geschossen!

      Keine Ahnung von den Kosten im Vergleich zu der lächerlich geringen Energiespeichermöglichkeit!

      Mit solchen Phantastereien fern jeglicher Realität sind sie sicher bei den Grünen gut aufgehoben!

      Entschuldigen Sie den direkten Angriff, aber das mußte einfach gesagt werden.

      1. Lieber Andreas, Du bekommst von mir den Titel Mecker- Kaiser. Warscheinlich interessiert es Dich nicht wie eine Lösung aussehen könnte.

        1. Wenn man in einem 100 m hohen Hochhaus eine Gewicht von 100 t = 100.000 kg einbringen würde, dann könnte man 100.000 kg x 10 m/s² x 100 m = 100 Mio. Ws oder 27,7 kWh speichern, wenn man keine Verluste berücksichtigt. Eine solcher Mechanismus würde sicherlich einiges an Verlusten produzieren. Unter 20 kWh Energiespeicherung bei diesem Aufwand an Material und Kosten (inkl. größeren Abmessungen des Gebäudes = größere Wärmeverluste), mehr muss man zu diesem Thema wohl nicht wissen.

          Nirgendwo mischen sich mehr Wunsch und Wirklichkeit als beim Energiethema. Unser Land lässt sich mit all den (grünen) Bastellösungen nicht mit Energie versorgen. Um das zu realisieren, muss man kein Mecker-Kaiser sein. Das bedeutet nicht, dass keine nachhaltige Energieversorgung möglich ist. Nur muss man dazu den EEG-Lobbyisten ihr liebstes Spielzeug, d.h. die Grünen wegnehmen und so dem grünen Dogma, „die Energiewende könne nur lokal, dezentral und vernetzt erfolgreich sein“ den Boden entziehen. Und das können nur informierte Bürger bei den anstehenden Wahlen. Was wir brauchen ist entweder eine Energieerzeugung im globalen groß-industriellen Maßstab per Solarenergie in sonnenreichen Regionen plus Power-to-X oder national mit Hilfe der Kernfusion (nicht zu verwechseln mit der Kernspaltung). Leider kann man auf die Realisierbarkeit der letztgenannten Technologie noch keine Wetten abschließen.

          1. Wieder Kritik, aber keine Lösung(en). Warum beantworten sie nicht wie die nachhaltige Energiepolitik realisiert werden könnte. Das ist ein technisches Problem. Es hat weder mit Grün noch mit Monopolen zu tun! Mein Hochhaus führte immerhin zu einer sehr praktischen Berechnung. Das ist die reale Welt der speicherbaren Energie. Genau das war mein Hintergedanke.

  3. Was macht ein Laie, wenn er sich trotzdem etwas informieren möchte? Er fragt jemanden, der etwas davon verstehen könnte:

    Zitat: Hallo Frank, die Darstellung der Situation ist in der Aufstellung der schlechten Nachrichten ziemlich umfassend und stimmig.
    Allerdings klingt es sehr stark nach Stimmungsmache, da viele Maßnahmen, die von den Netzbetreibern als Gegenmaßnahmen definiert wurden und auch umgesetzt werden (Phasenschieber, Anlagen zur Blindleistungserzeugung zur Netzstabilität, Koppelleitungen, Vertragliche Vereinbarungen mit Großabnehmern, usw.), hier keine Erwähnung finden.
    Auch wird nicht erwähnt, dass der größte Feind des Netzausbau und damit einer Teilproblemlösung, nicht die Politik ist, sondern die 60.000.000 Bürger die gerne gegen alles sind und Klagen als Hobby betreiben. Man kann schon Wetten darauf abschließen: wenn man mit den direkt betroffenen Eigentümern klargekommen ist, bildet sich umgehend eine Bürgerinitiative derjenigen, die aus einiger Entfernung am Horizont eine Leitung sehen könnten. – Gleiches gilt natürlich auch für Windkraftanlagen. Zitatende.

    Neutralität und Objektivität scheint für alle Seiten ein echt schwieriges Geschäft zu sein …

    1. Sehr geehrter Herr Weyerstall,

      Ihre Aussage „Neutralität und Objektivität scheint für alle Seiten ein echt schwieriges Geschäft zu sein …“ trifft wohl für keine Branche derart krass zu wie auf die Windenergiebranche.

      Wer glaubt, dass die Windenergie die Lösung der Energiebranche der Zukunft bringt, muss so ziemlich alles ausblenden, was man in einer guten (MINT-)Bildung lernen sollte:
      – Mathematik und Statistik
      – Physik (Strömungslehre, Akustik)
      – Geografie/Meteorologie
      – Ökologie und Naturschutz
      – Landschaftsschutz
      – Denkmalschutz
      – Empathie (Anwohnerschutz)
      und nicht zuletzt
      – Ökonomie

      Man muss sich zwingend die Frage stellen, warum diese Branche und mit ihr weite Teile der Politik und Gesellschaft nahezu alles Negative rund um diese Technologie ausblenden, bzw. warum die Windenergie in weiten Teilen der Bevölkerung derart positiv besetzt ist, obwohl die vielfältigen negativen Effekte auf Natur, Landschaft, Gesellschaft, Energiebranche, Ökonomie und sogar das Klima (s. https://news.harvard.edu/gazette/story/2018/10/large-scale-wind-power-has-its-down-side/) unübersehbar sind. Eine potenzielle Antwort liefert wohl das Schweigen der Grünen aber auch vieler Fachleute auf vielfach öffentlich gestellte, aber leider meist unbeantwortete Fragen:

      1. Was hat Anton Hofreiter für seinen Auftritt hier erhalten? (s. https://www.youtube.com/watch?v=LD5Pufk94HM, min 22:15)
      2. Was bekommen Politiker wie Cem Özdemir für Ihre öffentlichkeitswirksame Promotion für Tesla & Co?
      3. Welche Forscher und Institute profitieren finanziell von Windenergiebranche und im Schlepptau Tesla & Co?
      4. Warum wird die Bedeutung der Windenergie für das Klima von den Grünen heruntergespielt, obwohl sie wesentliche Zweifel zwar kennen, aber offensichtlich ignorieren? Warum gibt es von den Grünen keine Antwort auf diese Frage: https://twitter.com/RoHeAss/status/1021392022723317760, die den vorläufigen Schlusspunkt eines langen Twitter-Threads bildet, der unter anderem diese Aussage einer EX-Landesvorsitzenden und heutigen Europaabgeordneten der Grünen enthält (s. https://twitter.com/JuttaPaulusRLP/status/1021035450667069442), die auf eine offensichtlich Fake-Studie im Umfeld der Windenergie erweist, wie bereits ein einfacher Plausibilitätscheck zeigen: https://twitter.com/RoHeAss/status/1021061531226820609. Das gilt umso mehr, wenn Verluste der Energieerzeugung (bei Windenergie durch Strömungsverluste im sog. Wake besonders hoch) und Speicherung sowie die globale Verteilung der Landmassen berücksichtigt werden. Diese Führen dazu, dass aus den 0,007% eher 10….20% werden dürften.
      5. Warum konnte bislang kein einziger Forscher oder im Umfeld von Klimawandel und Klimaschutz tätiger Forscher, Aktivist oder Journalist die Frage aufklären, warum die Verdunstung und der menschliche Einfluss darauf in den IPCC-Berichten gänzlich ausgeblendet wird (s. mein Leserkommentar unten). Immerhin haben mittlerweile zwei hochangesehene Forscher bzw. Wissenschaftsvertreter eingeräumt, dass sie die Fragestellung als valide und wichtig betrachten, bislang allerdings nicht auf dem Schirm hatten. Stellt sich dies wie auch Punkt 4 als richtig heraus, dürfte ein totales K.O. der Windenergienutzung im großen Stil die zwangsläufige Folge sein. Die Frage muss erlaubt sein, warum sich der Klimawandel just zu dem Zeitpunkt in Deutschland bzw. Europa beginnt, sich im globalen Vergleich überproportional zu entwickeln (s. erstes Diagramm des folgenden WELT-Berichts: https://www.welt.de/wissenschaft/article158110222/Wetter-aendert-sich-in-Deutschland-besonders-krass.html), als vor über 30 Jahren die Windenergie in großem Stil eingeführt wurde.

      Es scheint, weite Teile der Gesellschaft möchten gar nicht mehr mit dem unliebsamen Teil der Wahrheit konfrontiert werden. Es wird höchste Zeit, dass das Thema Klimaschutz umfassend statt mit einem Tunnelblick diskutiert wird. Wenn die Autoren Ahlborn und Heidsieck die andere, meist verschwiegene Seite der Wahrheit beleuchten, ist das vollkommen in Ordnung. Es stellt hoffentlich die eng eingestellten Scheuklappen vieler Verantwortlicher etwas weiter. Die komplementäre Hälfte der Wahrheit, u.a. manifestiert in permanenten Erfolgsmeldungen rund um die Erneuerbaren, kennt das Publikum aus Presse und Medien mittlerweile ohnehin zur Genüge. Diese zu wiederholen, würde bedeuten, Eulen nach Athen zu tragen und die meisten Leser wohl nur langweilen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr.-Ing. Roland Aßmann

      P.S.: Es ist ein nicht hoch genug anzusehender Beitrag von Markus Langemann, dieser anderen Hälfte der Wahrheit Gehör zu verschaffen. Besonders positiv scheint mir dabei zu sein, dass er besonderen Wert auf eine gepflegte Diskussion legt, die fundiert vorgebrachte Gegenargumente und Kritik in alle Richtungen erlaubt, hämische, teils bösartige Kommentare, die den Dialog auf Twitter & Co prägen, jedoch konsequent abblockt. Zudem sind hier Vorreiter einer Beschränkung des demokratischen Diskurses, vorneweg Jan Böhmermann, machtlos. Jedenfalls können sie keine Blocklisten, o.ä. verbreiten, die zur Blasenbildung beitragen und die Diskussion vergiften bzw. die Bevölkerung immer weiter spalten. Eine vitale Demokratie lebt von einem lebhaften und umfassenden Diskurs, auch wenn viele Verantwortliche in dieser Republik das mittlerweile anders sehen und den unliebsamen Teil des Diskurses gerne per Verordnung bzw. Gesetz verhindern würden. Es ist beängstigend, was von Youtube, Twitter mittlerweile alles an berechtigter Kritik gelöscht oder indiziert wird. So wären auch in früheren Zeiten eine SPD-Vorsitzende, die weite Teile der Bevölkerung als Covidioten bezeichnet oder eine Bundeskanzlerin, die sich einer Terminologie wie Klimaleugner bedient, kaum haltbar gewesen. Ihnen hätte der Wind einer aufgeklärten, gebildeten und kritischen Bevölkerung mit breiter Mittelschicht eiskalt ins Gesicht geblasen. Viele Jahre eines bewusst mehr und mehr ideologisch geprägten Bildungssystems, gepaart mit einer immer ideologischeren Presse- und Medienlandschaft, haben jedoch mittlerweile ihre tiefen Spuren hinterlassen. Dass führende Industriemanager, z.B. Joe Kaeser alias Josef Käser, sich an die Spitze dieser Ideologisierung setzen, setzt dem Ganzen das Sahnehäubchen auf und macht es viele Beschäftigte nahezu unmöglich, frei und offen ihre Meinung zu äußern.

    2. Ich fürchte, das „NIMBY“-Argument ist zu kurz gegriffen. Ich hätte da z.B. einen ganz praktischen Vorschlag: Im Gegensatz zu Wind- und Solar-Strom ist der Strom aus Biogasanlagen grundlastfähig. D.h., er ist nicht wetterabhängig, regelbar und immer da, wenn man ihn braucht. Eine Biogasanlage hat darüber hinaus den Vorteil, dass sie nicht nur Strom, sondern auch Wärme erzeugt. Wie wäre es denn, wenn wir Energie aus Biomasse forciert ausbauen und – zur Versorgung der Menschen in den Ballungszentren mit Fernwärme – die nächsten Biogasanlagen z.B. in Berlin und anderen Großstädten errichten?

  4. Sehr geehrte Frau Will,
    Ihre Frage „was wäre die Lösung?“ ist ebenso berechtigt wie mit etwas Hintergrundwissen eindeutig beantwortbar.
    Die unübersehbar massiv landschafts-, natur- und anwohnerschädliche Windenergie wird oftmals schulterzuckend mit der Bemerkung akzeptiert „Irgendwo muss der Strom schließlich herkommen“. Das ist zwar richtig, übersieht aber, dass bei Presse und Medien, aber auch in der Politik Lobbyisten ganze Arbeit leisten und den Menschen nur die Teile der Wahrheit vermitteln, die für die Aufrechterhaltung des eigenen Geschäftsmodells nützlich sind (die Autoren Dr. H. Heidsieck und D. Ahlborn gehen in Teilen darauf ein). Die Politik spielt dieses Spiel gerne mit, müsste sie doch ansonsten kleinmütig einräumen, dass sie nicht nur hunderte Milliarden Euro in den Sand gesetzt und Kernbranchen der deutschen Wirtschaft auf einen Irrweg geschickt hat, der deren Existenz, möglicherweise sogar die Existenz unseres Industriestandortes nachhaltig gefährden, nein sie müssten auch zugeben, dass sie einst schöne Naturlandschaften in öde, hässliche und lärmende Industriegebiete umgewandelt haben. Auch eine in schlechter deutscher Tradition stehende zynische Sprache des grünen Umfeldes, das sich Begriffen wie „Windpark“, „Nutzwald“, „Ökostrom“ oder „Schotterbiotop im Wald“ bedient, kann diese Umstände nicht überdecken.
    Durch die weitgehende Informationsblockade von Presse und Medien, irrgeleitet durch einen wohlmeinenden Haltungsjournalismus, übersieht unsere Gesellschaft und insbesondere unsere Politik wesentliche Fakten:

    1. Das Dogma der Grünen „die Energiewende kann nur dezentral, lokal und vernetzt erfolgreich sein“ blendet komplett aus, dass es daneben noch einen Weg gibt, der in sich schlüssiger, konsequenter, weit günstiger sowie sowohl ökologisch, gesellschaftlich als auch klimatisch mit weit weniger negativen Folgen bzw. Risiken behaftet ist: der Import nachhaltig gewonnener, chemisch gebundener Energie. Das Schlüsselwort lautet hier Power-to-X, also die Umwandlung von Strom in transportier- und lagerfähigen und somit jederzeit nutzbaren Wasserstoff bzw. eFuels/eGas.

    2. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit tobt seit Jahren in der Fachwelt ein Streit zwischen den Lobbyisten der Windenergiebranche bzw. deren abhängige Forscher mit unabhängigen Wissenschaftlern und Forschern, z.B. von Harvard und Max-Planck, über die Folgen der Windenergie für die Erdatmosphäre. Dabei versteigen sich die erstgenannten Wissenschaftler, z.B. Prof. Jacobson von der Stanford University, in die Behauptung, selbst wenn die Menschheit ihre komplette Energie per Windenergie gewinnen würde, würde dies das globale Windsystem nur um 0,007% beeinträchtigen. Es lässt sich bilanziell leicht nachweisen, dass solche Berechnungen gleich mehrere Größenordnungen neben der Realität liegen. Bei korrekter Betrachtung erhält man eher eine Größenordnung zwischen 10% und 20% statt 0,007%.

    3. Der zweite Punkt führt zu einer Fragestellung, deren Beantwortung sich die komplette Fachwelt seit mehreren Jahren entzieht: Wird der menschgemachte Klimawandel wesentlich, evtl. sogar in großen Teilen durch einen Rückgang der terrestrischen Windgeschwindigkeit, d.h. der Windgeschwindigkeit über Land, in der Fachwelt bekannt als Stilling (s. Wikipedia), verursacht? Die wahrscheinlichste Ursache ist eine Erhöhung der Oberflächenrauigkeit der Erdoberfläche durch Bebauung, aber auch eine zunehmende Begrünung durch einen höheren CO2-Gehalt der Erdatmosphäre, der Pflanzenwachstum begünstigt. Diese Windabnahme beträgt immerhin etwa 10….15% und wirkt sich durch eine lineare Abhängigkeit zwischen Windgeschwindigkeit und Verdunstung unmittelbar auf die Energiebilanz der Erde aus. Das ist auch deswegen von besonderer Bedeutung, da die Verdünstung etwa zur Hälfte zur Nettoabkühlung der Erdoberfläche beiträgt. Es lässt sich bereits mit Grundlagenkenntnissen in Physik abschätzen, dass dieser Rückgang der Verdunstung ziemlich genau in der Größenordnung des dem CO2 zugesprochen Strahlungsantriebs liegt.

    4. Messungen der Verdunstung haben ergeben, dass diese seit Jahren abnimmt, obwohl sie eigentlich entsprechend der CO2-These zunehmen müsste: On the attribution of changing pan evaporation – Roderick – 2007 – Geophysical Research Letters – Wiley Online Library. Entsprechende Beobachtungen wurden gleich in mehreren Erdteilen gemacht.

    5. Der drei letztgenannten Punkten führen mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu, dass die Menschheit dem Klima mit wohlmeinenden, aber doch im Ganzen unverstandenen Klimaschutzmaßnahmen auf Basis der Windenergie einen Bärendienst erweist. Dieses ist unnötig, wenn man bedenkt, dass Solarenergie etwa über ein zwei Größenordnungen höheres energetisches Potenzial verglichen mit der Windenergie verfügt und die Rückwirkungen der Solarenergie auf Wetter und Klima weit geringer sind als die der Windenergie. Hinzu kommt, dass die Solarenergie oftmals überproportional in Regionen zur Verfügung steht, die dünn- bis unbesiedelt sind. Bereits 100 km x 100 km Nettosolarfläche in sonnenreichen Regionen würden genügen, den kompletten aktuellen Energiebedarf Deutschlands in Form von Strom zu erzeugen und via Power-to-X-Verfahren in chemisch gespeicherte Energie umzuwandeln und das selbst dann, wenn man die Verluste berücksichtigt. Da Solarstrom in diesen Regionen um Faktor zwei bis drei günstiger ist als Solar- und Windstrom bei uns, können selbst die energetischen Verluste sowohl ökonomisch wie energiebilanziell ausgeglichen werden.

    In einem Unternehmen für Forschung & Entwicklung Zuständige sind sich in der Regel des Umstands bewusst sein, dass ein Mehr einer falschen oder unzureichenden Lösung das Dilemma am Ende nur vergrößert. Es gibt in der Politik eindeutig zu wenige Fachleute, die zwischen richtig und falsch unterscheiden können und die über einen MINT-Hintergrund verfügen. Mir scheint, weite Teile der Politik ahnen trotzdem, dass sie sich auf einem Irrweg befinden. Deshalb ist ihr primäres Ziel, das Einräumen dieser Erkenntnis so weit in die Zukunft zu verschieben, dass dies nicht mehr in ihre aktive Zeit fällt. Dass sie dafür möglicherweise weitere Branchen, z.B. die Automobilindustrie, opfern, scheint ihnen egal zu sein. Als Familienvater bin ich nicht bereit, dieses durchsichtige Spiel mitzuspielen. Das verbietet unsere Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Dass die FfF-Generation nicht erkennt, wie übel ihr von Politik, Presse und Medien und von vielen NGOs, z.B. Greenpeace, mitgespielt wird, liegt auch an einem verrotteten deutschen Bildungssystem, das die Vermittlung von Ideologie wieder einmal über die Vermittlung von Wissen stellt. Historisch hat das noch selten ein gutes Ende genommen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr.-Ing. Roland Aßmann

    1. Sehr geehrter Herr Dr. Aßmann,
      Sie haben zwar nicht mich persönlich in Ihrem Beitrag angesprochen, jedoch möchte ich trotzdem danken für diese umfassende Erklärung, die sehr dazu beiträgt, diese komplizierten Zusammenhänge etwas besser zu durchschauen, bzw. das eigene Denken in dieser Richtung anzuschubsen.

      Herzlich,
      Michael Linsner

  5. So unterschiedlich die Themen auch sind – es gibt erschreckende Parallelen zwischen diesem Artikel der beiden Gastautoren Ahlborn/Heidsieck und dem Interview mit Prof. Bergholz. Es gibt Parallelen zwischen Coronapolitik und Energiepolitik.
    1.) Die oben Genannten sind absolute Fachleute auf ihrem Gebiet, die vor dem eingeschlagenen Weg warnen und dafür sehr gute Argumente haben.
    2.) Aufgrund ihres Renommees und ihrer Kompetenz werden sie auch jeweils zu Experten-Anhörungen nach Berlin geladen. Lt. Prof. Bergholz gab es bei seiner Befragung keine Nachfrage/Kritik vonseiten der Regierungsparteien, der Grünen und FDP, als von ihm PCR, Inzidenz, lockdown und Co in der Luft zerrissen wurden. Man hört es sich an und es wird achselzuckend zu den Akten gelegt. Gleiches geschah wohl hier. Die Kritik einer der beiden Autoren nach der Praxistauglichkeit der geplanten Energiewende wurde von Altmaier nur zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig wurde ein „Investitionsbeschleunigungsgesetz“ verabschiedet, das den eingeschlagenen Energiewenden-Weg forciert. Die Parallele ist Ignoranz und Arroganz. Augen zu und durch. Die Politik möchte nur das hören, was in ihre Agenda passt. Hier die Coronapolitik, dort die Energiepolitik.
    3.) Interessant auch die Parallelen bei der Zusammensetzung der „Expertengremien“. Energie? Kein Fachmann für Stromnetze in einem 31-köpfigen Gremium. Dafür Klimaforscher und eine Diskussion um die Frauenquote in diesem Gremium. Lächerlich. Corona? Unter den Erstellern des Strategiepapiers des BMI gab es nicht einen Epidemiologen/Virologen/Naturwissenschaftler. Seit knapp anderthalb Jahren lässt sich Merkel von Wissenschaftlern „beraten“, die den gewünschten eingeschlagenen lockdown-Weg wissenschaftlich legitimieren. Noch lächerlicher.
    4.) Die fehlende Aufmerksamkeit. Experten wie Bergholz, Heidsieck und Ahlborn finden kaum Gehör in der Öffentlichkeit. Umso wertvoller sind diese Artikel hier. Dafür danke, Herr Langemann.

  6. Verantwortliche Politik müsste auf jeden Fall die Abschaltung der letzten 5 AKW’s auf die ‚Vor-Fukishima Planung ‚ verschieben.Sofort sollten die Netzbetreiber mit dem Bau von Elektrolyseanlagen zur Produktion von grünem Wasserstoff aus dem Überschusstrom beginnen, so dass es keine Abregelungen mehr braucht.
    Am gleichen Ort am besten noch Gaskraftwerke bauen, die den Wasserstoff dann im Bedarfsfalle verfeuern.
    Einfamilienhausbesitzer bauen sich eine Eigenversorgung aus Photovoltaik, Hybridwechselrichtern und Batterien.
    Ist mit LKW Bleiakkus gar nicht so teuer.

    1. Aus Überschußstrom Wasserstoff erzeugen und dann mittels Gasturbine-Kraftwerk wieder in Strom zu verwndeln, wenn man ihn braucht, ist vom Wirkungsgrad her ein schlechter Witz. Von 100 MWh Überschußenergie bleiben etwa 20 MWh übrig. Aber der hirnrissige Gedanke ist hier ja: bevor ich den Überschußstrom verschenke oder den Handelspartrner dafür bezahle, damit er mir diesen Strom abnimmt (negative Strompreise), iste es immer noch besser ihn so umzuwandeln, dass zumindest ein kleiner Rest nutzbar bleibt.

      Bei Börseninvestments nennt man das: „Gutes Geld schlechtem Geld hinterherwerfen“.
      (eine schlechte Investition durch noch mehr Geld versuchen, in eine gute Investition umzuwandeln)

      Die Eigenversorgung eines Einfamilienhauses in der beschrieben Form, ist ein Hobby, dass sich nur reiche Bürger leisten können.
      Und rechnen tut sich diese Investition, wenn überhaupt erst nach vielen Jahren. Und auch nur, weil der Strompreis durch diese hirnverbrannte Politik immer mehr steigt und damit diese Investitionen (teils gestützt durch staatliche Förderungen=Subventionen) zu einer Einsparung führen.

      Wir haben durch diese Politik inzwischen die höchsten Strompreise der Welt und die höchste Steuer- und Abgabenlast der Welt!
      Danke Frau Merkel, Danke CDU!

  7. Was zu dem Problem der stark schwankenden Leistungen der Wind und Solaranlagen noch dazu kommt, die kalorischen Kraftwerke müssen das puffern. Das bedeutet wenn Wind geht, müssen die kalorischen Kraftwerke in den Standby, denn abschalten und wieder einschalten ist nicht bei so einem Kraftwerk, das muss weiter beheizt werden, wenn der Wind wieder weg ist soll ja schnell wieder Strom geliefert werden. Sprich trotz 100% Netzabdeckung mit erneuerbarer Energie, verbrauchen die Kalorischen Brennstoff. Pump-Speicherkraftwerke wie bei uns in Österreich sind da auch keine Lösung, die liefern zwar Spitzenstrom, damit können aber nur kurze Schwankungen ausgeglichen werden und dazu braucht man viele hohe Berge. Zur Ergänzung: Atomkraftwerke und Flusskraftwerke liefern Grundlaststrom, also immer die gleiche Energie, da is nix mit Standby.
    Also die Erneuerbaren sind schon gut um fossile Brennstoffe zu sparen, aber ohne schnell reagierende Gas oder Kohle geht es nicht.

    1. Kernkraftwerke sind sehr gut und schnell regelbar und tun das inzwischen auch. Leider werden die letzen Kernkraftwerke Ende 2022 in Deutschland aus rein politischen Gründen abgeschaltet. Ansonsten volle Zustimmung!

    1. Die Lösung ist relativ einfach: Es braucht genügend grundlastfähige Kraftwerke.

      Ich habe beruflich oft mit Betreibern von Biogas-Anlagen zu tun. In diesen Anlagen wird aus nachwachsenden Rohstoffen oder aus Abfällen entweder Strom und Wärme erzeugt oder das Biogas wird aufbereitet und als Erdgas-Ersatz ins Netz eingespeist. Die Bedeutung dieser Technik für eine sichere und effiziente Energieversorgung kann wegen der sehr guten Steuerungsfähigkeit kaum wegdiskutiert werden.

      Jeder, der eine solche Anlage betreibt, verdient angesichts der unzähligen und immer weiter zunehmenden bürokratischen Erschwernisse meine volle Bewunderung. Diese Erschwernisse lassen die Vermutung zu, dass die ca. 9.000 in Deutschland in Betrieb befindlichen Biogas-Anlagen die Luftverschmutzer der Nation sind, denen im wahrsten Sinn des Wortes das Gas abgedreht werden muß, was auch zunehmend geschieht.

      Mein Verdacht seit vielen Jahren ist, dass grundlastfähige Kraftwerke systematisch abgebaut werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt… Die Parallelen mit der aktuellen Corona-Politik sind in der Tat erschreckend.

      Dieser Artikel hat meinen Verdacht mit Fakten gefüttert. Ein herzliches Danke den Autoren und Hr. Langemann für’s Veröffentlichen!

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